„Wir kommen wieder“

Sieglinde und Klaus Spegel haben fast 50 mal in Rothenburg Urlaub gemacht Im Jahr 1976 oder 1977 waren sie das erste Mal in Rothenburg. Sieglinde und Klaus Spegel wissen es nicht mehr genau. „Aber wir waren noch nicht verheiratet“, weiß Klaus Spegel sicher. Damals war es noch ungewöhnlich, dass ein unverheiratetes Paar ein gemeinsames Zimmer belegte. Die Spegels hatten sich das Hotel Markusturm ausgesucht, da sie es romantisch haben wollten. „Wir hatten Zimmer 17, das vergesse ich nie“, so Sieglinde Spegel. Aber das Zimmer hatte zwei Einzelbetten. Also keine Romantik. In der Hotelhalle haben sie dann Hotelchefin Marianne Berger getroffen. „Ich habe gleich gefragt, woher sie wusste, dass wir nicht verheiratet sind“, erzählt Sieglinde Spegel. Das Ganze stellte sich als Irrtum heraus und die Spegels zogen in ein Zimmer mit Himmelbett und Romantik pur um. Das junge Paar war glücklich und eine über 45 Jahre währende Freundschaft nahm damals ihren Anfang. „Marianne Berger hat uns von Beginn an unter ihre Fittiche genommen“, erzählen die Spegels. Ausflüge zu den Fischteichen oder die Teilnahme an den Reichsstadttagen gehörten dazu. Bei einem ihrer nächsten Besuche steckte Marianne Berger die beiden in historische Kostüme. Zweimal sind sie beim Fackelzug mit der Gruppe der „Schopf-Kegler“ mitgelaufen. „Als wir uns nahe der Doppelbrücke vorab gesammelt haben, sagten einige, was habt ihr denn da für ‚Preißen‘ dabei“, erinnert sich Sieglinde Spegel lachend. Die Spegels kommen aus Wietzendorf bei Soltau (Lüneburger Heide). „Wenn wir in einem Jahr nicht in Rothenburg gewesen sind, dann fehlt uns was“, sind sie sich einig. Sie schätzen, dass sie mindestens 40, wenn nicht sogar 50 mal in der Tauberstadt Urlaub gemacht haben. Dabei sind sie der Hoteliersfamilie Berger/Klatte immer treu geblieben. Im September waren sie auf der Durchreise in die Schweiz am Hinweg vier Tage an den Reichsstadttagen hier und am Rückweg gleich nochmal ein paar Tage. Logiert haben sie im Hotel Burggartenpalais, das neben dem Burghotel und dem Hotel am Markusturm von Mitgliedern der Familie Berger geführt wird. Rothenburg kennen die beiden sehr gut. Die Museen haben sie alle besucht und mögen den Bummel durch die Gassen, entlang der Riviera oder eine Einkehr am Marktplatz. „Ich genieße es immer wieder, einfach durch die Gassen zu schlendern“, sagt Sieglinde Spegel. Früher haben die beiden gemeinsam mit Freunden, die sie mit ihrer Liebe zu Rothenburg inspiriert haben, gerne Ausflüge gemacht. „Ein Ziel war immer der Toppler- Felsenkeller“, erinnert sich Klaus Spegel. Eine legendäre Charlotte Russe oder ein Zwetschgenkuchen musste dort einfach sein. „Da war eine Schiefertafel mit der Aufschrift: Bitte konzentrierte Bestellung“, weiß Sieglinde Spegel noch ganz genau. Das ist bei den beiden hängen geblieben, denn danach war unter den Stichwort „konzentrierte Bestellung“ sofort klar, wohin der Ausflug gehen sollte. Ein Besuch in Rothenburg ist für die Spegels wie nach Hause kommen. Einzig das Topplerschlösschen haben sie noch nicht von Innen gesehen. „Wir schwören, beim nächsten Besuch gehen wir da rein“, verspricht Klaus Spegel. „Unser Herz hängt einfach an der kleinen, verträumten Stadt“, stellen sie fest, „Wir kommen sicher wieder.“...

