Träume sind keine Schäume

Lebenstraum e. V. hilft jungen Menschen neue Perspektiven zu finden Abitur, Mittlere Reife oder gar ein abgeschlossenes Studium – und dann? „Wer bin ich, was kann ich und wo will ich hin?“ Der Lebenstraum e. V. in Uffenheim hilft jungen Erwachsenen, sich während einer zehnmonatigen Wohngemeinschaft mit Jugendlichen zwischen 18 und 25 Jahren Fragen wie diesen zu stellen. Hanna (Erzieherin, Coach) und Stephan (Theologe, Mediator) Münch haben den Verein Lebenstraum aus eigener Initiative im Jahr 2013 gegründet. Es war und ist ihr eigener Traum, jungen Menschen neue Zukunftsperspektiven aufzuzeigen. Berufspraktika sollen helfen, individuelle Fähigkeiten und Interessen zu erkennen, um den nächsten Schritt in die richtige Richtung zu finden. Während der gemeinsamen Zeit im ehemaligen Bahnhofshotel geht es aber nicht nur um die berufliche Orientierung, nein, auch persönliches Wachstum steht hier im Vordergrund. Angelernte Denkmuster erkennen, Kommunikationsfähigkeit und soziale Kompetenzen fördern, Talente entdecken und den christlichen Glauben leben, das sind die Anliegen, die Hanna und Stephan Münch mit dem Lebenstraum e. V. verfolgen. Ein persönlicher Mentor steht für Einzelgespräche bereit. Aber was hat das mit der Bibel zu tun? „Wir haben am eigenen Leben erkannt, dass das Wort Gottes eine Anleitung des Lebens in sich trägt“, so Stephan Münch. Anfangs geht es erst einmal darum, seinen Platz in der Gruppe zu finden, ggf. Konflikte zu bewältigen und das eigene Verhalten zu reflektieren – immer basierend auf biblischen Grundwerte. Gegenseitiges Feedback spielt dabei eine wichtige Rolle. Durch Seminare von fachkundigen Dozenten, regelmäßiges Bibelstudium und praktische Einheiten lernen die jungen Menschen das Wort immer besser kennen. Stephan Münch (ehemaliger Missionar) ist der Meinung, dass Glaube und praktisches Tun eng zusammen gehören. Deshalb wird nicht nur biblisches Wissen angehäuft, sondern gewonnene Erkenntnisse in sozialen Projekten (Kinderangebote, Altenheim, offene Jugendarbeit) und im eigenen Leben praktisch in die Tat umgesetzt. Bei verschiedenen Einsätzen wie der Jugendhilfe in Rumänien kann sich jeder gemäß seiner Talente selbst ausprobieren. „Die Jugendlichen sollen bei Hausaufgabenbetreuung, gemeinsamen Mahlzeiten und christlicher Orientierung ein Gespür dafür bekommen, dass der deutsche Standard nicht selbstverständlich ist, so Stephan Münch weiter. Bei sogenannten Sofa-Abenden in der WG kommen „Leute wie Du und ich“ zu Wort und erzählen, wie sie biblische Werte am Lebensalltag messen und festigen konnten. Während der Sommercamps für Ehemalige trifft man sich wieder und kann gewonnene Ziele noch einmal reflektieren. Lebenstraumerfahrung „Isabel Zielsdorf, eine junge Frau aus Hessen kam nach dem Abitur zu uns und war recht antriebslos und ohne Lebensperspektive, erzählt Stephan Münch. Beim Kennenlerngespräch gemeinsam mit den Münchs und ihren Eltern fühlte sich Isabelle gleich zu Hause. „Es lag an Hanna – ich hatte durch ihre herzliche und einfühlsame Art das Gefühl, sie schon ewig zu kennen“, erinnert sie sich. Persönlichkeitstraining, Vertrauensübungen und viele Seminar-Angebote haben ihr so manchen Knackpunkt in ihrer Vergangenheit offenbart. Ein positiver Prozess wurde in Gang gesetzt. Sie hatte eine sehr behütete Kindheit, mit liebevollen Eltern aber dennoch schien einiges schief gegangen zu sein. „Ich habe es bei einem Heimaturlaub mit meinen Eltern reflektiert und klären können“, erzählt sie dankbar. Zurück in der WG war sie erstaunt, wie sehr sie von ihren Lebenstraummitbewohnern vermisst wurde. „Obwohl wir Tag für Tag zusammenlebten und uns auch einmal aneinander rieben, haben sie mich dennoch so genommen wie ich bin“, erzählt sie. Isabel zog sich häufig in ihr Zimmer zurück. Ihre Mitbewohner luden sie immer wieder zu Aktivitäten ein, um Zeit mit ihr zu verbringen und sie aus ihrem „Mauseloch“ herauszulocken. Mit der Zeit traute sie sich, die morgendliche Bibellese mit ihrem Klavierspiel zu begleiten und sich beim Persönlichkeitstraining auch einmal herausfordern zu lassen. All das hat mich wohl gesund gemacht“, ist sie sich sicher. Ihr Fazit: „Ich habe mich durch die empathische Begleitung, die Workshops und die Praktika besser kennengelernt und erkannt, dass ich mathematisches logisches Denken in einem elektrotechnischen Beruf umsetzen möchte. Heute macht Isi (Spitzname) eine Ausbildung als Elektronikerin für Automatisierungstechnik bei der Firma Neuberger in Rothenburg und hat gleichzeitig eine neue christliche Heimat gefunden....

