Sehnsucht nach Einfachem

Daniela Wattenbach erdet den Alltag mit altbewährten Rezepten Ihre Küche ist modern und traditionell zugleich: Ein Herd wie aus Großmutters Zeiten, daneben eine Küchenmaschine im schicken Design. Daniela Wattenbach packt das Beste aus zwei Welten in eine neue Sichtweise. Sie lebt mit ihrem Mann auf einem 400 Jahre alten, selbst renovierten Bauernhof in Burgbernheim, ist ausgebildete Hauswirtschafterin, Kräuterpädagogin, Bio-Imkerin, Heilkräuterexpertin in der BR-Sendung „Wir in Bayern“ und Autorin von zwei Büchern. 2018 erschien ihr Buch „Heimat im Glas“, wo sie alte und bewährte Rezepte zum Haltbarmachen erklärt. 2020 kam dann „Sauerteig und Wadenwickel – das 1×1 für einen nachhaltigen Haushalt“ auf den Markt. Sie ist eng verbunden mit ihrer Heimatstadt und weiß, Burgbernheim, die Streuobstwiesen, das Leben in einer großen Familie und vor allem das Wissen ihrer Großmutter haben sie geprägt. „Kind, das müssen wir nicht kaufen, das machen wir selbst“, ist ein Ausspruch ihrer Oma Else, den sie im Vorwort ihres Buchs zitiert. Die Frauen damals haben ihren Haushalt nachhaltig, achtsam und regional geführt. Und das war zu dieser Zeit kein Trend, sondern ganz normal. Gleichwohl weiß Daniela Wattenbach, dass es zeitaufwendig ist, einen Haushalt nach dieser Prämisse zu führen. Sie selbst arbeitet neben all ihren Aktivitäten auch als Schulsekretärin. „Aber gerade, weil ich Dinge selber mache, habe ich vielleicht mehr Zeit“, ist ihr Credo. Dem hektischen, konsumorientierten Alltagsleben hat sie abgeschworen. Sie hinterfragt Inhaltsstoffe, kauft gezielt und nutzt ansonsten ihre Zeit, um Produkte selbst herzustellen. „Und das macht unheimlich Spaß“, sagt sie. „Sauerteig & Wadenwickel“ ist aufgebaut wie ein Fahrplan durch ein Jahr Haushaltsführung. Von der Organisation der Küche (mit Rezepten) über die Speisekammer bis hin zu Tipps für einen gelungenen Gemüsegarten, für die eigene Hausapotheke oder auch für Kosmetik im Badezimmer und selbstgemachte Putzmittel finden sich allerlei Anregungen, die stets einfach und ohne viel Schnickschnack sind. Auch die beiden Rezepte auf Seite 97 für das vollwertige Knäckebrot und die Schüttelbutter sind darin enthalten. Übrigens ist es sehr wichtig, für die Butter Sahne in Bio-Qualität zu verwenden. Konventionelle Sahne enthält oft ein Verdickungsmittel, das die Rahmbildung verhindert. „Ich verzichte auf nichts, aber ich verweigere manches“, stellt Daniela Wattenbach fest. Der Verbraucher habe es in der Hand, was er konsumiert und was somit den Weg in das Supermarktregal findet. Dabei geht es ihr einerseits um natürliche, regionale und unverfälschte Lebensmittel und andererseits um ökologische Nachhaltigkeit wie Müllvermeidung und Ressourcenbewusstsein. Authentische Strahlkraft Was mit Rezepten wie fränkischen Oliven aus Schlehen, Giersch-Limonade oder fermentierten Walnüssen in „Heimat im Glas“ startete, wird nun mit den Tipps rund um den Haushalt abgerundet. Dabei ist es Daniela Wattenbach wichtig, das nicht ihre Bücher eine Initialzündung zum bewussten Leben waren, sondern sie ihren Haushalt schon immer so geführt hat. Authentizität ist die Basis ihrer Strahlkraft. Sich selbst versorgen, mit den Händen arbeiten, das erfüllt sie mit Glück. Mit ihren Büchern möchte sie gerade auch junge Menschen motivieren. „Ich habe das Gefühl, die nächste Generation will die Umwelt bewusst schützen“, sagt sie. Daniela Wattenbach bietet auch Führungen an. Normalerweise wird sie von einzelnen Gruppen gebucht, aber am 5. Mai gibt es eine von der Stadt Burgbernheim initiierte öffentliche Führung. Die „Kräuterführung im Tiefenbachtal“ startet um 14.30 Uhr am Wildbad Burgbernheim (Anmeldung unter www.burgbernheim.de/Tourismus und Natur/Online-Buchungen Führungen)....

