Ein heißes Handwerk

Burkhard Moser verewigt Skulpturen und Kunstwerke im Bronzeguss Wenn in Schweinsdorf das Feuer lodert, dann sind echte Männer am Werk. Burkhard Moser hebt mithilfe von Alexander Fabi den Deckel des Brennofens an. Seit Stunden heizt er mit Koksbrocken das Innere auf 1 200 bis 1 400° Celsius auf. Inmitten der glühenden Hitze schmilzt so die Bronze. Immer wieder wirft er einzelne Metallstücke in den Schmelztiegel. Er will vier Gedenktafeln für das Haus in der Judengasse 10 in Rothenburg gießen. Geduld gehört ebenso zu seinem Handwerk wie Hitze, Ruß und schweres Heben. Burkhard Moser ist Bronzegießer. Seit Jahren lebt und arbeitet er in Schweinsdorf bei Rothenburg. Der Zufall hat ihn hierher verschlagen. Eine translozierte Scheune Burkhard Moser ist in Würzburg geboren, in Oberbayern aufgewachsen und hat dort die Ausbildung zum Bronzegießer gemacht. Auf der Suche nach einem Eigenheim am Land, denn er ist nach eigenen Auskünften „überzeugter Landbewohner“, fand er das baufällige Anwesen in Schweinsdorf. Das ist jetzt 35 Jahre her, aber die dreijährige Renovierungszeit hat sich fest in seiner Erinnerung eingegraben. Mittlerweile ist sein Anwesen ein kleines Schmuckstück. Mehrere Bronzestatuen stehen in seinem Garten, darunter auch eine Figur des Rothenburger Künstlers und Bildhauers Peter Nedwal. An sein Wohnhaus schließt sich die Scheune mit Werkstatt an. So wie man es von einem fränkischen Gehöft kennt. „Die Scheune habe ich aber transloziert“, sagt Moser schmunzelnd. Der Mann hat nicht nur ein kunstfertiges Händchen, sondern auch Humor. Als er hier sesshaft wurde, wollte er seine Werkstatt nicht in einer uninspirierten Halle unterbringen, sondern eine Scheune sollte es sein. Architekt Eduard Knoll fand eine passende in Oberoestheim. Moser ließ sie dort abbauen und in Schweinsdorf wieder aufbauen. Seitdem hat er hier für die Ewigkeit bewahrt, was sich Künstler ausgedacht haben. Burkhard Moser sagt von sich selbst, er ist Gießer, nicht...

Mit bedachten Worten

Rothenburg kennt Ulrich Pyczak als Buchhändler. Aber da ist noch mehr. Fällt in Rothenburg der Name Pyczak, stellen sich sofort Assoziationen ein: Ein besonderes Buch, das in Erinnerung geblieben ist, die schnelle Zeitung im Vorbeigehen, eine fachkundige Beratung – und irgendwas war doch da mit Thomas Mann? Pyczak, das war eine Buchhandlung, die man heute landauf, landab sucht. Und Ulrich Pyczak ist der Mann, der das möglich gemacht hat. Bis vor sieben Jahre, bis zu seinem 80. Lebensjahr, stand er in den prall gefüllten Räumen seines Ladens in der Georgengasse. Ein Rothenburger durch und durch. Eine Buchhändlertradition, die in der Familie lag. Oder ist da vielleicht sogar noch mehr? Auf Augenhöhe Ulrich Pyczak ist einer jener Menschen, die mit einem kleinen Schmunzeln und einem knappen Satz zur richtigen Zeit den Nagel genau auf den Kopf treffen. Er macht kein großes Aufsehen um seine Person, dabei kannte er doch die ganz Großen der Literatur: Thomas Mann, Marcel Reich-Ranicki oder Siegfried Lenz und Günter Grass, mit denen er 2005 eine Sendung für Radio Bremen gemacht hat. Der „einfache“ Buchhändler aus Rothenburg kam bei den Schriftstellern mit Weltruf gut an. Seine Gesellschaft und das Gespräch mit ihm hat eben etwas geradlinig Erfrischendes. Seit 1955 hat Ulrich Pyczak den Einheimischen und Touristen die Liebe zu den Worten näher gebracht. Er wurde hineingeboren in die Welt der Bücher. Sein Vater hat eine Buchhandlung in Rothenburg gekauft, die von zwei Kunstmalerinnen bereits 1906 gegründet wurde. „Das war die Mitgift seines Schwiegervaters zur Hochzeit“, erzählt Ulrich Pyczak. So kam die schlesische Familie im Jahr 1931 in die Tauberstadt. Dass er selbst die Buchhandlung einst übernehmen würde, war immer klar. Glückliche Fügung Nach zwei Jahren Lehre im elterlichen Betrieb sollte er noch Erfahrungen in einem anderen Unternehmen machen. Die Suche wurde im...

