Mias Hühnerfarm zieht Menschen an

Bei der Familie Kohlmüller in Creglingen dreht sich alles um die gefiederten Freunde Wie oft hören Eltern von ihren Kindern: „Ich will ein Tier“. Der Familie Kohlmüller aus Creglingen ging es nicht anders. Sie verbrachten ihren Sommerurlaub 2019 in Dänemark. Dort gab es ein Hühnergehege. Mia war begeistert und half beim Misten, Eier sammeln und Füttern mit und war nicht mehr wegzubringen von dem fröhlichen, bunten Federvieh. Wieder zu Hause angekommen, lief die damals 9-Jährige in die Bücherei im Creglinger Romschlössle. „Ein Buch über Hühner musste her“, dachte sich die auch sonst rege Büchereibesucherin. Evelyn Gillig (Büchereileiterin), sah Mia in der Sachbuchabteilung für Tiere zielstrebig das Fachbuch mit dem Titel „Hühner in meinem Garten“ herausziehen. Stunde um Stunde studierte Mia die Hühnerkunde über Rassen, Haltung und Gehegebau – oft bis über die Öffnungszeiten hinaus. Der Wunsch nach einem eigenen Gehege mit einer kleinen Schar Hühner und eventuell einen Hahn im Korb ging ihr nicht mehr aus dem Kopf. Vater Kohlmüller wurde von seinen beiden Frauen überzeugt und baute ganz nach Anleitung ein Haus, eine kleine Bruthütte und einen Futterplatz mit Dach. Auf dem Hühnermarkt in Creglingen wurde Mia fündig. Die ersten Tiere waren nur braun und weiß. Innerhalb kürzester Zeit wurde das Gehege zu klein und es kamen Grünleger, Sperber und Sussexhühner hinzu. Ihr Lieblingshuhn ist ein Haubenhuhn. Die „Hühnermama“ hatte mit der Zeit zu viele Eier und ging von Tür zu Tür, um sie zu verkaufen. So auch bei Evelyn Gillig, die in ihrer Bücherei oft Kreativworkshops „wie es im Buche steht“ anbietet. Auf dem neuen Regionalmarkt in Creglingen fand sie bebenfalls Abnehmer für die bunten Eier ihrer besonderen Rassen. Mia hat aus Büchern so viel über Hühnerhaltung gelernt, dass sie mit Führungen im Kinderferienprogramm aufgenommen wurde. Die Aktion fand großen Anklang sodass die Tauberzeitung, das SWR-Fernsehen und am Ende auch noch das Rotour-Magazin über die Hühnerfarm berichteten....

Der andere „Buchmacher“

Günther Emig: Verleger mit besonderen Eigenschaften und Kleist-Kenner Überall sind Bücher. Neben dem Eingang hüfthoch gestapelt und fertig zum Verschicken in Kartons verpackt, fein sortiert in Regalen, überschwänglich auf Tischen gelagert oder griffbereit neben dem Sofa. Dazwischen: Günther Emig. Ganz anders als der gemeine Buchmacher setzt er mit all den beschriebenen Seiten nicht auf die Vermehrung seines pekuniären Einsatzes. Er ist Herausgeber, Verleger, Korrekturleser, Typograf, Layouter, Vermarkter und sein eigener Laufbursche in Einem. Sein Verlag heißt „Günther Emigs Literatur-Betrieb“. Die Ironie darin ist Absicht: Als Ein-Mann-Betrieb realisiert er, wozu sonst die Betriebsamkeit einer ganzen Branche nötig ist. Für ihn schreiben die Autoren allesamt ohne Honorar. „Ich beute mich aus und auch Andere“, sagt er lachend. Markante Wortspiele, die eines im Sinn haben: Bleibendes zu schaffen. Ohne sein Engagement als Verleger hätten diese Autoren keine Öffentlichkeit. Günther Emig macht nur die Bücher, die er für wichtig hält. Besonders schöne, mitunter in Leinen gebunden. Das ist die Art von Literatur, die sich Liebhaber gönnen. Davon wird bekanntlich keiner reich. Seit etwa 20 