„Wir kommen wieder“

Sieglinde und Klaus Spegel haben fast 50 mal in Rothenburg Urlaub gemacht Im Jahr 1976 oder 1977 waren sie das erste Mal in Rothenburg. Sieglinde und Klaus Spegel wissen es nicht mehr genau. „Aber wir waren noch nicht verheiratet“, weiß Klaus Spegel sicher. Damals war es noch ungewöhnlich, dass ein unverheiratetes Paar ein gemeinsames Zimmer belegte. Die Spegels hatten sich das Hotel Markusturm ausgesucht, da sie es romantisch haben wollten. „Wir hatten Zimmer 17, das vergesse ich nie“, so Sieglinde Spegel. Aber das Zimmer hatte zwei Einzelbetten. Also keine Romantik. In der Hotelhalle haben sie dann Hotelchefin Marianne Berger getroffen. „Ich habe gleich gefragt, woher sie wusste, dass wir nicht verheiratet sind“, erzählt Sieglinde Spegel. Das Ganze stellte sich als Irrtum heraus und die Spegels zogen in ein Zimmer mit Himmelbett und Romantik pur um. Das junge Paar war glücklich und eine über 45 Jahre währende Freundschaft nahm damals ihren Anfang. „Marianne Berger hat uns von Beginn an unter ihre Fittiche genommen“, erzählen die Spegels. Ausflüge zu den Fischteichen oder die Teilnahme an den Reichsstadttagen gehörten dazu. Bei einem ihrer nächsten Besuche steckte Marianne Berger die beiden in historische Kostüme. Zweimal sind sie beim Fackelzug mit der Gruppe der „Schopf-Kegler“ mitgelaufen. „Als wir uns nahe der Doppelbrücke vorab gesammelt haben, sagten einige, was habt ihr denn da für ‚Preißen‘ dabei“, erinnert sich Sieglinde Spegel lachend. Die Spegels kommen aus Wietzendorf bei Soltau (Lüneburger Heide). „Wenn wir in einem Jahr nicht in Rothenburg gewesen sind, dann fehlt uns was“, sind sie sich einig. Sie schätzen, dass sie mindestens 40, wenn nicht sogar 50 mal in der Tauberstadt Urlaub gemacht haben. Dabei sind sie der Hoteliersfamilie Berger/Klatte immer treu geblieben. Im September waren sie auf der Durchreise in die Schweiz am Hinweg vier Tage an den Reichsstadttagen hier und am Rückweg gleich nochmal ein paar Tage. Logiert haben sie im Hotel Burggartenpalais, das neben dem Burghotel und dem Hotel am Markusturm von Mitgliedern der Familie Berger geführt wird. Rothenburg kennen die beiden sehr gut. Die Museen haben sie alle besucht und mögen den Bummel durch die Gassen, entlang der Riviera oder eine Einkehr am Marktplatz. „Ich genieße es immer wieder, einfach durch die Gassen zu schlendern“, sagt Sieglinde Spegel. Früher haben die beiden gemeinsam mit Freunden, die sie mit ihrer Liebe zu Rothenburg inspiriert haben, gerne Ausflüge gemacht. „Ein Ziel war immer der Toppler- Felsenkeller“, erinnert sich Klaus Spegel. Eine legendäre Charlotte Russe oder ein Zwetschgenkuchen musste dort einfach sein. „Da war eine Schiefertafel mit der Aufschrift: Bitte konzentrierte Bestellung“, weiß Sieglinde Spegel noch ganz genau. Das ist bei den beiden hängen geblieben, denn danach war unter den Stichwort „konzentrierte Bestellung“ sofort klar, wohin der Ausflug gehen sollte. Ein Besuch in Rothenburg ist für die Spegels wie nach Hause kommen. Einzig das Topplerschlösschen haben sie noch nicht von Innen gesehen. „Wir schwören, beim nächsten Besuch gehen wir da rein“, verspricht Klaus Spegel. „Unser Herz hängt einfach an der kleinen, verträumten Stadt“, stellen sie fest, „Wir kommen sicher wieder.“...