Entspannen mit Alpakas

Johanna Fischer bringt mit höckerlosen Kamelen Freude ins Leben Wenn man über Glücksbringer nachdenkt, kommt einem eher ein Schweinchen mit Kleeblatt in den Sinn. Aber Alpakas? Johanna Fischer aus Ulsenheim, studierte Chemikerin mit Karriere am Fraunhofer Institut in Würzburg, war auf der Suche nach ihrem ganz persönlichen Glück. „Morgens an die Stempeluhr, die Maske auf und menschlich die Ellenbogen ausfahren, das kann nicht mein Leben sein“, dachte sich die 38-Jährige und entschied sich ein „Freiwilliges Soziales Jahr“ im Tierpark Sommerhausen zu absolvieren. Dort lernte sie in einem dreitägigen Seminar einiges über die Alpaka-Zucht und von der freundlichen und sehr neugierigen Art der Tiere und darüber, wie sie den Menschen Entspannung bringen können. „Es war ein echtes Aha-Erlebnis und ich befand mich auf dem richtigen Weg zu mir selbst“, erzählt die Wissenschaftlerin lächelnd. Tiere, Menschen und die Natur lagen ihr schon als Kind am Herzen. Damals in Hellmitzheim lebend, kündigte sie kurzerhand ihren Job, pachtete eine Wiese und kontaktierte den Alpaka-Züchter, den sie aus Sommerhausen kannte. Ein Business-Plan, einen sogenannten Sachkundenachweis, der für die Arbeit mit Alpakas berechtigt, und der stetige Austausch mit einem Gleichgesinnten gab ihr das nötige Werkzeug an die Hand, um ihre ersten vier „Jungs“, wie sie die Tiere liebevoll nennt, selbst auszubilden. Seit 2020 führt sie ihre eigene kleine „Glücks-Alpaka-Ranch“. Mit neun Alpakas und drei Lamas merkte die junge Frau, wie Menschen auf Spaziergängen „eins werden“ mit den flauschigen Wanderbegleitern. Im Frühling und in den Sommermonaten begrüßt Johanna Fischer ihre „Wandersleut“ mit einem Glas Secco und erzählt ihnen von der Herkunft und vom Wesen der aus den südamerikanischen Anden stammenden Tiere. Geschichte der Alpakas Die Domestizierung der Alpakas startete im Hochland circa 3 000 Jahre vor Christus. Die Hochlandvölker Perus und Boliviens erkannten den Wert der Tiere – nicht zuletzt wegen ihrer einzigartigen Wolle mit den umfassenden Eigenschaften. Alpakas sind hochintelligente Tiere, die aufgrund ihres sensiblen, zurückhaltenden Wesens und hoch ausgeprägten Sozialverhaltens für den Menschen eine Wohltat sein können. Das sagt schon einiges aus über die Wirkung einer Alpaka-Wanderung. „Es ist unmöglich, mit ihnen zu gehen und gleichzeitig mit den Gedanken ganz woanders zu sein“, weiß Johanna Fischer. Sie zwingen den Menschen völlig in die Gegenwart einzutauchen. Sind die Wanderer vor dem Start gut über die Tiere informiert, geht es los in die Ulsenheimer Weinberge. Auf dem Weg laden kleine Winzerhütten zum Pausieren ein. Wenn die kalte Jahreszeit im November anbricht, gibt es unterwegs einen heißen Glühwein und wer möchte, kehrt beim örtlichen Winzer zu einer warmen Mahlzeit ein. Aber nur bei Wanderungen sollte es nicht bleiben. Auch kunsthandwerkliche Aktivitäten wie Makramee, eine aus dem Orient stammende Knüpftechnik, werden auf der Weide der Glücks-Alpakas ausgeführt. Kreativität in der Gegenwart der Tiere hat eine besonders entspannende Wirkung. Während ihrer Schwangerschaft hat sich die Aussteigerin dem Yoga zugewandt. „Dabei lernte ich meine Lehrerin aus Kitzingen kennen, mit der ich seit diesem Jahr Yoga auf der Koppel anbiete, eine gute Idee“, wie sie findet. Auch hier helfen die sanftmütigen Kleinkamele abzuschalten und Stress zu reduzieren. Gerade Yoga mit seinen langsamen Bewegungen bietet sich an, um mit den Tieren in einen ruhigen Dialog zu treten. Alpakas machen vor, wie Entspannung geht – und interessieren sich nicht dafür, ob man es schafft, die Zehen zu fassen oder im Schulterstand umfällt. Eine andere Vision für die „Glücks-Alpaka-Ranch“ heißt „Workation“ (Work-Arbeiten und Vacation-Urlaub). Die räumliche Verlagerung des Arbeitsplatzes an einen schönen Ort hilft oftmals, den Kopf freizubekommen und durch den „Tapetenwechsel“ Energie für Geist und Körper zu sammeln, ein wesentlicher Faktor für die Gesundheit. Für Johanna Fischer waren schon immer Tiere, Natur und Heilung ein Thema. Ihre Lieblinge hält sie mit natürlichen Mitteln gesund und verwendet so manches Kräutlein gegen verschiedene Krankheiten. Mensch, Tier und Gesundheit, das passt auch zur „tiergeschützten Therapie“ mit Alpakas. Für dieses Vorhaben steht sie in Kontakt mit psychotherapeutischen Kliniken. Übrigens lassen sich aus der Wolle Vierjahreszeiten-Bettdecken herstellen und viele andere hochwertige Produkte wie Alpaka-Seife. Beides kann man bei Johanna...

