Kultur der Streuobstwiese Jul01


Kultur der Streuobstwiese

In Burgbernheim erklären Führer die einzigartige Streuobstlandschaft

Von links: Ernst Grefig, Karlheinz Barthold und Bruno Krug führen durch die Streuobstwiesen. Foto: am

Von links: Ernst Grefig, Karlheinz Barthold und Bruno Krug führen durch die Streuobstwiesen. Foto: am

Es sind nicht nur Obstbäume, es ist eine Kulturlandschaft. „Wir sehen es als unseren Auftrag, diese zu erhalten“, erklärt Ernst Grefig, seit 38 Jahren Stadtgärtner in Burgbernheim. „Ohne Ernst gäbe es das Bewusstsein für die Streuobstwiesen nicht“, fügen Bruno Krug und Karlheinz Barthold an. Die drei Männern brennen nicht nur für die Natur rund um Burgbernheim, sie bringen diese bei individuellen Führungen auch interessierten Menschen nahe.

Etwa 30 000 Obstbäume stehen auf 120 ha Wiesenfläche rund um Burgbernheim. Die eine Hälfte gehört der Stadt, die andere Privatbesitzern. Die Streuobstwiesen, die in dieser zusammengehörigen Größe einmalig sind, wurden zum Alleinstellungsmerkmal von Burgbernheim. Aktuell entsteht ein Streuobstkompetenzzentrum, das 2025 offiziell eingeweiht wird. Im Frühjahr gibt es einen Streuobstwandertag und am zweiten Sonntag im Oktober den Streuobsttag.

Bereits im 18. Jahrhundert wurde der Obstanbau außerhalb der Dörfer initiiert. In den 1950er bis 1970er Jahren gab es dagegen Rodungsprämien, um mehr landwirtschaftliche Flächen zu schaffen. Die an die Frankenhöhe angeschmiegte hügelige Lage der Obstwiesen hat verhindert, dass sie verschwinden. „Das war unser Glück“, so Ernst Grefig.
Vor etwa 20 bis 25 Jahren rückte die Kulturlandschaft immer mehr in das Bewusstsein sowohl der Stadtpolitik als auch der Bürger, und ist heute ein Vorzeigeprojekt, das es zu erkunden gibt.

Etwa die Hälfte der Obstbäume sind Zwetschgen, dazu kommen Apfel-, Birnen- und Kirschbäume. Die Walnuss und Sauerkirsche spielt eine Rolle, ebenso wie Mirabelle oder Reneklode. Es gibt neunmal soviel Obstbäume wie Einwohner in Burgbernheim.

Streuobst zukunftsfähig machen

Alle drei Streuobstführer starten mit ihren Touren am Labyrinth (auch eine Besonderheit). Auf guten Wegen, teilweise frisch in die Wiesen gemäht, geht es dann für zwei bis drei Stunden mitten hinein in die Streuobstlandschaft. Die individuelle Ausrichtung kann mit dem jeweiligen Führer vereinbart werden.

Bruno Krug unter dem „Glücksapfel“. Foto: am

Bruno Krug unter dem „Glücksapfel“. Foto: am

Jeder der Männer hat seinen Schwerpunkt. Ernst Grefig hat als Vollprofi auf alle Fragen eine Antwort. Er kennt sich nicht nur mit Anbau, Pflege und Besonderheiten der Obstbäume aus, sondern ist auch ein Visionär. „Unser größter Feind ist das Klima“, sagt er. Spätfrost im Frühjahr oder längere Spitzentemperaturen über 32° Grad setzen den Beständen zu. Um die Kulturlandschaft zu erhalten, braucht es Pflanzen, die mit den sich ändernden Bedingungen zurechtkommen. Beim Rundgang geht es daher auch vorbei an Kakibäumen, an drei verschiedenen Arten von Maulbeerbäumen, oder Pflanzungen auf sandigem Boden. Alles Projekte, die zukunftsorientiert neue Erkenntnisse bringen.

Bruno Krug gibt seinen Touren, die eine Strecke von etwa 4 km haben, gerne den Titel „Wellnesswandern“. Er möchte, dass die Menschen in der Natur abschalten können und Spaß haben. Neben Infos zu den Streuobstwiesen gibt es bei ihm auch Überliefertes, Anekdoten und Wissenswertes zum Wirtschaftsstandort Burgbernheim zu hören. Was genau passiert denn mit dem Obst, wenn es reif ist? Eine Genossenschaft wurde gegründet, die unter dem Namen „Einheimischer“ das Obst zu Saft verarbeitet und vermarktet. Der Abschluss seiner Führung führt stets über die „Kulturmeile“ zurück an den Start. Burgbernheimer Künstler haben diesen Abschnitt mitgestaltet. Eine Holzbank mit Rasenpolster, ein „Glücksapfel“ aus Hufeisen oder eine überdimensionale Holzhand, die einen ausladenden Ast stützt, sind nur einige der Objekte.

Karlheinz Barthold setzt als Streuobstführer neben der historischen Entwicklung des Obstanbaus und Bräuchen rund um den Apfel auch auf die Vielfalt von Pflanzen und Heilfrüchten, die in diesem Kulturraum gedeihen. „Ich möchte möglichst alle Sinnesorgane ansprechen“, so Barthold.

Geburtstagsgruppen, Offiziere der Bundeswehr oder Besucher aus München haben schon zu den Gästen gehört. „Wir machen die Führungen sowohl für Busgruppen wie auch für Kleingruppen“, erklärt Ernst Grefig. am