Entspannen mit Alpakas

Johanna Fischer bringt mit höckerlosen Kamelen Freude ins Leben Wenn man über Glücksbringer nachdenkt, kommt einem eher ein Schweinchen mit Kleeblatt in den Sinn. Aber Alpakas? Johanna Fischer aus Ulsenheim, studierte Chemikerin mit Karriere am Fraunhofer Institut in Würzburg, war auf der Suche nach ihrem ganz persönlichen Glück. „Morgens an die Stempeluhr, die Maske auf und menschlich die Ellenbogen ausfahren, das kann nicht mein Leben sein“, dachte sich die 38-Jährige und entschied sich ein „Freiwilliges Soziales Jahr“ im Tierpark Sommerhausen zu absolvieren. Dort lernte sie in einem dreitägigen Seminar einiges über die Alpaka-Zucht und von der freundlichen und sehr neugierigen Art der Tiere und darüber, wie sie den Menschen Entspannung bringen können. „Es war ein echtes Aha-Erlebnis und ich befand mich auf dem richtigen Weg zu mir selbst“, erzählt die Wissenschaftlerin lächelnd. Tiere, Menschen und die Natur lagen ihr schon als Kind am Herzen. Damals in Hellmitzheim lebend, kündigte sie kurzerhand ihren Job, pachtete eine Wiese und kontaktierte den Alpaka-Züchter, den sie aus Sommerhausen kannte. Ein Business-Plan, einen sogenannten Sachkundenachweis, der für die Arbeit mit Alpakas berechtigt, und der stetige Austausch mit einem Gleichgesinnten gab ihr das nötige Werkzeug an die Hand, um ihre ersten vier „Jungs“, wie sie die Tiere liebevoll nennt, selbst auszubilden. Seit 2020 führt sie ihre eigene kleine „Glücks-Alpaka-Ranch“. Mit neun Alpakas und drei Lamas merkte die junge Frau, wie Menschen auf Spaziergängen „eins werden“ mit den flauschigen Wanderbegleitern. Im Frühling und in den Sommermonaten begrüßt Johanna Fischer ihre „Wandersleut“ mit einem Glas Secco und erzählt ihnen von der Herkunft und vom Wesen der aus den südamerikanischen Anden stammenden Tiere. Geschichte der Alpakas Die Domestizierung der Alpakas startete im Hochland circa 3 000 Jahre vor Christus. Die Hochlandvölker Perus und Boliviens erkannten den Wert der Tiere – nicht zuletzt wegen ihrer einzigartigen Wolle mit den umfassenden Eigenschaften. Alpakas sind hochintelligente Tiere, die aufgrund ihres sensiblen, zurückhaltenden Wesens und hoch ausgeprägten Sozialverhaltens für den Menschen eine Wohltat sein können. Das sagt schon einiges aus über die Wirkung einer Alpaka-Wanderung. „Es ist unmöglich, mit ihnen zu gehen und gleichzeitig mit den Gedanken ganz woanders zu sein“, weiß Johanna Fischer. Sie zwingen den Menschen völlig in die Gegenwart einzutauchen. Sind die Wanderer vor dem Start gut über die Tiere informiert, geht es los in die Ulsenheimer Weinberge. Auf dem Weg laden kleine Winzerhütten zum Pausieren ein. Wenn die kalte Jahreszeit im November anbricht, gibt es unterwegs einen heißen Glühwein und wer möchte, kehrt beim örtlichen Winzer zu einer warmen Mahlzeit ein. Aber nur bei Wanderungen sollte es nicht bleiben. Auch kunsthandwerkliche Aktivitäten wie Makramee, eine aus dem Orient stammende Knüpftechnik, werden auf der Weide der Glücks-Alpakas ausgeführt. Kreativität in der Gegenwart der Tiere hat eine besonders entspannende Wirkung. Während ihrer Schwangerschaft hat sich die Aussteigerin dem Yoga zugewandt. „Dabei lernte ich meine Lehrerin aus Kitzingen kennen, mit der ich seit diesem Jahr Yoga auf der Koppel anbiete, eine gute Idee“, wie sie findet. Auch hier helfen die sanftmütigen Kleinkamele abzuschalten und Stress zu reduzieren. Gerade Yoga mit seinen langsamen Bewegungen bietet sich an, um mit den Tieren in einen ruhigen Dialog zu treten. Alpakas machen vor, wie Entspannung geht – und interessieren sich nicht dafür, ob man es schafft, die Zehen zu fassen oder im Schulterstand umfällt. Eine andere Vision für die „Glücks-Alpaka-Ranch“ heißt „Workation“ (Work-Arbeiten und Vacation-Urlaub). Die räumliche Verlagerung des Arbeitsplatzes an einen schönen Ort hilft oftmals, den Kopf freizubekommen und durch den „Tapetenwechsel“ Energie für Geist und Körper zu sammeln, ein wesentlicher Faktor für die Gesundheit. Für Johanna Fischer waren schon immer Tiere, Natur und Heilung ein Thema. Ihre Lieblinge hält sie mit natürlichen Mitteln gesund und verwendet so manches Kräutlein gegen verschiedene Krankheiten. Mensch, Tier und Gesundheit, das passt auch zur „tiergeschützten Therapie“ mit Alpakas. Für dieses Vorhaben steht sie in Kontakt mit psychotherapeutischen Kliniken. Übrigens lassen sich aus der Wolle Vierjahreszeiten-Bettdecken herstellen und viele andere hochwertige Produkte wie Alpaka-Seife. Beides kann man bei Johanna...

