Musikerin mit Leib und Seele

Carmen Hofacker: Sängerin, Songwriterin und MiniMusikanten-Erfinderin „Ich habe schon als Kind gewusst, dass ich Musikerin, im speziellen Sängerin, werden will“, sagt Carmen Hofacker. Wir treffen uns in ihrem Elternhaus in Diebach. Im Dachgeschoss hat sie Räume für ihre MiniMusikanten eingerichtet, das neueste Projekt der Künstlerin. Mit Blick auf Felder und Wiesen ist sie hier aufgewachsen. Mitten auf dem Land. Lehrer für Stimmbildung, Harmonielehrer, Songwriting gab es nicht. Trotzdem wollte und ist sie Sängerin geworden. Lange Jahre waren ihr Erkennungszeichen die leuchtend roten Haare. Mittlerweile setzte sie auf Natürlichkeit, trägt einen lockeren Zopf und ist Mutter eines 6-jährigen Jungen. Start der Solokarriere Die Höhen und Tiefen des Musikbusiness hat sie in den letzten über 20 Jahren durchschritten. Ärmel hochkrempeln und wieder was los machen, das hat sie in ihre DNA eingesogen. So einfach lässt sich Carmen Hofacker nicht unterkriegen. Auch nicht von dem coronaindizierten, faktischen Arbeitsverbot für Künstler in den letzten eineinhalb Jahren. Nach der Schule hat Carmen Hofacker eine Ausbildung bei Sport Erhard gemacht und ist zeitgleich mit ihrer ersten Band „Reminder“, einer Coverband, aufgetreten. „Ich habe gut verdient und Geld gespart“,erzählt sie. Mit 23 Jahren ging sie dann nach Berlin an eine private Schule zur musikalischen Ausbildung. Danach folgten sechs Jahre klassische Gesangsausbildung bei privaten Lehrern. „Nebenher habe ich halbtags im Büro gejobbt“, erzählt sie. Außerdem hatte sie ab 2003 auch ihre Band „Swim“, ein Akustik-Rock-Duo. Hier konnte sie ihre Kreativität ausleben, denn mit „Swim“ spielte sie nur eigene Stücke, selbst getextet und komponiert. Zwei Alben sind in dieser Zeit entstanden. Es lief ganz gut bis der Gitarrist erkrankte und nicht mehr auftreten konnte. Eine schwierige Zeit, die eine Neuorientierung forderte. „Ich habe dann den Weg Richtung Solo eingeschlagen“, so Carmen Hofacker. Das sei anfangs auch eine ganz nüchterne Entscheidung gewesen, fügt sie an. Kleinkunstveranstalter haben ein enges Budget und bei Soloauftritten ist der Verdienst einfach besser. Dies war die Geburtsstunde von „Carmen Underwater“. „So konnte ich von der Musik leben“, sagt die Künstlerin. Mit „Carmen Underwater“ lässt die Musikerin ihren sanften, ruhigen Part erklingen. Und das kam und kommt an. Sie erhielt den „Listen to Berlin Award“ und den Jury-Preis beim Berlin Song Contest. Auftritte in ganz Deutschland und auch in ihrer Heimat, beispielsweise bei Kultur Korn oder im Wildbad in Rothenburg, folgten. Ihre Songs haben stets ein zentrales Thema, das bewegt, oder erzählen Geschichten aus der Tiefe des Menschseins. Die Impulse zu den Liedern kommen dabei in ganz normalen Alltagssituationen. „Ich tippe die Idee dann schnell ins Handy oder singe die Melodie ein“, erklärt Carmen Hofacker den Schaffensprozess. Ohne Disziplin geht es nicht Und dann folgt harte Arbeit. „Man braucht Disziplin um ein Lied zu schreiben“, weiß sie. Manchmal fließt es, manchmal beißt sie sich die Zähne aus. Am einen Song arbeitet sie ein Jahr, der andere entsteht in einer Nacht. „Das Klavier ist dabei stets mein Instrument“, so die Musikerin. Es lief gut. Auch privat. 2015 kam ihr Sohn Enno auf die Welt und gemeinsam mit Partner Daniel Rieth, den viele über seine Initiative „Träumen & Machen“ kennen, orientierte sich die junge Familie wieder Richtung Heimat – mit Abstechern in die weite Welt. Im Jahr 2017 verabschiedeten sie sich für eine Tour durch Europa und im Anschluss durch Australien und Neuseeland. Mit dem Wohnmobil erkundeten sie die Welt und Carmen Hofacker gab an den verrücktesten Orten Konzerte. „Beim Konzert am Strand in Usedom erlebten wir ein spektakuläres Naturschauspiel“, erinnert sie sich. Ihr Auftritt wurde von einem kompletten Regenbogen überspannt. In Frankreich spielte sie bei einer riesigen Gartenparty, in England auf dem Geburtstag einer 75-jährigen Urlaubsbekanntschaft, in Down Under in Cafés und in Wohnzimmern. „Ich habe etwa 100 Konzerte gegeben“, so die Sängerin. Anspruch an Qualität Zurück in Deutschland erweckte sie im Jahr 2018 die MiniMusikanten zum Leben. Carmen Hofacker hat in Berlin bei „Little Musikmakers“ die Ausbildung zur musikalischen Früherziehung gemacht, die parallel in englisch und deutsch stattfindet. Da die vorhandenen Arbeitsmaterialien aber nicht ihrem...

