Ein Leben auf der Überholspur

Frank Flörchinger hat zugegriffen, wenn das Leben Neues bereit hielt Auf die Minute genau kommt Frank Flörchinger zum Interview. „Ich bin ein Pünktlichkeitsfanatiker“, sagt er mit einem sympathischen Lächeln. Und er verschwendet keine Zeit mit banalem Smalltalk. Innerhalb weniger Sekunden sind wir mitten in seinem Leben angekommen. 52 Jahre ist er alt, und „wenn es jetzt aus wäre, dann hätte ich schon zweieinhalb Leben gelebt“, meint er. Sein Blick richtet sich fokussiert auf den Gesprächspartner, die Antworten kommen blitzschnell. Es gibt Menschen, die geben 100 Prozent, bei Frank Flörchinger sind es 1 000 Prozent. Dass er unter Strom steht ist ihm klar, und dass das mitunter Raubbau ist, auch. Aber wenn er zurückblickt, bereut er nichts. Geprägt von Rothenburg Frank Flörchinger ist Rothenburger. Seine Eltern Christel und Egon Flörchinger sind vielen durch ihre Puppenmanufaktur, das Andenkengeschäft und ihr Hotel bekannt. Das internationale Flair der Tauberstadt, die ausländischen Gäste, die kulturellen Eindrücke und die vielen Sprachen begeisterten Frank Flörchinger schon immer. „Ich hab bereits in jungen Jahren über den Tellerrand geblickt“, erinnert er sich. Für das Geschäft seiner Eltern hat er als Abiturient Mietverträge mit der Messe in New York ausgehandelt oder eine eigene Produktion in Asien organisiert. An Selbstbewusstsein hat es dem jungen Mann nicht gemangelt. „Ich habe immer gejobbt“, sagt er. Bei den Eltern im Laden oder in den Ferien am Bau. Das war hart, hat ihm aber viel Lebenserfahrung gebracht. Wochenlang war er dann in den Sommerferien mit dem selbstverdienten Geld in Asien unterwegs. „Damals gab es noch keine Kommunikation wie heute. Ich war sozusagen verschollen“, erinnert er. Von den Wellen angespült Nach dem Abitur ging er zur Bundeswehr und machte danach eine Banklehre bei der Rothenburger Volksbank. Man muss kein Hellseher sein, um vorherzusagen, dass das wohl nicht das Richtige für ihn war. Er zog danach noch einmal für ein Jahr in die Welt hinaus. Thailand, Indonesien, das Elend an den Bahnhöfen in Java, Tote am Straßenrand – all das hat ihn geprägt. In Bali versuchte er sich im Wellenreiten und „das war ein einschneidendes Erlebnis in meinem Leben“, so Flörchinger. Er ist ertrunken, wurde an den Strand gespült und dort wiederbelebt. „Danach war ich erst mal sehr ruhig und in mich gekehrt“, erinnert er sich. Bis dahin habe er menschliche Ressourcen sehr egoistisch eingesetzt, gibt er offenherzig zu. Er hat sein Leben hinterfragt, kam zurück und studiert in Würzburg Diplom Psychologie mit Ausrichtung auf Arbeits- und Betriebspsychologie, allerdings nur fünf Semester. Als Freigeist kam er schnell in Konflikt mit den verkrusteten Strukturen des Uni-Betriebs. „Ja, es ist schade, dass ich das Studium nicht abgeschlossen habe. Aber zu dem Zeitpunkt war es die richtige Entscheidung“, ordnet er rückblickend die Situation ein. Gründung der eigenen Firma Auch während des Studiums hat er immer gejobbt. „Ich bin stets die Treppe hinauf geschmissen worden“, erzählt er. Eine klassische Bewerbung hat er nie geschrieben, auch nicht für seine Anstellung als Bereichsleiter neue Medien im Expansionsteam und im Pilotprojekt „Computerwelt“ der Saturn-Media-Gruppe. Er zog dafür nach Aschaffenburg, wo er