Mensch, Schaf & Natur sind eins

Ralf Fleischmann liebt die Hüthaltung seiner Schafherde Kurz nach Sonnenaufgang, gegen fünf Uhr morgens beginnt sein Tag. Schäfer Ralf Fleischman aus Roth macht sich gemeinsam mit seinen Altdeutschen Hütehunden Pia und Nero auf den Weg zu seinen wolligen Vierbeinern. Heute hat seine Herde die Nacht in ihrem Pferch auf den sanften Hügeln bei Erlbach verbracht und wartet bei seiner Ankunft schon sehnsüchtig auf das Erreichen der nächsten Weidegründe. Die Schafe verlassen sich darauf, dass ihr Hirte nahrhafte Weiden findet, sie gefahrlos führt und bei Verletzungen hilft. Für Ralf Fleischmann sind seine Schafe zum Lebensinhalt geworden. „Wenn Du einmal Schafe hast, dann kommst du nicht mehr weg von ihnen“, beschreibt der 28-Jährige seine Leidenschaft als Vollerwerbsschäfer. Angefangen hat alles mit einem großen Schäfer aus der Rother Region, den schon sein Großvater so gerne begleitet hat. Immer wieder gab es kleine Lämmer, die vom Muttertier nicht versorgt werden konnten. „Mein Großvater nahm sie mit nach Hause und zog sie mit der Flasche groß“, erzählt er weiter. Irgendwann entschied sich die Familie, ein paar „Flaschenkinder“ zu behalten, um sie zur Pflege der Streuobstwiesen ihres landwirtschaftlichen Betriebes einzusetzen. Auch Vater Klaus teilte die Leidenschaft der Schafhaltung. Aus den anfänglich zehn Mutterschafen wurden 120 Tiere im Nebenerwerb, die heute Vater Klaus und Sohn Ralf Fleischmann mit Liebe hüten. Seit vier Jahren sind sie Vollerwerbshirten mit 750 Merino- bzw. Schwarzkopfschafen und ca. 35 Ziegen. „Die Ziegen fressen im Gegensatz zu den Schafskolleginnen mit Vorliebe Büsche wie Weißdorn, Schlehen und Wacholder, wodurch eine Überwucherung auf den Magerwiesen verhindert wird. Nutzen und Geschichte der Schäferei Die Weideflächen sind geschützte Biotope, die ohne die Beweidung durch Schafe verbuschen würden. Denn sie fressen selektiv. Was stachelt, bitter oder giftig ist, wird stehengelassen. So kann Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Insekten entstehen, den es sonst nicht mehr geben würde. Der Naturpark Frankenhöhe gehört zu den artenreichsten Lebensräumen in Mitteleuropa. Magerwiesen sind besonders nährstoffarme Grünflächen, die wenig Ertrag bringen. Wanderschäfer wie Ralf Fleischmann sorgen für die Pflege dieser Naturschutzgebiete und tragen maßgeblich zu ihrem Erhalt bei. Eine Vielzahl an wilden Orchideen, Disteln, Enzian und Thymian finden hier einen nachhaltigen Lebensraum. Genau genommen begann das Zusammenleben von Schaf und Menschen vor über 10 000 Jahren. Aus der griechisch-römischen Kultur kennt man das Bild des Hirten mit dem Lamm; auch Jesus Christus wird als Hirte dargestellt. Den Schafen verdankt der Mensch Bräuche, Traditionen und Feste wie z. B. den historischen Schäfertanz in Rothenburg. Das Nutztier Schaf lieferte seit jeher Fleisch, Wolle, Milch, Häute und wird heute auch als Dünger in Form von Schafwollpellets verwendet. „Clemens Nähr nutzt sie zur biologischen Düngung der Schaubaumschule in Neusitz“, sagt der ehemalige Metallbauer Ralf Fleischmann. Aus dem Wollfett wird natürliches Lanolin für Kosmetika gewonnen und zur Imprägnierung von Outdoor-Kleidung genutzt. Die Rohwolle dient heute zunehmend als Dämmmaterial für Häuser. Kulturerbe Schäferei Seit 2020 ist die süddeutsche Wander- und Hüteschäferei im bundesweiten Verzeichnis des Unesco-Kulturerbes zu finden, das es zu schützen gilt. Deshalb setzen sich Regionalverbände für den Erhalt der so wichtigen Landschaftspflege ein. „Vor ca. vier Jahren wurden wir mit dem Bau eines Winterquartieres in Eichholz bei Leutershausen für unsere Tiere unterstützt“, erzählt Ralf Fleischmann. Ab November bis zum Jahresbeginn leben die Tiere in diesem Stall, der in zwei Bereiche unterteilt ist. Ein Futterbereich, der mit Futterbändern von 35 Metern Länge mit genfreier Gerste, Grassilage, Kraftfutter wie Mais und Mineralsalzen automatisch befüllt wird. Die andere Seite ist der Liegebereich mit sogenanntem Festmist, der über die Wintermonate immer wieder mit Stroh aufgefüllt und jetzt im August ausgemistet und als Dung auf die Felder gebracht wird. Zwischen Januar und Oktober ziehen die Fleischmanns, mal Vater, mal Sohn mit ihrer über 800-köpfigen Herde von Kühberg bei Gerstenfelden nach Kirnberg über Neusitz nach Schweinsdorf. Ende Februar bis Anfang März werden die treuen Gesellen geschoren und die Wolle verkauft. Langweilig wird so ein Tag nie. Gestützt auf seinen Hirtenstab beobachtet Ralf Fleischmann ständig seine „Mitarbeiterinnen“. Durch die trockenen Böden entstehen Unebenheiten und...