Botschafter des Menschseins

Maria und Peter Warkentin und ihr Russland-Deutsches Theater Theater ist ihr Leben. Maria und Peter Warkentin sind das Russland-Deutsche Theater in Niederstetten. Eine seltsam anmutende Formulierung, aber bewusst gewählt. Sie hätten wie viele ihrer Schauspielerkollegen die Bühne verlassen und ein bequemeres Leben haben können. Das kam für die beiden aber nie in Frage. Theaterblut und Menschenliebe fließen anscheinend paritätisch durch ihre Adern, denn auf den Brettern, die die Welt bedeuten, haben sie zuerst den Russen und danach den Deutschen das Menschsein erklärt. Peter und Maria Warkentin sind beide in Sibirien aufgewachsen – in ihren deutschen Familien, in deutschen Dörfern. Zuhause wurde nur Deutsch gesprochen, wobei bei Maria der wolgadeutsche und bei Peter der plattdeutsche Dialekt der Mennoniten Tradition hatte. Beide Ursprungsfamilien wanderten im 18. Jahrhundert nach Russland aus. Die deutschen Wurzeln wurden immer bewahrt. „Wir sind keine Russen, sondern Deutsche aus Russland“, macht Peter Warkentin klar. Mit Vorurteilen hatten sie zu kämpfen: In Russland waren sie die „Fritzen“, hier wurden sie als Russen angesehen. Nichts davon ist richtig. „Bis wir nach Moskau gingen, sind wir im deutschen Milieu aufgewachsen“, erzählt Maria Warkentin. Sie war 18 Jahre alt, er war 17 Jahre, da trafen sie sich auf der Theaterhochschule Schtschepkin, die an das berühmte Moskauer Maly-Theater angeschlossen ist. Deutsches Theater hatte in Russland eine lange Tradition, die aber mit dem Zweiten Weltkrieg endete. Mitte der 1970er-Jahre beschloss die Sowjetunion dann für Minderheiten wieder ein muttersprachliches Theater einzuführen. An der Moskauer Theaterhochschule Schtschepkin wurden zu diesem Zweck Schauspieler ausgebildet, die deutschstämmig waren und die deutsche Sprache beherrschten. „Wir haben eine tolle Ausbildung bekommen. Wir wurden von den Moskauer Koryphäen unterrichtet“, stellt Maria Warkentin fest. Und außerdem haben sich die beiden im dritten Semester ineinander „verguckt“ und wenig später geheiratet. 43 Jahre ist das nun her. Ein Theater in Kasachstan Wie es der Plan vorsah, zogen die fertig ausgebildeten Schauspieler im Jahr 1980 nach Temirtau, eine Stadt in Kasachstan, denn dort lebten viele Deutsche. Sie bekamen ein tolles Gebäude als Spielstätte und starteten einen kompletten Theaterbetrieb. Etwa 50 Schauspieler und dazu Regisseure, Dramaturgen, Bühnenbildner, Schreiner und viele mehr arbeiteten am Theater. Insgesamt rund 120 Personen. „Wir haben mindestens vier neue Stücke pro Jahr gezeigt“, erinnert sich Peter Warkentin. Und zwar alle auf Deutsch. Konnte im Publikum jemand die Sprache nicht, standen Kopfhörer mit einer Simultanübersetzung zur Verfügung. Gespielt wurden u.a. „Emilia Galotti“ von Lessing, „Die Physiker“ von Dürrenmatt oder auch „Draußen vor der Türe“ von Borchert. „Das war auch politisch ein Treffer“, so Warkentin. Zu der Zeit war der Afghanistankrieg in vollem Gange und auch im Theater gab es Rückkehrer. Der Parteifunktionär, der dem künstlerischen Rat angehörte, erkannte die Intention und wollte die Aufführung kippen. „Aber unser Regisseur, ein Jude aus Tallinn, hat es durchgeboxt“, so Warkentin. Dazu gab es Kindertheater und das Ensemble ist jedes Jahr auf Gastreisen zu deutschen Siedlungen unterwegs gewesen. „Das waren unsere erfolgreichsten Jahre“, erzählt Maria Warkentin. Beide wurde von Kasachstan mit der „Besten Rolle des Jahres ausgezeichnet“. In Kasachstan vollzog sich dann ein politischer Wechsel und das Theater zog 1989 um in die Hauptstadt Almaty, damals Alma-Ata. Eigentlich sollte es dort weiter aufwärts gehen, aber das Gegenteil stellte sich ein. „Wir hatten kein eigenes Haus mehr für unser Theater und die Auswanderungswelle der Russlanddeutschen begann“, so Maria Warkentin. Die ersten Schauspielerkollegen stellten Anträge und „wir haben jeden Monat eine Familie verabschiedet.“ Das Theater blutetet aus. „Wir sind als Letzte gegangen“, sagt Peter Warkentin. Am 19. Dezember 1994 stiegen sie mit ihren beiden Kindern und der Mutter von Maria in den Flieger nach Deutschland. Sie hatten vier Koffer und etwas Bargeld dabei. Über Stationen in Stuttgart und Berlin sind sie 1995 nach Niederstetten gezogen. Sie hatten mit ihren Schauspielerkollegen aus Temirtau/Almaty vereinbart, dass sie wieder zusammenkommen, sollte jemand eine Möglichkeit für ein Theater gefunden haben. Viktoria Gräfenstein und David Winkenstern hatten in Niederstetten Fuß gefasst. Der damalige Bürgermeister Kurt Finkenberger gab den Künstlern Übungsmöglichkeiten im Amtshaus Oberstetten,...