Botschafter des Menschseins

Maria und Peter Warkentin und ihr Russland-Deutsches Theater Theater ist ihr Leben. Maria und Peter Warkentin sind das Russland-Deutsche Theater in Niederstetten. Eine seltsam anmutende Formulierung, aber bewusst gewählt. Sie hätten wie viele ihrer Schauspielerkollegen die Bühne verlassen und ein bequemeres Leben haben können. Das kam für die beiden aber nie in Frage. Theaterblut und Menschenliebe fließen anscheinend paritätisch durch ihre Adern, denn auf den Brettern, die die Welt bedeuten, haben sie zuerst den Russen und danach den Deutschen das Menschsein erklärt. Peter und Maria Warkentin sind beide in Sibirien aufgewachsen – in ihren deutschen Familien, in deutschen Dörfern. Zuhause wurde nur Deutsch gesprochen, wobei bei Maria der wolgadeutsche und bei Peter der plattdeutsche Dialekt der Mennoniten Tradition hatte. Beide Ursprungsfamilien wanderten im 18. Jahrhundert nach Russland aus. Die deutschen Wurzeln wurden immer bewahrt. „Wir sind keine Russen, sondern Deutsche aus Russland“, macht Peter Warkentin klar. Mit Vorurteilen hatten sie zu kämpfen: In Russland waren sie die „Fritzen“, hier wurden sie als Russen angesehen. Nichts davon ist richtig. „Bis wir nach Moskau gingen, sind wir im deutschen Milieu aufgewachsen“, erzählt Maria Warkentin. Sie war 18 Jahre alt, er war 17 Jahre, da trafen sie sich auf der Theaterhochschule Schtschepkin, die an das berühmte Moskauer Maly-Theater angeschlossen ist. Deutsches Theater hatte in Russland eine lange Tradition, die aber mit dem Zweiten Weltkrieg endete. Mitte der 1970er-Jahre beschloss die Sowjetunion dann für Minderheiten wieder ein muttersprachliches Theater einzuführen. An der Moskauer Theaterhochschule Schtschepkin wurden zu diesem Zweck Schauspieler ausgebildet, die deutschstämmig waren und die deutsche Sprache beherrschten. „Wir haben eine tolle Ausbildung bekommen. Wir wurden von den Moskauer Koryphäen unterrichtet“, stellt Maria Warkentin fest. Und außerdem haben sich die beiden im dritten Semester ineinander „verguckt“ und wenig später geheiratet. 43 Jahre ist das nun her. Ein Theater in Kasachstan Wie es der Plan vorsah, zogen die fertig ausgebildeten Schauspieler im Jahr 1980 nach Temirtau, eine Stadt in Kasachstan, denn dort lebten viele Deutsche. Sie bekamen ein tolles Gebäude als Spielstätte und starteten einen kompletten Theaterbetrieb. Etwa 50 Schauspieler und dazu Regisseure, Dramaturgen, Bühnenbildner, Schreiner und viele mehr arbeiteten am Theater. Insgesamt rund 120 Personen. „Wir haben mindestens vier neue Stücke pro Jahr gezeigt“, erinnert sich Peter Warkentin. Und zwar alle auf Deutsch. Konnte im Publikum jemand die Sprache nicht, standen Kopfhörer mit einer Simultanübersetzung zur Verfügung. Gespielt wurden u.a. „Emilia Galotti“ von Lessing, „Die Physiker“ von Dürrenmatt oder auch „Draußen vor der Türe“ von Borchert. „Das war auch politisch ein Treffer“, so Warkentin. Zu der Zeit war der Afghanistankrieg in vollem Gange und auch im Theater gab es Rückkehrer. Der Parteifunktionär, der dem künstlerischen