Andenken

Koffer voller Erinnerungen für Demenzkranke Schlager wie „Ein Freund, ein guter Freund“ von Heinz Rühmann, ein Wäschestampfer oder Bilder von Fußball-Legenden wie Uwe Seeler – all das weckt Erinnerungen. Ihr ganzes Elternhaus steckt voller Gegenstände aus den 50er und 60er-Jahren. Christa Mc Naughton aus Brunst bei Leutershausen ist heute selbst schon im Ruhestand. Sie hat mehr als 45 Jahre als Kinderkrankenschwester in der Cnopfschen Klinik und als Beschäftigungstherapeutin für Demenzkranke in der Tagespflege Rothenburg gearbeitet. „Die Leute wollen immer etwas hören oder etwas in die Hand bekommen. Das ist das Einzige, was sie oft noch wahrnehmen“, sagt sie. Von einer Tante hatte sie einen Koffer gefüllt mit alten Sachen bekommen. Den hatte sie eines Tages ihren demenzkranken Senioren gezeigt. Schon wenn sie den Raum in der Tagespflege betritt, kommen Kommentare wie „Ah, so einen Koffer hatten wir auch mal“. Oder sie rufen ihr freudig entgegen: „Christa, was hast Du uns heute mitgebracht?“ Christa Mc Naughton setzt ihre Schützlinge in einen Kreis. Jeder darf sich ein Stück zur Hand nehmen und in alten Erinnerungen schwelgen. Promt erzählen die Menschen Geschichten aus ihrem Leben, an denen sich viele Mitpatienten mit eigenen Erlebnissen beteiligen. Wenn die Senioren nach Hause kommen, stellen selbst die Angehörigen fest, wie aufgeweckt und redefreudig sie plötzlich sind. Selbst bei stark Demenzkranken kommen lichte Momente zutage wie beispielsweise der gemeinsame Waschtag mit der Mutter an jedem Montag der Woche. „Die Erinnerung ist das einzige Paradies, woraus wir nicht vertrieben werden können.“ Mit diesen Worten beschreibt der Dichter Jean Paul die Bedeutung und den Wert des Erinnerns und Erzählens. Mittlerweile hat die Rentnerin über 60 alte Koffer gefüllt mit Gegenständen zu Themen aus den verschiedensten Lebensbereichen wie Hochzeit, Werkzeuge unterschiedlicher Handwerksberufe, Wasch- oder Nähutensilien und einen Kofferplattenspieler mit Schlagern, die an die erste Liebe...

