Der Letzte seiner Art...

Korbflechter Fritz Wildermann Von November bis Mai sitzt er jeden Tag auf seinem Hocker neben der Heizung und lässt meterlange Weidentriebe durch seine Hände gleiten. Fritz Wildermann aus Reinsbronn beherrscht noch ein Handwerk, das ansonsten so gut wie ausgestorben ist: Der 85-Jährige ist einer der letzten Korbmacher. Sein Großvater hat das Wissen um das Handwerk an seinen Vater weitergegeben und der wiederum an seinen Sohn Fritz. „Als 17-Jähriger habe ich mit dem Korbflechten begonnen“, erinnert er sich. Fast 70 Jahre sind seither vergangen und längst sitzt jeder Handgriff perfekt. „Ich mache grundsätzlich alles nach Maß“, sagt Fritz Wildermann. Der Boden seines Standardkorbs hat einen Durchmesser von 35 cm, der obere Rand 50 cm. „So sieht es harmonisch aus“, weiß er aus Erfahrung. Seine Böden sind immer leicht nach innen gewölbt, damit sie stabiler sind. Mit einer Spannschnur richtet er die Weidentriebe für den passenden Korbumfang aus. Dann geht die Flechtarbeit los. Fritz Wildermann schneidet die Weidentriebe noch selbst. Das geschieht etwa im November. Nur einjährige Triebe eignen sich zum Korbflechten. Nach dem Schneiden werden die kleinen Äste ausgeputzt und die Weiden gebündelt. „Für jeden Korb brauche ich neben Material für Boden und Henkel 4 x 24 Weidentriebe“, sagt Wildermann. Für die ganz großen Körbe sind es sogar 4 x 28 Triebe. „Und für die großen Körbe braucht man schon Kraft“, weiß er und führt das „Zumachen“ eines Korbs vor. Weide für Weide wird über die andere gelegt und zum Schluss zeigt sich ein perfekt ineinander verwobener Rand. Fritz Wildermann achtet dabei akribisch darauf, dass die Rundung perfekt ist. „Die Weiden wollen manchmal nicht so, wie man selbst“, sagt er schmunzelnd. Zum Abschluss muss noch der Griff an den Korb. Wildermann erklärt: „Rechts ’rum wird gedreht und links ’rum gewickelt.“ Jeweils zwei Weidentriebe dreht er erst in die eine...

Eine Leidenschaft für Steine...

Bauhüttenleiter von St.-Jakob: Thomas Ehrlinger ist „seiner Kirche“ verbunden Er ist Rothenburger durch und durch – und er ist Steinmetz durch und durch. „Wobei das mit dem Job eine verrückte Story ist“, sagt Thomas Ehrlinger. Er wollte nach der Schule „was draußen“ machen. „Ich hatte eine Zusage zur Lehre in der Forstwirtschaft“, erinnert er sich. Dann kam die politische Wende von Schmidt zu Kohl und es gab einen Einstellungsstopp. Das Arbeitsamt schlug ihm eine Ausbildung zum Gärtner vor. Aber er hat Heuschnupfen. Also hat er sich als Zimmermann vorgestellt und hatte auch da eine Zusage. Dann kam ein Mitbewerber mit Abitur und er war wieder raus. „In den Sommerferien 1982 hatte ich immer noch keine Lehrstelle“, erzählt er. Der Lehrer greift ein Thomas Ehrlinger war gerade im Jugendzentrum. Man saß locker zusammen und sein einstiger Lehrer und damaliger Stadtrat Herbert Hachtel war auch dabei. Da rief seine Mutter Karin Müller, die das Lotto- und Pressegeschäft Müller führte, mit der Info an, dass die Firma Herrscher einen Steinmetzlehrling sucht. „Herbert Hachtel hat das Telefon in die Hand genommen und zu meiner Mutter gesagt: ‚Das macht er!‘“, erinnert sich Thomas Ehrlinger. So wurde er Steinmetz. „Und das hat sich als das genau Richtige für mich herausgestellt“, fügt er an. Von 1983 bis 1995 war er bis auf eine vierjährige Unterbrechung bei der Firma Herrscher beschäftigt. Er hat sein Handwerk von der Pike auf gelernt. „Ich bezeichne mich voller Stolz als Handwerker. Was anderes will ich nicht sein. Künstler sind diejenigen, die die Kirchen erbaut haben“, erklärt er sein Selbstverständnis. Als er 1995 von einer freien Stelle bei der Bauhütte von St.-Jakob erfuhr, hat er sich zwar kaum Chancen ausgerechnet, aber sein Glück mal versucht. Die Bauhütte suchte einen versierten Handwerker und so hat er am 3....