Jahren lebt Emig im Prinzessinnenhaus zu Niederstetten. Bei einer Autorenlesung in Heilbronn hat er Gertrud Zelinsky kennengelernt. Zelinsky ist eine Großcousine des Dichters Stefan George und hat zwölf Bücher geschrieben, darunter „Kein Grund zur Panik. Leben und Lieben der reifen Frau“ (1989), das es auf die Bestsellerliste schaffte. „Ich habe Gertrud Zelinsky nach der Lesung damals in Niederstetten besucht und bin geblieben“, erzählt Günther Emig. Zu dieser Zeit war er Direktor des Kleist-Archivs Sembdner in Heilbronn. Helmut Sembdner, ein bedeutender Kleist-Forscher, hat Teile seiner Sammlung der Stadt Heilbronn verkauft. Günther Emig, der seit 1982 erst als stellvertretender Leiter, dann als Direktor die Stadtbücherei Heilbronn leitete, wurde Ende 2000 der Chef des Kleist-Archivs. Nische in der Forschung Das Kleist Achiv Sembdner gehörte neben der Kleistgesellschaft und dem Kleistmuseum Frankfurt (Oder) zu den drei bedeutenden Anlaufstellen in der Forschung rund um den Dichter und Schriftsteller Heinrich von Kleist. Günther Emig musste kreativ ans Werk gehen, um sich mit dem Archiv in der renommierten Kleistforschung zu etablieren. „Ich habe vorwiegend auf die Bibliografie gesetzt“, so Emig. Über 10 000 Werke hat er erfasst und 167 Veröffentlichungen in 19 Reihen realisiert. Emig hat noch andere Maßeinheiten dafür parat: Er hat drei laufende Meter Bücher zu Kleist produziert. Und zusammen mit den übrigen Veröffentlichungen „ein ganzes Billy-Regal voll“, sagt er und lacht. Kleist in Ikea. Das hat was. Der renommierte Ruf des Kleist Achivs Sembdner unter der Leitung von Günther Emig hat sich aber nicht nur auf die gedruckten Publikationen bezogen. Emig hat neben seinem Faible für Worte in der analogen Welt auch eine Leidenschaft für Buchstaben und Ziffern in der digitalen Welt. Bereits Ende der 80er Jahre hat er als klassischer Tüftler den Computer entdeckt. „Immer mit dem Hintergedanken, wie kann ich damit Bücher herstellen“, erklärt er. Anfang der 90er hat er dann das Internet erkundet. „Bereits 1996 habe ich die Kleist-Bibliografie ins Internet gestellt“, erinnert sich der Bibliothekar. Programmiert hat er damals alles selbst, denn die Stadt Heilbronn war noch weit entfernt vom eigenen EDV-Fachmann. „Das Internet hat das Kleist-Archiv dann bekannt gemacht“, so seine Einschätzung. Literarische Anfänge Die ganzen Jahre über ist Emig täglich vom Prinzessinenhaus hoch über Niederstetten bis nach Heilbronn ins Sembdner Archiv gependelt. Seit zwei Jahren ist er nun im Ruhestand. Sein Tag ist deswegen aber nicht geruhsamer geworden. Schon in den 70er Jahren hat er einen Verlag gegründet, der sich der literarischen Subkultur widmete. Im Milieu der alternativen Autoren war er bestens vernetzt: Er hat bei Hadayatullah Hübsch, dem experimentellen Beat-Dichter übernachtet, kennt Wolfgang Fienhold, der den Roman zur „Flambierten Frau“ geschrieben hat, und ebenso den Schriftsteller und erfolgreichen Drehbuchautor Frank Göhre. Gemeinsam mit Benno Käsmayr war Günther Emig mit Deutschlands jüngstem Verlag auf der Buchmesse. Die Zeit war bekanntlich wild. Damals hat Emig Germanistik und Politikwissenschaft in Heidelberg studiert. Er stammt aus einem kleinen Dorf im Odenwald. „Ich war der einzige im Ort, der ins Gymnasium ging“,...

