Nostalgie auf zwei Rädern...

Aus Liebe zum Motorroller: „Blech & Schalten“ aus Rothenburg Wenn zehn bis zwanzig Rothenburger Vespa-Freunde mit ihren betagten aber durchaus intakten Vespa-Rollern durch italienische Dörfer fahren, stehen die Menschen nicht selten am Straßenrand und klatschen. Die Südländer selbst fahren meist keine der traditionellen Kultobjekte mehr. Seit der Gründung des privaten Roller-Clubs „Blech & Schalten“ im Jahr 2011 waren Peter Kayczyk und Stefan Reihs aus Rothenburg überrascht, wie viele begeisterte „Vespa-Fahrer“ es rund um ihre Heimatstadt gibt. „Innerhalb kürzester Zeit waren wir ein zusammen gewürfelter Haufen Gleichgesinnter, die bis heute das Blech auf zwei Rädern verbindet“, erzählen die beiden Gründer des privaten Vespa-Clubs. Unter ihnen gibt es zwei Vater-Sohn Pärchen und das älteste Mitglied ist 70 Jahre alt und voll dabei, berichten Kayczyk und Reihs begeistert. Einen Chef gibt es nicht. Sie kommen zusammen und teilen eine Leidenschaft, das ist alles. Der Name „Blech & Schalten“ ist zwar ungewöhnlich, aber auch selbsterklärend. Die Zweiräder des Clubs sind mit Schaltgetriebe ausgestattet und aus einer Blech-Karosserie gebaut. Den Anfang der Vespa-Ära machte der italienische Industrielle Enrico Piaggio mit der „Vespa 98“ im Jahre 1946. Nachdem seine Flugzeugfabrik im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, konzentrierte er sich auf die Entwicklung von Motorrollern. Im April stellte er der Öffentlichkeit das Modell „Vespa 98“ im Golfclub von Rom vor – die Mutter aller Roller. Jeder weitere Roller stammt von diesem industriellen Prototypen ab. Italien liebte den Rennsport. Laut Piaggio wurde die „Vespa 98“ entwickelt, um der Welt die Wettbewerbsfähigkeit des kleinen Rollers auf Rennstrecken zu beweisen. Die Originalfarbe des Modells war Rot. Deshalb war die Vespa ihrer Zeit auch als kleiner “brennender Ball” bekannt. Heute sind rote Vespa-Roller kaum noch zu sehen. Das aktuellste Modell ist die „Vespa Elettrica“. Mit einem niedrigen Spritverbrauch und einem elektrischen Motor ist sie ein Vorzeigemodell...

Ein virtuoser Stratege...

Johannes Mnich ist der Gründungsintendant der TauberPhilharmonie Mitte 30 und schon Intendant einer nigelnagelneuen Philharmonie: Johannes Mnich ist einer, der neue Wege gehen kann – und will. Er ist einerseits der studierte Pianist und erfahrene Kulturmanager, der Weltklasse-Stars nach Weikersheim holt und in der TauberPhilharmonie einen fulminanten Eröffnungssommer inszeniert hat. Er ist aber andererseits auch der trendige Mittdreißiger, der mit seinem ebenso jungen Team bei lässigen Aktionen über Facebook und Instagram sein Haus in den Fokus rückt und sich nicht scheut eine blasmusikwilde „Meute“ in seinem Konzertsaal toben zu lassen. Kultur in Coronazeiten Gerade mal neun Monate währte das Glück der TauberPhilharmonie in Weikersheim, dann kam der erste Lockdown. Nach einer sommerlichen Coronaspielzeit mit ausgefeiltem Hygienekonzept im November dann das zweite Aus. Wie sich Johannes Mnich als Intendant dabei so fühlt, lesen Sie im anschließenden Interview. Aber er lässt sich nicht unterkriegen, denn Musik, Kultur und deren Vernetzung in der Gesellschaft sind und bleiben sein Leben. „Ich bin ein echtes Nordlicht“, sagt er, „Ein regnerischer Tag ist für mich bestes Wetter.“ Johannes Mnich ist in Achim bei Bremen aufgewachsen. Die ganze Familie ist musik-affin und mit sechs Jahren begann er Klavier zu spielen. Mit 16 war klar, er wird das zur Profession machen. Nach dem Abitur studierte er an der Musikhochschule in Hannover, die einen weltweit ausgezeichneten Ruf in der Ausbildung von Pianisten hat. Gut vernetzt Studienkollege und längst ein Freund ist Weltklasse-Pianist Igor Levit, der nicht nur in Sälen der Carnegie Hall, Berliner Philharmonie oder der Elbphilharmonie spielt, sondern im Eröffnungssommer auch in der TauberPhilharmonie zu Gast war. „Bei solchen Mitstudenten darf man sich selbst keiner Illusion hingeben“, sagt Mnich mit einem Schmunzeln. Ihm war schon immer klar, Klavier studieren, ja, aber Pianist wollte er keiner werden. Also hat er nebenbei, „einfach aus...