Rat angehörte, erkannte die Intention und wollte die Aufführung kippen. „Aber unser Regisseur, ein Jude aus Tallinn, hat es durchgeboxt“, so Warkentin. Dazu gab es Kindertheater und das Ensemble ist jedes Jahr auf Gastreisen zu deutschen Siedlungen unterwegs gewesen. „Das waren unsere erfolgreichsten Jahre“, erzählt Maria Warkentin. Beide wurde von Kasachstan mit der „Besten Rolle des Jahres ausgezeichnet“. In Kasachstan vollzog sich dann ein politischer Wechsel und das Theater zog 1989 um in die Hauptstadt Almaty, damals Alma-Ata. Eigentlich sollte es dort weiter aufwärts gehen, aber das Gegenteil stellte sich ein. „Wir hatten kein eigenes Haus mehr für unser Theater und die Auswanderungswelle der Russlanddeutschen begann“, so Maria Warkentin. Die ersten Schauspielerkollegen stellten Anträge und „wir haben jeden Monat eine Familie verabschiedet.“ Das Theater blutetet aus. „Wir sind als Letzte gegangen“, sagt Peter Warkentin. Am 19. Dezember 1994 stiegen sie mit ihren beiden Kindern und der Mutter von Maria in den Flieger nach Deutschland. Sie hatten vier Koffer und etwas Bargeld dabei. Über Stationen in Stuttgart und Berlin sind sie 1995 nach Niederstetten gezogen. Sie hatten mit ihren Schauspielerkollegen aus Temirtau/Almaty vereinbart, dass sie wieder zusammenkommen, sollte jemand eine Möglichkeit für ein Theater gefunden haben. Viktoria Gräfenstein und David Winkenstern hatten in Niederstetten Fuß gefasst. Der damalige Bürgermeister Kurt Finkenberger gab den Künstlern Übungsmöglichkeiten im Amtshaus Oberstetten,...

Engagement für Feldwege

Der Wegeunterhaltungsverein von Oberrimbach und Lichtel Wenn der Feldweg gut in Schuss ist, freut sich der Landwirt. Und wenn er selbst etwas dazu beigetragen hat, dann weiß er es noch mehr zu schätzen. Der Wegeunterhaltungsverein von Oberrimbach- Lichtel hat mit dieser Einstellung in den vergangenen zehn Jahren Großes geleistet. Seit Juli 2012 gibt es den Verein. „Der Creglinger Bürgermeister Uwe Hehn wollte das Wegenetz auf Vordermann bringen“, erklärt Albert Kellermann, Ortsvorsteher von Oberrimbach-Lichtel. Seit der letzten Flurbereinigung im Jahr 1980 befand sich das Wegenetz im „Dornröschenschlaf“. Kellermann hat die Initiative ergriffen und in Markus Stein einen tatkräftigen Vereinsvorsitzenden gefunden. Stein ist zwar kein Landwirt, sondern Schreinermeister bei Winkler Design, aber engagiert sich mit Herzblut für das Ehrenamt. Beratend zur Seite stehen Der Verein hat aktuell 38 Mitglieder, alle Flächenbesitzer, und gilt als Vorreiter in Hinblick auf weitere Vereinsgründungen. Die Idee wurde z.B. in Waldmannshofen, Schmerbach oder Münster aufgegriffen und die Expertise von Kellermann und Stein war im Vorfeld gefragt. „In den letzten zehn Jahren haben wir etwa 7 000 m Schotterwege in Eigenleistung erneuert“, so Markus Stein. Dazu kommen etwa 1 800 m bitumengebundene Splittwege und rund 1 000 m Asphaltwege, von denen 850 m aktuell angegriffen werden. Etwa 1 650 Tonnen Schotter und Splitt wurden seit Vereinsgründung verarbeitet. Zweimal im Jahr gibt es offizielle