Ein Paradies für Mollige

Irene Sieber setzt in ihrem Laden „Bella Figura“ auf Farbe „Ich bin eine ganz Bunte“, sagt Irene Sieber strahlend. Sehr schick sieht sie aus in ihrem perfekt aufeinander abgestimmten Outfit in strahlend blauen Tönen. Nichts kneift und zwickt, der fein fließende Stoffe umhüllt sie makellos. Sie sprudelt vor Energie. „Ich war immer die Kleinste und Rundeste, aber auch die Fröhlichste“, erzählt sie. Seit 33 Jahren hat sie in Rothenburg ihren eigenen Modeladen „Bella Figura“, ein Paradies für Mollige. Fernab von Modelmaßen gibt es hier, was das Modeherz begehrt – und zwar in den schönsten Farben. Irene Sieber hat aber nicht nur schicke Mode von Größe 42 bis 60 in ihrem Laden. Sie hat auch eine Botschaft. „Ich möchte, dass die Frauen glücklich aus meinem Laden gehen“, sagt sie mit durchaus ernstem Nachdruck. Sie ist eine warmherzige Frau. Mit jedem Kleidungsstück gibt sie ihren Kundinnen auch eine Portion Selbstbewusstsein mit auf den Weg. Sie hat die Gabe, sich auf Menschen einstellen zu können. „Und dafür bin ich sehr dankbar“, meint sie. Irene Sieber kam dereinst auf Umwegen zu ihrem Traumjob. Sie hat Bürokauffrau in der Landwehrbräu in Reichelshofen gelernt, dann bei der Firma Wohlfahrt im Bereich Messen und Weihnachtsmärkte gearbeitet. „Ich war immer rund und vor 35 Jahren gab es für mich nur Kleidung in Schwarz, Braun oder Blau“, erinnert sie sich. Ein Zustand, der geändert werden musste. Mit einer Freundin durchstöbert sie die Läden in München. Auch da gab es nichts Flottes. „Also haben wir beschlossen, eine von uns macht einen Laden auf“, erzählt sie schmunzelnd. Ein mutiger Start Irene Sieber ist dann erst mal zu einer Messe für Umstandsmoden nach Paris gefahren und zu einer weiteren nach München. Dort fand sie einen Hersteller für lebensfrohe Mode in großen Größen. Im August 1988 hat sie ihre erste Ware bestellt, die im Frühjahr 1989 geliefert wurde. „Aber ein Ladengeschäft hatte ich noch nicht“, erzählt Irene Sieber. Tatkräftig wie sie ist, fand sich auch dafür die passende Lösung. Ihre Eltern hatten früher eine Metzgerei im Stadtgraben und die Räumlichkeiten standen zur Verfügung. Sie hat Geld in die Hand genommen, den Laden renoviert und am 11. März 1989 eröffnet. „Das Schaufenster habe ich pink, lila und grün dekoriert“, erinnert sie sich und fügt an: „Das hat die Menschen überfordert.“ Der Erfolg mit dem eigenen Laden ließ auf sich warten. Die ersten Jahre waren hart, aber Irene Sieber hat an ihrem Konzept festgehalten. „Rom wurde ja auch nicht an einem Tag erbaut“, sagt sie mit ihrem unerschütterlichen Humor. Nach sieben Jahren lief es dann richtig gut. Die Kunden blieben ihr nicht nur treu, sondern haben sie weiterempfohlen. „Das ist auch heute noch meine beste Werbung“, weiß sie. Im Jahr 2001 wurde sie vom mittelfränkischen Einzelhandelsverband als Unternehmerin des Jahres ausgezeichnet. 