Japanische Lebensart

„Ichi´s“ – eine Fundgrube für Kultur und Design in Rothenburg Wenn man „Ichi´s“ kleinen Laden in der Rothenburger Hafengasse betritt, wird man von einem kleinen weißen Teddy namens Otto begrüßt. Er sitzt auf einem grünen Ohrensessel aus Urgroßmutters Zeiten und lädt die Besucher zum Bummeln ein. Viele kennen das ehemalige Tabak- und Spirituosengeschäft von Manfred Cesinger noch aus der Vergangenheit. Whisky- und Scotch Liebhaber kamen aus ganz Deutschland und darüber hinaus, um sich mit ausgewählten Spirituosen einzudecken. Über dreißig Jahre verbrachte Sohn Rainer Cesinger in Berlin, wo er nach seinem Studium im Bereich Marketing und Kommunikation in verschiedenen Werbeagenturen und als Geschäftsführer eines Designmode-Labels arbeitete und dabei seine Lebensgefährtin Yoshie Ichimonji traf. „Ich habe als Schnittdirektrice Schnittmuster für das Modelabel hergestellt“, erzählt sie. Im Jahr 2019 wurde gerade ein Nachmieter für das Cesinger-Geschäft in Rothenburg gesucht. Yoshie Ichimonji und Rainer Cesinger packten die Gelegenheit beim Schopf und zogen in die Tauberstadt. „Dann machen wir eben etwas ganz Neues aus dem Laden“, dachte sich Yoshie Ichimonji und eröffnete im Coronajahr 2020 ihre „Kreativwerkstatt“ mit Ladengeschäft. Eine professionelle Maßschneiderei mit einer hochwertigen Auswahl an Mode und Accessoires japanischer Designer und einem edlen Sortiment an japanischen Spirituosen und Spezialitäten, insbesondere japanischem Whisky, öffnete seine Pforte. „Irgendwann hat ein bekannter Kritiker in der Whisky-Szene japanische Sorten als besonders hochwertig eingestuft. Seitdem stehen asiatische Tropfen hoch im Kurs“, erzählen die beiden. Womit wir wieder beim Thema wären. Eine Gipsbüste von Großvater Cesinger, der das Rothenburger Tabak- und Spirituosengeschäft einst gründete, schaut heute mit zufriedenem Blick in den kleinen Laden. Ist doch Hochprozentiges auch heute wieder Teil des Angebotes des Geschäfts in der Hafengasse. Nur eben aus Japan. „Ich möchte den Menschen hier in Franken japanische Ästhetik und Lebensart mit den verschiedensten Produkten meiner Heimat näher bringen“, ist das Anliegen...

Gemeinsam stark

Die LBV Schrozberg vernetzt die Landwirtschaft mit der Gesellschaft Der Fokus der Menschen hat sich verändert. Regionalität, Nachhaltigkeit, kurze Transportwege, eine gute CO2-Bilanz und das Wissen um die Herkunft von Nahrungsmitteln sind Themen, die vermehrt ins Bewusstsein kommen. Wer zukunftsfähig sein will, muss sein Unternehmen darauf ausrichten. Die LBV Schrozberg auch – mit einem kleinen Unterschied: Was heute zum Trend geworden ist, macht die Agrargenossenschaft eigentlich schon seit 1913. „Wir müssen es für den Verbraucher nur noch deutlicher machen“, sagt Andreas Rohr, der seit 2018 Geschäftsführer der LBV Raiffeisen e.G. Schrozberg ist. Aus der Not entstanden Vor fast 110 Jahren haben sich die Hohenloher Landwirte zusammengeschlossen. Die Ernte war 1913 schlecht, die Zeiten schwer und mit der Gründung der Landwirtschaftlichen Bezugs- und Verwertungsgenossenschaft (LBV) wollten die Bauern gegensteuern. Zur gemeinsamen Vermarktung der Ernte kam bald der Handel mit Bedarfsartikeln für die Landwirte. Eine Besonderheit im Gefüge der bundesweiten Agrargenossenschaften war und ist die Gründung einer Bäckerei bereits im Jahr 1923. „Damals ging es einfach um die Versorgung der Mitglieder und deren Beschäftigten“, so Andreas Rohr. Nach seinen Kenntnissen, gibt es das deutschlandweit sonst nirgendwo. Die Bäckerei ist über die Jahre gewachsen und hat 2021 den neuen Namen „Die Bäckerei in Bauernhand“ bekommen, der nun nach und nach auch visuell umgesetzt wird. Damit soll deutlich werden, dass die Bauern vor Ort viele der Rohstoffe für die Bäckerei anbauen. Zweimal am Tag werden die 27 Filialen von der 2016 neu gebauten Bäckerei-Produktion (mit 2 500 Quadratmetern Fertigungsfläche) beliefert. Zusätzlich sind vier Backmobile unterwegs, auch in und rund um Rothenburg. Sie versorgen die Menschen mit Brot, Brezen und Gebäck. Seit Herbst gibt es in Crailsheim auch einen Vortagsladen, der somit auf Nachhaltigkeit setzt. Den Bauern verpflichtet Etwa 340 Mitarbeiter sind allein im Bäckereibereich beschäftigt. Insgesamt hat die LBV...

Magische Nächte Nov09

Magische Nächte

Raunächte und ihre Traditionen Ist das Weihnachtsfest gefeiert, beginnt eine ganz besondere Zeit, die Raunächte. Traditionell gelten die zwölf Tage und Nächte zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag als Raunächte. Die Nacht zum 25. Dezember ist in der Regel der Beginn, das Ende setzt die Nacht am 5. Januar. Viele Geschichten, Bräuche und Sagen ranken sich um diese Nächte. Ludwig Schnurrer schreibt in seinem Aufsatz „Brauchtum zum Neuen Jahr in Rothenburg“ (in: Die Linde, 1977, S. 2 ff.), dass „nach vorchristlich-heidnischer Vorstellung beide Tage (Anmerkung: Weihnachtsfest und Neujahr) in den Kranz der Zwölf Heiligen oder Raunächte gehören. Diese Tage waren stärker als andere erfüllt von Geistern, Dämonen und allerhand Spuk, die es zu bannen, vertreiben oder unschädlich zu machen galt.“ In den ländlichen Gebieten pflegten die Bauern ihre Traditionen. Luise Wirsching aus Spielbach erinnert sich, dass in den Raunächten nicht gebacken und gewaschen wurde. „Man hat Vorsetz gemacht“, so Wirsching. Das bedeutet, die Bauern saßen zusammen, haben geredet, gesungen, Handarbeiten fertiggestellt. „Das war ein bisschen wie Urlaub für die Bauern“, erzählt Luise Wirsching. Außerdem hat sie jeden Tag aufgeschrieben, wie das Wetter in den Raunächten war. Jeder der zwölf Tage entspricht dabei einem Monat im kommenden Jahr. „Und das ist kein Hokuspokus, das hat gestimmt“, so Wirsching, „Daran konnte man sich halten.“ Eine lange Tradition hat auch das Räuchern in den Raunächten. Heike Meißner, ausgebildete Räucherpraktikerin, bietet am 8. Dezember, um 19 Uhr, im „Forum für Schönheit“ (Schweinsdorfer Straße 25b) einen Räucherabend zu den Raunächten an (Anmeldung unter www.mein-fengshui-meissner.de). Vor dem Räuchern sollten aber einige Vorbereitungen getroffen werden wie z.B. geliehene Sachen zurückbringen oder Schulden begleichen. Die zwölf Raunächte werden manchmal aufgeteilt in die ersten sechs, die sich der Vergangenheit widmen, und die zweiten sechs, die in die Zukunft blicken. Dabei spiegeln sie die zwölft...