Vereinstreffen, bei denen besprochen wird, welche Wege saniert werden. Bei Wegbegehungen mit den Mitgliedern werden die Schäden festgestellt. Im Herbst, nach der Erntezeit, greifen es die Vereinsmitglieder dann an. Etwa zehn Helfer im Alter von 15 bis 87 Jahren sind mitsamt ihrem privaten Gerät wie Traktor oder Anhänger im Einsatz. Die Schutzschicht wird mit dem Bagger abgezogen und entsorgt. Der vom Vorstand bestellte Mineralbeton wird aufgebracht. Die Helfer beseitigen mit dem Rechen die Unebenheiten. Dann wird noch abgewalzt. „Alle sehen den Nutzen darin“, sagt Markus Stein. Und die gemeinsame Arbeit verbindet. Neben dem neuen Feldweg steht natürlich auch die Geselligkeit und der wachsende Zusammenhalt im Vordergrund. Insgesamt wurden seit Vereinsgründung rund 700 Stunden gemeinnützige Arbeit geleistet. Der Wegeunterhaltungsverein finanziert sich durch den Beitrag von 10 Euro/Hektar/Jahr der Grundstücksbesitzer. Alle vier Jahre gibt es einen Sonderzuschuss von 7 000 Euro. Der ehrenamtliche Einsatz der Vereinsmitglieder wird mit einer Aufwandsentschädigung gewürdigt. Außerdem beteiligt sich der Verein an den Gesamtkosten für die Wegeunterhaltung. Die aktuell geplante Asphaltierung im Vollausbau von 850 m Wegstrecke schlägt mit rund 85 000 Euro zu Buche. „Der Verein gibt einen Zuschuss von etwa 20 Prozent“, so Albert Kellermann. Für 2023 sind bereits weitere 1 200 m Wegsanierung geplant. „Wir sind stolz darauf, was wir hier geschaffen haben“, stellt Albert Kellermann fest....

Immer ein Eisen im Feuer

Lorenz Romeis gibt Kurse für traditionelle Schmiedekunst Wie ein Gutshof wirkt das Anwesen der Laurentius-Schmiede von Lorenz Romeis in Altmannshausen bei Markt Bibart. Zwei Häuser, ein neues Eigenheim und eine Schmiedewerkstatt, die mit einem Quergebäude verbunden sind, beherbergen in ihrer Mitte einen romantischen Hof mit einem schmiedeeisernen Brunnen. Vom Eingangstorbogen aus fällt er sofort ins Blickfeld des Besuchers. Der gesamte Innenhof wirkt wie eine Galerie von schmiedeeisernen Kunstwerken aus Feuerschalen, Rosenbögen und Gartensteckern. Selbst die Türgriffe des Wohnhauses und der beiden Gästeappartements bestehen aus Amboss, Zange und Hammermotiven. Hier lebt und agiert Lorenz Romeis mit seiner Frau und sorgt für den Erhalt des 3 000 Jahre alten Schmiedehandwerks. Schon seit 1860 haben seine Väter und Urgroßväter immer ein Eisen im Feuer. Mein Vater hat noch bis zu seinem 88. Lebensjahr die Esse geschürt und auf dem Amboss gearbeitet. Er hat noch bis zu 140 Pferde täglich beschlagen, hat Gummiwägen (Anhänger mit Luftbereifung) für die Landwirtschaft gebaut und sämtliches Werkzeug für das Handwerk, für die Bauern und den täglichen Gebrauch geschmiedet. Bis in die 70er-Jahre, als der beginnende Bauboom vermehrt nach Balkonen, Treppen oder Geländern verlangte. „Jede der sechs Generationen meiner Familie musste sich immer den neuen fachspezifischen Herausforderungen stellen“, sagt Lorenz Romeis. Mit Erfolg, denn die eigentliche Einkommensquelle des Traditionsunternehmens ist die Metallbaufirma