Lebendige Geschichte

Alfred Albrecht führt mit Leidenschaft und Wissen durch Schloss Kirchberg „Keine Angst, ich bin nicht der Schlossgeist“, sagt Alfred Albrecht nach einigen einleitenden Worten. Um ihn herum hat es sich eine Gruppe von Männern und Frauen im Schlossmuseum bequem gemacht. Albrecht achtet darauf, dass jeder einen Sitzplatz hat, ihn sieht und gut hört. Seit 2005 führt er interessierte Gruppen durch das Kirchberger Schloss – und zwar mit Leidenschaft. Alfred Albrecht, agile 79 Jahre alt, kam im Jahr 1956 als Junge mit seinen Eltern aus dem Sudetenland nach Hohenlohe. Die älteren Flüchtlinge hätten damals im Schloss eine Unterkunft gefunden, erinnert er sich. Das Schloss war für ihn also von Beginn an präsent. Engagiert für die Heimat Mit seiner Frau, die er – wie es der Zufall will – auch im Schloss kennenlernte, hat er ein 200 Jahre altes Haus nur einen Steinwurf vom Schlossareal entfernt gekauft, entkernt und restauriert. Seit 50 Jahren lebt er dort. Gearbeitet hat er 46 Jahre lang in Crailsheim in einem Innendekorationsgeschäft. In Kirchberg hat er sich stets engagiert: Er war knapp zehn Jahre Vorsitzender des Vereins Liederkranz Kirchberg und über 22 Jahre dessen Chronist und Schriftführer. Er ist Gründungsmitglied des Museums- und Kulturvereins (und war zehn Jahre Kassier). Seit über 20 Jahren ist er CDU-Mitglied und war von 1980 bis 1984 Gemeinderat und Fraktionsvorsitzender. Seine Liebe zur Heimatgeschichte hat er schon als Junge in der Schulzeit entdeckt. Eugen Schmidt hieß sein Lehrer. „Den habe ich mit meinen Fragen gelöchert“, erinnert sich Albrecht. Ihm sei Dank, dass er das Interesse des Jugendlichen ernst genommen und gefördert hat. Es sollte aber noch eine ganze Zeit lang dauern, bis Alfred Albrecht sein Wissen weitergeben konnte. „Am 29. September 2001 habe ich meine erste Stadtführung gemacht“, erzählt er. Er weiß das so genau, weil er...

Erlesenes am Markusturm

Früchte & Feinkost Endreß: das letzte Geschäft seiner Art in Rothenburg Morgens um vier Uhr klingelt bei Familie Endreß der Wecker. Da heißt es, die frischen Waren wie Obst, Gemüse und Blumenlieferungen für ihr Lebensmittelgeschäft „Früchte & Feinkost Endreß“ entgegenzunehmen. „Angefangen hat mein Großvater Hans Endreß mit dem Kauf des Hauses in der Rödergasse 6 in Rothenburg“, erzählt der heutige Inhaber Klaus Endreß. Im Parterre eröffneten seine Großeltern Hans und Katharina einen Obst- und Gemüseladen. Noch heute dient das Obergeschoss als Wohnraum und Pension. Damals vor 84 Jahren wurde morgens um zwei Uhr der dreirädrige Hanomag angeworfen und ab ging es zum Großmarkt nach Würzburg, wo sich täglich alle Einzelhändler aus der Region mit frischen Lebensmitteln und Blumen eingedeckt haben. Wenn die Ernte anstand, tuckerten die beiden sogar bis zum Bodensee, um frische Äpfel für den Laden einzukaufen. So ist es auch heute noch. Kein Weg ist zu weit, keine Mühe wird gescheut, um die kleinen aber feinen Wünsche der Kunden zu erfüllen. Der Vater des heutigen Inhabers Erich Endreß übernahm wie selbstverständlich das Geschäft seiner Eltern Hans und Katharina. „Am wichtigsten sind die Wünsche unserer Rothenburger Stammkunden“, war immer seine Devise. Mit einem kleinen Handkarren werden heute noch Bestellungen zu den Bewohnern der Stadt ausgefahren. Zusammenhalt der Familie Heute steht der 83-Jährige immer noch im Geschäft und hilft, wo er kann. Im Jahr 1989 gab es große Renovierungsarbeiten am Gebäude. Als Erich Endreß merkte, dass er sich auf seine Kinder verlassen kann, nahm er noch einmal Umbauten vor. „Wir haben unserem Vater viel zu verdanken“, sagen seine Kinder Heike und Klaus Endreß. Sie waren von Kindesbeinen an im Laden mit dabei. Beide teilten die Leidenschaft ihrer Eltern und Großeltern. Eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann bzw. Kauffrau in Ansbach war die logische Konsequenz. Klaus Endreß machte zusätzlich seinen Handelsfachwirt, um seinen fachlichen Horizont in Sachen Buchführung und Marketing zu erweitern. „Je älter man wird, desto interessierter wird man“, ist seine Erfahrung. Als Auszubildender mit 16 Jahren hat man seiner Meinung nach dafür noch keinen Sinn. Anfangs gab es nur Obst und Gemüse. Später kam in jeder der drei Generationen etwas hinzu. „Mein Opa Hans hat zum Ärger meiner Oma irgendwann Blumen mit ins Sortiment aufgenommen“, erzählt Klaus Endreß. Denn Blumen könnten den Rothenburger Gärtnern ja Konkurrenz machen. Eine Untugend zur damaligen Zeit. In den 80er Jahren nahm Klaus Endreß Spielzeug als neue Produktlinie auf. Dabei dachte er an kleine Geschäfte, in denen man neben den Blumen für die Damen auch etwas für das „Kind im Manne“ zu bieten hat, wie eine neue Lok oder einen Wagen für die Märklineisenbahn. Modellautos von der fränkischen Firma Herpa, Preiser Figuren oder ein neues Teil für die Fallerbahn sollten das Angebot noch vervollständigen. So ein buntes Sortiment lädt die Menschen zum Schauen und Verweilen ein. Sie bummeln oft zwei bis drei Mal durch den Laden und dann erst kaufen sie etwas. Das ist für den Kaufmann kein Problem. Auch wenn Kunden kommen, die nur mal das Mehl vergessen haben, stört die Familie Endreß nicht. Eigentlich heißt das Familienunternehmen ja „Feinkost & Früchte Endreß“. Neben allem, was man für den täglichen Bedarf braucht, hat sich Heike Endreß eher auf Gaumenfreuden konzentriert. Sie kocht selber sehr gerne. Gerade in Coronazeiten kamen oft Kunden, die sich bei ihr einen guten Rat zum selber kochen geholt haben. Deshalb liegt es nahe, dass sie ihren Fokus eher auf fränkische Feinkost ausgerichtet hat. Traditionell gab es schon immer frische Kräuter, selbst geriebenen Meerrettich und fränkische Metzger-Spezialitäten aus der Region. Vierzig bis fünfzig ausgewählte Käsesorten, ebenso viele fränkische Weine, das sind die Besonderheiten, die dem Namen „Feinkost & Früchte Endreß“ gerecht werden. „Bei uns kann man sich Zeit nehmen zum Probieren, um die richtige Auswahl zu treffen“, betont der Inhaber. Wer in den Laden kommt, kann sich entspannt umschauen und den Alltag ein wenig entschleunigen. Was Heike Endreß auch auf dem Herzen hat, ist der Genuss einer feinen Schokolade, die ein gutes...