2004 ist sie in neue Räumlichkeiten umgezogen. Ihre farbenfrohe Mode in großen Größen ist seitdem am Eckhaus in der Rödergasse, nahe dem Röderturm, zu finden. Irene Sieber kam als Seiteneinsteiger in die Modebranche. Mit diversen Weiterbildungen und Messebesuchen hat sie sich das nötige Fachwissen über Farben, Materialien und Schnitte angeeignet. Die Mode für Mollige muss passgenau sein und verlangt eine perfekte Schnittführung. Irene Sieber hat daher handverlesene Partner, die nicht normale Konfektionsmode einfach größer schneidern, sondern Modelle entwickeln, die auf die besonderen körperlichen Anforderungen der Frauen zugeschnitten sind. Wichtig ist ihr, dass die Kleidung in Deutschland bzw. der EU produziert wird. Auch ein Fair-Trade-Label für große Größen gehört zu ihren Partnern. Ganz neu sind farbenfrohe Modelle der Marke „Mohnmädchen“. Irene Sieber ist selbst begeistert. „Designt wird in Paris und gefertigt in Italien“, erklärt sie und streift über den seidenweichen Stoff. Einer der Renner bei „Bella Figura“ ist die Schlankmacherhose, die es in über 50 Farben gibt. „Da braucht man gleich zwei Größen kleiner“, sagt sie begeistert. Irene Sieber berät ihre Kundinnen feinfühlig. Kurven sind hier willkommen und müssen nicht versteckt, sondern nur gut in Szene gesetzt werden. Seit Neuestem bietet sie auf Voranmeldung...

Erlesenes am Markusturm

Früchte & Feinkost Endreß: das letzte Geschäft seiner Art in Rothenburg Morgens um vier Uhr klingelt bei Familie Endreß der Wecker. Da heißt es, die frischen Waren wie Obst, Gemüse und Blumenlieferungen für ihr Lebensmittelgeschäft „Früchte & Feinkost Endreß“ entgegenzunehmen. „Angefangen hat mein Großvater Hans Endreß mit dem Kauf des Hauses in der Rödergasse 6 in Rothenburg“, erzählt der heutige Inhaber Klaus Endreß. Im Parterre eröffneten seine Großeltern Hans und Katharina einen Obst- und Gemüseladen. Noch heute dient das Obergeschoss als Wohnraum und Pension. Damals vor 84 Jahren wurde morgens um zwei Uhr der dreirädrige Hanomag angeworfen und ab ging es zum Großmarkt nach Würzburg, wo sich täglich alle Einzelhändler aus der Region mit frischen Lebensmitteln und Blumen eingedeckt haben. Wenn die Ernte anstand, tuckerten die beiden sogar bis zum Bodensee, um frische Äpfel für den Laden einzukaufen. So ist es auch heute noch. Kein Weg ist zu weit, keine Mühe wird gescheut, um die kleinen aber feinen Wünsche der Kunden zu erfüllen. Der Vater des heutigen Inhabers Erich Endreß übernahm wie selbstverständlich das Geschäft seiner Eltern Hans und Katharina. „Am wichtigsten sind die Wünsche unserer Rothenburger Stammkunden“, war immer seine Devise. Mit einem kleinen Handkarren werden heute noch Bestellungen zu den Bewohnern der Stadt ausgefahren. Zusammenhalt der Familie Heute steht der 83-Jährige immer noch im Geschäft und hilft, wo er kann. Im Jahr 1989 gab es große Renovierungsarbeiten am Gebäude. Als Erich Endreß merkte, dass er sich auf seine Kinder verlassen kann, nahm er noch einmal Umbauten vor. „Wir haben unserem Vater viel zu verdanken“, sagen seine Kinder Heike und Klaus Endreß. Sie waren von Kindesbeinen an im Laden mit dabei. Beide teilten die Leidenschaft ihrer Eltern und Großeltern. Eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann bzw. Kauffrau in Ansbach war die logische Konsequenz. Klaus Endreß machte zusätzlich seinen Handelsfachwirt, um seinen fachlichen Horizont in Sachen Buchführung und Marketing zu erweitern. „Je älter man wird, desto interessierter wird man“, ist seine Erfahrung. Als Auszubildender mit 16 Jahren hat man seiner Meinung nach dafür noch keinen Sinn. Anfangs gab es nur Obst und Gemüse. Später kam in jeder