Das perfekte Fest

Lisa Glogger organisiert „Traumtage“: Hochzeiten und andere Events Rothenburg hat eine Hochzeitsplanerin: Lisa Glogger ist die erste ihrer Art in der Tauberstadt. Im Herbst letzten Jahres ist sie mit ihrer Hochzeits- und Eventplanung „Traumtage by Lisa“ an den Start gegangen. Mitten in der Pandemie. Was im ersten Moment als schwieriges Unterfangen aussieht, hat sich als Startpunkt mit besonderen Qualitäten erwiesen. Lisa Glogger, die aus Bettwar im Taubertal stammt, war 15 Jahre lang Verlagskauffrau bei einem Verlag und davon 13 Jahre als Medienkauffrau in Dinkelsbühl angestellt. Organisieren gehörte zu ihrem Alltag. Dann kam die eigene Hochzeit, Ehe, Kind und somit die Frage: Wo liegen meine Kernkompetenzen und was will ich in Zukunft beruflich machen? Sie hat schon damals die Hochzeit ihres Bruders, ihrer Freundin und diverse private Feiern organisiert. Und zwar mit Begeisterung. „Bei uns gab es immer die besten Feste“, sagt sie lachend. So kam die Idee einer beruflichen Zukunft als Hochzeitsplanerin auf. Fundiertes Wissen Aber wie wird man eigentlich Hochzeitsplanerin? Lisa Glogger hat recherchiert und im Juni 2020 eine Fortbildung zur Eventmanagerin Hochzeit bei der Agentur Traumhochzeit in Düsseldorf mit Abschlussprüfung und Präsentation eines umfassenden Hochzeitskonzepts bei der IHK absolviert. „Corona hatte zu diesem Zeitpunkt die Branche fest im Griff und alle dachten, 2021 wird DAS Hochzeitsjahr“, erinnert sie sich. Dem war leider nicht so und nun liegen alle Hoffnungen auf dem Jahr 2022. Lisa Glogger konnte also nicht sofort durchstarten. Das war zwar nicht ideal, aber so hatte sie etwa ein Jahr Zeit, ihr Unternehmen auf ein festes Fundament zu stellen. Die Homepage (www.traumtage-lg.de) steht und sie hat einen prall gefüllten Instagram-Account. Lisa Glogger hat in den vergangenen Monaten nämlich acht Styleshootings konzeptionell geplant, organisiert und durchgeführt. Ebenso, wie sie es für eine tatsächlich stattfindende Hochzeit getan hätte. Mit den entstandenen Fotos...