Nur fliegen ist schöner...

Ein Vogelliebhaber lebt seinen Kindertraum mit einer Greifvogel Auffangstation Schwups ist der Hut weg – Andreas Ritz hält seine geliebte „Inka“, ein Schopfkarakara-Weibchen (Bild) aus Südamerika auf dem Arm. „Am liebsten macht sie Schnürsenkel und Reißverschlüsse auf und ist verschmuster als so manches Schoßhündchen“, führt der Vogelliebhaber stolz sein Lieblingstier vor. Die gefiederten Freunde aus der Natur lagen ihm schon immer am Herzen. Schon als kleiner Bub päppelte er verletzte Spatzen, Singvögel und Tauben zu Hause wieder auf. Seit mehr als 20 Jahren sind es die kranken Greifvögel wie Falken, Bussarde, Habichte und Rotmilane aus der Region, die er in seiner eigenen Auffangstation in Schnepfendorf hegt und pflegt. Ein großer Holzschuppen mit mehr als zehn Volieren und einer Wärmekammer für den Winter, die auch zur Aufzucht des Nachwuchses dient, ist zu einer Krankenstation der Vögel geworden. Im Jahr 2015 gründete Ritz den Verein „Greifvogel Auffangstation Mittelfranken e. V.“, um die immer aufwendiger werdende Arbeit leisten zu können. „Wir sind ein tolles Team aus 25 Mitgliedern aus dem Raum Würzburg, Schillingsfürst und Nürnberg“, freut sich Ritz über das große Engagement für die heimischen Vögel. Allein in diesem Jahr wurden 135 verletzte Greifvögel, die zu 80 Prozent Autounfällen zuzuschreiben sind, in die Auffangstation gebracht. Vögel, die nie wieder fliegen können, wie Storch Taschi (Bild im ROTOUR-Magazin) bleiben in der Obhut seiner Station. Besonders kritisch betrachtet Ritz die zunehmenden Fälle von Vögeln mit Vergiftungserscheinungen. „In den letzten Wochen wurden mir fünf Schleiereulen und vier Mäusebussarde gebracht“, erzählt er betroffen. Nur eine der Schleiereulen überlebte. Der Vogelexperte führt diese Tatsache auf das extrem hohe Mäuseaufkommen in diesem Sommer zurück. Vergiftete Tiere werden von Mardern, Füchsen und Greifvögeln gefressen und verenden oft jämmerlich. „Das Problem dabei ist, dass die Mäusepopulation vorübergehend reduziert wird, die natürlichen Feinde aber auch, was...

Achtsam leben

Daniela Wattenbachs neues Buch für einen nachhaltigen Haushalt Nach „Heimat im Glas“ nun „Sauerteig & Wadenwickel“: Die Burgbernheimerin Daniela Wattenbach trifft den Nerv der Zeit. Sie ist jung, sie ist modern und sie hat ein Wissen, das von der Nachhaltigkeit unserer Großelterngeneration geprägt ist. Mit ihrem ersten Buch hat sie Erfolgsgeschichte geschrieben. Ihre Rezepte für ein Gelee aus Vogelbeeren, Kaffee aus Löwenzahnwurzeln oder fränkische Trüffeln aus Walnüssen haben die Leser begeistert. Da sich ihr Wissen aber nicht nur auf das Einmachen von Obst, Gemüse und Kräutern erstreckt, dürfen sich ihre Fans und alle die, die es noch werden wollen, nun auf ein weiteres Buch freuen. Neben kulinarischen Tipps geht es in „Sauerteig & Wadenwickel“ auch um den nachhaltigen Haushalt. Daniela Wattenbach, gelernte Hauswirtschafterin und Kräuterpädagogin, spürt seit Jahren der Möglichkeit nach, das Leben mit einfachen, verlässlichen Mitteln zu gestalten. Lebensmittel konservieren ohne Kühlschrank, Wehwehchen ohne Chemie heilen oder mit einem Reiniger das ganze Haus auf Vordermann bringen – das ist mit ganz einfachen Zutaten möglich. Von der Küche über die Speisekammer, den Gemüsegarten bis hin zur kleinen Hausapotheke, dem Badezimmer, der Waschküche und der Herstellung von Putzmitteln und Reinigern reichen die Tipps und Rezepte von Wattenbach. Wussten Sie schon, dass man aus Efeu oder Rosskastanien ganz einfach Flüssigwaschmittel herstellen kann? Oder dass der schwarze Rettich einen super Hustensaft ergibt? Die Zutaten wachsen mit etwas Glück im heimischen Gemüsegarten. Und wenn das nicht recht gelingt, gibt es im Buch Tipps für einen selbst gemachten Gartendünger. „Sauerteig & Wadenwickel“ ist ein umfassender Ratgeber und Helfer, der auch Kulinarisches im Blick hat: der schnelle Quarkkuchen, ein frisches Dinkelbrot oder auch Schwarztee aus fermentierten grünen Blättern sind so fesselnd beschrieben, dass selbst die naturferne Hausfrau gleich loslegen möchte. Mit fundiertem Wissen und sympathisch, herzlichen Erläuterungen macht Daniela Wattenbach...

