Umwelt selbst gestalten...

Klimabündnis für bessere Lebensqualität aller Bürger „Time is running out“–„Die Zeit drängt“, lautet der aktuelle Ausruf des „Klimabündnisses Rothenburg“. Die starke Ausdünnung der Ozonschicht, wie sie 1985 erstmals am Südpol über der Antarktis festgestellt wurde, zeigte sich am Anfang des Jahres 2020 nach einem Bericht des Alfred-Wegener-Instituts zum ersten Mal auch über der Arktis (Nordpol), so der Wikipedia Eintrag über die aktuelle Situation der Ozonschicht. Die Aktion „Fridays for Future“, zu Deutsch: „Freitage für die Zukunft“ ist der Name einer Bewegung von Schülern und Studenten auf der ganzen Welt. Ihr Ziel ist es, die Politik dazu zu bewegen, mehr in den Klimaschutz zu investieren. Auch Rothenburger Schüler sind mit von der Partie. Was die jungen Menschen bereits vor Corona begonnen haben, hat auch bei den Eltern Anklang gefunden. Aus einer losen Gruppe Erwachsener haben sich bis heute 20 aktive Klimaschützer zusammengetan, um zu zeigen, dass der Einsatz für die Umwelt in der Region Spaß machen kann und für alle Bürger eine bessere Lebensqualität mit sich bringt. „Die generationsübergreifenden Gemeinschaftsaktionen verbinden und motivieren dazu, an einem Strang zu ziehen, so die Motivation des „Klimabündnis Rothenburg“. Um der Klimaproblematik vor Ort fachkompetent begegnen zu können, hatte sich die Interessengemeinschaft mit einem Antrag bei der Stadt um einen „Klimamanager“ bemüht. „Es geht uns vor allem darum, Gelder sinnvoll einzusetzen und gemeinsam mit der Stadt Rothenburg für möglichst schnelle Lösungen für eine Klima freundlichere Umwelt zu sorgen“, so das Ziel der engagierten Gruppe. Um die Zeit sinnvoll zu nutzen, bis ein Klimamanager eingesetzt werden kann, hat sich das „Klimabündnis Rothenburg“ in drei offene Arbeitsgruppen aufgeteilt und schon so einige Projekte auf den Weg gebracht: Die Gruppe Klimapolitik unter dem Motto „Global denken, lokal handeln“, eine Fahrradgruppe für fahrradfreundliche und sichere Radwege in Rothenburg und die Gruppe Stadtgrün namens...

Der amerikanische Europäer...

James Derheim kennt ganz Europa – aber leben will er nur in Rothenburg Er hätte Paris, Rom, London, Venedig oder auch ein irisches Dorf mit Blick über das Meer auswählen können. Hat er aber nicht. James Derheim hat sich für Rothenburg entschieden. Seit den 90er-Jahren lebte er stets ein paar Monate im Jahr in der Tauberstadt. Seit 2020 ist er nun das ganze Jahr über hier. Er hat ein Appartement mit sonniger Terrasse mitten in der Altstadt – und er findet sein Leben in der Tauberstadt einfach genial. Wer ist dieser James Derheim, den gefühlt jeder in Rothenburg kennt? Das steife deutsche „Sie“ hat bei dem smarten Amerikaner keine Chance; er spricht zwar recht gut deutsch, aber lieber ist ihm englisch – und er hat die Gabe, das Leben zu nehmen, wie es kommt. Chancen sehen, zupacken, etwas daraus machen. Und genau das hat ihn auch nach Rothenburg geführt. James Derheim erinnert sich noch an seinen ersten Aufenthalt hier. Es war Winter, Februar 1990. „Keine Ahnung, warum wir zu so einer Zeit hierhergekommen sind“, sagt er rückblickend. Derheim war Fotograf für „The Stars and Stripes“, eine Zeitung, die für die Truppen der US-amerikanischen Streitkräfte publiziert wird. Gemeinsam mit einem Redakteur hat er an einer Story über Rothenburg gearbeitet. Derheim hat damals ein Foto von einem Mann mit Roller und Anhänger gemacht, als dieser im Schneegestöber durch den Siebersturm gefahren ist. Das Bild wurde groß gedruckt. „Später habe ich den Mann noch öfter gesehen“, sagt er. An diesem kalten Februartag war das „Stars and Stripes“-Team aber schnell wieder weg. Vielleicht ging es weiter nach Paris oder sogar nach Afrika oder Asien. „Das war damals einfach ein Job für mich. Ich bin so viel gereist“, so Derheim. Über die Navy in die Welt James Derheim ging...