Ein besonderes Ehrenamt

Die Rothenburger Sicherheitswacht mit Blick auf ihre Mitmenschen Sie tragen eine dunkelblaues Poloshirt, eine gleichfarbige Jacke; auf dem Rücken steht „Sicherheitswacht“. Am Ärmel befindet sich ein Aufnäher mit dem bayerischen Wappen. Zur Ausrüstung der Sicherheitswächter gehören eine Trillerpfeife, ein Digitalfunkgerät und ein Abwehrspray. Seit nunmehr 25 Jahren gehen Bürgerinnen und Bürger für die bayerische Polizei auf Fußstreife. Auch die drei gebürtigen Rothenburger Rainer Moll, Günter Wasilewski (Spitzname „Otto“) und Joachim Huber gehören zu der im Oktober 2019 neugegründeten Rothenburger Sicherheitswacht (bewilligt durch das Bayerische Innenministerium). Hauptkommissar Jürgen Schmidtmaier von der hiesigen Polizeidienststelle ist ihr Dienstherr. In einem Vorstellungsgespräch wurde die Zuverlässigkeit der Bewerber vorab geprüft, natürlich unter Vorlage eines einwandfreien polizeilichen Führungszeugnisses. „Man sollte schon eine „weiße Weste“ haben“, sagt Moll lächelnd. Gemeinsam mit der Polizei sorgt die Sicherheitswacht für ein „Mehr“ an Sicherheit, Zivilcourage und Zusammenhalt in der Gesellschaft! Genau das ist es, was die drei motiviert. Allein ihre Uniform erzeugt bei den Mitbürgern ein gewisses Sicherheitsgefühl, so der Eindruck der engagierten Ehrenamtlichen. Doch wie weit dürfen Sicherheitswächter gehen? Wird es bedrohlich, rufen sie per Funk eine Polizeistreife. Sie dürfen zwar die Identität von Personen überprüfen und Verdächtige festhalten bis die Polizei eintrifft aber nicht mehr. Sie kümmern sich auch um „Partyhelden“, wie am Rothenburger Kummereck beim Galgentor, wo Jugendliche kürzlich bis morgens um 5 Uhr laut Musik gehört und randaliert haben. In der Rothenburger Facebookgruppe wurde das Verhalten von vielen Mitbürgern scharf kritisiert. „Da muss man doch was tun und denen Einhalt gebieten“, hieß es unter anderem. „Genau dafür können sich Einheimische als ehrenamtliche Sicherheitswächter einsetzen und selbst für Ordnung sorgen“, so Günter Wasilewski, der seit 42 Jahren als Kellermeister beim Verein „Der Meistertrunk e. V.“ auftritt. Rainer Moll ist mit seinem Sohn und seinem Enkel in dritter Generation bei der Freiwilligen Feuerwehr aktiv. „Man kann so einiges bewirken mit ehrenamtlichem Engagement“, versucht Moll seine Mitmenschen zu motivieren. Ansprechpartner und Ratgeber sein Auf Streife gehen ist für die drei von der Sicherheitswacht auch immer wieder mit positiven menschlichen Begegnungen verbunden. Vor kurzem unterhielten sich „Otto“ und Moll mit einem Ehepaar über die ganze Stadtgeschichte und stellten fest, dass sie sich vor ca. 20 Jahren schon einmal beim „Helmers“ zu der ein oder anderen Kleinkunstveranstaltung getroffen haben könnten. „Auch das machen wir, Menschen mit der Historie der Tauberstadt vertraut machen und ihnen Wegweiser für die schönsten Orte in der Umgebung sein“, sind sich die „Wächter“ einig. Die Sicherheitsleute sind immer zu zweit unterwegs, um in heiklen Situationen dem Partner Rückendeckung geben zu können. Drei sind allerdings auf die Dauer zu wenig für eine Stadt wie Rothenburg. Fällt einer aus, muss der mindestens fünfstündige Einsatz im Monat von nur zwei Aktiven geleistet werden. Die Aufwandsentschädigung von acht Euro pro Stunde machen es nicht besser. Interessierten im Alter von mindestens 18 und höchstens 62 Jahren können sich mit der Polizeidienstelle Rothenburg über die ehrenamtliche Sicherheitswacht informieren....