Hilfe, die keiner sieht

Die Rothenburger Tafel versorgt Hilfebedürftige Kaum jemand sieht sie – Menschen, denen es an vielem fehlt. Im Gegensatz zu Großstädten sitzen in Rothenburg keine hilfebedürftigen Menschen am Wegesrand und betteln. Aber es gibt sie auch hier. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Rothenburger Tafel geben seit 16 Jahren jeden Freitag Lebensmittel und Drogerieartikel aus, um die Not ein wenig zu lindern. Gleichzeitig werden auf diese Weise überschüssige, aber qualitativ einwandfreie Lebensmittel vor der Vernichtung bewahrt. Eine Fülle von Gütern werden gerettet – Woche für Woche, Jahr für Jahr. Die Idee, eine Tafel für Bedürftige zu gründen, entstand aus einer Initiative der damaligen Rothenburger Stadträtinnen heraus. Bei Altdekan Dr. Dietrich Wünsch, der schon immer ein großes Herz für soziale Aktionen hatte, wurden gleichzeitig offene Türen eingerannt. Die Tafel wurde bereits im März 2004 in die Tat umgesetzt. Geeignete Räumlichkeiten mussten her. Im Alten Keller fanden sich kleine Räume mit einem schlauchartigen Gang, hin zu einem Lagerraum. „Das sollte es erst mal sein“, erklärt Beate Junkersfeld, Sozialberaterin im Diakonischen Werk, die von Beginn an die Koordinatorin für das Sozialprojekt war. Das Angebot fand großen Anklang. Allerdings gab es zu wenig Platz für Lagerung und Ausgabe der Lebensmittel. Das Hauptproblem aber war der fehlende Warteraum. Die Menschen mussten bei Wind und Wetter draußen stehen. Mit der Zeit waren die Rahmenbedingungen untragbar. Beate Junkersfeld hatte die Mission Umzug in die Hand genommen und nach einem geeigneten Objekt gesucht. Und gefunden: Die neue Adresse in der Wenggasse 39 wurde im März 2011 bezogen. „Es war gar nicht so einfach. Nicht jeder möchte eine Tafel im Haus haben“, so die Erfahrung der Koordinatorin. Ein riesiger Raum wurde von zwei Schreinermeistern unter den ehrenamtlichen Tafelhelfern zum Materialkostenpreis passend umgebaut. Auch ein Warteraum ist dabei, der nicht selten ein Raum für Gespräche ist. Heute in Coronazeiten sorgt ein großer Teddybär und rot-weiße Baustellenbänder für den nötigen Abstand und je nach Vorschrift auch ein Warten vor der Tür. Was sind es für Menschen, die in unserem Land so hilfebedürftig werden können? „Die meisten kommen über meine Sozialberatungstermine zu einem Berechtigungsschein für die Tafel. Alle, die Sozialleistungen in Form von Arbeitslosengeld II, Wohngeld oder Sozialhilfe bekommen, sind auch berechtigt, Lebensmittel über die Tafel zu beziehen“, erklärt Beate Junkersfeld. Es kommen Leute aus allen Schichten, die sich niemals hätten träumen lassen, einmal auf die Tafel angewiesen zu sein. Oft schämen sich Betroffene und reagieren mit der Aussage: „Nein, soweit bin ich noch lange nicht.“ Seit 2005 wurden in Rothenburg insgesamt 650 Ausweise erstellt, die jeweils auf ein Jahr befristet werden und gegebenenfalls verlängert werden können. Derzeit gültige Kundenkarten umfassen 90 Erwachsene und 50 Kinder. Nicht ganz die Hälfte aller Haushalte sind Alleinstehende. Eine besondere Herausforderung für die Ehrenamtlichen der Rothenburger Tafel war das Flüchtlingsjahr 2015. Damals lag die Anzahl der Ausweise bei 130 bis 140 (anstatt bei 90). Dabei ist das 35-köpfige Helferteam an seine Grenzen gestoßen, hat es aber dennoch geschafft. „Es ist bisher noch keiner ohne etwas in der Hand rausgegangen“, berichtet Brigitte Schmid, die seit knapp zehn Jahren mitarbeitet. So ein Freitag bei der Tafel ist für die Ehrenamtlichen voll ausgebucht. Morgens um 7.30 Uhr starten drei Fahrer mit Privatbussen, um die Spenden von den Supermärkten, kleinen Lebensmittelgeschäften, Drogerien und Bäckereien abzuholen. „Natürlich müssen wir nicht immer alle 20 Sponsoren anfahren, je nachdem, wie viel auf der Spendenliste steht“, erzählt Hermann Uhl, der seit zweieinhalb Jahren als Fahrer engagiert ist. Kurz nach seiner Pensionierung ist der ehemalige Polizist durch eine Führung bei der Rothenburger Tafel in den ehrenamtlichen Dienst eingestiegen. „Ich bin in der Regel einmal im Monat als Fahrer aktiv“, erklärt er. So wie es sein Zeitrahmen eben zulässt. In der Wenggasse warten bereits drei Helferinnen auf die Lieferung der Spenden, um die Waren in die Regale zu sortieren. Jede von ihnen hat ihren festen Platz. Eine beim Gemüse, eine Helferin am Kühlschrank und eine Dritte hinter der Brottheke. „Es dauert seit der Coronazeit alles viel länger“, erzählt...

