Gemüse vom Beet

Der Hofverkauf „Biobeet“ Am nördlichen Stadtrand von Rothenburg, im Gattenhofer Weg Richtung Stäffeleinsbrunnen, tut sich was: Montag, Mittwoch und Freitag steht ein Schild am Straßenrand, das auf einen Gemüse-Direktverkauf hinweist. Gleich hinter der Maschinenhalle der Familie Baumann, ein alteingesessener landwirtschaftlicher Betrieb, hat Sebastian Baumann im Frühjahr zwei große Gewächshäuser gebaut. Knackige Tomaten, Paprika, Zucchini, Auberginen und mehr wachsen darin und werden vom Beet weg an die Kunden verkauft. Vor zweieinhalb Jahren hat Sebastian Baumann den Familienbetrieb übernommen. Nach seiner Ausbildung hat er an der Technikerschule und Höheren Landbauschule Triesdorf noch den Agrartechniker gemacht. Er brennt für seinen Beruf und hat sich schon lange überlegt, wie er den Familienbetrieb zukunftsfähig ausrichten kann. Neben dem Ackerbau wollte er auf Direktvermarktung setzen. „Meine Philosophie ist es, die Stadtnähe zu nutzen“, so Baumann. Also hat er 2021 begonnen, Gemüse anzubauen und nebenbei Gemüsekisten im kleinen Stil angeboten. „Ich wollte das langsam angehen“, so der Landwirt. Das lief gut an und er ging mit dem Bau der Gewächshäuser einen Schritt weiter. Seit dieser Saison gibt es den Direktverkauf am Montag und Mittwoch, von 14.30 bis 18 Uhr, und am Freitag, von 10 bis 14.30 Uhr. Teresa Baumann, die alles rund um den Verkauf organisiert, präsentiert das Gemüse in einzelnen grünen Kisten. Tomaten, Karotten, Kartoffeln, Zucchini, Paprika oder Zwiebeln liegen knackig frisch bereit. Vor wenigen Stunden waren sie noch im Beet. Angeschlossen an die Gewächshäuser wächst auf etwa 1,5 ha Ackerfläche das Gemüse im Freiland. Sebastian Baumann ist aktuell dabei seinen Betrieb auf Bio umzustellen. Das Gemüse produziert er als Umstellungsware schon nach Biorichtlinien, muss aber eine zweijährige Frist einhalten, um das offizielle Zertifikat nutzen zu können. „Das ist viel Handarbeit“, erklärt er. Das Unkraut wird teilweise mit der Hacke oder sogar per Hand entfernt. Geerntet wird grundsätzlich per Hand....

Kluge Entscheidungen

Das Modehaus Haller besteht seit 140 Jahren „Man muss im Fluss der Veränderung immer mitschwimmen und sich konzeptionell anpassen“, sagt Heidi Treiber. Seit fast 30 Jahren führt sie die Geschäfte des Textil- und Modehauses Haller in Rothenburg. In den 1980er-Jahren schloss sie ihre Ausbildung an der Fachakademie für Textil in Nagold mit einer Arbeit ab, bei der sie die Geschäftsüberschneidungen Rothenburger Firmen zu ihrem Familienunternehmen unter die Lupe nahm. „Damals hatten mehr als 30 Geschäfte in der Altstadt ähnliche Artikel im Sortiment“, so Treiber. Übrig geblieben ist davon kaum einer. Als Hermann Süßmann, gelernter Strumpfwirker, im Jahr 1882 ein Wollwarengeschäft in der Hafengasse gründete, hat er wahrscheinlich auch nicht mit einer 140 Jahre währenden Familientradition gerechnet. Seine ersten Geschäfte hat er in genau dem Haus gemacht, das noch heute der zentrale Firmensitz ist und mit „haller‘s drunter & drüber“ zwei von drei Schwerpunkten setzt. Heidi Treiber hat zum Jubiläum in den Familienalben geblättert und echte Schätze entdeckt. Auch wenn die Familien Süßmann, Haller, Rohweder und Treiber stets die neue Zeit und ihre