Aus alt mach neu

Markus Paul ist Maler mit der Leidenschaft für Altbausanierungen Putz runter, Wände und Böden raus, Schlitze für die neue Elektrik schlagen, neue Böden legen, Trockenbauwände einziehen und schön gestalten oder auch altes Fachwerk wieder herstellen, das liebt Markus Paul, der seit 2018 einen eigenen Malerbetrieb in Rothenburg betreibt. Er tanzt mit seiner Liebe zum Malerhandwerk aus der Reihe. Sein Vater hatte eine Autowerkstatt in Ergersheim. Beide Brüder sind der KFZ-Branche treu geblieben. Der eine besitzt die Autowerkstatt Paul in Uffenheim, der andere das Autohaus Opel Paul in Rothenburg. „Ich konnte mit Autos nichts anfangen. Statt dessen hat es mich schon als junger Kerl gereizt, das uralte Haus meines Vaters rundzuerneuern“, erzählt er. Selbstständig Nach seiner Ausbildung zum Maler sammelte Markus Paul über 21 Jahre als Angestellter Erfahrungen im Maler Handwerk. Lackieren von Türen und Wänden, Raumgestaltung mit unterschiedlichsten Verputztechniken, Fassadengestaltung und -sanierung, komplette Altbaurenovierung von A bis Z, Trockenbau, Bautenschutz und Wärmedämmung gehören heute zum eigenen Portfolio seines Betriebes. „Ich habe mit „Nichts“ angefangen und bin mit einem uralten Opel durch die Gegend gefahren“, erzählt er von den Anfängen seiner Selbstständigkeit. Anfangs musste sich Paul über das Handwerksportal „Maler.org“ eigene Kunden suchen. Die Online-Plattform bringt Kunden per Maus Klick mit Handwerkern aus der Region zusammen. Eine gute Sache, wie der Fachmann findet. Heimatnah Heute ist er bekannt im Rothenburger Raum. Erst kürzlich hat er ein 500 Jahre altes Haus im Rothenburger Freudengässchen saniert. In der Klingenschütt zieht sich die alte Stadtmauer durch das Gebäude. Im Rahmen der Renovierungsarbeiten integrierte er die alten Mauersteine als Regalrückwand. An Ideenreichtum hat es dem leidenschaftlichen „Werkler“ noch nie gefehlt. „Ich liebe es in eine ,Ruine‘ zu kommen und mir vorzustellen, wie ein altes Bauwerk wieder in neuem Glanz erstrahlt“, schwärmt er beim Anblick einer solchen Herausforderung. Oft denkt...

„Wir sind Problemlöser“

Martin und Yvonne Wagner setzen bei Möbel Kölblin auf Qualität Manche Dinge ändern sich nie. Und das ist auch gut so. „Schon meine Großeltern haben auf Nachhaltigkeit und Langlebigkeit gesetzt“, erklärt Martin Wagner. Seinen Kunden bezahlbare Qualitätsmöbel bieten zu wollen, ist also nicht das Postulat der Stunde, sondern der rote Faden, der sich durch die Geschäftsphilosophie des Möbelhauses Kölblin zieht. Seit 1951 ist das Unternehmen in Familienhand und wird seit mehreren Jahren von Martin und Yvonne Wagner geführt. Auch wenn sich an der Grundeinstellung über die Generationen hinweg nichts geändert hat, sind die Wagners dennoch mit der Zeit gegangen. Auf 2 000 m² Verkaufsfläche präsentieren sie ein Vollsortiment, das sehr wohl modernen Ansprüchen gerecht wird. „Mittlerweile generieren wir 50 Prozent unseres Umsatzes mit Küchen“, erzählt Martin Wagner. Im ersten Geschoss (es gibt einen Aufzug) stehen elf Schauküchen, die einen Einblick in die unzähligen Möglichkeiten bei der Küchenplanung geben. Die liegt selbstverständlich in Händen des Chefs. Zuhören sei ganz wichtig, merkt er an. Nach der ausführlichen Beratung kommt er selbst zum Aufmaß und startet danach mit der Planung. In einer der Küchen, einer besonders schicken mit schwarzem Dekor, führt Martin Wagner den Dunstabzug vor. Legt er richtig los, wird schnell klar, Dunsthaube ist nicht gleich Dunsthaube. Alles, das es in die Kölblinsche Ausstellung schafft, ist erprobt. Die Dunsthaube der Firma Berbel hat Martin Wagner seit drei Jahren im Sortiment und außerdem auch in der eigenen Küche im Einsatz. „Die begeistert mich einfach“, sagt er. Hochwertige Küchen Er geht damit einen innovativen Weg, weg von mehrlagigen Fettfiltern und energetisch zweifelhaften Abluftlösungen. Die Dunsthauben, die Wagner mittlerweile in zweidrittel aller Küchen einbaut, funktionieren mit einer revolutionären Lüftungstechnik und einer Zentrifugalabscheidung. Kurzum: Es gibt kein Fett, keine Gerüche und keinen Dampf mehr. Und schick sehen sie auch noch aus. Damit vervollständigt er sein qualitativ hochwertiges Küchenprogramm. „Wir sind Nolte Fachhändler“, erläutert er. Nolte ist der zweitgrößte Küchenhersteller in Deutschland. „Made in Germany“ ist den Wagners wichtig. „Wenn ich diese Produkte verkaufe, dann weiß ich, dass es passt“, so Martin Wagner. Die Coronazeit hat das Unternehmen gut überstanden. Der rote Faden der Unternehmensentwicklung hat sich als genau richtig erwiesen. „Wir bieten eine detaillierte Beratung vor Ort“, so Yvonne Wagner. Da kann das beste Angebot im Internet einfach nicht mithalten. Die Stammkunden mit regionalem Bezug wissen das zu schätzen. Hinter dem dezenten Eingang zur Würzburger Straße hin verbirgt sich daher ein Möbelhaus mit umfassendem Angebot. Die neuesten Polstermöbel haben es dabei in sich. Lässige Lümmellängen sind im Trend. Aber Hand aufs Herz, wer sitzt da schon gut drauf? Eigene Hausmesse Martin Wagner hat daher ein besonderes System parat: Sofas, bei denen sich die Rückenlehnen mit leichtem Handgriff zurück und wieder vor versetzen lassen. Dazu gibt es Wohnwände in verschiedenen Stilrichtungen, Garderoben, Schlafzimmer, Sessel, Esstische und vieles mehr. Wie in jedem Jahr veranstalten Martin und Yvonne Wagner auch heuer ihre bewährte Hausmesse. Im Zeitraum vom 30. Oktober bis zum 13. November (parallel, aber unabhängig von der Rothenburger Herbstmesse) präsentieren sie in ihrem Möbelhaus frische, neue Ideen. Um das 70-jährige Bestehen des Möbelhauses gebührend zu feiern, wird es eine Art Jubiläumsverkauf geben....