Lösungen zum Wohlfühlen

Feng-Shui-Beraterin Heike Meißner: Uraltes Wissen im modernen Kontext Im Hintergrund sind aufgeschnittene Stämme, große Maschinen und eine Arbeitshalle zu sehen. Heike Meißner hat mit Blick auf das Familienunternehmen einen Kompass, Farbfächer, Wünschelrute, getrocknete Kräuter oder Blüten und Fachliteratur auf dem Tisch ausgebreitet. Sie ist Feng-Shui-Beraterin. Gemeinsam mit ihrem Mann Reiner Meißner führt sie die Schreinerei im hochwertigen Möbelausbau in Schweinsdorf. „Feng-Shui brannte uns schon immer auf der Seele und 2015 habe ich dann beschlossen, ich mach’ das jetzt“, erzählt sie. Heike Meißner hat in Würzburg die einjährige Ausbildung zur Feng-Shui-Beraterin gemacht. Ihr Wissen und die Wünsche so mancher Kunden an die Schreinerei fügen sich seitdem perfekt zusammen. Wege zu gutem Schlaf Viele entdecken Feng-Shui, wenn sie ein Problem haben. An erster Stelle steht schlechter Schlaf, weiß Meißner. „Schlafen ist essenziell und die Grundlage des Wohlfühlens“, erklärt sie. Auch wenn die Schreinerei schon seit vielen Jahren besondere Schlafsysteme im Portfolio hat, war für Heike Meißner bereits vor ihrer Ausbildung klar, für eine ungestörte Nachtruhe braucht es mehr. „Feng-Shui ist ein Wegweiser, um Dinge zu betrachten“, sagt Meißner. Geht es im Speziellen um die Auslotung von Schlafproblemen, erfasst sie die Rahmenbedingungen und bietet Lösungen an, die Abhilfe schaffen können. Das Handwerkszeug der Feng-Shui-Beraterin umfasst dabei konkrete Methoden. Dazu gehören unter anderem die Kompassmessung, das Ausloten von Wasseradern, die Betrachtung von Gitterstrukturen und die Farben- und Formenlehre. „Ich mache immer eine Kompassmessung“, sagt die Beraterin. Die Messung mit dem Spezialgerät liefert die Basisdaten für eine korrekte Feng-Shui-Analyse. Je nach Anforderungen kann das für ein Grundstück, das Haus oder einzelne Zimmer gemacht werden. Das traditionsreiche Wissen von Feng-Shui, das in China seine Wurzeln hat und dort ganz selbstverständlich im Alltag verankert ist, ist in der von Rationalität geprägten westlichen Hemisphäre etwas in Vergessenheit geraten. Heike Meißner gibt aber zu bedenken, dass es schon bei den Urvölkern ganz normal war, einen Schlafplatz nach Gegebenheiten wie einem sicheren Fels oder Baum im Rücken auszusuchen. In China sei es auch üblich, Geschäftsräume nach Feng-Shui einzurichten. „Für den wirtschaftlichen Erfolg ist es sehr wichtig, wo die Kasse steht“, sagt sie mit Humor. Heike Meißner verfügt über ein fundiertes Wissen, das sie mit zahlreichen Fortbildungen weiter entwickelt hat. Sie verbindet mit eigener Handschrift das tradierte Wissen aus Asien und die modernen Wünschen des Westens. Das oberste Ziel dabei ist, dass sich der Mensch wohlfühlt. In der Praxis startet die Arbeit der Feng-Shui-Beraterin am Schreibtisch. Nach dem Erstkontakt lässt sie sich gerne einen Grundriss des Hauses schicken und lotet die geografischen Rahmenbedingungen über Google Earth aus. Darauf folgt ein Termin vor Ort. An den dort gedeihenden Bäumen und Pflanzen kann sie erste Infos zur Erdstrahlung erkennen. Je nach Problem bzw. Anforderung erfolgen dann die detaillierten Messungen. Nach der Analyse erhalten die Kunden Möglichkeiten und Vorschläge, wie sie ihr Umfeld besser gestalten können. Zur Ausbildung einer Feng-Shui-Beraterin gehört auch das Rutengehen. Liegt