dann drei Jahre später (2001) seine eigene Firma „Melange Gmbh“ gründete. Begeistert von den neuen Technologien des Computerzeitalters hat er IT-Promotion für die Großen der Branche wie Sony, Samsung, Microsoft und Intel angeboten. Dazu kamen Messe- und Veranstaltungsbetreuung und später auch Aufträge und Tourneebetreuungen für die Musikindustrie. „Was man da erlebt, kann sich niemand vorstellen“, sagt Flörchinger. Auf ein Projekt aus dieser Zeit ist er besonders stolz: Gemeinsam mit Naoki Kenji hat er den Film „Brahmand – Facing the World“ produziert. Der kunstaffine Dokumentarfilm stellt der Natürlichkeit der Erde, aufgenommen in 16 Ländern, die Auswirkungen durch den Einfluss der Menschheit gegenüber. Er kommt ohne Worte aus. „Wir haben den Film bei einer Tournee in Bildungseinrichtungen und Stadthallen vor allem unter Jugendlichen gezeigt“, so Flörchinger. Er selbst beschreibt sich in dieser Zeit, die etwa 20 Jahre währte, als „durchgeknallten Workaholic“. Er hat sieben Tage die Woche gearbeitet, täglich mindestens 18 Stunden. „Von Donnerstag bis...

Was einer alleine nicht schafft

Familie Sipos aus Ungarn setzt sich in Rothenburg für Migration ein Niemand flieht freiwillig oder verlässt sein Zuhause ohne irgend einen triftigen Grund. Finanzielle Not, Verfolgung oder Kriege können Gründe sein, die eigene Heimat und das gesamte soziale Umfeld hinter sich zu lassen. Familie Sipos aus Ungarn kennt die Situation nur zu gut. „Ich konnte meine kleine Familie finanziell kaum durchbringen“, erzählt Peter Sipos, der seit nunmehr 20 Jahren in Deutschland lebt und arbeitet. Er verließ seine Heimat ohne seine Frau und sein neugeborenes Töchterchen Nikolett. Durch den Kontakt über den Deutsch-Ungarischen Schüleraustausch in seinem Heimatland fand der junge Vater bei der Familie Neef in Tauberbischofsheim eine günstige Unterkunft mit liebevoller Aufnahme. Später mietete er sich bei Fritz und Gertrud Rahn in Schwarzenbronn bei Creglingen ein. „Ich habe dem Ehepaar Rahn viel zu verdanken. Ohne sie wäre ich nicht geblieben“, erinnert sich Peter Sipos an die so wichtige Warmherzigkeit der Menschen in einem völlig fremden Land. Arbeit fand der ausgebildete Starkstromelektriker und Kellner sehr schnell im Hotel und Gasthof „Sonne“ in der Rothenburger Hafengasse. Das Familienleben auf Distanz von mehr als 1 000 Kilometern wurde unerträglich. Maria Sipos machte sich mit ihrer kleinen Tochter auf den Weg nach Schwarzenbronn. Es sollte erst einmal ein Aufenthalt auf Probe werden. Mit Händen und Füßen kommunizierte sie mit der Familie Rahn und freundete sich schnell mit ihnen an. Heute sind die beiden über 80 Jahre alten Herrschaften für Tochter Nikolett und Sohn Stefan, der in Deutschland geboren wurde, zu Großeltern geworden. Maria Sipos blieb und arbeitete als Putzfrau. Im Jahr 2005 zog die Familie nach Rothenburg. Die Kinder forderten die junge Mutter mit ihren neu gewonnenen Deutschkenntnissen aus Kindergarten und Schule ständig heraus. Erfreut kam Nikolett mit den Worten nach Hause: „Mama, ich habe heute den ganzen Tag mit Puppen gespielt“. So ging es nicht weiter – Mutter Sipos verstand kein Wort. Mit dem Deutschwörterbuch in der Hand, versuchte sie herauszufinden, was ihre Tochter eigentlich gesagt hatte. Motiviert, der Sprache mächtig zu werden, arbeitete