Kompromisslos anders

Das High-End-Hotel „Alter Ego“ baut auf ein modernes Konzept Was Christian Mittermeier macht, das macht er entweder ganz oder gar nicht. Dafür ist der erfolgreiche Koch, Gastronom und Inhaber des Boutique Hotels und Gourmet Restaurants „Villa Mittermeier“ direkt am Würzburger Tor bekannt. Vor drei Jahren hat er sein neuestes Projekt an den Start gebracht: „Mittermeiers Alter Ego“. Schon das Gebäude mit seiner fast schwarzen Fassade fällt auf. Und innen geht es entsprechend weiter. Christian Mittermeier und seine Frau Ulli haben hier „ihr Ding gemacht“. Eigene Erfahrungen Ohne Rücksicht auf bestehende Hotelkategorien und ohne eine bestimmte Zielgruppe im Blick zu haben, konzipierten sie das Hotel so, wie sie es selbst gerne im Urlaub vorfinden würden. „Wir haben unsere Ideen rigoros umgesetzt und neun Monate Vollgas gegeben“, erzählt Mittermeier. Gekostet hat es am Schluss doppelt so viel. Mitte 2018 öffnete „Alter Ego“ seine Türen – als High-End-Hotel. Die Grundidee dahinter ist, dass der Gast die Intensität des persönlichen Kontakts selbst bestimmen kann, dass ein gegenseitiges Vertrauen herrscht und dass alle digitalen und technischen Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Alles Überflüssige wurde verbannt, alles Notwendige sichtbar gemacht. „Alter Ego“ hat elf exklusive Zimmer. Schon vom Moment der Buchung an beginnt der Aufenthalt unkompliziert zu werden. Individuelle Lösungen Der Check-in funktioniert digital, die Eingangstüre wird smart gesteuert. Keine Rezeption mit den üblichen Standardfragen erwartet den Gast, sondern eine schicke Küche und ein Geselligkeit versprechender, großer Tisch. Die Küche von Bulthaup und eine Trustbar, bei der sich der Gast vertrauensvoll bedienen kann und bei Abreise bezahlt, vermitteln sofort ein angenehmes Willkommen. Wer will, kann sich hier morgens einen schnellen Kaffee machen. Der übrigens kostenlos ist. Wer ausgiebiger frühstücken möchte, der geht hinüber zur „Villa Mittermeier“. „Eben so, wie der Gast es möchte“, kommentiert Christian Mittermeier, „Zu uns kommt der 80-Jährige, der mit seinem Smartphone eincheckt, und ebenso ein junges Paar, die lieber einen persönlichen Check-in mit Zimmerkarte möchten.“ Ganz praktisch, dass die „Villa Mittermeier“ mit Rezeption gleich nebenan ist. Wer ein Gesicht sehen will, trifft dort auf versierte Mitarbeiter. Wer das nicht möchte, hat seine Ruhe. Ansonsten ist „Alter Ego“ zu 100 Prozent digital. Jedes Zimmer hat zur Mediensteuerung ein eigenes iPad. Überall gibt es High-End- WLAN mit maximaler Bandbreite. Wer also schnell mal die Präsentation für den nächsten Tag überarbeiten will, kann dies direkt vom Bett aus tun. Bei so viel Affinität für neue Technologien gehört natürlich auch die Ladestation für Elektrofahrzeuge am hoteleigenen Parkplatz dazu – übrigens auch Teil des „Tesla Destination Charging Program“. Soviel zum Konzept von „Alter Ego“. Aber wie lebt es sich denn so in einem High-End-Hotel? Christian und Ulli Mittermeier haben keine sterile Zukunftswelt erschaffen, sondern der Historie, die in Rothenburg in allen Winkeln schlummert, ein neues Zuhause gegeben. „Alter Ego“ ist ein Haus aus der Jahrhundertwende, erbaut um 1904. Die Villa war das Privatdomizil des Seifen- und Parfüm-Fabrikanten August Schmieg und seiner Frau Anna. Bei dem Angriff auf Rothenburg Ende März 1945 brannte die Villa der Familie Schmieg in der Würzburger Straße bis zum ersten Stock ab. „Wir haben beim Umbau noch verbrannte Balken gefunden“, so Mittermeier. Als das Gebäude, das zum Schluss teilweise unbewohnt war, zum Verkauf stand, schlug Mittermeier zu. „Abreißen war für mich aber keine Option“, stellt er fest. Christian Mittermeier beobachtet die denkmalschützerischen Aktivitäten in seiner Heimatstadt Rothenburg genau. Er ist der Überzeugung, dass man Altes nur bewahren kann, wenn man ihm neuen Sinn gibt. Also hat er das Haus mit Sinn gefüllt.„Natürlich waren die baulichen Strukturen der alten Villa nicht für ein Hotel geeignet“, erzählt er. Gemeinsam mit dem Rothenburger Architekten Martin Schroth hat er mitunter verrückte Ideen kompromisslos umgesetzt. Die Innenwände aus alten Backsteinen wurden abgetragen. Mit dem vorhandene Material wurden sie dann passend zur Zimmereinteilung und nach den gegebenen Schall- und Brandschutzauflagen wieder aufgebaut. Der Charme, den diese rauen, Geschichte erzählenden Wände in den Räumen nun ausstrahlen, ist einzigartig. Filigrane Stahlregale, große Glasflächen, ein tiefschwarzer Parkettboden und ausgewählte Sessel runden das...