Schneller Überblick

Mit neuer Rothenburg-App die Tauberstadt erkunden Gerade im Hotel angekommen gilt es sich erst einmal zu orientieren. Einchecken, das Zimmer beziehen und dann? Rothenburger Touristen übernachten meist nicht länger als zwei bis drei Nächte. Es ist unmöglich, die vielen historischen und kulturellen Schätze der Tauberstadt in so kurzer Zeit zu entdecken. Die neue Augmented-Reality-App schafft Abhilfe und verbindet bereits vorhandene analoge Informationsquellen, wie die Infotafeln auf dem Turmweg mit der Digitalen Welt und liefert zusätzliche virtuelle Führungen in 3-D-Optik. Seit Mai kann sich der Gast den neuen digitalen Gästeführer kostenlos über den App-Store herunterladen.„Unsere neue Anwendersoftware mit Sehenswürdigkeiten, Veranstaltungshöhepunkten des Jahres, wie die Reichsstadtage, die Festtage zu Pfingsten, Gästeführungen, Anfahrtswegen, Parkplätzen, einer digitalen Stadtkarte und vier Turmwegen soll ein Willkommensangebot für unsere Gäste sein“, so Robert Nehr vom Rothenburger Tourismus Service (Bild unten). Nicht nur Urlauber, sondern auch Einheimische haben durch die neue digitale Plattform die Möglichkeit, Freunde und Gäste 365 Tage im Jahr durch die heimische Tauberstadt zu führen und dabei selbst mehr zu erfahren. „Es soll allerdings nur eine Ergänzung zu den touristischen Angeboten sein und kein Ersatz“, erklärt Claudia Weisbrod vom RTS-Rothenburg (re. im Bild unten). Technisch funktioniert die Informationsplattform ähnlich wie die bereits bestehende „RothenburgMuseum-App“. Allerdings sind die Darstellungen und Bilder im 3-D-Modus zu sehen. Der Betrachter bekommt den Eindruck, mitten im Geschehen zu stehen. Sehr schön dargestellt wird dies im berühmten Rothenburger Kaisersaal, der nicht immer für Gäste zugänglich ist. Per Tipp auf das Smartphone-Display oder auf den Laptop-Bildschirm kann man virtuell durch die Tür ins Rathaus eintreten, den Raum über die Treppe erreichen und sich umsehen, als wäre man selbst gegenwärtig. Aber nicht nur Innenräume, sondern auch vier Turmwege sind barrierefrei zu erkunden. Das Burggartentor im Norden, das Rödertor im Osten, das Kobolzeller-Tor im Süden und das Klingentor...

Zink, Psalter & Harfe wach auf

Erhard Reichert: Ein Leben für Mensch, Musik und die Handwerkskunst In sich ruhend wirkt der pensionierte Lehrer, Musikant und Hobbykünstler Erhard Reichert. Zu Hause an seinem Wohnzimmertisch, wo sich nicht selten seine Kinder mit den vier Enkelkindern versammeln, erzählt er aus seinem recht erfüllten Leben. Gegenüber sitzt seine Frau, die alle seine nebenberuflichen Aktivitäten mit getragen und teilweise auch gemeinsam mit ihm geteilt hat. Einen vollen Alltag kennt er seit jeher. Wenn es einmal nichts zu tun gab auf dem kleinen landwirtschaftlichen Betrieb seiner Eltern in Bettwar, dann saß Erhard Reichert nach der Schule gerne im Wald und hat einfach vor sich hin geschnitzt. Meist waren es kleine Flöten, die aus dem Schnitzwerk entstanden sind. Für Musikinstrumente interessierte sich Erhard Reichert schon früh. Die ganze Familie war kirchenmusikalisch in der heimischen Gemeinde aktiv. „Mein Bruder ist seit 60 Jahren Organist in Bettwar“, erzählt er.„Mit zehn Jahren habe ich angefangen, im Bläserchor mitzuspielen“, sagt Erhard Reichert. Im Musikunterricht am Rothenburger Gymnasium lernte er auch die Geige und Bratsche zum Klingen zu bringen. „Hier habe ich die Liebe zur klassischen Musik von Händel, Bartók und Schütz entdeckt“, so der Musikfreund. Das handwerkliche Geschick dagegen hat er an sich selbst entdeckt. Mit seinem Taschenmesser in der Hosentasche oder einem Skizzenblock unter dem Arm genoss er es, nach der Schule die Natur auf einem Bild mit Farbe und Pinsel festzuhalten. „Bis ich eines Tages von der Mutter eines Kameraden einen Malkurs mit Horst Rosemann aus Rothenburg gesponsert bekam“, freut sich der Hobbykünstler heute noch. Wie sein Vorbild und Lehrer Rosemann wollte sich der junge Reichert folgerichtig wie es schien, nach seinem Abitur an der Kunstakademie in München einschreiben lassen. Musik liegt in der Luft Wider Erwarten hatte es nicht geklappt. Im Nachhinein ist er froh darüber, denn in seiner Heimat im Taubertal haben sich im Laufe seines Lebens so viel mehr Gelegenheiten geboten, sich in der Musik auch im Kunsthandwerk zu entwickeln, als er es als Kunstlehrer je hätte tun können. „Künstlerische Freiheiten gibt es als Kunstpädagoge nicht wirklich“, erzählt er. Die Reise ging stattdessen nach München, um ein Studium auf Lehramt zu absolvieren. Zurück im schönen Taubertal fand Erhard Reichert seine „bessere Hälfte“ und heiratete im Jahr 1973. Ein Berufsleben lang arbeitete der heute 72-Jährige mit Herzblut als Grundschullehrer in Uffenheim und hat so manch einen seiner Sprösslinge zur Musik geführt. Auch seine kunsthandwerkliche Gabe konnte er zum Beispiel beim Bau von Segelfliegern mit seinen Schülern samstags in seinem Garten weitergeben. Über 35 Jahre und ebenso lange leitete Reichert den Musikverein Tauberzell und den örtlichen Frauenchor. „Es war eine erfüllte Zeit mit Proben, Auftritten und der Ausbildung von Jungbläsern“, schwärmt er mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen. Alle diese Erfahrungen waren nur Vorboten von dem, was noch kommen würde. „Völlig unverhofft kam ich zur ,Rothenburger Stadtpfeifferey‘ durch deren Gründerin Gudrun Schneider ich einen tiefen Einblick in die spätmittelalterliche Musik bekam“, erzählt der spätere Instrumentenbauer. Die Musikgruppe besteht nunmehr seit 50 Jahren und knüpft an die Stadtpfeiferzünfte deutscher Reichsstädte des ausgehenden Mittelalters an. „Den ersten Eintrag über die Einstellung eines Rothenburger Stadtpfeifers findet man in den Chroniken der Stadt aus dem Jahre 1405“, so Reichert. „Item wir haben bestellet barhoolmeus heken zu eyn statt pfeffer“, heißt es wörtlich. Märchenaufführungen wie Aschenputtel und König Drosselbart und Konzerte wie „Kirche, Kemate Kneipe“ oder das „Hochzeitsfest um 1600“ gehörten auch zum Repertoire. Höhepunkte dieser Zeit waren Aufführungen zum 700-jährigen Geburtstag der heiligen Elisabeth, Pilgerlieder aus den „Cantigas de Santa Maria“ und das 500-jährige Gedenken an die Reformation. Historische Instrumente „Können sie auch das Zink spielen?“, fragte Gertrud Schneider eines Tages den begabten Lehrer Reichert. Das war der Startschuss nicht nur zum Spielen und Sammeln von spätmittelalterlichen Instrumenten, sondern forderte den handwerklich talentierten Hobbykünstler auch zum Eigenbau der Klangkörper heraus. Eines seiner selbst gebauten Instrumente ist die gotische Harfe (Foto: Seite 88). Sie ist mit dem Motiv eines Kopfes verziert, der auch auf dem Torbogen der...