sie sich im Mittelalterlichen Kriminalmuseum in Rothenburg anfangs als Reinigungskraft, als Aufsicht, als Kassiererin und später als Bedienung in der Cafeteria hoch. Bei ihrer Ankunft in Deutschland (im Jahr 2004) konnten Menschen mit Migrationshintergrund auch ohne Deutschkenntnisse Arbeit finden. „Es wurde mir nur ein oder zwei Mal gezeigt, was zu tun war und das hat gereicht, um die Aufgaben zu erfüllen“, erklärt Maria Sipos. Heute werden Bewerbungsunterlagen, Deutschkenntnisse und ein Führungszeugnis verlangt. Eigeninitiative ist wichtig Der Sprache mächtig, übernahm sie ungarische Führungen im Museum. Auch hier erfuhr sie freundschaftliche Unterstützung von Sonja Hammami, die als Büroangestellte im Museum tätig ist. „Sie ist heute so etwas wie eine Ersatzmama für mich geworden“, erzählt Maria Sipos. Heute hat es die Familie zu einem eigenen Haus in der Bensenstraße gebracht und ist seit August 2017 Pächter des Hotels „Alter Ritter“. Dem Gästehaus angegliedert ist das Gasthaus Lecsó mit ungarischen Spezialitäten, das zuvor ein Schülerwohnheim war. Die Zimmermädchen im „Alten Ritter“ sind allesamt ungarischer Herkunft. Für sie ist die Familie Sipos und das Hotel zu einem neuen Zuhause geworden. Familie Sipos fühlt sich durch so viele liebgewonnene Menschen in ihrer neuen Wahlheimatstadt Rothenburg sehr angenommen. Seit acht Jahren unterhält sie eine Facebook-Gruppe, um selbst mit helfenden Händen die Neuankömmlinge in der Stadt zu unterstützen. „Wichtig ist für alle Menschen, die in Deutschland oder wo auch immer ein neues Leben beginnen wollen, Eigeninitiative zu zeigen und sich für Land und Leute zu interessieren“, rät die ehemalige Migrantin. Aber damit nicht genug. Über Facebook kam sie mit Ildiko Ortolino in Kontakt, die heute als 1. Vorsitzende des im Januar 2016 neugegründeten Mitgrationsbeirates (MigB) der Stadt Rothenburg fungiert. Maria Sipos wurde sofort Mitglied des Beirates. Heute ist sie die Stellvertretende Vorsitzende (unter den Mitgliedern sind elf Nationalitäten) und setzt sich mit Herzblut für alle Neuankömmlinge in Rothenburg ein. Im Rahmen der Vollversammlung der AGABY (Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns) am 17. April 2016 wurde...

Einfluss auf Instagram

Robin Hecker hat über 30 000 Fans Für die Kinder ist es ein Traumjob, für die Eltern mitunter verschwendete Zeit. Mit dem Siegeszug der sozialen Plattformen sind Traumberufe wie Feuerwehrmann oder Lehrerin vom Influencer ersetzt worden. Im Alltag schicke Fotos machen, auf Instagram posten und damit viel Geld verdienen, so scheint die glücksvolle Verheißung für so manchen Jugendlichen auszusehen. Die Vor-Instagram-Generation fragt sich dabei nach dem tieferen Sinn. Der Rothenburger Robin Hecker ist ein erfolgreicher Influencer bei Instagram. Innerhalb eines Jahres hat er es auf über 30 000 „Follower“, also bekennende Fans, gebracht. Das ist beachtlich und er ist zurecht stolz darauf. Er hat Einfluss in seiner Fangemeinde – und den hat er sich mit Leidenschaft, Einsatz und einem stimmigen Konzept erarbeitet. Robin Hecker ist ein eher stiller, in seiner Welt geerdeter junger Mann. Der 25-Jährige hat bei der VR-Bank in Rothenburg seine Ausbildung zum Bankkaufmann gemacht, war dann zweieinhalb Jahre bei der Bundeswehr und ist seit drei Jahren als