Anforderungen im Blick hatten, haben sie dennoch die Tradition geschätzt und bewahrt. Auf alten Fotos aus dem Jahr 1910 sieht man ihre Großmutter Babette neben der Ladentüre stehen. Ein anderes Bild zeigt Heidi Treibers Mutter an einem kleinen Holzschreibtisch, der heute im „drüber“ in die Dekoration einbezogen ist. Und auf manchen Fotos ist Treiber selbst zu sehen: als Kind mit kurzem, frechem Haarschnitt. „Der Laden war mein Spielzimmer“, erinnert sie sich. Eine Verbundenheit, die auf bodenständige Art verpflichtet. Familiärer Zusammenhalt Dabei war der Erfolg kein Selbstläufer, sondern oftmals mit „Durchbeißen“ verbunden. Schon die Witwe des Gründers Süßmann führte nach dessen Tod 1912 das Geschäft mit den Töchtern weiter. Babette Süßmann heiratete dann den Erlangener Textilkaufmann Hans Haller, dessen Name noch heute das Unternehmen prägt. Nachdem beim Bombenangriff im März 1945 das komplette Haus abgebrannt war, entschied er sich 1949/50 zum Wiederaufbau. Heidi Treibers Mutter Else hatte damals einen anderen Weg eingeschlagen: Nach dem Abitur hat sie Pharmazie studiert und arbeitete in einer Rothenburger Apotheke. „Mein Großvater hat den Aufbau des Hauses davon abhängig gemacht, dass meine Mutter das Geschäft übernahm“, erzählt Treiber. Trotz anderer Intention ist Else Haller dann 1950 mit 27 Jahren in das Familienunternehmen eingestiegen. Nach dem Wiederaufbau der Hafengasse 7 folgte 1957 dann auch der Aufbau des angrenzenden Hauses. Heidi Treiber hat eine Architektenzeichnung entdeckt, die das Anwesen komplett zeigt. Die schmale Front in der Hafengasse spiegelt die Größe der Ladenfläche nicht wider. Das Textilhaus umfasste damals drei Etagen und wirkt noch heute mit den zwei Eingängen (von der Hafengasse und vom Jakobsgäßchen/Kapellenplatz) wie eine Kombination mehrerer Fachgeschäfte. Hans Haller, der im 1. Weltkrieg versehrt wurde und eine Beinprothese trug, ließ bereits 1957 einen Aufzug einbauen. „Das war damals eine Attraktion“, erzählt Heidi Treiber. Ihre Mutter Else hat mit ihrem Mann Fritz Rohweder dann ab ihrem Eintritt ins Unternehmen bis Anfang der 1990er-Jahre die Entwicklung geprägt. Zwei große Umbauten (1977 und 1980), das 100-jährige Firmenjubiläum und viele weitsichtige Entscheidungen sind in diese Zeit gefallen. Heidi Treiber hat in den Familienalben Fotos von einer Modenschau mit großem Laufsteg aus dem Jahr 1967 entdeckt. Immer am Ball bleiben, die Tradition bewahren und Neuerungen zulassen, das haben alle Generationen im Blick gehabt. Als Heidi Treiber dann 1994 die Geschäfte übernahm, hatte sie neben einer fundierten Ausbildung und Erfahrung in anderen großen Bekleidungsläden auch viele neue Ideen im Gepäck. Rückblickend auf die vergangenen 30 Jahre sagt sie: „Ich habe keinen Stein auf dem anderen gelassen.“ Mit „Lola“ kam vor 20 Jahren schicke und handverlesene Mode zum Unternehmen dazu. Foto: am[/caption] Im Jahr 1998 kam zum Stammhaus in der Hafengasse das Bekleidungshaus „Haller 2“ am Marktplatz dazu. „Wir konnten uns somit breiter aufstellen“, so Treiber. Im „Haller 2“ gab es hochwertige Mode, dazu Männer- und Trachtenmode. Damals ging der Trend hin zu Läden in Einkaufszentren. „Wir haben uns aber bewusst für einen weiteren Standort in der Altstadt entschieden“, so...