Menschen begleiten

Manuel Raisch – ein Theologe, dem Christen und Nichtchristen wichtig sind Es gibt einen in der Nähe, der macht, was ein Pfarrer so macht, aber ohne eine spezielle religiöse Ausrichtung. Als überkonfessioneller Redner, Autor, Theologe und Coach hat Manuel Raisch Anteil am Leben seiner Mitmenschen in Krisen- und Trauerzeiten aber auch an Freudentagen, wie dem schönsten Tag des Lebens eines künftigen Ehepaares. Aufgewachsen ist er in der Nähe von Blaufelden in einer Familie, in der der christliche Glaube praktisch gelebt wird. „Mit 16 war ich eher rational eingestellt, brach aus dieser behüteten Welt aus und suchte mein Glück in der Punkszene“, gibt der Prediger und Redner zu. In dieser Zeit hat er das Leben eher durch die rationale Brille betrachtet und wandte sich Ende der 90er-Jahre erst einmal einer Ausbildung zum Gärtner zu. Den christlichen Glauben trug er in seinem Kopf mit sich herum, aber nicht wirklich im Herzen. Bis zu dem Tag, an dem Menschen für ihn gebetet haben. Der Glaube wurde für den jungen Mann erfahrbar: „Es war als würde ich spüren, wie sehr Gott mich liebt und diese Gewissheit ist mir bis heute geblieben“, erzählt er. Das mag seltsam klingen, aber seither hat er den stetigen Wunsch, anderen zur Seite zu stehen und wenn möglich, seinem Gegenüber die gleiche Lebensstabilität zu schenken, die auch ihm durch den christlichen Glauben zuteil wurde. Ein Studium zwischen 2007 und 2011 an der Universität Columbia International University zum „Master of Arts“ und anschließend an der „New Covenant International University“ in Florida, zum „Master of Theology“ war nach diesem Erlebnis für Raisch die logische Konsequenz. Arbeit am Mitmenschen Während dieser Zeit startete Manuel Raisch Projekte wie Kneipengottesdienste in der Metall- und Punkszene – ein Milieu, das er selbst aus seiner Jugend kannte. „Wenn die Leute nicht...