Finanzassistent bei einer IT-Unternehmensberatung in Würzburg fest angestellt. Hecker war schon immer sportlich, hat bei der Bundeswehr an Hindernisläufen teilgenommen und 2019 die Extremwanderung „Megamarsch“ erfolgreich absolviert, bei der eine Strecke von 100 km in 24 Stunden zurückgelegt werden muss. Als seine Freunde mehr darüber wissen wollten, hat er einige Fotos vom Training auf Instagram gezeigt. „So fing alles an“, sagt er. Die Bilder kamen super an und das Interesse nahm schnell ein außergewöhnliches Ausmaß an. Anfang 2020 hatte Robin Hecker schon 3 000 Follower, die seinen Kanal abonniert haben. Die erste Kooperationsanfrage von einer Fitnessfirma aus Leipzig erreichte ihn und er bekam Sportkleidung kostenfrei gestellt. Dafür musste er Fotos und Stories (kurze Videos) auf Instagram zeigen. „Das fühlte sich an, als ob ich mein Leben ausgetrickst hätte“, erinnert er sich. Ernsthaftes Engagement Er begann zu überlegen, wo sein Engagement bei Instagram hingehen soll. „Einfach darauf los posten, dafür war mir meine Zeit zu schade“, sagt Robin Hecker. Also hat er sich Anfang des Jahres intensiv mit der sozialen Plattform auseinander gesetzt. Wie funktionieren die Algorithmen von Instagram, welches Foto kommt gut an, wann spielt Instagram ein Bild auf die Explore-Seite, womit es mehr Reichweite generiert. Die andere, noch wichtigere Frage war: Welche Menschen will er erreichen, was ist überhaupt der rote Faden und welchen Mehrwert kann er weitergeben. Robin Hecker hat entschieden, dass Fitness und Lifestyle seine Kernthemen sind. Er hat einen Content Plan (inhaltliche Abfolge) erstellt und das Projekt Instagram professionell angegangen. Ebenso wichtig war für ihn von Beginn an, dass er eine klare Linie zieht zwischen den Bereichen seines Lebens, die er auf der sozialen Plattform teilt, und den Aspekten, die privat bleiben. „Anfangs habe ich mich mit der Aufnahme von Bildern und Stories für meine zunehmende Gefolgschaft schwer getan“, erzählt er ehrlich. Robin Hecker zeigt sich beim Training, gibt Tipps, um gute Erfolge zu erzielen, unter anderem mit zwei detaillierten „Guides“ (ausführliche Anleitungen), und stellt sein Ernährungskonzept vor. Auch eine Reise rund um Deutschland und sportliche Ausflüge finden sich auf seinem Instagram-Account wieder. „Alle zwei bis drei Tage ein Foto zu posten ist schon Pflicht“, erklärt er. Dazu kommt jeden Tag mindestens eine Story, das sind kurze Videos, die nur 24 Stunden präsent sind. „Zeige ich innerhalb eines Tages keine Story, dann melden sich meine Follower bei mir“, weiß Hecker. Verbindung zu Fans Wichtig sind ihm Authentizität und Ehrlichkeit. Robin Hecker ist sich der Verpflichtung und ebenso der Verantwortung gegenüber seinen Fans bewusst. Bei vertonten Videos muss die Botschaft sitzen, denn die Fangemeinde übernimmt gerne seine Meinung. Zu Themen wie Politik, Religion und Medien hält der Influencer bewusst Abstand. Ganz genau nimmt er es mit Empfehlungen für Trainingsmethoden, Produkte oder bei Tipps: Was er selbst nicht nutzt oder für gut befindet, schafft es nicht auf seine Plattform. Robin Hecker will mit seinen Fotos und Stories seine Gefolgschaft motivieren. „Vielleicht hatte jemand einen schlechten Tag und wird mit meinem Post aufgeheitert“, hofft er. Der Influencer weiß um die Blase...