Auf Eroberungskurs

Die Newcomerband „Conclusion of an Age“ wird offiziell gefördert „Wenn man bei den Großen mitspielen will, dann muss man ebenso professionell arbeiten“, sagt Kevin Di Prima. Di Prima ist der Sänger der fünfköpfigen Band „Conclusion of an Age“. Alle fünf sind Rothenburger und voll engagiert. Sie sind auf dem besten Weg, sich als Band im hart umkämpften Musikgeschäft einen festen Platz zu erobern. Ihre Band „Conclusion of an Age“ haben sie im Jahr 2014 gegründet und seit 2015 spielen sie in der aktuellen Formation. Schon 2017 haben sie ihr erstes und einziges Album veröffentlicht und ein Jahr später schon einen der begehrten Auftritte auf dem Taubertal-Festival bekommen. Ein super Start also. Dann kam ein Moment des Innehaltens. „Wir haben uns gefragt, wo wir als Band hinwollen und was für Musik wir glaubhaft machen können“, erzählt Julian Kaiser. Gemeinsam mit Kevin Di Prima (und beim neuesten Song auch mit Michael Kaiser) ist er für die Songtexte und die Musik zuständig. Die musikalische Neuerfindung der Band hat dann auch gleich eingeschlagen. Der erste neue Song „Empire of Clouds“ kam gut an, noch besser das Musikvideo, das innerhalb weniger Tage 12 000 Klicks auf Youtube hatte. Ende Juli hat die Band dann ihre zweite Single mit Video veröffentlicht. „Black Door“ hatte innerhalb von zehn Tagen über 15 000 Klicks. Fans aus Portugal, Brasilien und USA schicken begeisterte Kommentare. Der Radiosender „Hellfire-Radio“ in den USA spielt die Songs der Band. Da die Bandmitglieder mittlerweile aufgrund des Studiums in unterschiedlichen Städten leben, ist die gemeinsame Zeit für Proben selten. Und außerdem hat Corona das Seine dazugetan. „Wir skypen jeden Sonntagabend“, erklärt Di Prima. Jeder hat seinen eigenen Verantwortungsbereich und alle sind gleich motiviert. „Wir wollen aus dem Pool der Bands herausstechen“, formuliert es Kevin Di Prima. Daher legen die Musiker nicht nur besonderen Wert auf ihre Texte, die fernab von klischeehaften Themen die Facetten des zwischenmenschlichen Verhaltens reflektieren. Dabei soll jeder Zuhörer seinen eigenen Zugang zum Thema finden. „Das ist ein langwieriger Prozess“, erklärt Julian Kaiser. Ebenso detailreich ist die Musik der Band. Sie sehen sich in keiner bestimmten Schublade, sondern wollen einen eigenen Stil und Wiedererkennungswert definieren. Es kann bis zu einem Jahr dauern, bis die Demoversion eines Songs steht und die Band ins Studio geht. Auch hier, Professionalität steht an oberster Stelle. Etwa vier Studiotage, verteilt auf Wochenenden, damit dazwischen Zeit zur Reflexion bleibt, müssen sein. Und dann geht es an den Videodreh. War bei „Empire of Clouds“ noch ein harter Körpereinsatz zu sehen, so sind bei „Black Door“ fast surrealistische Elemente eingezogen. Das aktuelle Video wurde von Alexander Müller produziert, ebenfalls Rothenburger. Für beide Musikvideos haben Band und Produzenten ausschließlich Orte in und rund um Rothenburg gewählt. Live-Auftritt am 5.September Ganz aktuell ist die Band besonders stolz auf die Förderung durch die „Initiative Musik“, die zentrale Fördereinrichtung der Bundesregierung und der Musikbranche für die deutsche Musikwirtschaft. Neben ihren musikalischen Leistungen musste die Band dafür eine Projektplanung mit Finanz- und Vermarktungsplan einreichen. Mit dieser finanziellen Unterstützung, die 40 Prozent der Gesamtkosten deckt, will die Band zwei neue Songs aufnehmen und dazu Musikvideos drehen. Eventuell soll dann eine EP entstehen. Wer die Band nun live hören möchte, hat aktuell beim „Tauberleuchten“ die Chance dazu, das am 5. und 6. September im Biergarten „Unter den Linden“ stattfindet (siehe Seite 32)....