Regionalität

Weiterer BAG-Dorfladen in Dombühl Kleine Läden braucht das Land. Bewusstes Einkaufen, regionale Erzeuger stärken und durch kurze Wege etwas für die Umwelt tun: Das wird vielen Bewohnern im ländlichen Raum immer wichtiger. Dorfläden boomen und entstehen im Gegensatz zu den Tante-Emma Läden (Einzelhändler) meist aus Bürgerinitiativen. So auch der Oberländer Dorfladen in Finsterlohr. Mit einer Einladung des stellvertretenden Bürgermeisters von Finsterlohr im Jahr 2010 hat alles begonnen, erzählt der Geschäftsführer der BAG-Raiffeisen eG in Creglingen, Wilfried Kleinschrodt. „Als ich heimkam, war ich Dorfladenbesitzer“, erinnert er sich heute noch sehr gut an diese besondere Begebenheit. Regionale Produkte sind auch das Anliegen der im Jahr 1913 als Genossenschaft gegründeten BAG Raiffeisen eG in Creglingen. Sie gehört zu 100 Prozent ihren Mitgliedern. Traditionell und bodenständig hat sie sich in ihrer über 100-jährigen Geschichte von der reinen Genossenschaft hin zu einem modernen Handels- und Dienstleistungsunternehmen für Agrarprodukte entwickelt. So heißt es auf der Homepage der BAG. Baustoffe, Futtermittel inklusive Beratung und ein umfangreiches Angebot an Haus- und Gartenprodukten ist seither das Geschäft der Genossenschaft. Um die Dorfladen-Idee in Finsterlohr umzusetzen, folgte die Gründung einer GbR, dessen Mitglieder einen Anteil von 200 bis 500 Euro einlegten. Das VR-Bank-Gebäude im Stadtkern wurde mietfrei für das neue Ladengeschäft zur Verfügung gestellt. Seit 2012 sorgt eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach für zusätzliche Einnahmen. Ein Bücherschrank und eine Café-Ecke laden zum Verweilen ein. Dabei sind viele Produkte von Direktvermarktern aus der Region an einem zentralen Ort gebündelt. Das stärkt Produzenten und vereinfacht die vollständige Nahversorgung der Bürger. Aber auch im Wettringer Dorfladen ist die BAG Schirmherr. Mit rund 1 000 Einwohnern machten sich im Jahr 2016 einheimische Frauen für einen Dorfladen stark. Ein ehemaliges Stallgebäude in zentraler Lage am Marktplatz bot sich als Altbaunutzung geradezu an. Neben einem Zuschuss des Amtes für Ländliche Entwicklung...

Kreative Ausbildung

Zukunftsorientierte Studiengänge am Campus Rothenburg Ein überfüllter Hörsaal gehört längst der Vergangenheit an. Am Campus Rothenburg gibt es Think Boxes, ein Kreativ Lab, Academic Dining, digitale Tafeln, helle Räume mit Bühne, knallbunte Drehstühle, Sitzsäcke, Kicker. Was junge Menschen hier mit auf den Lebensweg bekommen, ist prall gefüllt mit Kreativität. Im Jahr 2016 ist der Campus Rothenburg als eine Außenstelle der Hochschule Ansbach an den Start gegangen. Zwei Studiengänge werden in der Tauberstadt angeboten: „Interkulturelles Management“ mit dem Abschluss Bachelor und „Digital Marketing“ mit dem Masterabschluss. Digitale Kompetenzen Deutschland ist geprägt von einem starken Mittelstand, und dessen Produkte sollen konsumiert werden. „Dazu braucht es Menschen, die wissen, wie man internationale Märkte erschließt“, erklärt Prof. Dr. Ritam Garg. Er ist seit 2019 Leiter des Studiengangs „Interkulturelles Management“ und Inhaber der Stiftungsprofessur, die von der Stadt Rothenburg, lokalen Unternehmen und Gemeinden finanziert wird. In sieben Semestern Regelstudienzeit werden den Studenten interkulturelle, betriebswirtschaftliche und digitale Kompetenzen vermittelt. Sprachen, Wirtschaftsmathematik, das Wissen wie Medien und Kommunikation funktioniert, Business Englisch oder Managementtechniken sind nur einige der Module, die das Studium prägen. Mitunter finden Vorlesungen auf Englisch statt, denn früh übt sich, wer einst in einem großen Unternehmen eine Präsentation auf Englisch halten muss. Im Studium können Studenten unter drei Schwerpunkten auswählen: Gastronomie und Tourismus, Handel und Dienstleistung oder Produktion und Handwerk. Ritam Garg und seine Kollegen wollen sowohl ein Verständnis für Kulturen entwickeln als auch das nötige technische und betriebswirtschaftliche Wissen zur Umsetzung von Ideen mit auf den Weg geben. Seit 2020 gibt es auch den Masterstudiengang „Digital Marketing“, den Prof. Dr. Carolin Durst leitet, die auch die Campusleitung innehat. „Full Stack Digital Marketer“ werden dabei ausgebildet. Diese haben dann mit ihrem Abschluss ein umfassendes Wissen, um digitale Marketingkonzepte zu planen, zu organisieren und durchzuführen – inklusive dem technischen Know-How....