Filigrane Holzkunst Okt01

Filigrane Holzkunst

Franz Gubo verliert sich in der „zeitlosen“ Herstellung von Intarsienbildern So langsam gerät sie in Vergessenheit, die diffizile Holzeinlegekunst, die vermutlich im Orient ihren Ursprung fand. In der Antike, Renaissance, in der Barockzeit oder in der Moderne – aus keiner Epoche waren die aufwendige Intarsienarbeiten wegzudenken. Heute findet man die Ornamentkunst auf barocken Möbelstücken, Schmuckkästchen oder als filigrane Zierde auf hölzernen Tischoberflächen. Wie aber kommt diese aufwendige Kunst der Verzierung nach Detwang bei Rothenburg? „Ich habe einmal bei einem Freund gekellnert und bin dabei auf ein Intarsienbild mit dem Motiv des Rothenburger Rathausportals, das im Gastraum hing, gestoßen“, erinnert sich Franz Gubo. Das Erbstück des befreundeten Gastwirts ließ den Hobbybastler nicht mehr los. Gubo durfte es sich in den 1996er Jahren ausleihen, um es als Erstlingswerk nachzubilden. Das gelungene Exponat schenkte er seiner zukünftigen Ehefrau zum halbjährigen Freundschaftstag. Bis heute ist eine ganze Galerie aus 50 Kunstobjekten entstanden, die allesamt besondere Orte der Stadt Rothenburg zeigen. Darunter ist die Spitalbastei, die Alte Schmiede, das Topplerschlösschen, das Plönlein und nicht zuletzt die beiden neuen „Coronabilder“, wie er sie nennt, mit einer Ansicht auf den Rathausturm und das Galgentor. „Mach doch mal eine Ausstellung“, wird er oft aufgefordert. Einmal ließ er sich zu einer Ausstellung in der Sparkasse am Kapellenplatz überreden, aber der Aufwand war zu groß. Dauerausstellung Stattdessen präsentiert Gubo seine Kunstwerke im Gastraum der „Tauberstuben“ in Detwang, in die er 1972 eingeheiratet hat. Das nötige „Know-how“ für die Holzarbeiten holte er sich bei einem Schreiner in seinem Heimatort Creglingen. Hauchdünnes Holzfurnier aus finnischer Birke, Obstholz, Buche und Eiche bezieht er heute noch aus Schreinerwerkstätten. „Es wird immer schwieriger, schönes Holzfurnier am besten noch aus Baumwurzeln zu ergattern“, sagt der Autodidakt. Motiv-Vorlagen findet er auf Kunstzeichnungen wie die des Berliner Landschaftsmalers Gustav Lüttgens (1898 *),...

Praktische Hilfe

Hartmut Ehrmann macht ehrenamtlich zwei Autos für Flutopfer fit „Es ist das erste Mal, dass ich so eine Aktion gestartet habe“, erzählt Hartmut Ehrmann, „Der Zuspruch ist nicht mit Geld aufzuwiegen“. Ehrmann, KFZ-Meister und Inhaber des Autoservice in Obereichenrot bei Schrozberg, hat eine besondere Spendenaktion ins Leben gerufen: Er richtet Autos für die Betroffenen der Flutkatastrophe vom Juli her. Hugo Heinzen aus Ahrweiler hat als Erster sein Auto in Hohenlohe abgeholt. „Wir haben hier keinen Grund zum Jammern“, stellt Ehrmann fest. Daher hat er sich überlegt, wie er den Flutopfern helfen kann. Gerade nach der verordneten Coronadistanz war es ihm wichtig, wieder gesellschaftlichen Zusammenhalt zu zeigen. Warum aber Geld sammeln, wenn wir praktische Hilfe leisten können, war sein Credo. Von insgesamt 100 freien Autowerkstätten in seinem Verbund konnte er 20 Kollegen aktivieren. Insgesamt haben sie 70 Autos für Betroffene der Flut wieder in Schuss gebracht. Bereitwillige Unterstützung In der Hohenloher Autowerkstatt haben sich zwei Fahrzeuge als passend erwiesen: Ein VW Passat, den ein Kunde dem Unternehmer für kleines Geld überlassen hat, und ein Toyota Corolla, der vom Rotabene Medienhaus ebenfalls für einen kleinen Obolus der Aktion zugeführt wurde. Hartmut Ehrmann, der fünf Gesellen beschäftigt, hat neben Geld auch die Arbeitszeit investiert und seine Kontakte spielen lassen. „Die Unterstützung war unglaublich“, sagt er. Über Facebook hat er auf die Aktion aufmerksam gemacht. Privatleute spendeten, Reifen- und Teilehändler aus der Region unterstützen ihn ebenso wie Verkaufshäuser großer Kfz-Teilehändler. „Etwa 2 000 Euro hätte man in jedes Auto investieren müssen“, so Ehrmann. Die mit frischem TÜV versehenen Autos sollen schließlich solide laufen. Wer bekommt eines der Autos? Über Presse und Rundfunk wurde in der Region Ahrweiler auf die Spendenaktion aufmerksam gemacht. Ersthelfer, oder wie bei Hugo Heinzen die Apothekerin, haben die Namen gemeldet. Claudia Ehrmann hat die Liste dann...