Besondere Küche

Drei Bib Gourmand Restaurants Gut essen kann man in Franken vielerorts. Aber in manchen Gaststuben darf es besonders gut sein. Seit dem Jahr 1900 gibt es den Restaurantführer „Guide Michelin“, der einst den ersten Autopionieren neben Infos zu den Kraftstoffdepots auch Restauranttipps an die Hand gegeben hat. Die Idee war ein Erfolg und mit der Einführung der Sternebewertung im Jahr 1926 wurde der „Guide Michelin“ zur „Bibel der Gastronomie“. Im Jahr 1997 kam mit der Bib Gourmand-Empfehlungen für Restaurants eine weitere Sparte dazu. Das Kennzeichen des „Bib Gourmand“ ist das Gesicht des Michelin Männchens „Bibendum“, das sich genussvoll die Lippen leckt. Jedes Jahr erscheint eine neue Ausgabe des BiB-Gourmand-Führers. Unter den insgesamt 327 ausgezeichneten Häusern in ganz Deutschland sind drei Restaurants im direkten Einzugsgebiet von ROTOUR vertreten: Das „Rote Ross“ in Marktbergel, das Gasthaus „Zum Falken“ in Tauberzell und das „Landhaus Lebert“ in Windelsbach. Manfred Lebert vom gleichnamigen Landhaus ist der „alte Hase“ unter den Köchen mit BiB Gourmand-Auszeichnung. Seit 29 Jahren hat er jedes Jahr den kulinarischen Ritterschlag erhalten. Noch vor der flächendeckenden Internetpräsenz war die Auszeichnung in dem Gourmet-Führer eine wichtige Plattform – und ist es noch heute. „Sowohl Wanderer als auch Fahrrad- oder Motorradfahrer finden uns über den BiB-Gourmand-Führer“, so Lebert. Dass man etwas Besonderes dafür bieten muss, gehört für ihn selbstverständlich dazu. „Der Bib Gourmand ist für uns so etwas wie ein halber Stern“, sagt Britta Bogner vom „Roten Ross“ in Marktbergel. Seit acht Jahren haben sie und ihr Mann Thomas Bogner die Auszeichnung. Der „Guide Michelin“ selbst klassifiziert getestete Restaurants mit Sternen der Kategorie eins bis drei. Direkt unterhalb des Sternespektrums wird die Auszeichnung Bib Gourmand vergeben. Versierte Profis in der Küche Lars Zwick vom Landhaus „Zum Falken“ in Tauberzell hat den Bib Gourmand nun im fünften Jahr in...

Sommer, Sonne, Bender-Eis...

Familie Bender in Sechselbach setzt auf Eiscreme als zweites Standbein So langsam wird´s eng bei den Bauern im schönen Frankenland. Seit der Europäischen Gemeinschaft Mitte der 80er Jahre haben Landwirte in Deutschland nicht mehr viel zu lachen. Die extrem hohen EU-Auflagen (Cross-Compliance-Richtlinien) für Landwirte machen den Bauern bürokratisch gesehen mehr Arbeit und die Tierhaltung extrem kostspielig. Die Familie Bender in Sechselbach betreibt ihren Milchviehbetrieb mit rund 70 Tieren in der dritten Generation. Siegfried Bender machte sich schon länger Gedanken über zusätzliche Einkünfte, um den Betrieb finanziell abzusichern. Viele Landwirt betreiben deshalb Hofläden, gehen mit ihren Produkten auf Bauernmärkte oder verdienen nebenberuflich hinzu. Anders geht es heute oft nicht mehr und das bei einem „rund um die Uhr“-Job von Sonntag bis Sonntag, 365 Tage im Jahr. „Gerade jetzt, während der Pandemie nimmt die Nachfrage an Produkten ab Hof zu“, stellen Konrad und Petra Bender (Bild oben) fest. Vater Siegfried Bender schmökerte in einer Fachzeitschrift, als er auf die holländische Franchise-Firma „Ice Delite B.V.“ für die Produktion und Verkauf der eigenen Eiscreme ab Hof stieß. Siegfried und Sohn Konrad Bender waren sich einig – die neugegründete „Bender Eis GbR“ im Jahr 2004 sollte das zweite Standbein neben der Land- und Milchviehwirtschaft werden. Mit dem Ausbau von Räumen für die Eisproduktion und Kühlung wurden freistehende Nebengebäude genutzt. „Oben drüber haben wir dann gleich eine Altenteilerbwohnung für meine Eltern eingerichtet“, erzählt Sohn Konrad Bender. Die Familie muss zusammenhalten Allerdings ist ein derart arbeitsaufwendiges Unterfangen nur möglich, wenn die Generationen gemeinsam mit anpacken. Siegfried und Mutter Margrit kümmern sich um die Milchkühe. Die Bürokratie und der Ackerbau liegt in den Händen von Konrad Bender. Nebenberuflich ist er im Sommer sechs Tage pro Woche im Bereich Qualitätssicherung im Bereich Landwirtschaft unterwegs. Seine Frau Petra ist Mutter von drei Kindern, verarbeitet...