der drei Generationen etwas hinzu. „Mein Opa Hans hat zum Ärger meiner Oma irgendwann Blumen mit ins Sortiment aufgenommen“, erzählt Klaus Endreß. Denn Blumen könnten den Rothenburger Gärtnern ja Konkurrenz machen. Eine Untugend zur damaligen Zeit. In den 80er Jahren nahm Klaus Endreß Spielzeug als neue Produktlinie auf. Dabei dachte er an kleine Geschäfte, in denen man neben den Blumen für die Damen auch etwas für das „Kind im Manne“ zu bieten hat, wie eine neue Lok oder einen Wagen für die Märklineisenbahn. Modellautos von der fränkischen Firma Herpa, Preiser Figuren oder ein neues Teil für die Fallerbahn sollten das Angebot noch vervollständigen. So ein buntes Sortiment lädt die Menschen zum Schauen und Verweilen ein. Sie bummeln oft zwei bis drei Mal durch den Laden und dann erst kaufen sie etwas. Das ist für den Kaufmann kein Problem. Auch wenn Kunden kommen, die nur mal das Mehl vergessen haben, stört die Familie Endreß nicht. Eigentlich heißt das Familienunternehmen ja „Feinkost & Früchte Endreß“. Neben allem, was man für den täglichen Bedarf braucht, hat sich Heike Endreß eher auf Gaumenfreuden konzentriert. Sie kocht selber sehr gerne. Gerade in Coronazeiten kamen oft Kunden, die sich bei ihr einen guten Rat zum selber kochen geholt haben. Deshalb liegt es nahe, dass sie ihren Fokus eher auf fränkische Feinkost ausgerichtet hat. Traditionell gab es schon immer frische Kräuter, selbst geriebenen Meerrettich und fränkische Metzger-Spezialitäten aus der Region. Vierzig bis fünfzig ausgewählte Käsesorten, ebenso viele fränkische Weine, das sind die Besonderheiten, die dem Namen „Feinkost & Früchte Endreß“ gerecht werden. „Bei uns kann man sich Zeit nehmen zum Probieren, um die richtige Auswahl zu treffen“, betont der Inhaber. Wer in den Laden kommt, kann sich entspannt umschauen und den Alltag ein wenig entschleunigen. Was Heike Endreß auch auf dem Herzen hat, ist der Genuss einer feinen Schokolade, die ein gutes...

Lösungen zum Wohlfühlen

Feng-Shui-Beraterin Heike Meißner: Uraltes Wissen im modernen Kontext Im Hintergrund sind aufgeschnittene Stämme, große Maschinen und eine Arbeitshalle zu sehen. Heike Meißner hat mit Blick auf das Familienunternehmen einen Kompass, Farbfächer, Wünschelrute, getrocknete Kräuter oder Blüten und Fachliteratur auf dem Tisch ausgebreitet. Sie ist Feng-Shui-Beraterin. Gemeinsam mit ihrem Mann Reiner Meißner führt sie die Schreinerei im hochwertigen Möbelausbau in Schweinsdorf. „Feng-Shui brannte uns schon immer auf der Seele und 2015 habe ich dann beschlossen, ich mach’ das jetzt“, erzählt sie. Heike Meißner hat in Würzburg die einjährige Ausbildung zur Feng-Shui-Beraterin gemacht. Ihr Wissen und die Wünsche so mancher Kunden an die Schreinerei fügen sich seitdem perfekt zusammen. Wege zu gutem Schlaf Viele entdecken Feng-Shui, wenn sie ein Problem haben. An erster Stelle steht schlechter Schlaf, weiß Meißner. „Schlafen ist essenziell und die Grundlage des Wohlfühlens“, erklärt sie. Auch wenn die Schreinerei schon seit vielen Jahren besondere Schlafsysteme im Portfolio hat, war für Heike Meißner bereits vor ihrer Ausbildung klar, für eine ungestörte Nachtruhe braucht es mehr. „Feng-Shui ist ein Wegweiser, um Dinge zu betrachten“, sagt Meißner. Geht es im Speziellen um die