Große Musik auf dem Land Mai01

Große Musik auf dem Land

Kunstverein Romschlössle e.V. wurde zu Creglinger Konzerten Die ländliche Kultur um musikalische Schätze großer Komponisten zu bereichern, war das Ziel des Kunstvereins Romschlössle e. V. in Creglingen. Der Kunstverein wurde 1994 als „Förderverein Romschlössle“ gegründet und hatte ursprünglich das Ziel, Spenden und Zuschüsse für die Sanierung des Romschlössle-Gebäudes in Creglingen zu sammeln. Nach Beendigung der Sanierung wurde der Förderverein in den „Kunstverein Romschlössle e. V.“ umbenannt und die übrigen Mittel aus dem Fördertopf floss in die neue Vereinskasse. Die Mitglieder organisierten Vernissagen mit regionalen Künstlern, aber vor allem hielt die Musik großer klassischer Komponisten Einzug im ländlich gelegenen Tauberstädtchen. Neben einer Musikschule und einer Bücherei ist das Romschlössle ein Ort der Kultur geworden. „Und plötzlich waren wir alt und es war Zeit abzugeben“, erzählt die 1. Vorsitzende des Vereins Elfriede Güllich (zweite von re. im Bild). Das über 28 Jahre andauernde ehrenamtliche Engagement des Vereins Romschlössle e. V. widmete sich bis zu seiner Auflösung im Jahr 2020 bis 2021 der Kultur in Creglingen. Christoph von Weitzel (li. im Bild), der sein Gesangsstudium bei Prof. John Lester (USA) und bei Barry Mora an der Oper Frankfurt absolvierte, tritt nun in die Fußstapfen der künstlerischen Vereinsleitung unter dem Namen „Creglinger Konzerte“. „Meine Vision ist es, die kulturellen Grenzen zwischen Bayern und Baden-Württemberg zu sprengen und niveauvolle klassische Konzerte von Musikern für Menschen aus der Region auf die Bühne zu bringen“, so der Bariton-Sänger. Dabei sieht er das Romschlössle als einen Ort der Kammermusik, an dem Musikliebhaber in privater Atmosphäre die Künstler hautnah erleben können. Die Konzertreihe im Romschlössle darf nun am 7. Mai mit einem kostenfreien Übergabekonzert vom Romschlössle e. V. zu „Creglinger Konzerte“ endlich neu starten. An der Harfe wird Barbara Buß (zweite von li.) spielen. Lediglich Spenden sind sehr willkommen. Das Jahresprogramm beinhaltet eine große Bandbreite kammermusikalischer Stile: Unabhängig von den „Creglinger Konzerten“ hält das „Internationale Festival des Liedes – Dein Lied“ ebenfalls unter der Leitung von Christoph von Weitzel viele weitere hochkarätige musikalische Konzerte im Kur- und Kongress-Centrum (KKC), im Klosterchor in Bad Windsheim und auf Schloss Schillingsfürst bereit. Weitere Informationen stehen online unter: www.dein-lied.com/html/index.html. Der musikalische Sommer in romantischer Atmosphäre in der Orangerie im Schloss Unternzenn hat auch einiges zu bieten. Alle Konzerte finden sich im Internet unter: www.orangerie-konzerte.de/html/index.html...