Heilkraft des Lachens...

Lydia Opfer ist Lachyogatrainerin Haben Sie heute schon mal herzhaft gelacht? Nein, dann wird es Zeit für Lachyoga. Und bevor Sie nun denken, das ist ja albern, braucht doch keiner – lassen Sie sich kurz eines besseren belehren. Lydia Opfer aus Uffenheim ist Lachyogatrainerin. „Ich bin über Umwege zum Lachyoga gekommen“, erzählt sie. Lydia Opfer hat seit 2006 ein eigenes Kosmetikstudio in Uffenheim. Während einer ayurvedischen Ausbildung in Bad Meinberg wurde auch Lachyoga angeboten. Die sehen verrückt aus, sei ihr erster Gedanke damals gewesen. Dennoch hat sie sich getraut und an einem Lachyogakurs teilgenommen. „Ich war danach total begeistert und wollte das unbedingt weitergeben“, erinnert sie sich. Das war 2009 und es hat noch knapp zehn Jahre gedauert, bis sie 2018 die einjährige Ausbildung zur Lachyogatrainerin in München absolviert hat. Als sie 2019 fertig war, kam leider Corona auf. „Ich konnte daher noch keine fortlaufenden Präsenzkurse anbieten“, so Lydia Opfer. Sobald es Planungssicherheit gibt, will sie aber damit starten. Bereits in den Genuss der Heilkraft des Lachens sind aber Uffenheimer Kinder gekommen, denn sie hat im Rahmen des Ferienprogramms 2019 einen Lachyogakurs mit Schülern gemacht. Ebenso gab es einen Online-Kurs. „Das geht besser als ich dachte“, so die Trainerin. Und die Diakonie hat die Lachyogaspezialistin für ein Seminar für ehrenamtliche Mitarbeiter gebucht. Es darf also trotz Corona noch gelacht werden. Lydia Opfer baut ihre Kurse in vier Etappen auf. Nach einer Begrüßung mit Klatschen und dem traditionellen Hoho Hahaha-Ruf starten erste Atemübungen, gefolgt von positiven Verstärkungen und dem spielerischen Herangehen an die ersten Lacher. „Man denkt, das ist total peinlich, aber in der Gruppe entfaltet sich eine eigene Dynamik“, erklärt sie. Lachyogatrainer arbeiten mit speziellen Ankern, die die beim Lachen erfahrenen Emotionen in den Alltag transportieren sollen. Beispielsweise gibt es das Verlegenheitslachen: Wie eine...