Einkaufsbummel im Rathaus Okt01

Einkaufsbummel im Rathaus

Die elf Eingänge auf der Rückseite des Rathauses waren einst einzelne Verkaufsläden Wenn nicht gerade Weihnachtsmarkt ist und im Feuerkessel Buden stehen, dann herrscht in dieser kopfsteingepflasterten Seitenstraße (zur Herrngasse hin) eine himmlische Ruhe – und der Blick auf elf spitzbogige Eingangstüren und vergitterte Fenster ist unverstellt. Irgendwie seltsam diese Architektur? „Das Rothenburger Rathaus wurde Mitte des 14. Jahrhunderts nach dem Vorbild des Nürnberger Rathauses erbaut“, erklärt Dr. Karl-Heinz Schneider, der seine Dissertation über das Rothenburger Rathaus geschrieben hat. Ebenso wie die Nürnberger haben auch die Rothenburger in das Erdgeschoss Verkaufsläden integriert. Damals war es üblich, den Handel und die wichtigsten Geschäftstreibenden zentral anzusiedeln. Auf der ältesten überlieferten Darstellung des Rothenburger Rathauses auf dem Herlin Altar (von 1466) in der St.-Jakobs-Kirche ist das gut zu erkennen. Auf dem Bild sind die Läden der schmuckvollen Seite des Rathauses zum Marktplatz hin abgebildet, aber diese Geschäfte gab es auch auf der Westseite. Die Krämerläden zum Marktplatz hin fielen dann dem Rathausbrand von 1501 zum Opfer und wurden beim Neubau 1572-78 nicht mehr hergestellt (so in „Die Linde“, 2001, „Das Rothenburger Rathaus und seine Verkaufsgewölbe“ von Ludwig Schnurrer). Die Eingänge an der Westfassade blieben aber erhalten. Wichtige Verkaufsflächen Ludwig Schnurrer berichtet in „Die Linde“ über ein „Verzeichnis von 1782, also aus den letzten Jahren der Reichsstadtzeit“, das „Aufschluss gibt über die Verwendung von 31 Gewölben, leider ohne Angabe des Lage“. Die überwiegenden Räume wurden schon damals für verwaltungsinterne Zwecke verwendet. „Nur noch etwa ein Drittel wurde an handeltreibende Bürger verpachtet“, schreibt Schnurrer. Unter anderem waren dort eine Manufactur zum Holz, ein Schuhmacher, ein Bilderhändler, eine Einheizerin, die „Freibänck“ und auch eine Hebamme oder ein Spengler vertreten. Außerdem war das städtische Archiv in Teilen dieser Räume ansässig. So ruhig wie heute dürfte es also im Feuerkessel einst nicht gewesen sein. „Es gibt nur sehr wenige Quellen zur Nutzung der Räume, weil der Rathausbrand von 1501 den weitaus größten Teil des damaligen Archivs vernichtet hat“, weiß Stadtarchivar Dr. Florian Huggenberger. Seit 1966 werden die ehemaligen Läden vom Museum Historiengewölbe genutzt, das die Situation der Stadt während der Zeit des Dreißigjährigen Krieges darstellt. Der Eingang zum Museum befindet sich im Rathausgewölbe – nicht in einer der elf Türen. Diese sind alle fest verschlossen....

„Diwer mer Jenisch?“ Okt01

„Diwer mer Jenisch?“...