Auslotung von Schlafproblemen, erfasst sie die Rahmenbedingungen und bietet Lösungen an, die Abhilfe schaffen können. Das Handwerkszeug der Feng-Shui-Beraterin umfasst dabei konkrete Methoden. Dazu gehören unter anderem die Kompassmessung, das Ausloten von Wasseradern, die Betrachtung von Gitterstrukturen und die Farben- und Formenlehre. „Ich mache immer eine Kompassmessung“, sagt die Beraterin. Die Messung mit dem Spezialgerät liefert die Basisdaten für eine korrekte Feng-Shui-Analyse. Je nach Anforderungen kann das für ein Grundstück, das Haus oder einzelne Zimmer gemacht werden. Das traditionsreiche Wissen von Feng-Shui, das in China seine Wurzeln hat und dort ganz selbstverständlich im Alltag verankert ist, ist in der von Rationalität geprägten westlichen Hemisphäre etwas in Vergessenheit geraten. Heike Meißner gibt aber zu bedenken, dass es schon bei den Urvölkern ganz normal war, einen Schlafplatz nach Gegebenheiten wie einem sicheren Fels oder Baum im Rücken auszusuchen. In China sei es auch üblich, Geschäftsräume nach Feng-Shui einzurichten. „Für den wirtschaftlichen Erfolg ist es sehr wichtig, wo die Kasse steht“, sagt sie mit Humor. Heike Meißner verfügt über ein fundiertes Wissen, das sie mit zahlreichen Fortbildungen weiter entwickelt hat. Sie verbindet mit eigener Handschrift das tradierte Wissen aus Asien und die modernen Wünschen des Westens. Das oberste Ziel dabei ist, dass sich der Mensch wohlfühlt. In der Praxis startet die Arbeit der Feng-Shui-Beraterin am Schreibtisch. Nach dem Erstkontakt lässt sie sich gerne einen Grundriss des Hauses schicken und lotet die geografischen Rahmenbedingungen über Google Earth aus. Darauf folgt ein Termin vor Ort. An den dort gedeihenden Bäumen und Pflanzen kann sie erste Infos zur Erdstrahlung erkennen. Je nach Problem bzw. Anforderung erfolgen dann die detaillierten Messungen. Nach der Analyse erhalten die Kunden Möglichkeiten und Vorschläge, wie sie ihr Umfeld besser gestalten können. Zur Ausbildung einer Feng-Shui-Beraterin gehört auch das Rutengehen. Liegt beispielsweise der Schlafplatz auf einer Wasserader, kann das zu Problemen führen. „Rutengehen ist definitiv mein Ding“, stellt Heike Meißner fest. Sie sieht darin auch gar nichts esoterisch Exaltiertes. Das kann jeder, ist ihre Einstellung. „Man muss nur den Kopf ausschalten und sich auf sein Gefühl einlassen“, erklärt sie. Die Rute ist dabei für sie ein ganz unspektakuläres Werkzeug. Wichtig bei der Vermessung sind neben den Wasseradern auch Gitternetze. Meißner erzählt von Hartmanngitter, Benkergitter oder Currynetzen, die sich energetisch über die ganze Erdkugel spannen. „Steht ein Bett auf einer Kreuzung der Gitterlinien, wird es schwierig“, erklärt sie. In die Möglichkeiten von Feng-Shui kann man unterschiedlich tief einsteigen. Manche Menschen wollen schon vor dem Bau eines Hauses eine Analyse des Bauplatzes, andere suchen nur den richtigen Platz in einem Raum, um zur Ruhe zu kommen. „Manchmal betrete ich ein Zimmer und sehe sofort, wo man mit kleinen Veränderungen viel bewirken kann“, erklärt Heike Meißner. Gerade mit Farben, den passenden Bildern oder Vorhängen kann die Harmonie, letztendlich das wichtigste Ziel, wieder hergestellt werden. Die Energie folgt immer der Aufmerksamkeit – ein...