Alle lieben Lotte Jul01

Alle lieben Lotte

Das Toppler Theater macht Goethes Werther zum musikalischen Sommerhit „Vorhang auf“ für die diesjährige Saison im Toppler Theater. Zum Start gibt sich kein Geringerer die Ehre als Johann selbst. Johann, wer? Natürlich Johann Wolfgang von Goethe. Aber keine Sorge, dieser Johann im Toppler Theater ist kein angestaubter Dichter, sondern weiß auf unterhaltsam-humorvolle Art zu unterhalten. „Verliebt in Lotte – Theaterstück mit Liedern nach Goethes Werther“ heißt die Eigenproduktion des Rothenburger Toppler Theaters, die noch bis zum 18. Juli gespielt wird. Carsten Golbeck, freier Dramaturg und Autor an diversen Bühnen, hat das Dreipersonenstück eigens für die stimmungsvolle Bühne geschrieben. In normalen Zeiten fasst das Theater, das im Nordhof des Dominikanerinnenklosters zu Hause ist, rund 120 Plätze. In Zeiten von Corona wird die heimelige Atmosphäre noch intimer, wenn weit weniger Plätze pro Aufführung zur Verfügung stehen. Unterhaltung mit Musik Das mit viel Musik und Gesang untermalte Theaterstück lässt die Zuschauer schmunzeln, denn eine Frau, die schöne Lotte, verdreht gleich zwei Männern den Kopf: Dem jungem Johann alias Goethe und dem jungen Werther, bekannt als tragischer Held aus Goethes Erzählung „Die Leiden des jungen Werther“. Auf geschickte Weise verwebt Carsten Golbeck so die literarische Vorlage mit verschiedenen Ebenen. Die Liebe, die erwiderte und die unerwiderte, ist damals wie heute omnipräsent und sorgt für einen unterhaltsamen Theaterabend. Regie führt Thomas Helmut Hepp. Ebenfalls im Juli (Premiere ist am 23. Juli) startet die zweite Eigenproduktion des Toppler Theaters: „Der Kredit“ von Jordi Galceran. Ging es bis dahin im Theater um die Liebe, kommt nun die zweite große Herausforderung im Leben auf die Bühne: das liebe Geld. In dem Zweipersonenstück verweigert ein Filialleiter einem Kunden einen Kredit. Der eine hat Haus, Job und Familie, dem anderen wird es verwehrt. Es beginnt ein Spiel um Geld und Glück und das System...

Steine statt Reliquien Jul01

Steine statt Reliquien...