beispielsweise der Schlafplatz auf einer Wasserader, kann das zu Problemen führen. „Rutengehen ist definitiv mein Ding“, stellt Heike Meißner fest. Sie sieht darin auch gar nichts esoterisch Exaltiertes. Das kann jeder, ist ihre Einstellung. „Man muss nur den Kopf ausschalten und sich auf sein Gefühl einlassen“, erklärt sie. Die Rute ist dabei für sie ein ganz unspektakuläres Werkzeug. Wichtig bei der Vermessung sind neben den Wasseradern auch Gitternetze. Meißner erzählt von Hartmanngitter, Benkergitter oder Currynetzen, die sich energetisch über die ganze Erdkugel spannen. „Steht ein Bett auf einer Kreuzung der Gitterlinien, wird es schwierig“, erklärt sie. In die Möglichkeiten von Feng-Shui kann man unterschiedlich tief einsteigen. Manche Menschen wollen schon vor dem Bau eines Hauses eine Analyse des Bauplatzes, andere suchen nur den richtigen Platz in einem Raum, um zur Ruhe zu kommen. „Manchmal betrete ich ein Zimmer und sehe sofort, wo man mit kleinen Veränderungen viel bewirken kann“, erklärt Heike Meißner. Gerade mit Farben, den passenden Bildern oder Vorhängen kann die Harmonie, letztendlich das wichtigste Ziel, wieder hergestellt werden. Die Energie folgt immer der Aufmerksamkeit – ein...

Die Ära der Freizeit Jul01

Die Ära der Freizeit...

Ausstellung „Sport, Spaß, Spiel“ in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall Während der Coronazeit war es mitunter schwer, die Freizeit so zu verbringen, wie man gerne wollte. Vielleicht ist der Wunsch nach Vergnügungen damit sogar noch mehr in den Fokus der Gesellschaft gerückt. Somit kommt die neue Ausstellung „Sport, Spaß, Spiel“ in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall genau zum richtigen Zeitpunkt. Rund 200 Arbeiten von 98 Künstlern beschäftigen sich mit der Thematik des gesellschaftlichen Vergnügens, was nicht immer positiv besetzt war. Gleich am Eingang in der oberen Etage der Ausstellungsräume ist die Papierarbeit „Les Loisirs“ (Die Freizeit) des Kubisten Fernand Léger zu sehen, die die Initialzündung für die Ausstellung war. Der Körperkult Mitten im Krieg, im Jahr 1944 entstanden, hat Léger mit seiner abgerundeten Formensprache das neue Phänomen der Freizeit aufgegriffen. 1936 wurde in Frankreich der bezahlte Urlaub eingeführt. Das war der Startschuss für Müßiggang und Vergnügungen, die die Künstler als kritische Begleiter der Gesellschaft inspiriert haben. Die Themen Park, Vergnügungsanlage, Zirkus, Stierkampf, Meer, Schach, Pferdesport bis hin zum Vergleich von Intellekt und Muskelkraft wurden von Künstlern wie Alfred Hrdlicka, Ernst Ludwig Kirchner, Max Ernst, Pablo Picasso, Fernando Botero und vielen anderen aufgenommen. Die Ausstellungen in der Kunsthalle Würth sind bekannter Weise aber nicht nur Bilderschauen, sondern werden stets von einem didaktischen Ansatz begleitet. Es bietet sich daher an, den Rundgang nicht in der imposanten ersten Etage, sondern im Untergeschoss zu beginnen. Womit fing die Darstellung der Freizeit, der körperlichen Ertüchtigung an? Eingebunden in die Ausstellung sind antike Vasen von 500 v. Chr. als Leihgaben der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin. Sie zeigen den Ringkampf, der damals ein Kulturgut, also mehr als nur körperlicher Wettkampf war. Spaß beim Betrachten In der Neuzeit hat sich gerade in der Kunstszene ein Spannungsfeld aufgebaut. Künstler verstanden...