Fürstliche Einblicke Mai01

Fürstliche Einblicke

Das Museum in Schloss Schillingsfürst: Prunk, Pracht und Weltpolitik Schon von Weitem sieht man es: Erhaben thront Schloss Schillingsfürst auf der Frankenhöhe. Die Grafen und Fürsten zu Hohenlohe-Schillingsfürst und deren Nachfahren leben seit Jahrhunderten hier. Anders als beispielsweise in Großbritannien wurden in Deutschland die Adelsprivilegien durch die Gründung des Freistaats Preußen 1920 abgeschafft – eine gewisse Strahlkraft blieb aber stets in der Gesellschaft erhalten. Die Pracht und der Glanz eines Schlosses ziehen an. Noch immer scheint der Hauch der Geschichte zwischen Gobelins, Ölporträts und auf Hochglanz polierten Intarsienfußböden fühlbar zu sein. Auch das Schloss Schillingsfürst öffnet daher die prachtvollsten Räume für Besucher. Seit zwei Jahren führt Johannes Munique durch das Barockschloss. Seine Großmutter war einst Schlossköchin, der Großvater Maurermeister des Schlosses. Seine Mutter und Tante haben hier mitgeholfen und sein Vater war mit Erbprinz Karl Albrecht befreundet. Wer in Schillingsfürst lebt, ist unweigerlich mit dem Schloss verflochten.„Der Schlossbau, so wie er jetzt zu sehen ist, wurde in den Jahren 1723 bis 1750 erbaut“, erklärt Johannes Munique, pensionierter Lehrer, und zeigt dabei auf ein altes Gemälde. Neben dem Schloss ist da noch ein großes weißes Gebäude zu sehen, etwa da, wo heute der Eingang zum Schloss und zum fürstlichen Jagdfalkenhof ist, wo regelmäßig Flugvorführungen angeboten werden. Versailles als Vorbild Etwa um das Jahr 1000 existierte auf dem Bergsporn bereits eine mächtige Burganlage. Die Geschichte mit ihren territorialen und gesellschaftlichen Umstürzen verlangte über die Jahrhunderte jedoch ihren Tribut: Im Jahr 1313, im Bauernkrieg 1525 und im Dreißigjährigen Krieg brannte die Burganlage mehrmals. Erst mit dem Bau des Barockschlosses durch Fürst Philipp Ernst zu Hohenlohe-Schillingsfürst kam Ruhe in die Bautätigkeit. Der renommierte Architekt Louis Rémy de la Fosse übernahm die architektonische Gestaltung. Ein besonderes Merkmal sind die beiden Treppenhäuser, deren Lage in den Seitenflügeln sich an Schloss Versailles anlehnen. Über eines der Treppenhäuser gelangen Besucher zu den museal genutzten Räumen und werden somit fürstlich empfangen: Kunstvolle Stuckarbeiten schmücken den gesamten Treppenraum aus. Römische Kaiser, Allegorienreliefs oder auch Unionswappen der Fürstenhäuser zieren Wände und Decke. Jeder Blick offenbart Neues. „Der Stuck ist ein Highlight“, so Munique. Er hat sich intensiv mit der Historie des Schlosses beschäftigt. „Die Stuckarbeiten stammen aber nicht von den Brüdern Gabrieli, wie landläufig bekannt ist, sondern vom Tessiner Stuckateur Giovanni Battista Clerici“, hat er recherchiert. Aller Erhabenheit zum Trotz, die sich beim gemächlichen Aufstieg durch das eindrucksvolle Treppenhaus und beim Gang entlang der Jagdtrophäen im Nordtrakt einstellt, heißt es nun wieder zurück zur Bodenständigkeit: Die Filzpantoffeln warten. Ordentlich aufgereiht stehen sie bereit. Sie müssen über die Straßenschuhe gezogen werden, bevor die Besucher tiefer in die Adelsgeschichte eindringen dürfen, denn die außergewöhnlichen Böden müssen geschützt werden. In Pantoffeln geht es dann vorbei an den Ahnen der Familie Hohenlohe-Schillingsfürst. Johannes Munique kennt jeden. Sein Wissen mag er aus Büchern haben, seine Ausführungen zeugen aber von leidenschaftlicher Empathie. Man kann kaum glauben, wer alles mit dem Hause Schillingsfürst verbandelt war. „Schillingsfürst hat eine zentrale Rolle in der Weltpolitik gespielt“, so der Museumsführer. Im 19. Jahrhundert haben vier adelige Brüder aus Schillingsfürst besondere Aufmerksamkeit auf sich gezogen und ihre Porträts hängen allesamt in der Ahnengalerie. Der bekannteste darunter, Fürst Chlodwig (1819–1901), wählte die politische Laufbahn und wurde 1866 bayerischer Ministerpräsident, 1885 Statthalter von Elsass-Lothringen und war 1894 bis 1900 deutscher Reichskanzler. Verbindung zu Franz Liszt Sein Bruder Gustav Adolf (1823–1896) war Kurienkardinal, wurde aber wegen seiner Kritik am Unfehlbarkeitsanspruch des Papstes im 1. Vatikanischen Konzil vertrieben. Er lebte teils in Schillingsfürst, teils in der Villa d’Este in Tivoli und war eng mit Franz Liszt befreundet. Der dritte Bruder Constantin (1828–1896) trat in den österreichischen Militärdienst ein und war als Hofmarschall und Obersthofmeister einer der einflussreichsten Würdenträger. Der vierte im Bunde, Viktor Herzog von Ratibor und Fürst von Corvey (1818–1893), wurde durch eine Erbschaft einer der reichsten schlesischen Magnaten und gehörte verschiedenen politischen Parlamenten an. Das Schloss der Fürsten sollte seit jeher auch Macht und Einfluss ausstrahlen und die Räumlichkeiten wurden entsprechend gestaltet. Der...