Die Geheimsprache „Jenisch“ hat ein eigenes Museum in Schillingsfürst Blamb, Beiz, Duftschaller oder Gleisitrampelmarodipink – keine Ahnung was das soll? So ging es vielen. Denn die Jenischen wollten nicht verstanden werden. Sie hatten ihre „Geheimsprache“. In Schillingsfürst soll sich das Jenisch erhalten. Dafür kämpfen Markus Löschel und Oliver Munique. Im Sommer haben sie das „Museum zur Jenischen Sprache“ im Theaterchen des Doerfler-Museums eröffnet. „Wenn wir jetzt nicht handeln, geht die Sprache verloren“, macht Munique mit Nachdruck deutlich. Spaß an der Gaunersprache Die beiden sind Schillingsfürster mit Herzblut und nach eigener Auskunft „tertiäre“ Jenisch-Sprecher: Das bedeutet, ihre Kenntnisse stammen weitgehend aus Büchern. Kontakt zu Muttersprachlern hatten sie keinen mehr. Ihren Wissensdurst stillen sie aber mit allen Infos, die zur Verfügung stehen. Sie können locker im Jenischen parlieren, haben Sketche parat, ein Buch verfasst, das noch vor Weihnachten erscheinen soll, einen Comic geschrieben und nun ein Museum realisiert. Die Jenischen wären sicher stolz auf sie. Beliebt war diese ethnische Gruppe, die etwa Mitte des 18. Jahrhunderts nach Schillingsfürst kam, aber nicht. Jenisch ist die Sprache des fahrenden Volk der Wanderarbeiter, Schausteller oder Hausierer. Das waren arme Leute, die sich durchschlagen mussten. Ihre Sprache war daher stigmatisiert als Gaunersprache. Negativ besetzt war auch die Verbindung zwischen dem Igel und den Jenischen. Die Menschen wurde als „Igelfresser“ betitelt. Das stachelige aber sympathische Tier diente den armem Leuten als Nahrungsmittel. Aber es schmeckte auch so manchen Schillingsfürstern, wie in der Ausstellung zu erfahren ist. Der Igel, auf Jenisch „Stupfl“, ist in Schillingsfürst mittlerweile zu einem positiven Symbol geworden. Daher startet das Museum auch mit einer kleinen „Stupfl“-Hommage: Im Eingang hängt neben der „Stupfl“-Medaille, die der ortsansässige Karnevalsverein „Frankemer Stupfl“ verleiht, ein Helm der Feuerwehr mit Igel drauf, T-Shirts und sogar eine Boxershort mit „Stupfl“-Aufdruck. „Wir sind stolz auf den...

Goldene Zeit Okt01

Goldene Zeit

Liebe Leser, es ist ein individuelles Empfinden, welche Jahreszeit man mag. Der eine bevorzugt den Frühling mit seiner sprießenden Kraft, der andere den Sommer mit den warmen, langen Nächten, ein anderer den Herbst mit dem goldenen Oktober, das Sandwichkind zwischen Sommer und Winter. Und vielleicht mag sogar der eine oder andere den schneekalten Winter. Ich bin ein bekennender Oktoberfan. Wenn die letzten Sonnenstrahlen durch das bunte Blätterdach im Burggarten fallen oder wenn am Morgen der Nebel durch das Taubertal zieht, dann kann da keine andere Jahreszeit mithalten. Es sind die Fülle und die Vielfalt, die den Herbst so einzigartig machen. ROTOUR würde seinem Auftrag als Heimatmagazin nicht gerecht werden, wenn sich diese Bandbreite nicht auch in der Oktober-Ausgabe widerspiegeln würde. Vom Porträt der Sängerin Carmen Hofacker über den Besuch im Museum für Jenische Sprache, der Vorstellung des Intarsienkünstlers Franz Gubo bis hin zum Bericht über eine Hohenloher Autowerkstatt, die für die Flutopfer in Ahrweiler Autos flott macht, reicht der Reigen. Dazu gibt es jede Menge Veranstaltungen: die jüdische Kulturwoche „Le‘Chajim“, die Herbstwanderwoche, die Schlemmerwirte, die zum kulinarischen Genuss einladen. Außerdem startet der Rothenburger Märchenzauber. So bunt wie das Blätterdach im Burggarten kann das tägliche Leben im goldenen Herbst sein. Und weil es gar so schön ist, bleibt die Oktober-Ausgabe von ROTOUR bis zum 10. November aktuell. Danach starten wir mit drei winter­lichen Doppelausgaben. Ihre Andrea...

Oktober Okt01

Oktober

Das Inhaltsverzeichnis des ROTOUR-Heftes für Oktober Kultur Editorial: Goldene Zeit Feuerkessel: Mittelalterliche Einkaufsstraße Geheimsprache „Jenisch“ hat ein eigenes Museum Kunstvolle Holzeinlegearbeiten Eine argentinische Lokomotive in Franken Le‘Chajim: Jüdische Kulturwoche Steinerne Stars im Knauf-Museum Veranstaltungen Zauberhafte Märchen Herbstliche Wandertouren Die Schlemmerwirte laden zu Tisch Ausgehtermine Rund um die Frankenhöhe Wohin im Hohenloher Land Wirtschaft Zwei Autos aus Hohenlohe für Flutopfer „Alter Ego“: High-End-Hotel mit Stil Panoramafoto: Ruhe zieht ein Möbel mit Qualität bei Kölblin Markus Paul: Maler mit Faible für Altes Schicke Häuser für Vögel Information Rundgang durch die Jahrhunderte A walk through centuries Karte Rothenburg und Umgebung TITELBILD: Blick auf das Kummereck. Foto: am Service Wohin ausgehen in Rothenburg? Sehenswürdigkeiten in deutsch/englisch Informationen von A bis Z Freizeitideen Impressum Gesellschaft Personalia: Carmen Hofacker Eier und mehr im „Eierhäusle“ Bücher – mal etwas anderer Lesestoff Die Sicherheitswächter von Rothenburg Szenegeflüster: Kunst, schön und grotesk Lyrik von Fritz Klingler:...