Ein altes  Handwerk Jul01

Ein altes Handwerk

Hammerschmiede in Gröningen Nur wenige Stufen sind es, dann ist man in einer anderen Welt. Das Feuer brennt, das Eisen glüht, der Hammer schlägt in gleichmäßigem Rhythmus. Bei Karl-Heinz Kurz sitzt dabei jeder Handgriff. Er ist gelernter Schmied und einer von acht ehrenamtlichen Führern, die in der Hammerschmiede in Gröningen die Besucher in das 19. Jahrhundert entführen. Die 1804 erbaute Hammerschmiede ist heute ein lebendiges Museum mit Schmiedevorführungen, einer Ölmühle, einer informativen Ausstellung und sogar die einstigen Wohnräume des Schmieds sind zu besichtigen. Außerdem gibt es eine Gaststätte, die für Verpflegung sorgt, und idyllische Wanderwege, die die Hammerschmiede zum perfekten Ausflugsziel machen. Auch wenn heutzutage die Leichtigkeit hier Einzug gehalten hat, dereinst war das Leben eines Schmieds beschwerlich und seine Arbeit gefährlich. Johann Adam Bäuerlein gründete die Hammerschmiede und die Familie Bäuerlein betrieb sie über mehrere Generationen bis ins Jahr 1948. Ein karges Einkommen und viel harte Arbeit prägten diese Zeit. Karl-Heinz Kurz erklärt, dass die Hammerschmiede eine der ersten Industrieschmieden war. „Früher gab es bis zu 160 Hammerschmieden in Süddeutschland. Aktuell sind nur die Schmiede in Gröningen und eine am Blautopf in Betrieb“, so der Führer. Die Hammerschmiede in Gröningen ist dabei etwas Besonderes, denn sie hat eine wasserbetriebene, dreiköpfige Schwanzhammeranlage. Die Gronach betreibt dabei das Wasserrad und über einen Wellbaum können die Schwanzhämmer angesteuert werden. In der Hochzeit arbeiteten von früh morgens bis spät in die Nacht bis zu zwölf Schmiede in Gröningen. Über das Wasserrad wurde dabei nicht nur die Hammeranlage betrieben, sondern mithilfe von Flachriemen wurde die Energie auch auf Drehbänke, Gewindeschneidmaschinen, Riemenfellhammer oder Schleifgeräte übertragen. Liefen alle Maschinen, war es sehr laut in einer Schmiede. Die Anlage ist noch im Originalzustand und kann weitgehend in Betrieb genommen werden. In der Schmiede wurde eine breite Produktpalette hergestellt. Im Dachboden der...