Die Heiltumskammer der St.-Jakobs-Kirche Der Eingang ist unscheinbar. In der Durchfahrt unter der St.-Jakobs-Kirche (in der Klingengasse) befinden sich zwei braune Holztüren. Die meisten Passanten gehen zügigen Schritts daran vorbei. Dr. Oliver Gußmann, Touristen- und Pilgerpfarrer an St.-Jakob, öffnet eine der alarmgesicherten Türen. Ein verwunschen wirkender, polygonaler Raum mit Rippengewölbe verbirgt sich dahinter. Durch mehrere Fenster fällt Licht auf die steinernen Zeitzeugen im Inneren. Imposante Skulpturen, Gipsmodelle, Gemälde, Steinfragmente, hölzerne Engelsflügel und ein leuchtend roter Herrnhuter Stern, der zur Weihnachtszeit über dem Altar hängt, füllen diesen Ort. Ja, was genau ist das eigentlich für ein Raum? Kapelle, Heiltumskammer, kleines Museum oder nur ein Abstellraum? In Rothenburg hat sich die Bezeichnung Heiltumskammer etabliert. Eine Heiltumskammer ist ein sakraler Ort, an dem Reliquien aufbewahrt werden. Heutzutage, im 21. Jahrhundert, ist der Raum aber keine echte Heiltumskammer mehr, denn Reliquien befinden sich hier nicht. Und ob es diese jemals hier gab, ist auch nicht eindeutig belegt. „Wozu der Raum gedient hat, kann man nicht genau sagen“, so Gußmann. Der Bau der St.-Jakobs-Kirche wurde im 13. Jahrhundert begonnen. Der erste Ablass zum Kirchenbau stammt aus dem Jahr 1286. Bereits zu dieser Zeit gab es in Rothenburg die Heilig-Blut-Reliquie, eine „Wunderblutreliquie bzw. ein Korporalienwunder, deren Verehrung im 13. und 14. Jahrhundert enorm zunahm“ (aus Anton Ress, Die Kunstdenkmäler von Bayern, Stadt Rothenburg o.d.T. I, S. 76 ff.) Die bauliche Entstehung Belegt sind weiterhin Zuwendungen durch neue Ablässe in den Jahren 1446, 1455, 1459, die den finanziellen Rahmen gaben, um den Kirchenbau „unter Überbrückung der Klingengasse mit der Errichtung des chorartigen, doppelgeschossigen Westbaus fortzusetzen“. Auf der Empore sollte die Heilig-Blut-Reliquie gezeigt werden, die um 1500 in den Riemenschneider-Altar eingefasst wurde. Rückblickend gibt es für die Nutzung des Raumes unter der Empore keine klare Zuordnung. Anton Ress schreibt, dass „der unvollendet...

Freiluftgalerie am Klingtor Jul01

Freiluftgalerie am Klingtor...

„Kunst an der Mauer – nochmal anders“ geht in die zweite Runde So eine Pandemie kann auch ihre guten Seiten haben – zum Beispiel „Kunst an der Mauer – nochmal anders“. Seit Ende Mai gibt es auch in diesem Jahr wieder die Freiluftausstellung des Rothenburger Kunstkreises. Eigentlich sollte 2021 das Original „Kunst an der Mauer“ mit etwa 40 Ausstellern stattfinden. Seit 2007 existiert weitgehend im zweijährigen Rhythmus die Kunstausstellung an der historischen Stadtmauer neben dem Klingentor. Es war aber absehbar, dass das mit den noch geltenden Coronaregeln heuer nichts wird. „Also haben wir uns entschlossen, nochmal das Kunstformat aus dem letzten Jahr anzubieten“, so Helga Fabi. Zu Coronazeiten wollten die Aktiven des Kunstkreises die Kultur hoch halten und haben ihre Gemälde im letzten Sommer direkt an der Mauer ausgestellt. Das kam so gut an, dass nun wieder Kunst direkt an der Mauer hängt. Sowohl Einheimische als auch Besucher der Stadt genießen den unkomplizierten Kunstgenuss. „Viele Familien mit Kindern bleiben stehen und haben ihre Freude an den Gemälden“, so Ruth Bücker. Also haben die Künstler ihr Gerüst über den historischen Polder angebracht und ihre Acrylgemälde arrangiert. „Mindestens einen Tag brauchen wir um die Kunstwerke zu hängen“, so Ingeborg Goebel. Rund 80 Bilder sind stets ausgestellt und stehen zum Verkauf. Hat eines einen neuen Besitzer gefunden, wird es ersetzt. „Wir haben noch einen Fundus“, sagt Helga Fabi. Sie wohnt direkt neben der kunstvollen Mauer und steht als Ansprechpartnerin für Kaufinteressenten zur Verfügung. Und was passiert mit den Bildern, wenn es mal regnet? Kein Problem, so die Künstlerinnen. Die Bilder sind alle mit Acrylfarben auf Leinwand gemalt und somit weitgehend Wasser resistent und widerstandsfähig. Die „Kunst an der Mauer“ hat sogar den 7-jährigen Hannes zu einem eigenen Kunstwerk angeregt, das er anonym hinterlassen hat. „Der Kunstkreis würde...