Umwelt selbst gestalten...

Klimabündnis für bessere Lebensqualität aller Bürger „Time is running out“–„Die Zeit drängt“, lautet der aktuelle Ausruf des „Klimabündnisses Rothenburg“. Die starke Ausdünnung der Ozonschicht, wie sie 1985 erstmals am Südpol über der Antarktis festgestellt wurde, zeigte sich am Anfang des Jahres 2020 nach einem Bericht des Alfred-Wegener-Instituts zum ersten Mal auch über der Arktis (Nordpol), so der Wikipedia Eintrag über die aktuelle Situation der Ozonschicht. Die Aktion „Fridays for Future“, zu Deutsch: „Freitage für die Zukunft“ ist der Name einer Bewegung von Schülern und Studenten auf der ganzen Welt. Ihr Ziel ist es, die Politik dazu zu bewegen, mehr in den Klimaschutz zu investieren. Auch Rothenburger Schüler sind mit von der Partie. Was die jungen Menschen bereits vor Corona begonnen haben, hat auch bei den Eltern Anklang gefunden. Aus einer losen Gruppe Erwachsener haben sich bis heute 20 aktive Klimaschützer zusammengetan, um zu zeigen, dass der Einsatz für die Umwelt in der Region Spaß machen kann und für alle Bürger eine bessere Lebensqualität mit sich bringt. „Die generationsübergreifenden Gemeinschaftsaktionen verbinden und motivieren dazu, an einem Strang zu ziehen, so die Motivation des „Klimabündnis Rothenburg“. Um der Klimaproblematik vor Ort fachkompetent begegnen zu können, hatte sich die Interessengemeinschaft mit einem Antrag bei der Stadt um einen „Klimamanager“ bemüht. „Es geht uns vor allem darum, Gelder sinnvoll einzusetzen und gemeinsam mit der Stadt Rothenburg für möglichst schnelle Lösungen für eine Klima freundlichere Umwelt zu sorgen“, so das Ziel der engagierten Gruppe. Um die Zeit sinnvoll zu nutzen, bis ein Klimamanager eingesetzt werden kann, hat sich das „Klimabündnis Rothenburg“ in drei offene Arbeitsgruppen aufgeteilt und schon so einige Projekte auf den Weg gebracht: Die Gruppe Klimapolitik unter dem Motto „Global denken, lokal handeln“, eine Fahrradgruppe für fahrradfreundliche und sichere Radwege in Rothenburg und die Gruppe Stadtgrün namens...

Der amerikanische Europäer...

James Derheim kennt ganz Europa – aber leben will er nur in Rothenburg Er hätte Paris, Rom, London, Venedig oder auch ein irisches Dorf mit Blick über das Meer auswählen können. Hat er aber nicht. James Derheim hat sich für Rothenburg entschieden. Seit den 90er-Jahren lebte er stets ein paar Monate im Jahr in der Tauberstadt. Seit 2020 ist er nun das ganze Jahr über hier. Er hat ein Appartement mit sonniger Terrasse mitten in der Altstadt – und er findet sein Leben in der Tauberstadt einfach genial. Wer ist dieser James Derheim, den gefühlt jeder in Rothenburg kennt? Das steife deutsche „Sie“ hat bei dem smarten Amerikaner keine Chance; er spricht zwar recht gut deutsch, aber lieber ist ihm englisch – und er hat die Gabe, das Leben zu nehmen, wie es kommt. Chancen sehen, zupacken, etwas daraus machen. Und genau das hat ihn auch nach Rothenburg geführt. James Derheim erinnert sich noch an seinen ersten Aufenthalt hier. Es war Winter, Februar 1990. „Keine Ahnung, warum wir zu so einer Zeit hierhergekommen sind“, sagt er rückblickend. Derheim war Fotograf für „The Stars and Stripes“, eine Zeitung, die für die Truppen der US-amerikanischen Streitkräfte publiziert wird. Gemeinsam mit einem Redakteur hat er an einer Story über Rothenburg gearbeitet. Derheim hat damals ein Foto von einem Mann mit Roller und Anhänger gemacht, als dieser im Schneegestöber durch den Siebersturm gefahren ist. Das Bild wurde groß gedruckt. „Später habe ich den Mann noch öfter gesehen“, sagt er. An diesem kalten Februartag war das „Stars and Stripes“-Team aber schnell wieder weg. Vielleicht ging es weiter nach Paris oder sogar nach Afrika oder Asien. „Das war damals einfach ein Job für mich. Ich bin so viel gereist“, so Derheim. Über die Navy in die Welt James Derheim ging...