Ganz Bayern aus der Vogelperspektive Jul01

Ganz Bayern aus der Vogelperspektive

Die interaktive Dauerausstellung des Bayerischen Landesluftbildzentrums in Neustadt a.d. Aisch „Das ist unsere Dunkelkammer“, begrüßt Silvia Pertschi die Besucher. Sie ist die Leiterin des Bayerischen Landesluftbildzentrums in Neustadt a.d. Aisch, das an das Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung angegliedert ist. Eigentlich eine vermeintlich trockene Angelegenheit – könnte man denken. Vor knapp einem Jahr wurde die Dauerausstellung des Landesluftbildzentrums eröffnet und sie ist alles andere als langweilig und trocken. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts haben die Menschen mit Heißluftballon oder dem Zeppelin Luftaufnahmen von der Erde gemacht. Die Welt aus der Vogelperspektive zu entdecken, hat nicht nur einen besonderen Reiz, sondern ist beispielsweise für die Städteplanung, den Katastrophenschutz oder die Gewässerkunde eine wichtige Informations- und Datenquelle. Das Bayerische Landesluftbildzentrum hat nun mit der Dauerausstellung ein interaktives Informationsportal geschaffen, das in dieser Form einzigartig ist und frei zugänglich für Besucher.Das Besucherzentrum konzentriert sich auf zwei Räume, die Dunkelkammer und das Lichtlabor. Der runde Nukleus steht im Zentrum der Dunkelkammer. An seiner Außenseite ist Passau und der Donauverlauf im Detail zu erkennen. Im Inneren des Rondells sind Luftbilder sowohl von den Anfängen zu sehen, die damals noch mit Kameras aufgenommen wurden, die Brieftauben umgehängt waren, als auch von modernsten Color-Infrarot-Befliegungen (CIR). Anhand von neun Thementischen, teilweise mit interaktiven Bildschirmen, wird die Entstehung und Entwicklung der Luftfotografie erklärt und vertieft. „Jeder Besucher erhält am Eingang einen Medienguide“, sagt Silvia Pertschi. Das ist ein digitales Tablett, das interessante Infos bereit hält. An mehreren Exponaten sind Nummern angebracht. Gibt man z.B. die Nummer von Passau (am Nukleus) an, wo Donau, Inn und Ilz zusammentreffen, wird die große Überschwemmung aus dem Jahr 2013 simuliert. Außerdem kann man historische Karten über das aktuelle Luftbild legen oder einen Stadtplan aufrufen. „Es sind auch drei Interviews mit einem Archäologen, Fotografen und Kampfmitteltrainer auf dem Tablett abspielbar“, so Pertschi. Die ältesten Luftbildaufnahmen im Bayerischen Landesluftbildzentrum stammen aus den 1920er-Jahren. Die historischen Luftbilder liefern wertvolle Hinweise. Silvia Pertschi ruft auf einem der Bildschirme das Areal des Münchner Flughafens Riem auf. Mit Überblendung sieht man den einstigen Flughafen, Bombeneinschläge im Zweiten Weltkrieg und die Veränderung hin zur Messestadt und zum Wohngebiet. Die Besucher können aus einer Vielfalt von Beispielen auswählen. Das seit 1975 existierende Bayerische Landesluftbildarchiv hat momentan 1 455 500 Luftbildaufnahmen von Bayern, davon sind 909 098 analoge Bilder, die nach und nach digitalisiert werden. Das Archiv zählt zu den größten Luftbildarchiven Deutschlands. Seit 1987 wird Bayern systematisch beflogen. „Jedes Jahr kommen etwa 65 000 digitale Aufnahmen dazu“, so die Leiterin. Im zweiten Raum, dem Lichtlabor, kann das Wissen weiter vertieft werden. In einzelnen Kisten sind Schwerpunkte wie Farbfilter, Baumkronen, der Limes oder Zeitenwende thematisch aufbereitet. „Viele Besucher nutzen das“, ist die Erfahrung von Silvia Pertschi. An einem separaten Thementisch im Lichtlabor können Interessierte Luftbilder von ihrem Wunschort auswählen – auch aus vergangenen Jahren. Diese sind dann gegen einen überschaubaren Betrag bei den Mitarbeitern des Luftbildzentrums auch käuflich erwerbbar. Das Bayerische Landesluftbildzentrum (Bamberger Str. 48, Neustadt a.d. A.) hat von Dienstag bis Freitag und am 1. Samstag im Monat immer von 10 bis 17 Uhr (und nach Vereinbarung) geöffnet. Gruppenbesuche und Führungen sind möglich. Der Eintritt ist frei....