Gemeinschaft versetzt Berge

Gudrun Schammann engagiert sich weiter für Menschen in ihrer Umgebung Seit Jahrzehnten aktiv, von allen geschätzt und mit 84 Jahren immer noch ein Bindeglied zwischen den Menschen: Gudrun Schammann ist auf einem Bauernhof mit Direktvermarktung in Freudenheim nahe Mannheim geboren. Das 200-Seelen-Dorf sei älter als die Stadt mit über 300 000 Einwohnern, erklärt sie. „Eigentlich wollte ich Lehramt studieren, aber der Wunsch meiner Eltern war ein anderer“, erzählt sie aus früheren Zeiten, als die Eltern noch ein gewichtiges Wort bei der Berufswahl mitzureden hatten. Also ging sie den Weg eines Mädchens vom Lande und begann eine Ausbildung in der Ländlichen Hauswirtschaft und wurde später Hauswirtschaftsmeisterin. Engagement mit Herz Schon in jungen Jahren wollte sie als Parteimitglied in der CDU etwas bewegen und setzte sich in der Evangelischen Landjugend Baden-Württemberg für die ländlichen Interessen ein. Es gab viele überregionale Treffen. So lernte sie auf einer Landesversammlung in Stuttgart den Kreisvorsitzenden Hans-Friedrich Schammann kennen und heiratete 1963 in den Milchviehbetrieb ein. Kaum in dem tauberfränkischen Örtchen Neubronn bei Creglingen gelandet, brachte sie sich in der Kirchengemeinde ein. „Du hast doch schon den Landjugendchor geleitet und kannst Klavier spielen“, wurde sie freundlich gebeten, das Orgelspiel zu übernehmen. Die Pfarrstelle war damals vakant und es fehlte an einer engagierten Chorleitung. Die Dorfkirche St. Georgius ist nach dem Schutzpatron der Bauern benannt. „Deshalb heißt unser Hof auch Georgshof“, erzählt die immer noch aktive Organistin. Was der engagierten Bäuerin besonders am Herzen lag, war die Gemeinschaft mit Nachbarn und Ortsmitgliedern ohne Neid, wie sie immer wieder betont. Als ein Auffangsee für den Herrgottsbach in Creglingen zum Tagesgespräch wurde, kam bei einem Landfrauenabend die Idee auf, aus dem entstandenen See einen Badesee für Urlauber und Anwohner entstehen zu lassen. Die Idee ließ die Damen nicht mehr los und sie dachten an mehr Unterkünfte in der wunderschönen tauberfränkischen Umgebung. Sofort wurden mögliche Zuschüsse für einen Urlaub auf dem Bauernhof ermittelt. Denn Höfe gab es viele. Zudem würden die Urlauber hier leben und einkaufen und auf diese Weise Geld in die Region bringen. Mit der Gründung des Arbeitskreises „Ferien auf dem Lande“ im Jahr 1969, der heute noch einer der größten im gesamten Bundesgebiet ist, wurde der Creglinger Raum für Urlauber aber auch für Einheimische zu einem Erholungsgebiet. Gudrun Schammanns Wunsch nach guter Zusammenarbeit und einer starken Gemeinschaft mit den Menschen um sie herum ging in Erfüllung. Ein tödlicher Unfall ihres Mannes Hans-Friedrich im Jahr 1976 erschütterte die ganze Familie mit mittlerweile fünf Kindern zwischen zwei und 12 Jahren. Die Arbeit auf dem Bauernhof wollte sie nicht aufgeben. Mit bemerkenswerter Energie schaffte sie es, als Hauswirtschaftsmeisterin insgesamt 60 Lehrlinge auf dem Georgshof auszubilden. Heute betreibt ihr Sohn als Landwirtschaftstechniker die mit 37 Milchkühen bewirtschaftete Hofstelle. Das war jedoch noch nicht alles. Als engagiertes