Leben & Kunst im Bahnhof Nov09

Leben & Kunst im Bahnhof

Regionale und internationale Künstler aus aller Welt in Burgbernheim Am Wildbad-Bahnhof in Burgbernheim, wo einst Kaiser und Könige ausstiegen, um es sich im hiesigen Kurort wohl ergehen zu lassen, findet man heute noch das aus fränkischem Sandstein erbaute Bahnhofsgebäude. Es wurde mit der Eröffnung der Bahnstrecke von Ansbach nach Würzburg im Jahre 1864 durch König Maximilian II. Joseph von Bayern (aus dem Geschlecht der Wittelsbacher) seiner Bestimmung entsprechend errichtet. Natürlich fanden sich damalige Fahrgäste der ersten und zweiten Klasse in getrennten Warteräume wieder. Wer heute das fränkische Kleinod Burgbernheim mit der Bahn bereist, steigt vor dem historischen Empfangsgebäude aus, das sich kaum verändert und mittlerweile seinen Besitzer gewechselt hat. Im November 2020 kaufte das argentinisch-amerikanische Künstlerehepaar Lucrecia Basualdo und Lonnie Basualdo-Tague das historische Objekt, um es mit künstlerischen Aktionen zu neuem Leben zu erwecken. „Schon als Vierjährige träumte ich von einem Leben als Schauspielerin, das ich mir als reisende Autodidaktin erfüllen konnte“, erzählt Lucrecia Basualdo. In der gemeinsamen Zeit in den USA stand sie viele Jahre mit einem festen Ensemble eines Galatheaters in Washington DC auf der Bühne und führte bei dem Stück „Lysistrata“, eine der bekanntesten Komödien des griechischen Dichters Aristophanes, mit 20 Darstellern Regie. Ein Leben ohne Bühne war und ist für sie unvorstellbar. Lonnie Basualdo-Tague war seit 1976 beim Militär in Bamberg stationiert und später als Fotograf in Giebelstadt aktiv. Als hauptberuflicher Fotograf war er über viele Jahre für das US-amerikanische Justizministerium in Washington DC tätig. Kennengelernt haben sich die beiden in Deutschland. Erstmals begegnet sind sie sich im Jahr 1982 auf einer Party eines gemeinsamen Freundes in Kleinochsenfurt. Seither zogen sie an die verschiedensten Orte der Welt von Puerto Rico, Whashington DC, Buenos Aires bis nach Brasilien. Mehr als 20 Mal haben sie die Umzugskartons gepackt. Irgendwann war es Zeit, sich um eine Bleibe zu kümmern und dem künstlerischen Nomadenleben ein gewisses Ende zu setzen. Mit dem alten Bahnhof, umgeben von Wiesen, Wäldern, Streuobstwiesen und einem Biergarten gleich um die Ecke schien der richtige Platz gefunden zu sein. „Dieser Ort hat uns gefunden“, sind sich beide einig. In der ersten Etage des denkmalgeschützten Hauses befinden sich zwei Wohnungen der einstigen Bahnbeamten, die erst einmal renoviert werden mussten. In der Eingangshalle mit zwei Nebenräumen soll ein Ort der Kultur entstehen. Dafür wird die passende Infrastruktur, sprich Gästetoiletten eingerichtet. Einer der Nebenräume wird ein Ausstellungsort, der die Historie des Bahnhofgebäudes widerspiegeln soll. „Dieser Platz erzählt Geschichte und von Menschen, die kommen und gehen. So wie wir es taten“, sagt Lucrecia Basualdo mit leuchtenden Augen. Viele ältere Burgbernheimer freuen sich über die Offenheit des Künstlerpaares, das ihnen erlaubt, in alten Reiseerinnerungen zu schwelgen. Es soll ein interkulturelles Kunsthaus werden, damit die Menschen nicht in die Großstädte fahren müssen, um Musik oder Theater live zu erleben. Dabei denken die Weltenbummler an internationale Freunde aus der Künstlerszene, die hier in Burgbernheim ihre Projekte ausstellen oder vorführen können. Die Schauspielerin, Theaterregisseurin und Autorin Lucrecia Basualdo träumt gemeinsam mir ihrem Mann von einem Künstlerhaus mit Konzerten, Ausstellungen, Lesungen und Theateraufführungen. Als Besitzer zweier Oldtimer können sich die beiden auch Treffen mit Liebhabern historischer Vierräder vorstellen. Wechselnde Foto-Ausstellungen von Lonnie Basualdo-Tague sind in den alten vier Wänden des Wildbad-Kulturbahnhofes in der Planung. Aktuell hat er mit seiner langjährigen Band „Lonnie Dale“ eine neue CD mit Illustrationen seiner Familie veröffentlicht. Die Musiker gelten als eine angesagte Größe in der US-amerikanischen Country-Szene. 24 Jahre war Lonnie Basualdo-Tague als Fotograf und Musiker unterwegs – seine Frau als wandelnde Schauspielerin. Gemeinsam waren sie als Eltern von vier Kindern in den verschiedensten Länder aktiv. Die Beiden bringen also genügend Potenzial mit, um die mittelfränkische Region zu bereichern. Am 18. Juli konnten sie sich im Rahmen der Wanderausstellung „Von Menschen und Machern“, eine Aktion von „Frankens Mehrregion“, erstmals der Öffentlichkeit vorstellen. Bei der Eröffnung waren weitere „Menschen und Macher“ der Region dabei. Darunter die Künstlerin Sissi Jander (Ansbach), deren Bilder heute noch in einem Ausstellungsraum zu sehen sind, der...