Menschen wachsen sehen

Martin Hanselmann: Jede Stunde des Lebens ist wertvoll „Ich bin ein Rothenburger“, sagt Martin Hanselmann voller Überzeugung. Es klingt ein wenig so wie in der Rede von John F. Kennedys im Jahr 1963 in West-Berlin: „Ich bin ein Berliner“. Das Plönlein und die Spitalgasse, da ist er aufgewachsen und das ist sein Zuhause. Vater Ernst stammt aus Brettheim und war viele Jahre bei Eisen-Keitel angestellt. „Meine Mutter kam als Flüchtling aus Schlesien nach Brettheim, wo sich die Eltern kennen gelernt haben“, erzählt Martin Hanselmann weiter. Sein älterer Bruder Reiner ist noch in Brettheim geboren. Sein jüngerer Bruder Stefan und er selbst haben in Rothenburg das Licht der Welt erblickt. Schon während der Schulzeit in der Tauberstadt fiel er mit seinen sportlichen Leistungen auf. „Früher wurden junge Talente noch gefördert. Heute ist der Sport das erste, was an unseren Schulen ausfällt“, bemängelt Hanselmann. Seiner Meinung nach ist Sport nicht nur Bewegung, sondern fördert wichtige soziale Kompetenzen wie den Teamgeist. Ob Turnen, Fußball oder Leichtathletik, alles hat bei dem jungen Rothenburger „gepasst“, wie man es auf fränkisch zu sagen pflegt. Mit Schnelligkeit im Sprint und sehr gute Leistungen in anderen Disziplinen im Rahmen der Leicht­atlethik lag die Entscheidung nahe, auf eine Kadersichtung (Talentauswahl) hinzuarbeiten. Die ehrliche Aussage des damaligen Bundestrainers Bert Sumser über die mangelnde Schrittlänge Hanselmanns war eine große Enttäuschung und ein ebenso großer Zeitverlust jahrelangen Leichtathletiktrainings. Eine andere Welt Motiviert durch seinen Freund Oliver Rosemann schnupperte Martin Hanselmann im Herbst 1982 in das allererste Training für „American Football“, aus dem später die „Franken Knights“ in Rothenburg entstanden sind. Natürlich faszinierte den damals Jugendlichen auch das amerikanische Leben, hinter den Kulissen der Illesheimer Kaserne aus der viele Footballspieler kamen. Dort fanden nicht selten Football-Treffen statt. Es wirkte alles amerikanisch: die Straßennamen, die Geschäfte und die Menschen. „In den USA wird der Sport von den meist privat finanzierten Schulen und durch Firmen gefördert. In den Highschools gehört der Sport zum Bildungssystem. Im amerikanischen Schulsport geht es um die Talentsichtung, ähnlich wie in der ehemaligen DDR“, erklärt er den Unterschied. Es existiert keinerlei Vereinssport. Jeweils ein halbes Jahr wird an den Schulen eine Sportart intensiv trainiert. Die Footballsaison beginnt im September und wird im Januar vom Basketballtraining abgelöst. Über den Sommer steht Baseball im Vordergrund. Football in Rothenburg zu spielen ist wie ein Stück Amerika in Franken. „American Football“ erfüllt seither das Leben des Martin Hanselmanns. Schnell stieg er zum Cheftrainer verschiedenster Vereine auf und brachte Spieler wie Mark Nzecho, Thomas Rausch, und Sohn Dominic Hanselmann in die Nationalmannschaft, um nur einige zu nennen. Die Freude am Football wurde für den ausgebildeten Bankkaufmann zum Lebensinhalt. Mit Hanselmann als „Head Coach“ gewann die deutsche Football-Nationalmannschaft die Europameisterschaft 2001 und die World Games 2005, zudem wurde die deutsche Auswahl 2005 EM-Zweiter und 2003 WM-Dritter. Außerdem war Hanselmann Prä­sident des Bayerischen Football-Verbandes. Derzeit arbeitet er als „Head Coach“ der „Stuttgart ­Surge“, eine von acht Mannschaften der European League of Football (ELF), die im Frühjahr diesen Jahres neu gegründet wurde. Robert Huber, der seit 1997 AFVD-Präsident ist, scheint in naher Zukunft einen Nachfolger zu bekommen. Immer öfter fällt der Name „Hanselmann“ für den Posten. „Ich bin eher der bessere Zweite, soll heißen, ich arbeite lieber am Menschen als mich um die Gesamt­politik des ,American Football‘ zu kümmern“, weiß er aus Erfahrung. Allerdings arbeitet er auch an sich und der sinnvollen Nutzung seiner ihm zur Verfügung stehenden Stunden eines jeden Tages. Er hat eine eigene Zeitrechnung für seinen Lebensalltag aufgestellt: „Der Tag hat 24 Stunden, davon brauche ich acht bis neun Stunden Schlaf“, gesteht er. Den Großteil der Zeit investieren die Menschen in den Beruf, der in Hanselmanns Augen zuallererst Spaß machen sollte. Das gibt Kraft und Motivation für berufliche Ziele. Aus diesem Grund beschloss er nach zehnjährigem „Bänkerdasein“, seinen Beruf an den Nagel zu hängen und gemeinsam mit seinem Bruder Stefan den ctk-Sportpark in Rothenburg zu eröffnen. „Seitdem tue ich was mir Freude macht: Die Stärken...