Zu gut für den Müll...

Der Verein Foodsharing rettet Nahrungsmittel Karotten, Äpfel, Salat, Auberginen, Radieschen, Schokolade, Käse, Nudeln, Brot und mehr – alles, was in den Kisten auf dem Foto zu sehen ist, wäre normalerweise im Müll gelandet. Tom Eichberg hat die Produkte im Edeka-Markt in Schrozberg abgeholt und stellt sie in einer Verteilstelle allen zur Verfügung. Er ist Botschafter der Foodsharing-Bewegung. „Wir retten Lebensmittel vor der Tonne“, sagt Tom Eichberg, der aus Crailsheim stammt und in Dinkelsbühl lebt. Gemeinsam mit seiner Frau Annette engagiert er sich seit 2018 für die Foodsharing-Bezirke in Dinkelsbühl, Crailsheim, Schwäbisch-Hall und Heidenheim an der Brenz. Am 1. August haben sie zusätzlich den Bezirk Hohen- lohekreis gegründet. Beide sind BOT‘s. Im Foodsharing-Jargon bedeutet das Botschafter, die einen Bezirk organisieren. Von Foodsharing erfahren hat das Ehepaar, das mittlerweile im Ruhestand ist, über ihre Tochter, die die Initiative aus Mannheim kannte. Von Studenten und jungen Menschen erfährt die Aktivität gegen Lebensmittelverschwendung großen Zuspruch. Was ein Supermarkt nicht mehr regulär verkaufen kann, wandert normalerweise in den Müll. Dazu gehören aufgerissene Verpackungen ebenso wie Produkte mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum oder Gemüse und Obst mit Schönheitsfehlern. Hat der Salat ein paar welke Blätter, ist in einem Sack Zwiebel eine faulig oder hat die Banane ein paar dunkle Stellen, schon gehen diese Produkte nicht mehr über den Ladentisch. Genießbar sind sie aber trotzdem. „Ich muss zugeben, ich war anfangs kritisch gegenüber der Vorstellung, abgelaufene Lebensmittel zu verwenden“, erinnert sich Tom Eichberg und fügt an: „Aber ich habe mich überzeugen lassen.“ Laut dem Verein „Deutsche Umwelthilfe e.V.“, der politisch unabhängig ist und sich auf nationaler und europäischer Ebene engagiert, landen in Deutschland jedes Jahr etwa 18 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Das entspricht 571 kg Lebensmittel, die pro Sekunde entsorgt werden. Will man sich aktiv bei Foodsharing engagieren, startet man als Foodsaver, so...