Mitglied in der CDU und als Vorstandsmitglied des Ortsverbandes und stellvertretende Kreisvorsitzende der CDU-Frauenunion setzte sie sich für gemeinschaftliche Ziele ein. Im Kreistag saß sie über 20 Jahre, zeitweise als einzige Frau. Tradition verbindet Längst mit den tauberfränkischen Traditionen vertraut, engagierte sich Gudrun Schammann natürlich auch beim öffentlichen Schneeballbacken auf dem Maisingen in Creglingen. In mehr als 40 Jahren entstanden 60 000 fränkische Schneeballen beim traditionellen Schaubacken. Die Herstellung des begehrten Gebäcks lehrte Gudrun Schammann über fünf Jahre an der Volkshochschule. Über den immensen Einsatz für den ländlichen Raum wurde sie zu einem Landfrauenvortrag vor einer japanischen Delegation nach Rothenburg eingeladen. „Du könntest ihnen doch einmal etwas über unsere Landwirtschaft und unsere Agrarpolitik erzählen“, motivierte sie der damalige Rothenburger Oberbürgermeister Oskar Schubart. Im Publikum hörten drei Professoren für Landwirtschaft von der Universität in Tokio gespannt auf das, was die erfahrene Agrarierin zu alternativen Einkünften im ländlichen Raum zu sagen hatte. „Einer der angehenden japanischen Professoren griff das Thema des ländlichen Tourismus in Deutschland in seiner Promotionsarbeit auf“, erinnert sie sich heute noch. Besonders der Aspekt, die gesamte wirtschaftliche Situation im ländlichen Raum durch den Tourismus zu stärken, lag im Fokus seiner Arbeit. Die ganze Thematik fand ein...

Ein vergessenes Denkmal

Karlheinz Seyerlein hat die Grenze von Schillingsfürst zu Preußen reaktiviert Für manche mag es nur ein alter Stein sein. Für Karlheinz Seyerlein ist er ein Herzensanliegen. Vor genau 216 Jahren ließ Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. exakt 100 Grenzsteine mitten in unsere Landschaft setzen. Er wollte eine klare Grenze ziehen zwischen seinem Reich und dem Gebiet der Fürsten Hohenlohe-Schillingsfürst. Zwei Jahre später kam Napoleon und schrieb die Geschichte neu. Niemand interessierte sich seitdem mehr für die Grenzsteine. Bis Karlheinz Seyerlein sich in den 80er Jahren aufmachte, diese historische Grenze zu erkunden. Seit 2018 ist die einstige Landesgrenze zwischen Brandenburg-Ansbach und Hohenlohe-Schillingsfürst wieder vollständig rekonstruiert. Karlheinz Seyerlein hat langen Atem bewiesen. Ordnerweise hat er fotokopierte Dokumente aus der Zeit von 1792 bis 1804: Vorverträge, Schriftverkehr, vom Kaiser unterzeichnete Abmachungen. Nichts dürfte ihm entgangen sein. Auch wenn die Preußen bekannterweise mit ihren Gegenspielern nicht zimperlich umgegangen sind, mit den Schillingsfürster Fürsten hat es gut geklappt. „Den geschlossenen Vertrag sehe ich als vorbildlich an“, sagt er. Karlheinz Seyerlein, geboren 1940 in Leutershausen, ist heimatverbunden. Sein Elternhaus, die Metzgerei Seyerlein, liegt mitten im Ortskern. Mit 14 Jahren begann er eine Ausbildung bei der Sparkasse in Leutershausen und stieg dort bis zum Geschäftsstellenleiter auf. Dann wechselte er zur Sparkasse nach Ansbach und war als Kreditbereichsleiter für gewerbliche Kunden zuständig. „Da kommen Berufsjahre zusammen“, sagt er schmunzelnd. Nach 49,5 