Musikerin mit Leib und Seele

Carmen Hofacker: Sängerin, Songwriterin und MiniMusikanten-Erfinderin „Ich habe schon als Kind gewusst, dass ich Musikerin, im speziellen Sängerin, werden will“, sagt Carmen Hofacker. Wir treffen uns in ihrem Elternhaus in Diebach. Im Dachgeschoss hat sie Räume für ihre MiniMusikanten eingerichtet, das neueste Projekt der Künstlerin. Mit Blick auf Felder und Wiesen ist sie hier aufgewachsen. Mitten auf dem Land. Lehrer für Stimmbildung, Harmonielehrer, Songwriting gab es nicht. Trotzdem wollte und ist sie Sängerin geworden. Lange Jahre waren ihr Erkennungszeichen die leuchtend roten Haare. Mittlerweile setzte sie auf Natürlichkeit, trägt einen lockeren Zopf und ist Mutter eines 6-jährigen Jungen. Start der Solokarriere Die Höhen und Tiefen des Musikbusiness hat sie in den letzten über 20 Jahren durchschritten. Ärmel hochkrempeln und wieder was los machen, das hat sie in ihre DNA eingesogen. So einfach lässt sich Carmen Hofacker nicht unterkriegen. Auch nicht von dem coronaindizierten, faktischen Arbeitsverbot für Künstler in den letzten eineinhalb Jahren. Nach der Schule hat Carmen Hofacker eine Ausbildung bei Sport Erhard gemacht und ist zeitgleich mit ihrer ersten Band „Reminder“, einer Coverband, aufgetreten. „Ich habe gut verdient und Geld gespart“,erzählt sie. Mit 23 Jahren ging sie dann nach Berlin an eine private Schule zur musikalischen Ausbildung. Danach folgten sechs Jahre klassische Gesangsausbildung bei privaten Lehrern. „Nebenher habe ich halbtags im Büro gejobbt“, erzählt sie. Außerdem hatte sie ab 2003 auch ihre Band „Swim“, ein Akustik-Rock-Duo. Hier konnte sie ihre Kreativität ausleben, denn mit „Swim“ spielte sie nur eigene Stücke, selbst getextet und komponiert. Zwei Alben sind in dieser Zeit entstanden. Es lief ganz gut bis der Gitarrist erkrankte und nicht mehr auftreten konnte. Eine schwierige Zeit, die eine Neuorientierung forderte. „Ich habe dann den Weg Richtung Solo eingeschlagen“, so Carmen Hofacker. Das sei anfangs auch eine ganz nüchterne Entscheidung gewesen, fügt sie an. Kleinkunstveranstalter haben ein enges Budget und bei Soloauftritten ist der Verdienst einfach besser. Dies war die Geburtsstunde von „Carmen Underwater“. „So konnte ich von der Musik leben“, sagt die Künstlerin. Mit „Carmen Underwater“ lässt die Musikerin ihren sanften, ruhigen Part erklingen. Und das kam und kommt an. Sie erhielt den „Listen to Berlin Award“ und den Jury-Preis beim Berlin Song Contest. Auftritte in ganz Deutschland und auch in ihrer Heimat, beispielsweise bei Kultur Korn oder im Wildbad in Rothenburg, folgten. Ihre Songs haben stets ein zentrales Thema, das bewegt, oder erzählen Geschichten aus der Tiefe des Menschseins. Die Impulse zu den Liedern kommen dabei in ganz normalen Alltagssituationen. „Ich tippe die Idee dann schnell ins Handy oder singe die Melodie ein“, erklärt Carmen Hofacker den Schaffensprozess. Ohne Disziplin geht es nicht Und dann folgt harte Arbeit. „Man braucht Disziplin um ein Lied zu schreiben“, weiß sie. Manchmal fließt es, manchmal beißt sie sich die Zähne aus. Am einen Song arbeitet sie ein Jahr, der andere entsteht in einer Nacht. „Das Klavier ist dabei stets mein Instrument“, so die Musikerin. Es lief gut. Auch privat. 2015 kam ihr Sohn Enno auf die Welt und gemeinsam mit Partner Daniel Rieth, den viele über seine Initiative „Träumen & Machen“ kennen, orientierte sich die junge Familie wieder Richtung Heimat – mit Abstechern in die weite Welt. Im Jahr 2017 verabschiedeten sie sich für eine Tour durch Europa und im Anschluss durch Australien und Neuseeland. Mit dem Wohnmobil erkundeten sie die Welt und Carmen Hofacker gab an den verrücktesten Orten Konzerte. „Beim Konzert am Strand in Usedom erlebten wir ein spektakuläres Naturschauspiel“, erinnert sie sich. Ihr Auftritt wurde von einem kompletten Regenbogen überspannt. In Frankreich spielte sie bei einer riesigen Gartenparty, in England auf dem Geburtstag einer 75-jährigen Urlaubsbekanntschaft, in Down Under in Cafés und in Wohnzimmern. „Ich habe etwa 100 Konzerte gegeben“, so die Sängerin. Anspruch an Qualität Zurück in Deutschland erweckte sie im Jahr 2018 die MiniMusikanten zum Leben. Carmen Hofacker hat in Berlin bei „Little Musikmakers“ die Ausbildung zur musikalischen Früherziehung gemacht, die parallel in englisch und deutsch stattfindet. Da die vorhandenen Arbeitsmaterialien aber nicht ihrem...