Trendige Bar mit Club

Die Bar „Better Together“ bringt wieder Schwung ins Nachtleben Sie sind die Pioniere des Rothenburger Nachtlebens. Simon Kistenfeger und Gökhan Ünal haben im März dieses Jahres die Bar „Better Together“ (in der Ansbacher Straße 15) eröffnet. Somit gibt es in Rothenburg wieder einen Ort, wo echte Feierkultur auf Niveau zelebriert werden kann. Eine goldene Tür führt hinein in die Welt des Nachtlebens. „Wir wollen damit die goldene Zeit der Bar wieder aufleben lassen“, so Kistenfeger. Schon seit 2019 betreibt er gemeinsam mit Gökhan Ünal das Café „Mucho Amor“ am Kapellenplatz, das auch gewisse Barelemente hat. Zum „Mucho Amor“, das mit Öffnungszeiten von Donnerstag bis Sonntag weiter bestehen bleibt, kommt nun die Cocktailbar „Better Together“. „Wir wurden vom Hausbesitzer angesprochen“, so Ünal. Ein Standort, bei dem bis spät in die Nacht oder bis in die frühen Morgenstunden gefeiert werden kann, war ganz im Sinne der beiden Unternehmer. Zwei Stärken, die sich ergänzen Gökhan Ünal ist in der DJ-Szene bestens vernetzt. Simon Kistenfeger ist als Bartender und Markenbotschafter weltweit unterwegs. „Wir wollen, dass was los ist und möchten das Bermuda-Dreieck wieder beleben“, so Kistenfeger. Neben dem „Better Together“ (ehemals Dideldum) liegen seit jeher zwei weitere Lokalitäten. Gemeinsam bilden sie das legendäre Bermuda-Dreieck. Im „Better Together“ geht es am Samstag und Sonntag ab 21 Uhr los. Simon Kistenfeger und Gökhan Ünal haben die schon zuvor bestehende Kneipe grundlegend umgestaltet. Zwar blieb der urige Charakter in weiten Teilen bestehen, aber kombiniert mit modernen und trendigen Elementen. Eine goldene Tapete, üppige Pflanzen und ein stimmiges Lichtkonzept bringen ein lässiges Ambiente in die Bar. Im Erdgeschoss kann man entspannt Cocktails genießen. „Wir mögen Clubs, wo man sich noch unterhalten kann“, so Kistenfeger. Außerdem gibt es einen Außenbereich zum Verweilen. Die obere Etage, manchen noch als Billard-, Dart- oder Kickerraum bekannt, ist dagegen zum Club mit Tanzfläche geworden. Kistenfeger und Ünal haben in ihr neues Projekt kräftig investiert. Tanzfläche, Musikanlage, Bar, alles wurde von ihnen selbst geplant. Einmal im Monat steigt eine 30+ Retro Nacht (am 23. September mit DJ Wambo). Regelmäßig legen DJs auf. Die Musikrichtungen sind dabei vielfältig und reichen von Electro über Latin und Reggae bis hin zum Hip Hop. Der Name der Bar ist dabei auch Konzept. „Better Together“ soll eine Verbindung zwischen allen Altersgruppen und Nationalitäten schaffen. „Wir wollen ein gemischtes Publikum ansprechen“, erklärt Gökhan Ünal. „Better Together“ hat aber auch ein Alter Ego als Veranstaltungskonzept. Erstmals 2019 gab es das gleichnamige Musikfestival gegen Rassismus. Nun, nach coronabedingter Pause, wird es am 1. Oktober wieder „Better Together“ in der Mehrzweckhalle geben. Ünal und Kistenfeger holen mit ihren Kontakten mehrere DJs nach Rothenburg. Darunter auch ein iranischer Musikkünstler, bekannt vom Club Matrix aus der TV-Serie „Berlin Tag & Nacht“. Mit der Bar „Better Together“ vervollständigen die beiden ihr Konzept. Zur Tagesbar mit Cocktails kommt am Wochenende die Nachtbar mit einer Kombination aus Tanz und Drinks. „Üblicherweise gibt es sonst immer nur das Eine oder das Andere“, stellt Kistenfeger fest. Etwa 12 bis 15 Mitarbeiter sind in beiden Lokalen im Einsatz. Die Getränkekarte im „Better Together“ soll den Gast mitnehmen auf eine Reise. „Die Drinks haben Ländernamen“, erklären die Gastronomen. Der Cocktail aus Frankreich hat Absinth oder Calvados in sich, der türkische Drink ist eine Kombination aus Raki und hausgemachtem Feigensirup. Diverse Sirups oder die Garnituren für die Cocktails stellen die beiden Geschäftsinhaber selbst her. Insgesamt hat das „Better Together“ bis zu 80 Sitzplätze, verteilt auf zwei Etagen, und eignet sich auch für Feierlichkeiten. Gastronomisch gibt es bei normalem Betrieb im „Better Together“ nur kleine Snacks. Was aber nicht heißen soll, dass Ünal und Kistenfeger auch in diesem Bereich keine guten Ideen hätten: Vom 9. bis 11. September organisieren sie zum zweiten Mal das Foodtruck- und Streetfoodfestival. Heuer findet es am Sterngarten mit einem idyllischen Blick auf die Stadtmauer statt....