Nostalgie auf zwei Rädern

Aus Liebe zum Motorroller: „Blech & Schalten“ aus Rothenburg Wenn zehn bis zwanzig Rothenburger Vespa-Freunde mit ihren betagten aber durchaus intakten Vespa-Rollern durch italienische Dörfer fahren, stehen die Menschen nicht selten am Straßenrand und klatschen. Die Südländer selbst fahren meist keine der traditionellen Kultobjekte mehr. Seit der Gründung des privaten Roller-Clubs „Blech & Schalten“ im Jahr 2011 waren Peter Kayczyk und Stefan Reihs aus Rothenburg überrascht, wie viele begeisterte „Vespa-Fahrer“ es rund um ihre Heimatstadt gibt. „Innerhalb kürzester Zeit waren wir ein zusammen gewürfelter Haufen Gleichgesinnter, die bis heute das Blech auf zwei Rädern verbindet“, erzählen die beiden Gründer des privaten Vespa-Clubs. Unter ihnen gibt es zwei Vater-Sohn Pärchen und das älteste Mitglied ist 70 Jahre alt und voll dabei, berichten Kayczyk und Reihs begeistert. Einen Chef gibt es nicht. Sie kommen zusammen und teilen eine Leidenschaft, das ist alles. Der Name „Blech & Schalten“ ist zwar ungewöhnlich, aber auch selbsterklärend. Die Zweiräder des Clubs sind mit Schaltgetriebe ausgestattet und aus einer Blech-Karosserie gebaut. Den Anfang der Vespa-Ära machte der italienische Industrielle Enrico Piaggio mit der „Vespa 98“ im Jahre 1946. Nachdem seine Flugzeugfabrik im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, konzentrierte er sich auf die Entwicklung von Motorrollern. Im April stellte er der Öffentlichkeit das Modell „Vespa 98“ im Golfclub von Rom vor – die Mutter aller Roller. Jeder weitere Roller stammt von diesem industriellen Prototypen ab. Italien liebte den Rennsport. Laut Piaggio wurde die „Vespa 98“ entwickelt, um der Welt die Wettbewerbsfähigkeit des kleinen Rollers auf Rennstrecken zu beweisen. Die Originalfarbe des Modells war Rot. Deshalb war die Vespa ihrer Zeit auch als kleiner “brennender Ball” bekannt. Heute sind rote Vespa-Roller kaum noch zu sehen. Das aktuellste Modell ist die „Vespa Elettrica“. Mit einem niedrigen Spritverbrauch und einem elektrischen Motor ist sie ein Vorzeigemodell für die Umwelt. Vespa bringt laut der Firma Piaggio die gesellschaftlichen Themen Mobilität und Freiheit in Einklang mit Umweltbewusstsein und Stil. Die Roller-Freunde sind jedoch der Nostalgie der in die Jahre gekommenen Modelle aus Blech verfallen. „Einer von uns hat seinen ´Kunststoffbomber´ verkauft und einen Blechroller erworben,“ so die Oldtimer-Fans. Besonders stolz ist der Club auf die Roller aus den Baujahren 1955 und 1956. Die „Old Ladies“ schaffen mit 10 PS unglaubliche Steigungen in den Bergen und sind technisch wie nach einem Baukastensystem aufgebaut. Ersatzteile älterer Baujahre sind kompatibel mit jüngeren Modellen und deshalb leicht zu finden. „Jeder, der an der jährlichen Tour nach Südtirol zum Weingut „Putzenhof“ in der Nähe von Bozen (Südtirol) teilnehmen möchte, sollte mindestens eine 10 PS-Maschine haben, sonst sind die Berge über den Reschenpass oder über das