Romeis & Sohn, dessen Geschäftsführung einer seiner beiden Söhne übernommen hat. Der älteste Sohn ist Betriebswirt und kümmert sich um einen aussagekräftigen Internetauftritt und die einzige Tochter bringt als hauptberufliche Event-Managerin ausgefallene Ideen in die Firma. „Den Namen und das Logo der Laurentius-Schmiede haben wir im Familienverband entschieden. Steht doch der heilige Laurentius als Schutzpatron für alle Berufe, die mit Feuer zu tun haben“, erzählt der Schmied aus Leidenschaft. Neue Wege für den Lebensabend An Kreativität fehlt es der Familie nicht. Immer nur Essen, Trinken und Party war Vater Lorenz zu Silvester 2000 einfach zu langweilig. „Lasst uns ein Silvester-Schmieden veranstalten“, war seine Idee. Dazu lud die Familie Romeis Freunde ein, die begeistert waren, eine Art Bleigießen-XXL von Hufeisen und Kleeblättern zur Jahreswende erlebt zu haben. Auf dieses Erlebnis hin gab es mehr von diesen Veranstaltungen. „Die Schmiede-Events haben mich während des Baus meines Altensitzes im Jahr 2014 auf die Idee gebracht, nebenan eine Schmiede mit Lehrwerkstatt einzurichten, damit ich arbeiten kann, bis der Hammer fällt“, sagt der 68-Jährige. Die Erfahrung, dass dieses uralte Handwerk den Gemeinschaftssinn stärkt, regte den Schmiedemeister der alten Schule letztendlich dazu an, Kurse zu geben. „Ich habe schon immer Freude im Umgang mit Menschen verspürt und kam auf den Gedanken, Firmenevents zu veranstalten“, erzählt er. An Stelle eines Ausfluges mit gemeinsamem Essen könne man doch auch ein Gemeinschaftsprojekt schmieden und dabei die gute Hausmannskost seiner Frau genießen. Das schlug ein wie eine Bombe. „Im Moment betreue ich eine orthopädische Praxis, die sich einen Baum mit den beiden Arbeitsfeldern (Ästen) Orthopädie und Logopädie als schmiedeeisernes Wandbild entschieden haben“, erklärt der leidenschaftliche Handwerker. Jeder der Beteiligten merkt beim Schmieden was er kann und erlebt den Anderen, wie er in Stresssituationen reagiert, wenn es einmal nicht so läuft. Hier steht Romeis den Menschen wie ein Vater zur Seite. Danach erfahren die Mitarbeiter ein besseres Miteinander als im Berufsalltag. „Das ist das Beste, was wir je gemacht haben“, ist ein häufiger Kommentar der Teilnehmer. „Teamarbeit ist eben das Mittel der Wahl, um Mitarbeiter an einen Tisch zu bringen“, weiß Romeis. Gemeinschaft kann auch nur aus einem angehenden Ehepaar oder einer kleinen Familie bestehen. Oft kommen Brautleute und schmieden gemeinsam Eheringe aus Damaszenerstahl. Das ist ein Mehrschichtstahl, der besondere Muster im geschmiedeten Objekt zulässt. Besonders guter Damaszenerstahl steckt in gebrauchten Autofedern oder Motorradketten, die Lorenz Romeis aus KFZ-Werkstätten gerne entgegennimmt. Manchmal sind es aber auch Paare, die ihre Beziehung wieder aufleben lassen wollen. Dabei schmiedet sie eine Blumenampel und er eine Bratpfanne für jede Feuerstelle. Was ihm während seiner achtjährigen Praxis als Lehrmeister besonders ins Auge fiel, war die tiefe Endspanntheit und besondere Kreativität der Frauen beim...