Gut Ding will Weile haben

„Semmel Macherei“ setzt auf zünftiges Bäckereihandwerk und Fortschritt Seit 1933 mischt, knetet und backt die Familie Braun in vierter Generation Brote, Brötchen, Kuchen und Snacks mitten in dem kleinen Ort Gebsattel, drei Kilometer südlich der mittelalterlichen Stadt Rothenburg. Friedrich Braun ersteigerte damals das ehemalige Gebäude eines Holzverarbeitungsbetriebes und begann mit einem Kolonialwarenhandel, wie man früher ein Lebensmittelgeschäft auch nannte. Gebacken wurde dort von Anfang an. Im Jahre 1957 folgte die zweite Generation mit dem gleichnamigen Sohn Friedrich Braun, der mit 17 Jahren in den Krieg zog und vier Jahre Gefangenschaft auf sich nehmen musste. Seine Eltern hielten die Bäckerei in Schwung. Nach Kriegsende „bunkerte“ das Gründerehepaar Mehl in der Garage, soviel sie konnten und versorgten u. a. die Amerikaner mit Brot und frischen Semmeln. „Jede Generation hat eine eigene Handschrift im Betrieb hinterlassen“, so der heutige Inhaber Jacob Braun, der mit dem Bäckereihandwerk groß geworden ist. So sorgte sein Opa Friedrich für den ersten Landhandel mit seinem Ford-Lieferwagen und versorgte damals schon die Hotellerie und das Gastgewerbe wie den Schwarzen Adler oder den Rothenburger Hof. Seinen Vater Hartmut sieht er als technischen Revolutionär der Braunschen Backstube, denn er installierte eine der ersten Semmelstraßen der Branche in der Region. Eine Errungenschaft, die ihm erlaubte, sich als Sportpferdehändler weiter zu verwirklichen. „Wenn man es genau nimmt, gab es drei Familienbäckereien. Eine in Schillingsfürst, eine in Kehlheim von meiner Tante und unsere Bäckerei in Gebsattel, die einzige, die noch besteht“, erklärt Jacob Braun. Aber selbst in die Fußstapfen seiner Eltern zu treten, dass lag Jacob Braun fern. „Ich hatte schon als junger Kerl mit 17 Jahren Sehnsucht nach der großen weiten Welt; wollte wissen, dass es mehr gibt als ein Leben im mittelfränkischen Kleinod Gebsattel“, sagt er. Nach der Schule lernte er zunächst das Bäckereihandwerk in Roth am See bei einem Meisterschulkamerad seines Vaters. Eine außerbetriebliche Ausbildung würde Jacob Braun jedem empfehlen, um einmal über den handwerklichen Tellerrand zu schauen. Sein weiterer Werdegang endete mit der Meisterschule. Doch das Fernweh blieb. Der ambitionierte Bäckermeister schaffte alle Voraussetzungen für ein BWL-Studium mit dem eigentlichen Ziel, im Vertrieb seiner Branche Karriere zu machen. Er ging für ein dreiviertel Jahr nach Cambridge, um Englisch zu lernen und nahm Nachhilfe in Mathematik. Ohne diese Fertigkeiten sah er keine Chance auf ein erfolgreiches Studium. In der Fachhochschule in Würzburg fiel er einer großen Firma mit seinen besonderen Leistungen auf. Man bot ihm ein Duales Studium und finanzierte ihm nach erfolgreichem Abschluss eine Wohnung und ein Masterstudium obendrauf. Seine Abschlussarbeit befasste sich mit Qualität statt Quantität bei gesenkten Fixkosten in der Bäckereibranche. Mit Erfolg, denn sein Konzept ging auf. Jetzt war er ein „Businessman“, aber ohne