Helfer mit Blaulicht-Gen Nov09

Helfer mit Blaulicht-Gen

Die Freiwillige Feuerwehr wird zu vielfältigen Einsätzen gerufen Jürgen Holstein kann sich kein schöneres „Hobby“ vorstellen. Seit 2006 ist er Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Rothenburg. Zu etwa 200 Einsätzen werden er und seine Leute im Jahr gerufen. Dazu kommen alle zwei Wochen Übungen, plus Sonderübungen. Alle 72 aktiven Feuerwehrleute machen das ehrenamtlich in ihrer Freizeit. „Da muss man schon ein ‚Blaulicht-Gen‘ haben“, stellt Holstein schmunzelnd fest. In Deutschland gibt es rund 35 000 hauptberufliche Einsatzkräfte. Dieser Zahl stehen etwa eine Million ehrenamtliche Feuerwehrmänner und -frauen gegenüber. Laut Feuerwehrgesetz sind die Kommunen verpflichtet im Rahmen ihrer Möglichkeiten eine Wehr einzurichten. Autos, Technik, Ausstattung usw. werden von der Kommune gestellt. „Mit Leben erfüllt wird die Feuerwehr aber durch ehrenamtlich Freiwillige“, so Holstein. Das Jahr 1854 wird als die offizielle Geburtsstunde der Rothenburger Feuerwehr angesehen. Die damaligen Einsatzkräfte kamen vorwiegend aus dem Bestand der Turnvereine, weiß der Kommandant. Mit der technischen Entwicklung haben sich über die Jahre auch die Aufgabengebiete einer Wehr verändert. Das Löschen eines Feuers mag zwar immer noch die Kernkompetenz der Feuerwehr sein, das Spektrum der Anforderungen ist aber längst breiter geworden. Schlägt die Brandmeldeanlage in einem Hotel an, kommt die Feuerwehr. Bedarf es einer Türöffnung, beispielsweise wenn ein Hausnotruf ausgelöst wird, dann sorgen die Feuerwehrleute in Absprache mit Notarzt und Polizei für den Zutritt. Ebenso ein Einsatzgrund ist eine zu beseitigende Ölspur und diverse Brände. Dazu zählen Zimmer-, Scheunen- oder Con- tainerbrände oder auch in Flammen stehende PKWs. „Wir werden auch gerufen, wenn das Essen anbrennt und der Nachbar die Rauchentwicklung bemerkt“, erzählt Holstein. In Alarmbereitschaft Und dann gibt es natürlich die schweren Fälle wie Gefahrguteinsätze, Großbrände oder Verkehrsunfälle. Das sei manchmal hart, so Holstein. Er zieht dann für seine Leute auch seelsorgerisch geschulte Fachberater hinzu, um das Erlebte aufzuarbeiten. Üben, üben, üben ist daher die Devise der Feuerwehr, denn nur so wird man fit für den Einsatz. Jeder der 72 aktiven Feuerwehrleute, darunter sind auch fünf Frauen, haben einen Piepser. Je nach Alarmart, ob Vollalarm oder Kleingruppe, heißt es dann anrücken. „Es wird erwartet, dass jeder kommt“, so Jürgen Holstein. Dann muss alles schnell gehen und jeder der ausgebildeten Einsatzkräfte weiß, was er zu tun hat. Fahrer, Maschinist, Atemschutzträger, Wassertrupp, Angriffstrupp, Schlauchtrupp – die Ausbildung ist vielfältig. Dadurch, dass alle Rothenburger Feuerwehrkräfte ehrenamtlich im Einsatz sind, muss der Arbeitgeber mit im Boot sein. Das ist mitunter nicht ganz einfach, weiß der Kommandant. Ein Alarm kommt nie zur richtigen Zeit. Ob unter der Dusche, bei einem Fest oder beim Mittagessen. Ein Einsatz ist eben nicht planbar. Aber jeder ist froh, wenn die ersehnte Hilfe kommt. Seit 2016 hat die Freiwillige Feuerwehr Rothenburg eine Jugendfeuerwehr, die von Jugendwart Daniel Schulz geleitet wird. Ab 12 Jahren können Jugendliche in das Ehrenamt hineinwachsen. Die Treffen finden 14-tägig für zwei Stunden statt. Dort bekommen die Jungen und Mädchen Einblicke in theoretisches wie auch praktisches Wissen. „Sie werden mit Übungskleidung und Helm eingekleidet“, erläutert Daniel Schulz. Mit 16 Jahren können die Jugendlichen den Grundlehrgang abschließen und dürfen dann bei gewissen Einsätzen schon mit der aktiven Wehr ausrücken. Im Moment sind 16 Jugendliche, darunter vier Mädchen, in der Jugendfeuerwehr. Zwei bis drei davon treten jährlich in die aktive Wehr über. „Besser vorbereitet geht nicht“, so Holstein. Das Engagement bei der Feuerwehr ist ein wahres Ehrenamt und beruht auf der zuverlässigen Entscheidung des Einzelnen. Beim Aufnahmeritual hat ein Spruch Tradition: „Ein- und Austritt ist freiwillig, dazwischen ist die Pflicht.“ am Nähere Infos erhältlich unter...