Timmelsjoch (2509 m) nicht zu schaffen,“ erklären die Freunde. Das sind auch die höchsten Punkte, die die Teilnehmer des Roller-Clubs zusammen „erklommen“ haben. Auf einer der letzten Touren nach Südtirol wurden sie angerufen. Zwei Vespa Fahrer hatten ein unlösbares technisches Problem und steckten fest. Die Telefonnummer von Stefan Reihs hatten sie seit dem „WespaWaldTreffen“ 2019 (im Stöffelpark in Enspel) noch im Handy gespeichert. Die Roller-Freunde trafen sich am Gardasee. „Am Abend haben wir gemeinsam Pizza gegessen und anschließend die ganze Nacht durch geschraubt,“ erinnern sich Kay­sczyk und Reihs immer noch amüsiert. In der gebuchten Unterkunft sind die Gleichgesinnten zusammengerückt, um sich für den nächsten Touren-Tag auf zwei Rädern auszuruhen. Zum Glück haben sie drei „Schrauber“ in der Mannschaft. Wie auf jeder Ausfahrt war ein Sprinter als Servicewagen mit Werkzeug und sogar Ersatzroller für den Notfall dabei. Apropos Technik – im Moment bauen die „Mechaniker“ des Clubs gerade einen eigenen Prüfstand für die Roller. Wenn die Vespa-Begeisterten eine gebrauchte Vespa erstanden haben, können sie die tatsächliche Leistung des Motors feststellen. Ein solcher Prüfstand wurde zuvor extra für „Blech & Schalten“-Veranstaltungen ausgeliehen. Er war immer ein begehrtes Objekt auf jedem Roller-Treffen, wie die Freunde feststellen konnten. Jetzt in der Vorsaison ist Zeit, sich um den Bau einer eigenen Anlage zu kümmern und die Zweiräder wieder für die nächsten Touren und Treffen fit zu machen. Der...

Ein virtuoser Stratege

Johannes Mnich ist der Gründungsintendant der TauberPhilharmonie Mitte 30 und schon Intendant einer nigelnagelneuen Philharmonie: Johannes Mnich ist einer, der neue Wege gehen kann – und will. Er ist einerseits der studierte Pianist und erfahrene Kulturmanager, der Weltklasse-Stars nach Weikersheim holt und in der TauberPhilharmonie einen fulminanten Eröffnungssommer inszeniert hat. Er ist aber andererseits auch der trendige Mittdreißiger, der mit seinem ebenso jungen Team bei lässigen Aktionen über Facebook und Instagram sein Haus in den Fokus rückt und sich nicht scheut eine blasmusikwilde „Meute“ in seinem Konzertsaal toben zu lassen. Kultur in Coronazeiten Gerade mal neun Monate währte das Glück der TauberPhilharmonie in Weikersheim, dann kam der erste Lockdown. Nach einer sommerlichen Coronaspielzeit mit ausgefeiltem Hygienekonzept im November dann das zweite Aus. Wie sich Johannes Mnich als Intendant dabei so fühlt, lesen Sie im anschließenden Interview. Aber er lässt sich nicht unterkriegen, denn Musik, Kultur und deren Vernetzung in der Gesellschaft sind und bleiben sein Leben. „Ich bin ein echtes Nordlicht“, sagt er, „Ein regnerischer Tag ist für mich bestes Wetter.