Ländlichen Raum aufwerten

Das Projekt „HeimatUnternehmen“ in West-Mittelfranken Vom Allgäu bis zur Oberpfalz aber auch in West-Mittelfranken sind Menschen unterwegs, die sich für Projekte, sei es wirtschaftlicher, gesellschaftlicher oder kultureller Art, stark machen. „Die Initiative `HeimatUnternehmen´ der Bayerischen Verwaltung der Ländlichen Entwicklung unterstützt Menschen in den Dörfern flexibel und unbürokratisch – von der Idee bis zur Umsetzung. Dazu gehört auch, die richtigen Leute zusammenzubringen und passende Finanzierungsmöglichkeiten aufzutun“, heißt es in einer offiziellen Pressemeldung des Amtes. Das kann idealistisches Engagement im Sinne des Umweltschutzes, gesellschaftlicher Einsatz für Inklusion oder Migration, wirtschaftliche Innovation, aber auch kulturelle Kreativität im ländlichen Raum sein. „HeimatUnternehmer“ schaffen mit viel Ideenreichtum und Herzblut wirtschaftliche, soziale, kulturelle und ökologische Werte vor Ort, über den eigenen persönlichen Nutzen hinaus. Damit tragen sie dazu bei, dass die Dörfer lebendig bleiben. Ein lebendiges Beispiel ist „HeimatUnternehmerin“ Anke Schrenk, eine Verfechterin des Ehrenamtes, die den Kulturgarten in Rothenburg ins Leben gerufen hat. Menschen jeder Altersstufe und aus allen Nationen wird ermöglicht, die gemeinsame Leidenschaft des Gärtnerns zu teilen. Die Wiederbelebung eines leerstehenden Schulgebäudes in Oberfranken als neue Kulturstätte erfolgte durch die Initiative „HeimatUnternehmen“ unterstützt durch das Amt für Ländlichen Entwicklung Bayern (ALE). Seit circa fünf Jahren fördert das ALE unter dem Motto „HeimatUnternehmen“ Projekte im ganzen Freistaat, die einen Mehrwert für ihre Region schaffen. Jetzt ist die Aktion „HeimatUnternehmen“ auch in Mittelfranken angekommen. Zu diesem Zweck wurden freiberufliche „HeimatEntwickler“ eingesetzt, die kreative und unternehmerische Menschen in der Region dabei beraten sollen, erfolgreiche „HeimatUnternehmer“ zu werden, eventuell Fördergelder zu beantragen und die nächsten Schritte zu gehen. Daniel Rieth aus Diebach, den man schon durch seine soziale Ideenschmiede „Träumen & Machen“ kennt, wurde Anfang diesen Jahres vom Amt für Ländliche Entwicklung als „HeimatEntwickler“ für die Region West-Mittelfranken eingesetzt. Gemeinsam mit Carina Hillenbrand (Öffentlichkeitsarbeit) bilden sie ein Team, um Menschen mit ihren Projekten zu helfen und ihre ländliche Region attraktiver zu gestalten. Gegenstand einer Beratung für regional interessante Unternehmungen können partnerschaftliche Kooperationen, Projektplanung oder Vermarktungsstrategien sein. Alternative Finanzierung Eine der Möglichkeiten ist die Finanzierung durch den Kunden. Der geliehene Betrag zuzüglich Zinsen wird den Kunden ab dem ersten Jahr über Einkaufsgutscheine zurückbezahlt. Für größere Vorhaben, bei denen viele Menschen einen Bedarf anmelden, das Risiko für einen Einzelunternehmer aber zu groß ist, kann die Gründung einer Genossenschaft die Lösung sein. Die solidarische Landwirtschaft ist eine Form der sehr engen Partnerschaft zwischen einem Landwirt und seinem Kunden. Ein Hof schließt sich im Idealfall mit seinen Abnehmern zusammen, um gemeinsam die Kosten für die Produktion zu tragen. Lange Lieferwege sind dabei ausgeschlossen. „Wichtig ist es als `HeimatUnternehmer´, auch etwas für das Gemeinwohl zu machen und dadurch einen `HeimatWert´ zu schaffen“, erklärt Wolfgang Neukirchner, Leiter des Amts für Ländliche Entwicklung Mittelfranken. Den richtigen Weg herauszufinden, ist Sache der „HeimatEntwickler. Wer ein „HeimatUnternehmer“ werden will, kann sich an Daniel Rieth unter der E-Mail: daniel.rieth@heimatunternehmen.bayernorg wenden oder kann sich online unter: www.heimatunternehmen.bayern informieren....