Juli Jul01

Juli

Das Inhaltsverzeichnis des ROTOUR-Heftes für Juli Kultur Editorial: Ein neuer Zauber Kunstausstellung an der Mauer Die Heiltumskammer von St.-Jakob Ein dreidimensionales Museum Vorhang auf im Toppler Theater Ein Festival rund um Franz Liszt Bewegtes Theater im Freilandmuseum Veranstaltungen Der „Fränkische Sommer“ startet Kirchen im Kerzenschein Ein Markt mit Handgemachtem Ausgehtermine Rund um die Frankenhöhe Wohin im Hohenloher Land Wirtschaft Eiskreationen der Familie Bender Kulinarische Auszeichnung: Bib Gourmand Panoramabild: Wehrhafte Bastei Typgerechte Frisuren im Salon Cleopatra Firma Roth: Bauen mit „Know How“ „Ultraschicke“ Möbel Traumtage mit Lisa Glogger Information Rundgang durch die Jahrhunderte A walk through centuries Karte Rothenburg und Umland TITELBILD: Szene im Toppler Theater Foto: am Service Wohin ausgehen in Rothenburg? Sehenswürdigkeiten in deutsch/englisch Informationen von A bis Z Freizeitideen Impressum Gesellschaft Personalia: Thomas Ehrlinger Heimatküche: Ein Heft voller Rezepte Einer der letzten Korbmacher  Schnappschuss: Hand in Hand Eine Töpferin im Romschlössle Gedicht über Heinrich...

Verzaubert Jul01

Verzaubert

Liebe Leser, haben wir es nun geschafft? Irgendwie traut man dem Frieden nicht so recht. Auf der einen Seite sind die Alltagsregeln der Coronazeit, die wir verinnerlicht haben, und auf der anderen Seite ist der Wunsch, das Leben wieder unbeschwert zu genießen. In gewisser Weise wagen wir also einen Neuanfang. Ganz nach Hermann Hesses berühmtem Stufen-Gedicht: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne …“. Also wagen auch wir es, Sie mit den folgenden 112 Seiten zu verzaubern. Nach den vielen Monaten der kulturellen Einöde geht es wieder los: Das Rothenburger Toppler Theater bringt zwei Eigenproduktionen auf die Bühne. Auf Seite 17 finden Sie den Spielplan. In Schillingsfürst geben junge, mit Preisen ausgezeichnete Künstler ihre Liszt-Interpretationen zum Besten (Seite 18). Die Junge Oper Schloss Weikersheim präsentiert George Bizets „Carmen“ (Seite 32) und im Klangpark in Bad Mergentheim findet ein Literaturfestival unter freiem Himmel statt (Seite 28). Wer mehr auf Bummeln eingestellt ist, kann dies beim „Handmade Art“-Markt mitten in Rothenburg tun (Seite 34). Alle Veranstalter sind optimistisch und haben ein stimmiges Hygienekonzept. Es gibt aber auch Menschen, die einen ganz persönlichen Neuanfang wagen. Dazu gehören Lisa Glogger, die als Rothenburgs erste Hochzeitsplanerin mitten in Coronazeiten an den Start gegangen ist (Seite 68), und Marlon Model und Lea Stegmann, die einen eigenen Online-Möbelhandel betreiben (Seite 66). Die Zeit des Umbruchs ist hoffentlich gekommen. Wenn Sie mögen, dann geben Sie sich dem neuen Zauber hin. Ihre Andrea...