“ Johannes Mnich ist in Achim bei Bremen aufgewachsen. Die ganze Familie ist musik-affin und mit sechs Jahren begann er Klavier zu spielen. Mit 16 war klar, er wird das zur Profession machen. Nach dem Abitur studierte er an der Musikhochschule in Hannover, die einen weltweit ausgezeichneten Ruf in der Ausbildung von Pianisten hat. Gut vernetzt Studienkollege und längst ein Freund ist Weltklasse-Pianist Igor Levit, der nicht nur in Sälen der Carnegie Hall, Berliner Philharmonie oder der Elbphilharmonie spielt, sondern im Eröffnungssommer auch in der TauberPhilharmonie zu Gast war. „Bei solchen Mitstudenten darf man sich selbst keiner Illusion hingeben“, sagt Mnich mit einem Schmunzeln. Ihm war schon immer klar, Klavier studieren, ja, aber Pianist wollte er keiner werden. Also hat er nebenbei, „einfach aus Interesse“, fünf Semester Germanistik und Politikwissenschaft studiert. „Wo liegen meine Stärken?“, war die Frage, die er sich gestellt hat. Einerseits liebt er das Klavierspiel, andererseits ist da der begeisterte Manager und Netzwerker in ihm. „Ich habe schon früh meine eigenen Konzerte moderiert“, sagt er. Nach dem Abschluss in Hannover ging er zum Masterstudium nach London an das Trinity College of Music in Greenwich. „Das war eine irre Zeit“, erinnert er sich. Als Mittzwanziger in einer Metropole wie London habe er die Kultur wie ein Schwamm aufgesogen. Parallel zum Studium, zu Soloauftritten und einem kleinen Lehrauftrag hat er in England das Management für ein Kammerspielfestival übernommen, das Konzerte auf Landsitzen oder im Wohnzimmer eines Barons veranstaltete. „Das war sehr inspirierend“, erinnert er sich. Und da er schon immer ein neugieriger Mensch war, heuerte er am Tag nach seinem Masterabschluss auf einem Kreuzfahrtschiff an. Als „Guestentertainer“ hat er bei Touren zu den Kanaren, im Mittelmeer, in der Ostsee und von New York bis in die Karibik alle zwei bis drei Tage ein Konzert gegeben – und dabei ein bisschen die Welt entdeckt. Weil alle Lebenslust dennoch nach Tiefe strebt, ging es für ihn 2012 zurück ins wahre Leben. Johannes Mnich hat sich dafür gleich mal ein Großunternehmen ausgesucht. Der Chemiekonzern BASF Ludwigshafen hat nicht nur zwei eigene Konzertsäle, sondern veranstaltete eine Pianistenreihe und ein Kammermusikprogramm. Für beide war Mnich von 2012 bis 2015 der Kulturmanager. „Die hierarchischen Strukturen waren aber auf Dauer nichts für mich“, erzählt er. Er hatte Kontakte zum internationalen Musikfestival „Heidelberger Frühling“ und hat sich initiativ beworben. „Es gab so viele Zufälle in meiner Laufbahn“, sagt er, denn gerade zu diesem Zeitpunkt suchte das Musikfestival einen Projektleiter für die Festivalakademie, die auch engagiert in der Nachwuchsförderung tätig ist. Eigentlich ein Traumjob, wäre da nicht im Sommer 2017 das Inserat in „Die Zeit“ gewesen. „Weikersheim sucht Gründungsintendanz“ las Johannes Mnich. Seine Frau kommt aus Assamstadt, nur 20 km von Weikersheim entfernt, das erste Kind war geboren und Mnich selbst kannte Weikersheim von einem Aufenthalt bei der Musikakademie Jeunesse Musicales als 15-Jähriger. Und natürlich war da noch die unglaubliche Chance, ein Konzerthaus von Null aufzubauen. Und...