Besondere Stimmung Nov09

Besondere Stimmung

Der Rothenburger Reiterlesmarkt Nach zwei Jahren Abstinenz ist es wieder so weit: Am 25. November beginnt der Rothenburger Weihnachtsmarkt und hat bis zum 23. Dezember geöffnet. Endlich gibt es wieder Lichterglanz und Glühweinduft rund um das historische Rathaus. Die Vorweihnachtszeit hat sich in Rothenburg in den letzten Jahrzehnten zu besonders stimmungsvollen Wochen entwickelt. Der Reiterlesmarkt, ein Weihnachtsmarkt, der auf eine 500-jährige Tradition blicken kann, wurde in den 1970er-Jahren wiederbelebt und war schnell ein Besuchermagnet. Mit dem Ambiente in Rothenburg können wenige Städte mithalten. Das Rathaus ist der zentrale Mittelpunkt des Marktes. Die Buden bilden dabei nicht sterile Reihen, sondern schmiegen sich an die historischen Gebäude an. Im Feuerkessel, am Grünen Markt, am Kirchplatz direkt vor der St.-Jakobs-Kirche und im Lichthof und Feuerwehrgewölbe stehen die Buden. Ihr Angebot ist vielfältig und mitunter außergewöhnlich. Kunsthandwerk, Wolle, modische Accessoires, weihnachtlich dekorative Kleinigkeiten, ausgefallene Geschenkideen, Kerzen, Fellhandschuhe, modische Mützen, Holzobjekte und vieles mehr sind ein wahres Dorado auf der Suche nach einem besonderen Weihnachtsgeschenk. Natürlich darf die Kulinarik auf einem Weihnachtsmarkt nicht fehlen und es werden neben Süßigkeiten unter anderem auch lokale Spezialitäten angeboten. Am Glockenstand im Rathausgewölbe gibt es einen weißen Glühwein vom lokalen Winzer – einer der Lieblingsorte der Einheimischen und somit ein Geheimtipp. Mitglieder der Sportvereine stehen am Grill und bruzzeln Bratwürste. Der Reiterlesmarkt hat sich über die Jahrzehnte seinen besonderen Charme bewahrt. Dies gelingt auch dadurch, dass sich lokale Vereine und Institutionen engagieren. In der Ehrenamtsbude am Marktplatz gibt es wechselnde, handgefertige Produkte von Rothenburger Vereinigungen. Das Lokalkolorit hat sich also erhalten. Die Eröffnung des Reiterlesmarkts steht ebenfalls ganz in diesem Glanz. Wie gewohnt eröffnet dieses Jahr am 25. November wieder das „Reiterle“ den Markt. Das Reiterle, der Namensgeber des Rothenburger Weihnachtsmarkts, galt früher als Abgesandter einer anderen Welt, der zur Winterszeit mit den...

Gemeinsam Nov09

Gemeinsam

Liebe Leser, und wieder geht ein Jahr zu Ende. Wir dachten, Corona wäre so langsam überstanden und alles entspannt sich wieder, da steht schon die nächste Krise vor der Türe. Wir leben aktuell in nicht ganz unbeschwerten Zeiten. Unterstützung tut da Not – und ein gestärkter Sinn für die Gemeinschaft. Deshalb starten wir mit dieser ROTOUR-Ausgabe unsere Serie „Engagiert im Ehrenamt“. Es verdient eine besondere Würdigung, wenn sich Menschen für die Belange ihrer Mitmenschen einsetzen. Sowohl im kirchlichen Bereich, im Dienst an der Gesellschaft wie auch auf kommunaler Ebene werden mit Ehrenämtern wichtige Funktionen abgedeckt. Der Deutsche Freiwilligensurvey (FWS), eine Institution des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, erhebt alle fünf Jahre Daten über das freiwillige Engagement: „Der Anteil freiwillig engagierter Menschen ist in den letzten zwanzig Jahren gestiegen. Im Jahr 2019 üben 39,7 Prozent der Personen ab 14 Jahre in Deutschland eine freiwillige Tätigkeit aus.“ Im Jahr 1999 waren es dagegen nur 30,9 Prozent. Die Gesellschaft rückt also näher zusammen. Wir beginnen mit der Vorstellung der Freiwilligen Feuerwehr Rothenburg. Außerdem wollen wir Sie mit dieser Ausgabe schon mal auf die Vorweihnachtszeit einstimmen, denn ROTOUR erscheint nun drei Mal als Doppelnummer. Entdecken Sie ein leckeres Rezept für Ihre Weihnachtsgans oder wie Sie die perfekten Lebkuchen formen. Ab 25. November können Sie heuer auch endlich wieder den Rothenburger Reiterlesmarkt besuchen. Ihre Andrea...