Ein besonderes Ehrenamt

Die Rothenburger Sicherheitswacht mit Blick auf ihre Mitmenschen Sie tragen eine dunkelblaues Poloshirt, eine gleichfarbige Jacke; auf dem Rücken steht „Sicherheitswacht“. Am Ärmel befindet sich ein Aufnäher mit dem bayerischen Wappen. Zur Ausrüstung der Sicherheitswächter gehören eine Trillerpfeife, ein Digitalfunkgerät und ein Abwehrspray. Seit nunmehr 25 Jahren gehen Bürgerinnen und Bürger für die bayerische Polizei auf Fußstreife. Auch die drei gebürtigen Rothenburger Rainer Moll, Günter Wasilewski (Spitzname „Otto“) und Joachim Huber gehören zu der im Oktober 2019 neugegründeten Rothenburger Sicherheitswacht (bewilligt durch das Bayerische Innenministerium). Hauptkommissar Jürgen Schmidtmaier von der hiesigen Polizeidienststelle ist ihr Dienstherr. In einem Vorstellungsgespräch wurde die Zuverlässigkeit der Bewerber vorab geprüft, natürlich unter Vorlage eines einwandfreien polizeilichen Führungszeugnisses. „Man sollte schon eine „weiße Weste“ haben“, sagt Moll lächelnd. Gemeinsam mit der Polizei sorgt die Sicherheitswacht für ein „Mehr“ an Sicherheit, Zivilcourage und Zusammenhalt in der Gesellschaft! Genau das ist es, was die drei motiviert. Allein ihre Uniform erzeugt bei den Mitbürgern ein gewisses Sicherheitsgefühl, so der Eindruck der engagierten Ehrenamtlichen. Doch wie weit dürfen Sicherheitswächter gehen? Wird es bedrohlich, rufen sie per Funk eine Polizeistreife. Sie dürfen zwar die Identität von Personen überprüfen und Verdächtige festhalten bis die Polizei eintrifft aber nicht mehr. Sie kümmern sich auch um „Partyhelden“, wie am Rothenburger Kummereck beim Galgentor, wo Jugendliche kürzlich bis morgens um 5 Uhr laut Musik gehört und randaliert haben. In der Rothenburger Facebookgruppe wurde das Verhalten von vielen Mitbürgern scharf kritisiert. „Da muss man doch was tun und denen Einhalt gebieten“, hieß es unter anderem. „Genau dafür können sich Einheimische als ehrenamtliche Sicherheitswächter einsetzen und selbst für Ordnung sorgen“, so Günter Wasilewski, der seit 42 Jahren als Kellermeister beim Verein „Der Meistertrunk e. V.“ auftritt. Rainer Moll ist mit seinem Sohn und seinem Enkel in dritter Generation bei der Freiwilligen Feuerwehr aktiv. „Man kann so einiges bewirken mit ehrenamtlichem Engagement“, versucht Moll seine Mitmenschen zu motivieren. Ansprechpartner und Ratgeber sein Auf Streife gehen ist für die drei von der Sicherheitswacht auch immer wieder mit positiven menschlichen Begegnungen verbunden. Vor kurzem unterhielten sich „Otto“ und Moll mit einem Ehepaar über die ganze Stadtgeschichte und stellten fest, dass sie sich vor ca. 20 Jahren schon einmal beim „Helmers“ zu der ein oder anderen Kleinkunstveranstaltung getroffen haben könnten. „Auch das machen wir, Menschen mit der Historie der Tauberstadt vertraut machen und ihnen Wegweiser für die schönsten Orte in der Umgebung sein“, sind sich die „Wächter“ einig. Die Sicherheitsleute sind immer zu zweit unterwegs, um in heiklen Situationen dem Partner Rückendeckung geben zu können. Drei sind allerdings auf die Dauer zu wenig für eine Stadt wie Rothenburg. Fällt einer aus, muss der mindestens fünfstündige Einsatz im Monat von nur zwei Aktiven geleistet werden. Die Aufwandsentschädigung von acht Euro pro Stunde machen es nicht besser. Interessierten im Alter von mindestens 18 und höchstens 62 Jahren können sich mit der Polizeidienstelle Rothenburg über die ehrenamtliche Sicherheitswacht informieren....