Krisenmanager

Oberbürgermeister Dr. Markus Naser im Interview Alles sieht aus wie früher. Dr. Markus Naser ist seit 1. Mai der neue Oberbürgermeister von Rothenburg. Das Büro seines Amtsvorgängers im Rathaus hat er unverändert übernommen. Gestartet ist er allerdings unter ganz anderen Bedingungen. Zur Person Dr. Markus Naser ist 2020 für die Freie Rothenburger Vereinigung (FRV) bei der Oberbürgermeisterwahl angetreten. Nach der Wahl am 15. März war klar, es wird eine Stichwahl geben. Am 29. März hat er dann mit einem Ergebnis von 60,71 Prozent überzeugt. Naser ist promovierter Historiker und war Akademischer Oberrat am Lehrstuhl für Fränkische Landesgeschichte in Würzburg. 2016 und 2019 war er jeweils für ein Semester Gastprofessor an einer Universität in Sankt Augustine in Florida. Bis zu seinem Amtsantritt als Oberbürgermeister am 1. Mai war er fünf Jahre lang Vorsitzender des Vereins Alt-Rothenburg, der sich der Bewahrung der historischen Substanz Rothenburgs verschrieben hat. Dr. Markus Naser lebt in Wolfsau, nur wenige Kilometer von Rothenburg entfernt gelegen. Er ist verheiratet und hat eine eineinhalbjährige Tochter. Er ist Mitglied im Fußballverein FC Bayern-München. Kontaktbeschränkungen, keine großen Veranstaltungen, kaum Abendtermine und die Welt ist im Home-Office. Wie fühlt man sich so als Oberbürgermeister in Coronazeiten? Mir fehlt ja etwas das Wissen, wie es sich ohne Corona anfühlt. Aber alle schönen Termine sind ausgefallen. Was bedauern Sie am meisten? Meine Lieblingsveranstaltung ist das Weindorf. Das ist ein Traum. Da freut man sich darauf, das in neuer Funktion zu eröffnen. Und dann fällt es aus wie viele andere Feste, z.B. Pfingsten und die Reichsstadttage. Da kommt man sich vor wie derjenige, der alles absagen muss. Ich würde lieber gute Nachrichten überbringen. Erinnern Sie sich noch an den Wahlabend des 29. März? Bis Ende Februar habe ich nicht geglaubt, dass ich eine Chance habe. Erst bei der Veranstaltung...