Lebensinhalt. Denn Frau und Kinder waren zu Hause in Gebsattel, seine Hobbies als Jäger und Angler waren so weit weg. „Ich musste einfach in meine Heimat zurück und arbeitete noch ein Jahr im Familienbetrieb“, erzählt er. Vater Hartmut Braun kämpfte schon seit 2017 mit der wachsenden Konkurrenz der Bäckerei- und Discounterketten und riet seinem Sohn Jacob davon ab, den Betrieb weiterzuführen. Damals war das Bäckereisterben der traditionellen Handwerkszunft in aller Munde. Aber sein bisheriger Werdegang erlaubte dem Betriebswirt neue Wege zu gehen. Er übernahm die Bäckerei im Jahr 2020 mitten in der Coronazeit. „Ohne die Erfahrung in ca. 100 verschiedenen Backstuben und als Betriebswirt hätte ich es nie geschafft“, weiß der Familienvater heute. Er bewarb sich beim Amt für Ländliche Entwicklung um Zuschüsse und nahm eine dreiviertel Million in die Hand, um das Traditionshandwerk seiner Familie mit seinem betriebs-wirtschaftlichen Know-how und dem technisch Machbaren konkurrenzfähig zu machen. Die Pandemiezeit nutzte Jacob Braun, um neue Lieferkunden in Großküchen, Kantinen, Wohneinrichtungen, Supermärkten oder Dorfläden zu akquirieren. Mit der Übernahme zweier Bäckereien in Aurach und Flachslanden konnte er seinen Kundenkreis noch mehr erweitern. Traditionshandwerk und Fortschritt „Alles was in den Verkauftstheken liegt oder geliefert wird, kommt aus der mittlerweile hoch technisierten Backstube in Gebsattel. „Ich habe es immer gewusst, das Bäckereihandwerk war schon immer dein...

Mensch, Schaf & Natur sind eins

Ralf Fleischmann liebt die Hüthaltung seiner Schafherde Kurz nach Sonnenaufgang, gegen fünf Uhr morgens beginnt sein Tag. Schäfer Ralf Fleischman aus Roth macht sich gemeinsam mit seinen Altdeutschen Hütehunden Pia und Nero auf den Weg zu seinen wolligen Vierbeinern. Heute hat seine Herde die Nacht in ihrem Pferch auf den sanften Hügeln bei Erlbach verbracht und wartet bei seiner Ankunft schon sehnsüchtig auf das Erreichen der nächsten Weidegründe. Die Schafe verlassen sich darauf, dass ihr Hirte nahrhafte Weiden findet, sie gefahrlos führt und bei Verletzungen hilft. Für Ralf Fleischmann sind seine Schafe zum Lebensinhalt geworden. „Wenn Du einmal Schafe hast, dann kommst du nicht mehr weg von ihnen“, beschreibt der 28-Jährige seine Leidenschaft als Vollerwerbsschäfer. Angefangen hat alles mit einem großen Schäfer aus der Rother Region, den schon sein Großvater so gerne begleitet hat. Immer wieder gab es kleine Lämmer, die vom Muttertier nicht versorgt werden konnten. „Mein Großvater nahm sie mit nach Hause und zog sie mit der Flasche groß“, erzählt er weiter. Irgendwann entschied sich die Familie, ein paar „Flaschenkinder“ zu behalten, um sie zur Pflege der Streuobstwiesen ihres landwirtschaftlichen Betriebes einzusetzen. Auch Vater Klaus teilte die Leidenschaft der Schafhaltung. Aus den anfänglich zehn Mutterschafen wurden 120 Tiere im Nebenerwerb, die heute Vater Klaus und Sohn Ralf Fleischmann mit Liebe hüten. Seit vier Jahren sind sie Vollerwerbshirten mit 750 Merino- bzw. Schwarzkopfschafen