Menschen wachsen sehen

Martin Hanselmann: Jede Stunde des Lebens ist wertvoll „Ich bin ein Rothenburger“, sagt Martin Hanselmann voller Überzeugung. Es klingt ein wenig so wie in der Rede von John F. Kennedys im Jahr 1963 in West-Berlin: „Ich bin ein Berliner“. Das Plönlein und die Spitalgasse, da ist er aufgewachsen und das ist sein Zuhause. Vater Ernst stammt aus Brettheim und war viele Jahre bei Eisen-Keitel angestellt. „Meine Mutter kam als Flüchtling aus Schlesien nach Brettheim, wo sich die Eltern kennen gelernt haben“, erzählt Martin Hanselmann weiter. Sein älterer Bruder Reiner ist noch in Brettheim geboren. Sein jüngerer Bruder Stefan und er selbst haben in Rothenburg das Licht der Welt erblickt. Schon während der Schulzeit in der Tauberstadt fiel er mit seinen sportlichen Leistungen auf. „Früher wurden junge Talente noch gefördert. Heute ist der Sport das erste, was an unseren Schulen ausfällt“, bemängelt Hanselmann. Seiner Meinung nach ist Sport nicht nur Bewegung, sondern fördert wichtige soziale Kompetenzen wie den Teamgeist. Ob Turnen, Fußball oder Leichtathletik, alles hat bei dem jungen Rothenburger „gepasst“, wie man es auf fränkisch zu sagen pflegt. Mit Schnelligkeit im Sprint und sehr gute Leistungen in anderen Disziplinen im Rahmen der Leicht­atlethik lag die Entscheidung nahe, auf eine Kadersichtung (Talentauswahl) hinzuarbeiten. Die ehrliche Aussage des damaligen Bundestrainers Bert Sumser über die mangelnde Schrittlänge Hanselmanns war eine große Enttäuschung und ein ebenso großer Zeitverlust jahrelangen Leichtathletiktrainings. Eine andere Welt Motiviert durch seinen Freund Oliver Rosemann schnupperte Martin Hanselmann im Herbst 1982 in das allererste Training für „American Football“, aus dem später die „Franken Knights“ in Rothenburg entstanden sind. Natürlich faszinierte den damals Jugendlichen auch das amerikanische Leben, hinter den Kulissen der Illesheimer Kaserne aus der viele Footballspieler kamen. Dort fanden nicht selten Football-Treffen statt. Es wirkte alles amerikanisch: die Straßennamen, die Geschäfte und die Menschen. „In den USA wird der Sport von den meist privat finanzierten Schulen und durch Firmen gefördert. In den Highschools gehört der Sport zum Bildungssystem. Im amerikanischen Schulsport geht es um die Talentsichtung, ähnlich wie in der ehemaligen DDR“, erklärt er den Unterschied. Es existiert keinerlei Vereinssport. Jeweils ein halbes Jahr wird an den Schulen eine Sportart intensiv trainiert. Die Footballsaison beginnt im September und wird im Januar vom Basketballtraining abgelöst. Über den Sommer steht Baseball im Vordergrund. Football in Rothenburg zu spielen ist wie ein Stück Amerika in Franken. „American Football“ erfüllt seither das Leben des Martin Hanselmanns. Schnell stieg er zum Cheftrainer verschiedenster Vereine auf und brachte Spieler wie Mark Nzecho, Thomas Rausch, und Sohn Dominic Hanselmann in die Nationalmannschaft, um nur einige zu nennen. Die Freude am Football wurde für den ausgebildeten Bankkaufmann zum Lebensinhalt. Mit Hanselmann als „Head Coach“ gewann die deutsche Football-Nationalmannschaft die Europameisterschaft 2001 und die World Games 2005, zudem wurde die deutsche Auswahl 2005 EM-Zweiter und 2003 WM-Dritter. Außerdem war Hanselmann Prä­sident des Bayerischen Football-Verbandes. Derzeit arbeitet er als „Head Coach“ der „Stuttgart ­Surge“, eine von acht Mannschaften der European League of Football (ELF), die im Frühjahr diesen Jahres neu gegründet wurde. Robert Huber, der seit 1997 AFVD-Präsident ist, scheint in naher Zukunft einen Nachfolger zu bekommen. Immer öfter fällt der Name „Hanselmann“ für den Posten. „Ich bin eher der bessere Zweite, soll heißen, ich arbeite lieber am Menschen als mich um die Gesamt­politik des ,American Football‘ zu kümmern“, weiß er aus Erfahrung. Allerdings arbeitet er auch an sich und der sinnvollen Nutzung seiner ihm zur Verfügung stehenden Stunden eines jeden Tages. Er hat eine eigene Zeitrechnung für seinen Lebensalltag aufgestellt: „Der Tag hat 24 Stunden, davon brauche ich acht bis neun Stunden Schlaf“, gesteht er. Den Großteil der Zeit investieren die Menschen in den Beruf, der in Hanselmanns Augen zuallererst Spaß machen sollte. Das gibt Kraft und Motivation für berufliche Ziele. Aus diesem Grund beschloss er nach zehnjährigem „Bänkerdasein“, seinen Beruf an den Nagel zu hängen und gemeinsam mit seinem Bruder Stefan den ctk-Sportpark in Rothenburg zu eröffnen. „Seitdem tue ich was mir Freude macht: Die Stärken...