Nur fliegen ist schöner

Ein Vogelliebhaber lebt seinen Kindertraum mit einer Greifvogel Auffangstation Schwups ist der Hut weg – Andreas Ritz hält seine geliebte „Inka“, ein Schopfkarakara-Weibchen (Bild) aus Südamerika auf dem Arm. „Am liebsten macht sie Schnürsenkel und Reißverschlüsse auf und ist verschmuster als so manches Schoßhündchen“, führt der Vogelliebhaber stolz sein Lieblingstier vor. Die gefiederten Freunde aus der Natur lagen ihm schon immer am Herzen. Schon als kleiner Bub päppelte er verletzte Spatzen, Singvögel und Tauben zu Hause wieder auf. Seit mehr als 20 Jahren sind es die kranken Greifvögel wie Falken, Bussarde, Habichte und Rotmilane aus der Region, die er in seiner eigenen Auffangstation in Schnepfendorf hegt und pflegt. Ein großer Holzschuppen mit mehr als zehn Volieren und einer Wärmekammer für den Winter, die auch zur Aufzucht des Nachwuchses dient, ist zu einer Krankenstation der Vögel geworden. Im Jahr 2015 gründete Ritz den Verein „Greifvogel Auffangstation Mittelfranken e. V.“, um die immer aufwendiger werdende Arbeit leisten zu können. „Wir sind ein tolles Team aus 25 Mitgliedern aus dem Raum Würzburg, Schillingsfürst und Nürnberg“, freut sich Ritz über das große Engagement für die heimischen Vögel. Allein in diesem Jahr wurden 135 verletzte Greifvögel, die zu 80 Prozent Autounfällen zuzuschreiben sind, in die Auffangstation gebracht. Vögel, die nie wieder fliegen können, wie Storch Taschi (Bild im ROTOUR-Magazin) bleiben in der Obhut seiner Station. Besonders kritisch betrachtet Ritz die zunehmenden Fälle von Vögeln mit Vergiftungserscheinungen. „In den letzten Wochen wurden mir fünf Schleiereulen und vier Mäusebussarde gebracht“, erzählt er betroffen. Nur eine der Schleiereulen überlebte. Der Vogelexperte führt diese Tatsache auf das extrem hohe Mäuseaufkommen in diesem Sommer zurück. Vergiftete Tiere werden von Mardern, Füchsen und Greifvögeln gefressen und verenden oft jämmerlich. „Das Problem dabei ist, dass die Mäusepopulation vorübergehend reduziert wird, die natürlichen Feinde aber auch, was zu einer erneuten Explosion der Mäusefamilien führt“, warnt Ritz. Die kleinen Nager vermehren sich rasend schnell, ein Greifvogel Pärchen dagegen bringt jährlich nur zwei bis drei Nachkommen zur Welt. Andreas Ritz möchte, dass die Menschen die Natur verstehen lernen. Dazu gehören auch, die meist im Frühjahr berichteten Angriffe von Greifvögeln auf Jogger. Oft sitzen Jungvögel, die flügge werden wollen, auf dem Boden. Die Eltern halten sich meist in der Nähe auf und gehen nur auf die Sportler zu, wenn sie das Leben ihrer Jungen bedroht sehen. „Also bitte nicht auf die Kleinen zugehen“, empfiehlt Ritz. Die größte Sorge stellt allerdings die Corona-Pandemie dar. Mit Greifvogel-Vorführungen bei den Reichsstadttagen, an den Rittertagen in Uffenheim und bei der Stadtmosphäre wird die Auffangstation zu 90 Prozent finanziert. „Ich bin eigentlich mit Vorführungen meiner Flugakrobaten über 15 Jahre auf Gut Mergenthau im bayerischen Kissing ausgebucht“, erzählt Ritz. Alle Vorführungen brechen durch die Coronasituation weg. Bisher konnte der engagierte Greifvogelfreund die anfallenden Kosten in dieser Krisenzeit für Nahrung, Tierarztbehandlungen und Instandhaltungen des Gebäudes durch Eigenfinanzierung und Spendengelder decken. „Lange schaffen wir das nicht mehr“, so Ritz. Was viele Umweltschützer nicht verstehen, ist der Einsatz von gesunden Greifvögeln wie der „Schwarze Milan“ „Morpheus“, der bei Schauflügen auf verschiedenen Veranstaltungen mitwirkt. „Morpheus“ ist der erste „Brexitflüchtling“, der nach einem Autounfall in der Auffangstation wieder gesund gepflegt wurde. Er war mit einem englischen Ring am Fuß markiert. Der britische Besitzer konnte nicht gefunden werden. Also hat „Morpheus“ die deutsche „Staatsbürgerschaft“ annehmen dürfen. „Um unseren heimischen Wildvögeln helfen zu können, müssen wir gesunde Vögel für unsere Flugshows nutzen und auch in der Auffangstation halten, um das nötige Kleingeld verdienen zu können“, so Ritz. Interessierte können sich bei Andreas Ritz unter der Tel.: 0175-1500549 über alles rund um die Greifvogel-Auffangstation informieren....