Digital ­vernetzt

Neue Helfer-App rund um Rothenburg Hilfe, die Wohnung einer kleinen Familie ist abgebrannt. Hat jemand Kleider, die er nicht mehr braucht ? Oder kann jemand den Fahrdienst für eine alleinstehende Dame übernehmen? Wer hat einen Hänger um Erde zu transportieren? Alle diese Bedürfnisse finden über die neue „ugain-App“ Menschen, die sich ihrer annehmen. Die Bedeutung des Namens: „u“ steht für Du und „gain“ bedeutet giving as investment; zu Deutsch: Geben als Investition. Helfer und Hilfesuchende sind seit circa zwei Jahren über eine Social-Media-Gruppe und einer Telefon-Hotline mit derzeit 1 800 Mitgliedern vernetzt. Es war bis dato ein Testlauf für die geplante Helfer-App. Christian Martens aus Diebach hatte die Idee, ein solches Portal ins Leben zu rufen, um die Hilfsbereitschaft der Menschen zu fördern und auf schnellem Wege Lösungen für alltägliche Anliegen finden zu können. Der Teamleiter bei der Ro­thenburger Firma „Electrolux“ ent­schied sich im Jahr 2018 seinen Job aufzugeben und seine Zukunftsvision umzusetzen. Diese Entscheidung war mit Risiken verbunden. „Es ist nicht nur mein Anliegen. Meine Frau Debora und ich ziehen diesbezüglich an einem Strang“, so der jetzt selbstständige „Social-Entrepreneur“, wie man heute einen Sozialunternehmer bezeichnet. Seit dem 26. März steht die offizielle „ugain-App“ für iOS als auch für Android zum Downloaden für Tablets und Smartphones bereit. Nach rund sechs Monaten Entwicklungszeitraum ist eine ausgetüftelte, funktionale und optisch ansprechende Internetplattform für helfende Hände entstanden. Die Applikation ist eine sogenannte „Volunteering-App“, mit der jeder Hilfe anfragen oder anbieten kann. Jeder kann ein eigenes Profil einrichten, worüber Hilfsangebote oder Gesuche gepostet werden können. „Heute kann man sagen, dass das ugain-Start-up allein über die Hotline seit April 2020 mehr als 530 Haushalten helfend zur Seite stehen konnte“, so Martens. Zukunft der App Mit im Boot sitzen die zwei Werksstudenten Johannes Jahn und Tobias Braun aus Nordrhein-Westfalen. Gemeinsam programmierten...