Dienstjahren ging er 2003 mit 63 Jahren in den Ruhestand. Von Ruhe wird in der Folgezeit aber nicht die Rede sein. Historischen Wegen folgen „Während meiner Bundeswehrzeit in Oberdachstetten bin ich auf topografische Karten unserer Region gestoßen“, erzählt er. Im Jahr 1969 umrundete er erstmals Leutershausen anhand dieser Karten. Danach leitete er regelmäßig Wanderungen mit Bekannten auf historischen Pfaden. Bis zu 50 Kilometer am Tag hat die Gruppe gemeistert und Gemeinden umrundet, den Hadrianswall zwischen England und Schottland erkundet, den Wasserscheideweg noch lange vor dessen touristischer Erschließung entdeckt. Das Aufspüren der Vergangenheit war immer Triebfeder des Naturerlebnisses. Im Jahr 1984 kam Seyerlein erstmals in Kontakt mit der Geschichte der Grenze zwischen den beiden Fürstentümern Brandenburg-Ansbach und Hohenlohe-Schillingsfürst. Er fand die alten Grenzsteine mit den Markierungen „HG“ und „PG“ an zwei Seiten. „Keiner wusste was das bedeutet“, erinnert er sich, „Weder Heimatkundler, alte Siebener oder geschichtsinteressierte Lehrer.“ Über Claus Broser, damals zuständiger Heimatpfleger für die Region Leutershausen, bekam Seyerlein den Kontakt zu Archiven, u.a. dem Hohenloher Zentralarchiv Neuenstein, und stieß auf die historischen Dokumente. Auf Spurensuche Er hat sich akribisch eingearbeitet und ist gemeinsam mit seinen Wanderfreunden die historische Route so lange abgegangen, bis alle Grenzsteine gefunden oder die Stellen der abgegangenen Steine lokalisiert waren. „Das hat sich über Jahre entwickelt“, erklärt Karlheinz Seyerlein. Es gab keine historische Karte, in der die Grenzsteine verzeichnet waren. Also zog die Gruppe nach Beschreibungen, die 1798 festgelegt wurden, über Feld und Flur und suchte die Markierungen. Die Steine waren mitunter zugewachsen, umgekippt oder versunken. Durch die Flurbereinigung waren manche gänzlich verschwunden. „Der Staat hat sich nicht um die Steine gekümmert“, so Seyerlein. Sie hatten ja keine Bedeutung mehr. So ist mancher steinerne Zeitzeuge in private Hände gewandert. Noch immer versucht Seyerlein mit diplomatischem Geschick die verschwundenen Steine, von denen es noch eine Spur gibt, zurückzuholen. Insgesamt 73 Originalsteine waren noch vorhanden. Bei der Rekonstruktion der Landesgrenze haben sich die Siebener der angrenzenden Gemeinden engagiert. Siebener-Obmann Erwin Keitel aus Hagenau und Siebener-Obmann Walter Wirth aus Schorndorf organisierten den Einsatz von rund drei Dutzend Siebenern, um an der alten Grenze die Steine zu renovieren und wieder aufzurichten. Seyerlein hat als Organisator und unermüdliche Triebfeder des Projektes auch die angrenzenden sieben Gemeinden aktiviert. Diese haben die Anfertigung von sieben Kopien von abgegangenen Grenzsteinen finanziert. Außerdem konnten sieben Infotafeln mit Geldern aus dem EU-Leader-Programm aufgestellt werden. Zusätzlich gab es drei private Spender. Etwa acht Jahre lang war das Projekt sein „Ruhestandsjob“, erzählt Seyerlein. Nun gibt es nicht nur eine gedruckte Karte mit allen eingezeichneten 100 Grenzsteinen, sondern auch die Internetseite www.grenzcommissaire.de mit aktuellen Infos zum...