Orientierung im Leben Mai01

Orientierung im Leben

Seminare im Wildbad Sinnsuche, Spiritualität, Yoga – die Kernthemen des modernen Lebens, die immer mehr in den Fokus rücken, hat die Tagungsstätte Wildbad schon längst im Blick. Die Bildungsformate des Hauses der Evangelischen Kirche stehen nun einem weiteren Kreis Interessierter zur Verfügung und öffnen sich für Tagesgäste. Das idyllische Jugendstilensemble des Wildbads liegt zu Füßen der Tauberstadt. Eigentlich sind es vom Spitaltor aus nur wenige Schritte bis dorthin, aber mitunter schwingt eine gewisse Schwellenangst mit: Das Haus gehört schließlich der evangelischen Kirche, also ist es nur etwas für Gläubige oder bedarf einer dezidierten Gesinnungshaltung. „Wir sind nicht doktrinär, sondern möchten in einen Prozess mit den Menschen einsteigen“, räumt Dr. Wolfgang Schuhmacher, Theologe, Pfarrer, zertifizierter Yogalehrer und Leiter der Tagungsstätte die Vorurteile aus dem Weg. Niemand muss hier Bibelfestigkeit unter Beweis stellen. Die Nähe zum Glauben ist natürlich wünschenswert, aber kein Muss. Mit dem Seminarangebot des Wildbads können interessierte Menschen auf ihre persönliche Sinnsuche gehen. „Darunter gibt es Formate für Gläubige, aber auch für solche, die unsicher sind. Und darüber darf sich ausgetauscht werden“, erklärt Wolfgang Schuhmacher. Das Seminarangebot ist unter seiner Leitung seit einigen Jahren angewachsen und umfasst die Themen des menschlichen Lebens. Als zertifizierter Yogalehrer bietet er mit dem „christlichen Yoga“, wie er es selbst nennt, einen durchaus avantgardistischen Zugang zur eigenen Bewusstseinsebene an. „Body and Soul“ heißen die Seminare, die sich Schwerpunkten wie der „Kraft des Atmens“ oder „Schöpfungsspiritualiät verantwortlich leben“ widmen. Der Unterschied zu den vielfältigen Yogaangeboten liegt darin, „dass es im Wildbad aufbereitet wird für Menschen, die aufgefangen werden wollen“, so die Erklärung des Theologen. Neben dem Thema Yoga gibt es Seminare zum „Kunst des Älterwerdens“ oder auch spezielle Pilgerangebote, die eingebunden sind in Achtsamkeitsübungen. Im nächsten Jahr ist auch wieder ein größeres Hildegard von Bingen-Seminar zu den Heilkräften der Schöpfung und der Seele vorgesehen. Die mehrtägigen Seminare verbinden stets Vorträge, eventuell körperliche Übungen, mitunter Gesang und geistliche Begleitung. Wolfgang Schuhmacher holt sich dazu erfahrene Referenten aus den verschiedenen Spezialgebieten an seine Seite. Eine offene Form der Spiritualität soll es den Menschen so erleichtern, einen Zugang zu finden. Teilnahme für Tagesgäste Bis Ende 2021 war das Seminarangebot des Wildbads den Hausgästen vorbehalten. Wollte man teilnehmen, musste man im Wildbad auch übernachten. Was, nebenbei gesagt, in den schicken Zimmern mit Himmelbett nicht die schlechteste Idee ist. Nun hat das Wildbad aber dieses Konzept umgestellt und eine Teilnahme (am kompletten Seminar) ist auch ohne Übernachtung möglich. Man kann also zu Hause schlafen und tagsüber die Sinne im Wildbad anregen. Das soll unter anderem auch ein Signal an die Region sein, mal einen Blick zu wagen, was dort unten an der Tauber so alles geschieht. Die Seminare und Bildungsangebote im Wildbad sind aber nicht ein Angebot, mit dem ein paar Höhepunkte über das Jahr eingestreut werden. Die Tagungsstätte Wildbad hat ganz bewusst den Weg zu einem ganzheitlichen Lebensverständnis eingeschlagen. Das Tagungshaus arbeitet nach Gemeinwohl orientierten Vorgaben. Ist Eco-Management- und biozertifiziert. Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit, Transparenz, Mitbestimmung und Regionalität sind hier nicht nur Schlagworte, sondern die Basis, auf der das gesamte Konzept des Hauses fußt. Zu den besonderen Seminarformaten kommt das Kunstprojekt Art Residency, das jährlich wechselnde Künstler oder Künstlergruppen einlädt, die während ihres Schaffensprozesses im Wildbad ein Kunstwerk realisieren, das dann auf Dauer im Park verbleibt. All das ist Ausdruck eines umfassenden Selbstverständnisses. „Wir gehen mit unserem Bildungsauftrag in die Gesellschaft hinein und öffnen uns“, erklärt Stephan Michels, wirtschaftlicher Leiter des Wildbads. Eingebettet in das Gesamtkonzept gibt es außerdem immer sonntags, stets um 13 Uhr, Führungen zum Thema Park Pittoresk oder zu den bereits bestehenden fünf Kunstwerken. Anschließend spielt Musik und auf der sonnigen Terrasse kann man einen Kaffee trinken. Christliche Lebenskunst ist hier nicht nur ein Seminartitel, es ist die Klammer, die alles eint....

Schmackhaft Mai01

Schmackhaft

Liebe Leser, nun ist er da, der Wonnemonat Mai. Die Sonne scheint, die Bäume tragen erste Blätter, die Blüten sprießen und von Corona hat jeder im Moment die Nase voll. Wir auch. Wir sind froh, unsere altbekannte Normalität in weiten Bereichen zurückzuhaben. Das Verrückte daran ist, dass sich das neu und verwegen anfühlt. Erstmals haben wir in dieser ROTOUR-Ausgabe wieder einen Veranstaltungsteil, der immerhin 25 Seiten umfasst. Das gab es seit zwei Jahren nicht mehr. Der Mai mit all seiner treibenden Urkraft wird in diesem Jahr seiner Bestimmung mehr als gerecht. Aber natürlich dreht sich bei ROTOUR nicht alles um Feste, Ausstellungen, Konzerte, Theateraufführungen, Oldtimer-Ausfahrten oder Sport-events. Zusätzlich zu unserem monatlichen Überblick, was in der Region geboten ist, wollen wir Sie auch über Unternehmen, besondere Menschen und gewagte Ideen informieren. Am Campus Rothenburg werden Studenten in zukunftsorientierten Berufen ausgebildet. Manuel Raisch begleitet Menschen als Redner sowohl am schönsten Tag im Leben als auch beim Abschied aus dem Leben. Und Theresa Dietterle-Neumann formt Babybäuche in Gips ab. Wir haben Erhard Reichert besucht, der sowohl als Lehrer als auch als Aktiver der „Rothenburger Stadtpfeifferey“ über Jahrzehnte in die Gesellschaft hineingewirkt hat. Und falls Sie ganz intensiv Heimatverbundenheit leben möchten, dann backen Sie doch mal das Rezept aus unserer Serie „Heimatküche“ nach. Einfach und schmackhaft. So wie Leben sein soll. Ihre Andrea...