Ein Leben für Familie und Sport

Marianne Christ aus Neusitz macht ganzen Familien Beine Sport ist Mord – dieser Spruch steht dem bewegten Leben von Marianne Christ aus Neusitz völlig entgegen. Für die quirlige Sportlerin stand Familie und körperliche Aktivität immer im Mittelpunkt. Sie gehört mit neun Geschwistern zu einer Großfamilie aus Neusitz. Die Verbundenheit zum Menschen prägte ihr späteres Leben auch in ihrem gesellschaftlichen Umfeld. Für den anderen da sein, und wenn es sein muss auch verteidigen, gehört zu ihren Grundprinzipien. Die heute sechsfache Mutter und elffache Großmutter – ein Urenkelchen ist auch schon da – packte die Sportbegeisterung. Eher aus der Not heraus, lag ihr Fokus auf Selbstverteidigung. „Ich war seit über zehn Jahren glücklich in Hirschaid bei Bamberg verheiratet. Als ich mit meiner Nichte einen Schaufensterbummel in der Stadt machen wollte, griff ihr einer von vier jungen Männern im Vorbeigehen an die Brust“, erzählt Marianne Christ als wäre es gestern gewesen. Das hatte sie rasend gemacht. Postwendend packte sie den „Wüstling“ beim Hemd und brachte ihn mit einem gewandten Judogriff zu Boden. Mit den Worten „und jetzt schleich di“ schlug die versierte Sportlerin den Unhold in die Flucht. „Noch wirkungsvoller ist ein Schlag mit der flachen Handwurzel auf die Stirn des Angreifers“, beschreibt sie eine noch effektivere Selbstverteidigungsmethode. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1967 stand die damals dreifache Mutter alleine da. Sie suchte nach einer kleineren und bezahlbaren Wohnung in Bamberg. Mit Pioniergeist In der erzkatholischen Gegend gestaltete sich die Wohnungssuche einer alleinstehenden Mutter ohne Job sehr schwierig – noch dazu als evangelisch Getaufte. Die gebürtige Neusitzerin fand in ihrem Heimatort eine Bleibe und ist bis heute eine sportliche Bereicherung für hiesige Sportgruppen. Trotz ihrer Kinder, die sie zu versorgen hatte, trainierte sie in Rothenburg als Judoka weiter bis zum „Orangen Gürtel“ – eine Vorstufe zum höchsten Judograd, den „Schwarzen Gürtel“. Im Jahr 1968 holte sie mit ihrem Pioniergeist so manche Hausfrau hinter dem Herd hervor. Eigentlich hatte Marianne Christ im ASV-Rothenburg nur für sich selbst eine Gymnastikgruppe gesucht. „Wir haben leider keine Frauengruppe“, gab der damalige Vorsitzende des Vereins an. „Wie wäre es, wenn sie selbst eine gründen würden“, schlug er vor. Das ließ sich Marianne Christ nicht zweimal sagen. „Ich hatte gerade im September mein viertes Kind geboren, als ich gleich im Januar 1968 mit der neuen Sportgruppe loslegte“, erzählte sie lächelnd. Ganz nach dem Motto „Runter mit den Pfunden und raus aus dem Haus“ versuchte die junge Frau die Mütter aus der Gegend für ihre Damengymnastik zu begeistern. „Ganz so akzeptiert war es in den 68er Jahren allerdings nicht, dass sich Hausfrauen ganz ohne Ehemann beim Sport vergnügten“, erinnert sich Marianne Christ. Deshalb wurde das Angebot erst einmal sehr verhalten angenommen. Die Frauen konnten nicht ahnen, was sie alles erwarten würde. Neben der wöchentlichen körperlichen Ertüchtigung, durfte der Spaß bei einem Tänzchen nicht fehlen. Mit dem Song „Nutbush“ von der Rocklegende Tina Turner erstellte Marianne Christ für ihre Turnerinnen eine eigene Choreografie. Auf Faschingsveranstaltungen des ASV-Rothenburg gaben die Damen ihr Können zum besten. „Vor circa einem Jahr traf ich eine junge Frau im Supermarkt. Sie begrüßte mich freundlich und erzählte mir begeistert von ihren Erinnerungen an die damalige Tanzchoreografie“, erzählt Christ erstaunt. Sohn Berthold übernahm als Ältester die Betreuung seiner Geschwister, während der Sportstunden seiner Mutter. „Er hat es so gut gemacht wie ich“, schwärmt Marianne Christ heute noch von dem Einsatz ihres Sohnes. Die Resonanz der Frauensportgruppe war enorm – aber es gab ja auch noch Väter und Kinder, die ebenfalls der Bewegung bedurften. Der nächste Akt waren die Gründungen von Mädchenturngruppen, auch in Geslau. „Mit bis zu 50 Mädels musste ich die Gruppe später sogar teilen – so groß war der Andrang“, erinnert sich die heute 84-Jährige. Für Zweitklässler folgte ein weiterer Kurs namens „Wirbala“, damit die Kinder die richtige Körperhaltung bereits im Grundschulalter lernten. Natürlich hat Marianne Christ nicht „ins Blaue hinein“ unterrichtet. Immer wieder ist sie auf Wochenendfortbildungen für Sportgruppen nach Ansbach, Nürnberg...