Gestrandet in Namibia

Wilfried Theuerlein und der Corona-Lockdown Über 20 Mal war Wilfried Theuerlein schon in Namibia. Mit seinen Reisevorträgen darüber hat er unzähligen Rothenburgern das afrikanische Land nahe gebracht. Im März war er wieder dort – und kam voll in den Corona-Lockdown. „Als wir gestartet sind, hätte daran keiner gedacht“, erklärt er. Theuerlein hat mittlerweile gute Kontakte in Namibia und startete nach einer Woche auf der Farm eines Freundes zur Tour durch den Etosha-Nationalpark. „In Namibia gab es nach fünf Jahren endlich wieder Regen und alles war grün“, erzählt er. Wilfried Theuerlein und seine Frau sind nur mit einem „Nothandy“ unterwegs. Er hat damit keinen Internetzugang – und somit hat er die Entwicklung in Sachen Corona erstmal nicht mitbekommen. Zurück auf der Farm war dann aber sofort klar, Namibia vollzieht auch den Lockdown. „Wir mussten dann sofort in die Hauptstadt Windhoek, denn zwei Tage später kam dort niemand mehr rein oder raus“, erzählt er. Am 17. März wurde in Namibia der Ausnahmezustand ausgerufen. Der Lockdown wurde am 25. März bekannt gegeben und ist zwei Tage später in Kraft getreten. Also saßen Wilfried Theuerlein und seine Frau in einer Pension in Windhoek und warteten. „Wir sind jeden Morgen zur deutschen Botschaft gegangen, damit die wissen, wir sind noch da“, erzählt er. Alle gestrandeten Touristen mussten sich in die „Elefand“-Liste (Elektronische Erfassung von Deutschen im Ausland) des auswärtigen Amtes eintragen. „Da alles digital organisiert ist, auch die Information, ob man auf der Liste für einen Rückflug steht, ist man ohne Internetzugang aufgeschmissen“, so Theuerlein. Insgesamt warteten 16 Touristen in der Pension auf den Rücktransport. Mitunter lagen die Nerven blank. Es gab zahlreiche Fehlinformationen im Internet, außerdem brachen die Leitungen teilweise zusammen. Wilfried Theuerlein stand in regem Kontakt mit dem Reisebüro Weinschrod in Rothenburg, das ihn tatkräftig unterstützt hat. Organisiert wurde der Rücktransport sowohl von der deutschen Botschaft in Namibia, als auch von der Fluggesellschaft Condor in Frankfurt. Nach neun verlängerten „Urlaubstagen“ standen die Theuerleins auf der Liste. „Abends um neun Uhr hatten wir aber noch keinen definitiven Nachweis über den Rückflug am nächsten Morgen um sechs Uhr“, so Theuerlein. Der Mietwagen musste noch abgegeben werden und man benötigte einen Passierschein für die Polizeikontrolle auf dem Weg zum Flughafen. Letztendlich ging alles gut. „Wir mussten unterschreiben, dass wir die Kosten für den Rücktransport in Höhe eines regulären Linienflugs bezahlen, sonst hätte man uns nicht mitgenommen“, erzählt Wilfried Theuerlein. Aktuell wartet er noch auf die Rechnung. In Namibia sei der Umgang mit der Ausnahmesituation vorbildlich gewesen. „Alle waren freundlich und niemand hat die Not ausgenutzt“, stellt er fest. Auch die Gesundheitsvorkehrungen waren gegeben. Im Oktober plant Theuerlein eine Reise nach Malawi – eigentlich das Thema für den nächsten Reisevortrag. Sollte das nicht klappen, wird er über seine Erlebnisse in Namibia berichten....