Leben wie Du und ich

„Diakoneo“: Werkstatt für Menschen mit Behinderung in Rothenburg Es ist ein strahlend sonniger Nachmittag in Rothenburg. Ein Arbeitstag wie jeder andere. Mitten im Industriegebiet in der Erlbacherstraße 109 liegt das einstöckige Gebäude der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) „Diakoneo“. Bienenfreundliche Grünflächen und ein Außensitzbereich umrahmen die Arbeitsstätte von Menschen mit Behinderung. Seit 2008 gibt es sie in Rothenburg, die Zweigstelle der „Diakoneo“-Werkstatt Obernzenn, in der Menschen mit Lernschwierigkeiten oder mit körperlichen Beeinträchtigungen eine berufliche Perspektive bekommen können. An beiden Standorten sind 110 Beschäftigte aktiv. Morgens aufstehen und zur Arbeit gehen, eigenes Geld verdienen und Freude am Leben haben, das wünscht sich jeder Mensch. Die „Diakoneo“-Werkstatt ist ein solcher Ort, der es Menschen mit Handicap ermöglicht, eine ganz normale Arbeits- und Tagesstruktur zu erlangen. Ob in der Metallverarbeitung, in der Verpackungsindustrie, bei der Textilveredelung oder im sogenannten „Green Team“, hier finden die Mitarbeiter Aufgaben, die zu ihnen passen und Freude machen. Dabei entstehen in der Stickerei personalisierte Hundehalstücher in vier Größen, fünf Farben und zwei verschiedenen Schriftarten in gold oder rosé. Auch Firmen- oder Vereinsbekleidung können mit Text und Logo bedruckt oder bestickt werden, je nach Kundenwunsch. Auch Einzelaufträge als Geschenk für die Oma sind hier kein Problem. „Die eigentliche Herausforderung bei der Arbeit mit unseren Menschen ist Fähigkeiten und Talente zu finden und zu fördern“, so Willi Ulm, Leiter der Arbeits- und Tagesstruktur (ATS) der „Diakoneo“. Dabei beruft er sich auf das Wirtschafts- und Wahlrecht eines jeden Menschen. Helle Räume, modernste Maschinen und sozial kompetente Betreuer ermöglichen behinderten Menschen mit neuester Technik umzugehen und produktiv zu sein wie jeder andere auch. Gelebte Inklusion Die Werkstätten sind nur die Vorbereitung auf den freien Arbeitsmarkt. Genau das ist das Spezialgebiet von „Diakoneo“-Mitarbeiter Maximilian Schmidt. Er kümmert sich um Praktika und Außenarbeitsplätze. Sind individuelle Stärken und der Arbeitsbereich erst einmal gefunden, kann es losgehen. „Jetzt geht es um die Integration unserer behinderten Mitarbeiter in der öffentlichen Arbeitswelt“, erklärt der Sozialpädagoge mit Masterabschluss. Die Firmeninhaber sind anfangs skeptisch und haben das Gefühl, besonders auf Menschen mit Behinderungen achten zu müssen. Aber wenn sie sich einmal darauf eingelassen haben, merken sie die positive Wirkung auf das allgemeine Arbeitsklima, so die Erfahrung der „Diakoneo“-Mitarbeiter. „Unsere Menschen haben eine hohe Arbeitsmotivation, sind fast nie krank, wollen kaum Urlaub und sind sehr verantwortungsbewusst. Eigenschaften, die sich jeder Arbeitgeber nur wünschen kann“, beschreibt Willi Ulm die Grundeinstellung seiner Werkstatt-Mitarbeiter mit Handicap. Arbeitskollegen ohne Beeinträchtigungen wollen dem natürlich in Nichts nachstehen. „Ziel der Zukunft ist es, ein Netzwerk von Arbeitgebern aufzubauen, die offen sind für die Einstellung unserer Arbeitnehmer“, so Stefanie Zeisel, Abteilungs- und Gruppenleiterin. Auch in wirtschaftlich-logistischer Hinsicht ist für Firmen die Schaffung von Arbeitsplätzen gerade bei Aufträgen mit kleiner Stückzahl interessant. Es lohnt sich kaum, Container mit Arbeitsmaterial für geringe Stückzahlen in die „Diakoneo“-Werstätten zu fahren und sie kurz darauf wieder abzuholen. Neben der Arbeit gehört aber auch die Wohnraum- und Freizeitgestaltung dazu. Barrierefreie Wohnbereiche für Arbeitnehmer in Rothenburg sind offen für Erwachsene mit vorwiegend geistiger und bzw. oder mehrfacher Behinderung. Hier wird auch die Freizeitgestaltung groß geschrieben. Bildungangebote, Urlaubsreisen, sportliche und musische Aktivitäten, aber auch therapeutische Angebote werden organisiert. Die inklusive Theatergruppe „Schau mer X“, die eigene Stücke produziert, mit anderen Ensembles kooperiert und in der fränkischen Mundart-Theaterszene aktiv ist, gehört auch dazu. Für Sportskanonen gibt es die Möglichkeit, bei den Special-Olympics-Sportgruppen mit Basketball, Schwimmen oder Tischtennis aktiv zu werden, die an Veranstaltungen auf Bezirks-, Landes- und Bundesebene teilnehmen. Die „Offene Hilfe“ (nicht nur in Rothenburg) richtet sich an Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren. Sie organisieren Fahrdienste, Schulbegleitung und professionelle Beratung im Hinblick auf Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten, sozialrechtliche Fragen oder Fragen zur Pflegeversicherung. Im Vordergrund der Unterstützung stehen Selbstbestimmung und Inklusion. Führerscheinprojekt „Was meines Wissens einzigartig ist in mittelfränkischen Behindertenwerkstätten, ist die Zusammenarbeit mit örtlichen Fahrschulen, um den Betreuten die Möglichkeit zu geben, Führerscheine für Gabelstapler, Bulldogs oder gar LKWs zu machen“, so Ulmer und verweist auf die dann bessere Vermittelbarkeit von Menschen mit Behinderungen auf...