Heilkraft des Lachens...

Lydia Opfer ist Lachyogatrainerin Haben Sie heute schon mal herzhaft gelacht? Nein, dann wird es Zeit für Lachyoga. Und bevor Sie nun denken, das ist ja albern, braucht doch keiner – lassen Sie sich kurz eines besseren belehren. Lydia Opfer aus Uffenheim ist Lachyogatrainerin. „Ich bin über Umwege zum Lachyoga gekommen“, erzählt sie. Lydia Opfer hat seit 2006 ein eigenes Kosmetikstudio in Uffenheim. Während einer ayurvedischen Ausbildung in Bad Meinberg wurde auch Lachyoga angeboten. Die sehen verrückt aus, sei ihr erster Gedanke damals gewesen. Dennoch hat sie sich getraut und an einem Lachyogakurs teilgenommen. „Ich war danach total begeistert und wollte das unbedingt weitergeben“, erinnert sie sich. Das war 2009 und es hat noch knapp zehn Jahre gedauert, bis sie 2018 die einjährige Ausbildung zur Lachyogatrainerin in München absolviert hat. Als sie 2019 fertig war, kam leider Corona auf. „Ich konnte daher noch keine fortlaufenden Präsenzkurse anbieten“, so Lydia Opfer. Sobald es Planungssicherheit gibt, will sie aber damit starten. Bereits in den Genuss der Heilkraft des Lachens sind aber Uffenheimer Kinder gekommen, denn sie hat im Rahmen des Ferienprogramms 2019 einen Lachyogakurs mit Schülern gemacht. Ebenso gab es einen Online-Kurs. „Das geht besser als ich dachte“, so die Trainerin. Und die Diakonie hat die Lachyogaspezialistin für ein Seminar für ehrenamtliche Mitarbeiter gebucht. Es darf also trotz Corona noch gelacht werden. Lydia Opfer baut ihre Kurse in vier Etappen auf. Nach einer Begrüßung mit Klatschen und dem traditionellen Hoho Hahaha-Ruf starten erste Atemübungen, gefolgt von positiven Verstärkungen und dem spielerischen Herangehen an die ersten Lacher. „Man denkt, das ist total peinlich, aber in der Gruppe entfaltet sich eine eigene Dynamik“, erklärt sie. Lachyogatrainer arbeiten mit speziellen Ankern, die die beim Lachen erfahrenen Emotionen in den Alltag transportieren sollen. Beispielsweise gibt es das Verlegenheitslachen: Wie eine...