und ca. 35 Ziegen. „Die Ziegen fressen im Gegensatz zu den Schafskolleginnen mit Vorliebe Büsche wie Weißdorn, Schlehen und Wacholder, wodurch eine Überwucherung auf den Magerwiesen verhindert wird. Nutzen und Geschichte der Schäferei Die Weideflächen sind geschützte Biotope, die ohne die Beweidung durch Schafe verbuschen würden. Denn sie fressen selektiv. Was stachelt, bitter oder giftig ist, wird stehengelassen. So kann Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Insekten entstehen, den es sonst nicht mehr geben würde. Der Naturpark Frankenhöhe gehört zu den artenreichsten Lebensräumen in Mitteleuropa. Magerwiesen sind besonders nährstoffarme Grünflächen, die wenig Ertrag bringen. Wanderschäfer wie Ralf Fleischmann sorgen für die Pflege dieser Naturschutzgebiete und tragen maßgeblich zu ihrem Erhalt bei. Eine Vielzahl an wilden Orchideen, Disteln, Enzian und Thymian finden hier einen nachhaltigen Lebensraum. Genau genommen begann das Zusammenleben von Schaf und Menschen vor über 10 000 Jahren. Aus der griechisch-römischen Kultur kennt man das Bild des Hirten mit dem Lamm; auch Jesus Christus wird als Hirte dargestellt. Den Schafen verdankt der Mensch Bräuche, Traditionen und Feste wie z. B. den historischen Schäfertanz in Rothenburg. Das Nutztier Schaf lieferte seit jeher Fleisch, Wolle, Milch, Häute und wird heute auch als Dünger in Form von Schafwollpellets verwendet. „Clemens Nähr nutzt sie zur biologischen Düngung der Schaubaumschule in Neusitz“, sagt der ehemalige Metallbauer Ralf Fleischmann. Aus dem Wollfett wird natürliches Lanolin für Kosmetika gewonnen und zur Imprägnierung von Outdoor-Kleidung genutzt. Die Rohwolle dient heute zunehmend als Dämmmaterial für Häuser. Kulturerbe Schäferei Seit 2020 ist die süddeutsche Wander- und Hüteschäferei im bundesweiten Verzeichnis des Unesco-Kulturerbes zu finden, das es zu schützen gilt. Deshalb setzen sich Regionalverbände für den Erhalt der so wichtigen Landschaftspflege ein. „Vor ca. vier Jahren wurden wir mit dem Bau eines Winterquartieres in Eichholz bei Leutershausen für unsere Tiere unterstützt“, erzählt Ralf Fleischmann. Ab November bis zum Jahresbeginn leben die Tiere in diesem Stall, der in zwei Bereiche unterteilt ist. Ein Futterbereich, der mit Futterbändern von 35 Metern Länge mit genfreier Gerste, Grassilage, Kraftfutter wie Mais und Mineralsalzen automatisch befüllt wird. Die andere Seite ist der Liegebereich mit sogenanntem Festmist, der über die Wintermonate immer wieder mit Stroh aufgefüllt und jetzt im August ausgemistet und als Dung auf die Felder gebracht wird. Zwischen Januar und Oktober ziehen die Fleischmanns, mal Vater, mal Sohn mit ihrer über 800-köpfigen Herde von Kühberg bei Gerstenfelden nach Kirnberg über Neusitz nach Schweinsdorf. Ende Februar bis Anfang März werden die treuen Gesellen geschoren und die Wolle verkauft. Langweilig wird so ein Tag nie. Gestützt auf seinen Hirtenstab beobachtet Ralf Fleischmann ständig seine „Mitarbeiterinnen“. Durch die trockenen Böden entstehen Unebenheiten und...