Kulinarische Auszeit

Der Biergarten am Hotel Reichsküchenmeister hat eine lange Tradition Im Herzen Rothenburgs mit direktem Blick auf die St.-Jakobs-Kirche lässt sich die Gunst der Stunde wunderbar nutzen. Beschattet von alten Bäumen hat das Hotel Reichsküchenmeister den vielleicht schönsten Biergarten innerhalb der Altstadt. Seit etwa 100 Jahren erleben Einheimische und Gäste hier eine entspannte Auszeit. In dieser Saison ist es besonders schön, denn die Terrasse erstrahlt in neuem Glanz. Corinna und Christoph Rother halten in der fünften Generation an der Familientradition fest, kontinuierlich in das Unternehmen zu investieren und den Standard zu erhalten. Ab Februar bis Ostern kam heuer der Biergarten an die Reihe. Seit 1919 ist das Hotel in Familienhand, ursprünglich als Café mit eigener Konditorei eröffnet. „Wo heute unsere Terrasse ist, war damals ein Gemüsegarten“, erinnert sich Corinna Rother an die Erzählungen ihrer Großmutter. Die großen Bäume, eine Kastanie und zwei Linden, wurden damals gepflanzt. Corinna Rother weiß auch von Überlegungen, die Bäume zu fällen. „Aber da hat sich meine Urgroßmutter schon durchgesetzt“, erzählt sie. Die drei Bäume wurden daher bei der aktuellen Erneuerung des etwa 65 Jahre alten Terrassenbelags besonders liebevoll behandelt. Eingeschalt und gut gesichert hat eine Gartenbaufirma den in die Jahre gekommenen Belag entfernt. Zum Schutz und zur Bewässerung der Bäume wurde ein 2,5 Kubikmeter großes Wasserauffangbecken in den Untergrund eingebaut. Als neuen Belag haben sich die Rothers für Muschelkalkplatten entschieden. Zusätzlich wurde der Seiteneingang zum Garten behindertenfreundlich und gut zugänglich für Kinderwagen und Rollatoren ausgebaut. Für die neue Beschattung mit dezenten Schirmen, die abends illuminiert werden können, mussten eigene Fundamente angelegt werden. Wird in der Rothenburger Altstadt gegraben, werden die Arbeiten von Archäologen begleitet. „Wir haben dann auch historische Fundamente gefunden“, so Christoph Rother. In Bereichen der heutigen Terrasse stand ab 1411 die Michaelskapelle, die Anfang des 19. Jahrhunderts abgebrochen wurde. Die Renovierung des Biergartens, der eigentlich eher ein Gartenrestaurant ist, da die gleiche Speisenauswahl wie im Restaurant angeboten wird, war aber nicht das einzige „Winterprojekt“ des Familienunternehmens. Im angeschlossenen Gästehaus Viktoria wurden neun Bäder komplett erneuert und haben nun alle ebenerdige Duschen. Dazu wurde die Hälfte der Wasser- und Heizungsleitungen im Gebäude ausgetauscht. „Ich kann mich an kein Jahr erinnern, wo in den Wintermonaten nicht die Handwerker bei uns im Haus waren“, erzählt Barbara Niedner, die Mutter von Corinna Rother....