November/Dezember Nov09

November/Dezember

Das Inhaltsverzeichnis des ROTOUR-Heftes für November/Dezember Kultur Editorial: Gemeinsames Engagement Endlich wieder Reiterlesmarkt Neue Kunstinstallation im Wildbad Engagiert bei der Freiwilligen Feuerwehr Kulturort Bahnhof Ausstellung: Robert Hellenschmidts Werke Besondere Tage: Die Raunächte Veranstaltungen Weihnachtsmärkte in der Region Weihnachtsausstellung des Künstlerbunds Winterlese: Der besondere Büchermarkt Ausgehtermine Rund um die Frankenhöhe Wohin im Hohenloher Land Wirtschaft LBV-Schrozberg: Aus der Not entstanden Lebkuchenglocke der Familie Seifert Panoramafoto: Schmiedeeiserne Ausleger Ichis Laden: Kultur und Design aus Japan Allegra: Chocolaterie in Rothenburg Information Rundgang durch die Jahrhunderte A walk through centuries Inserenten-Übersicht Sehenswert in der Umgebung TITELBILD: Laternenumzug auf dem Reiterlesmarkt. Foto: am Service Wohin ausgehen in Rothenburg? Sehenswürdigkeiten in deutsch/englisch Informationen von A bis Z Freizeitideen Impressum Gesellschaft Personalia: Maria und Peter Warkentin Der erste Roman von Hans Beißbarth Heimatküche: Traditioneller Gänsebraten Treue Urlaubsgäste Rothenburgs Szenegeflüster: Grenzstein und Autostrom Gedicht: Ein...

Engagement für Feldwege

Der Wegeunterhaltungsverein von Oberrimbach und Lichtel Wenn der Feldweg gut in Schuss ist, freut sich der Landwirt. Und wenn er selbst etwas dazu beigetragen hat, dann weiß er es noch mehr zu schätzen. Der Wegeunterhaltungsverein von Oberrimbach- Lichtel hat mit dieser Einstellung in den vergangenen zehn Jahren Großes geleistet. Seit Juli 2012 gibt es den Verein. „Der Creglinger Bürgermeister Uwe Hehn wollte das Wegenetz auf Vordermann bringen“, erklärt Albert Kellermann, Ortsvorsteher von Oberrimbach-Lichtel. Seit der letzten Flurbereinigung im Jahr 1980 befand sich das Wegenetz im „Dornröschenschlaf“. Kellermann hat die Initiative ergriffen und in Markus Stein einen tatkräftigen Vereinsvorsitzenden gefunden. Stein ist zwar kein Landwirt, sondern Schreinermeister bei Winkler Design, aber engagiert sich mit Herzblut für das Ehrenamt. Beratend zur Seite stehen Der Verein hat aktuell 38 Mitglieder, alle Flächenbesitzer, und gilt als Vorreiter in Hinblick auf weitere Vereinsgründungen. Die Idee wurde z.B. in Waldmannshofen, Schmerbach oder Münster aufgegriffen und die Expertise von Kellermann und Stein war im Vorfeld gefragt. „In den letzten zehn Jahren haben wir etwa 7 000 m Schotterwege in Eigenleistung erneuert“, so Markus Stein. Dazu kommen etwa 1 800 m bitumengebundene Splittwege und rund 1 000 m Asphaltwege, von denen 850 m aktuell angegriffen werden. Etwa 1 650 Tonnen Schotter und Splitt wurden seit Vereinsgründung verarbeitet. Zweimal im Jahr gibt es offizielle Vereinstreffen, bei denen besprochen wird, welche Wege saniert werden. Bei Wegbegehungen mit den Mitgliedern werden die Schäden festgestellt. Im Herbst, nach der Erntezeit, greifen es die Vereinsmitglieder dann an. Etwa zehn Helfer im Alter von 15 bis 87 Jahren sind mitsamt ihrem privaten Gerät wie Traktor oder Anhänger im Einsatz. Die Schutzschicht wird mit dem Bagger abgezogen und entsorgt. Der vom Vorstand bestellte Mineralbeton wird aufgebracht. Die Helfer beseitigen mit dem Rechen die Unebenheiten. Dann wird noch abgewalzt. „Alle sehen den Nutzen darin“, sagt Markus Stein. Und die gemeinsame Arbeit verbindet. Neben dem neuen Feldweg steht natürlich auch die Geselligkeit und der wachsende Zusammenhalt im Vordergrund. Insgesamt wurden seit Vereinsgründung rund 700 Stunden gemeinnützige Arbeit geleistet. Der Wegeunterhaltungsverein finanziert sich durch den Beitrag von 10 Euro/Hektar/Jahr der Grundstücksbesitzer. Alle vier Jahre gibt es einen Sonderzuschuss von 7 000 Euro. Der ehrenamtliche Einsatz der Vereinsmitglieder wird mit einer Aufwandsentschädigung gewürdigt. Außerdem beteiligt sich der Verein an den Gesamtkosten für die Wegeunterhaltung. Die aktuell geplante Asphaltierung im Vollausbau von 850 m Wegstrecke schlägt mit rund 85 000 Euro zu Buche. „Der Verein gibt einen Zuschuss von etwa 20 Prozent“, so Albert Kellermann. Für 2023 sind bereits weitere 1 200 m Wegsanierung geplant. „Wir sind stolz darauf, was wir hier geschaffen haben“, stellt Albert Kellermann fest....