Mai Mai01

Mai

Das Inhaltsverzeichnis des ROTOUR-Heftes für Mai Kultur Editorial: Schmackhafte Aussichten Sinnsuche des Lebens im Wildbad Marilyn Monroe im Knauf-Museum Fürstliche Einblicke in Schillingsfürst Gastlichkeit im Verkehrsverein Die Creglinger Konzerte starten durch Spritziges Kabarett in der Comedy-Lounge Veranstaltungen Frühlingsstimmung an der Stadtmosphäre Kunstvolles „an der Mauer“ Vorhang auf für die Freilichtbühnen Ausgehtermine Rund um die Frankenhöhe Wohin im Hohenloher Land Wirtschaft Studieren am Campus Rothenburg Ein Babybauch für das Wohnzimmer Panoramafoto: Blick auf das Klingentor Ein weiterer BAG-Dorfladen in Dombühl Manuel Raisch begleitet Menschen Die letzten Tage im Textilhaus Gerlinger Information Rundgang durch die Jahrhunderte A walk through centuries Sehenswertes in der Region Karte Rothenburg und Umgebung TITELBILD: Besuch bei „Kunst an der Mauer“ Foto: am Service Wohin ausgehen in Rothenburg? Sehenswürdigkeiten in deutsch/englisch Informationen von A bis Z Freizeitideen Impressum Gesellschaft Personalia: Erhard Reichert Schnappschuss: Der Esel im Paradies Rothenburg erkunden per App Heimatküche: Knäckebrot mit Butter Kreative Schweißkurse bei Beate Binder Ein Gedicht zum...

Der Baumflüsterer

Historische Obstsorten in Neusitz Immer wenn der Baumwart und Landschaftspfleger Clemens Nähr mit seinem Crossbike an der Neusitzer „Berghang-Flurfläche 289“ unten vorbeikam, hatte er das fertige Bild eines „North-Shore“-Mountainbike-Parcours vor Augen. Schnell war er aus – der Traum, denn wie es sich herausstellte, handelt es sich bei diesem überwucherten „Baameländle“ um ein Landschaftsschutzgebiet. In den 50er und 60er-Jahren hatte der 1. Bürgermeister Johann Vogel auf seiner 1,2 ha großen Fläche neben 320 historischen Obstbaumsorten auch Beerenfrüchte angebaut und regional verkauft. Noch heute kennzeichnen Metallrohre im Boden befindliche Wasseradern, auf denen, laut des Altbürgermeisters, Apfelbäume sehr schlecht wachsen können. Älteren Neusitzern ist der „Unkraut-Vogel“, wie er auch von seinen Schülern in der Landwirtschaftsschule liebevoll genannt wurde, noch gut im Gedächtnis. Seit 2016 ist Clemens Nähr (in der Landwirtschaftlichen Hochschule Triesdorf) als zertifizierter Baumwart damit beauftragt, die Berghangfläche zu „entbuschen“. Mit seinem Fachfreund und Pomologen Jürgen Mortag aus Thüringen entdeckte er unter den Apfelbäumen die noch Früchte tragende, fast in Vergessenheit geratene Sorte „Ananasrenette“ aus dem Jahre 1820 und die englische „Galloway Pepping“ (1871). „Die musst Du retten“, meinte Mortag. Anzucht von Jungpflanzen Die Vision einer Schau-Baumschule mit historischen Apfelsorten war geboren. Gemeinsam mit dem Gartenbauverein Neusitz und der örtlichen Gemeinde wurde das Projekt in die Tat umgesetzt. Finanzielle Unterstützung kommt auch aus dem Regionalbudget der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE). Clemens Nähr wurde damit betraut, historische Apfelsorten aus dem „Flurgelände 289“ in seiner ganzen genetischen Vielfalt und Biodiversität wieder zu vermehren und abgestorbene Bäume auf dem Grundstück zu ersetzen. „Die widerstandsfähigen und vitaminreichen Apfelsorten vermehre ich in meiner Garage“, erzählt der Naturfreund, der im Rothenburger Hochzeitswald 822 Obstbäume pflegt und für die Landschaftspflege von 2,8 ha Land in der Region zuständig ist. In der heutigen Zeit gibt es immer mehr Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Dazu gehören auch al­lergische Reaktionen...