Musikerin mit Leib und Seele

Carmen Hofacker: Sängerin, Songwriterin und MiniMusikanten-Erfinderin „Ich habe schon als Kind gewusst, dass ich Musikerin, im speziellen Sängerin, werden will“, sagt Carmen Hofacker. Wir treffen uns in ihrem Elternhaus in Diebach. Im Dachgeschoss hat sie Räume für ihre MiniMusikanten eingerichtet, das neueste Projekt der Künstlerin. Mit Blick auf Felder und Wiesen ist sie hier aufgewachsen. Mitten auf dem Land. Lehrer für Stimmbildung, Harmonielehrer, Songwriting gab es nicht. Trotzdem wollte und ist sie Sängerin geworden. Lange Jahre waren ihr Erkennungszeichen die leuchtend roten Haare. Mittlerweile setzte sie auf Natürlichkeit, trägt einen lockeren Zopf und ist Mutter eines 6-jährigen Jungen. Start der Solokarriere Die Höhen und Tiefen des Musikbusiness hat sie in den letzten über 20 Jahren durchschritten. Ärmel hochkrempeln und wieder was los machen, das hat sie in ihre DNA eingesogen. So einfach lässt sich Carmen Hofacker nicht unterkriegen. Auch nicht von dem coronaindizierten, faktischen Arbeitsverbot für Künstler in den letzten eineinhalb Jahren. Nach der Schule hat Carmen Hofacker eine Ausbildung bei Sport Erhard gemacht und ist zeitgleich mit ihrer ersten Band „Reminder“, einer Coverband, aufgetreten. „Ich habe gut verdient und Geld gespart“,erzählt sie. Mit 23 Jahren ging sie dann nach Berlin an eine private Schule zur musikalischen Ausbildung. Danach folgten sechs Jahre klassische Gesangsausbildung bei privaten Lehrern. „Nebenher habe ich halbtags im Büro gejobbt“, erzählt sie. Außerdem hatte sie ab 2003 auch ihre Band „Swim“, ein Akustik-Rock-Duo. Hier konnte sie ihre Kreativität ausleben, denn mit „Swim“ spielte sie nur eigene Stücke, selbst getextet und komponiert. Zwei Alben sind in dieser Zeit entstanden. Es lief ganz gut bis der Gitarrist erkrankte und nicht mehr auftreten konnte. Eine schwierige Zeit, die eine Neuorientierung forderte. „Ich habe dann den Weg Richtung Solo eingeschlagen“, so Carmen Hofacker. Das sei anfangs auch eine ganz nüchterne Entscheidung gewesen, fügt sie an. Kleinkunstveranstalter haben ein enges Budget und bei Soloauftritten ist der Verdienst einfach besser. Dies war die Geburtsstunde von „Carmen Underwater“. „So konnte ich von der Musik leben“, sagt die Künstlerin. Mit „Carmen Underwater“ lässt die Musikerin ihren sanften, ruhigen Part erklingen. Und das kam und kommt an. Sie erhielt den „Listen to Berlin Award“ und den Jury-Preis beim Berlin Song Contest. Auftritte in ganz Deutschland und auch in ihrer Heimat, beispielsweise bei Kultur Korn oder im Wildbad in Rothenburg, folgten. Ihre Songs haben stets ein zentrales Thema, das bewegt, oder erzählen Geschichten aus der Tiefe des Menschseins. Die Impulse zu den Liedern kommen dabei in ganz normalen Alltagssituationen. „Ich tippe die Idee dann schnell ins Handy oder singe die Melodie ein“, erklärt Carmen Hofacker den Schaffensprozess. Ohne Disziplin geht es nicht Und dann folgt harte Arbeit. „Man braucht Disziplin um ein Lied zu schreiben“, weiß sie. Manchmal fließt es, manchmal beißt sie sich die Zähne aus. Am einen Song arbeitet sie ein Jahr, der andere entsteht in einer Nacht. „Das Klavier ist dabei stets mein Instrument“, so die Musikerin. Es lief gut. Auch privat. 2015 kam ihr Sohn Enno auf die Welt und gemeinsam mit Partner Daniel Rieth, den viele über seine Initiative „Träumen & Machen“ kennen, orientierte sich die junge Familie wieder Richtung Heimat – mit Abstechern in die weite Welt. Im Jahr 2017 verabschiedeten sie sich für eine Tour durch Europa und im Anschluss durch Australien und Neuseeland. Mit dem Wohnmobil erkundeten sie die Welt und Carmen Hofacker gab an den verrücktesten Orten Konzerte. „Beim Konzert am Strand in Usedom erlebten wir ein spektakuläres Naturschauspiel“, erinnert sie sich. Ihr Auftritt wurde von einem kompletten Regenbogen überspannt. In Frankreich spielte sie bei einer riesigen Gartenparty, in England auf dem Geburtstag einer 75-jährigen Urlaubsbekanntschaft, in Down Under in Cafés und in Wohnzimmern. „Ich habe etwa 100 Konzerte gegeben“, so die Sängerin. Anspruch an Qualität Zurück in Deutschland erweckte sie im Jahr 2018 die MiniMusikanten zum Leben. Carmen Hofacker hat in Berlin bei „Little Musikmakers“ die Ausbildung zur musikalischen Früherziehung gemacht, die parallel in englisch und deutsch stattfindet. Da die vorhandenen Arbeitsmaterialien aber nicht ihrem...