Juli Jul01

Juli

Kultur Editorial: Traumurlaub Eintauchen in die Welt der Luftbilder Die Hammerschmiede in Gröningen Ausstellung: Freizeit in der Kunst „Alice“ kommt ins Tempele Konzerte in Schloss Seehaus Erinnerung an den Bauernkrieg Veranstaltungen Im Wildbad trifft Lyrik auf Skulptur Konzertangebote beim Liszt-Festival Spiel und Spaß beim Sportfest in Neusitz Ausgehtermine Rund um die Frankenhöhe Wohin im Hohenloher Land Wirtschaft Ruhig schlafen mit Hilfe von Feng-Shui Panoramafoto: Der beste Ausblick Die Adler fliegen wieder in Schillingsfürst Erlesenes bei Früchte & Feinkost Endreß Die Miniköche legen los Information Rundgang durch die Jahrhunderte A walk through centuries TITELBILD: Beflaggung beim Ambassador-Konzert am Marktplatz, Foto: am Service Wohin ausgehen in Rothenburg? Sehenswürdigkeiten in deutsch/englisch Informationen von A bis Z Freizeitideen Impressum Gesellschaft Personalia: Alfred Albrecht Christa McNaughton gegen das Vergessen Orientierungshilfe für junge Menschen Heimatküche: Die kleine Bienenschule Wolle, gefärbt mit Pflanzenfarben Szenegeflüster: Ehre für Andreas Löschel Gedicht von Fritz...

Traumurlaub Jul01

Traumurlaub

Liebe Leser, planen Sie gerade Ihren Sommerurlaub? Wohin soll es gehen: Italien, Kroatien oder doch lieber eine Flugreise. Vergessen Sie es. Auf den Autobahnen sind kilometerlange Staus, das 9-Euro-Bahnticket ist eine Garantie für Stress und im Flugzeug mit Maske sitzen ist auch nicht entspannt. Bleiben Sie doch einfach mal hier. Unsere Juli-Ausgabe von ROTOUR liest sich wie ein Paradeprogramm für einen der besten Urlaube, den Sie je haben werden. Italien mit seinen historischen Gassen hat natürlich einen ehrwürdigen Vertreter in Rothenburgs Altstadt. Wer aber noch mehr möchte, der kann in die Hammerschmiede nach Gröningen fahren (Seite 9). Das Kulturdenkmal hat eine der letzten funktionsfähigen Hammerschmieden Süddeutschlands, die in Aktion zu sehen sind. Wer eher der Flugreisende ist, kann im Landesluftbildzentrum in Neustadt/Aisch ganz Bayern aus der Luft betrachten (Seite 5). Und das Ganze ohne Maske und interaktiv aufbereitet. Für kulturaffine Freizeitfans eignet sich die Ausstellung in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall zum Thema „Sport, Spaß, Spiel“ (Seite 124). Outdoor-Urlauber dagegen sollten sich mal in die erste Reihe bei den Flugvorführungen der Falknerei von Schloss Schillingsfürst setzen (Seite 56). Die Adler streifen dabei gerne mal mit ihren Schwingen die Köpfe der Zuschauer. Blättern Sie durch die 108 Seiten von ROTOUR und lassen Sie sich entführen in die Besonderheiten von Rothenburg, Hohenlohe und Franken. Langeweile wird im Heimaturlaub sicher keine aufkommen. Ihre Andrea...

Mensch und Hund

Hundeschule von Tanja Uhland Ein Hund wird gerne als „der beste Freund des Menschen“ bezeichnet. Aber nicht immer klappt die Freundschaft so reibungslos, oder sie könnte besser sein, oder der Mensch versteht seinen treuen Freund nicht so recht. Eine Hundeschule soll nun Hilfe leisten. Im Reigen der Angebote gibt es verschiedene Ansätze und glücklich können sich die schätzen, die auf Tanja Uhland stoßen. Seit 2017 ist sie mit t.a.n.i., wohlgemerkt einer Schule für „Hund und Mensch“, in Gammesfeld zu Hause. Zum Gespräch treffen wir uns in ihrem Garten. Ihre beiden Hunde Dekay und Dobby sind dabei. Sie liegen lässig in der Sonne oder räkeln sich auf dem Schoß von Tanja Uhland. Natürlich kann sie ihren Tieren auch Sitz, Platz, Fuß beibringen. Aber das braucht eigentlich kein Familienhund im Alltag, so ihr Credo. „Ein Hund muss einfach entspannt sein und in sich ruhen“, stellt sie fest. Tanja Uhland geht einen ganzheitlichen Weg in ihrer Hundeschule. Mensch und Hund sollen zusammenwachsen, eine Einheit bilden. Wichtig ist dabei das Wissen um die Herkunft, Rasse und Eigenheiten des Tieres. Nur dann können die möglichen Ziele im gemeinsamen Leben mit dem Hund vernünftig definiert werden – und mit dem entsprechenden Training auch erreicht werden. Tanja Uhland bietet in ihrer Hundeschule individuelles Training bei verhaltensauffälligen Hunden, diverse Kurse und Seminare (z.B. Rückruftraining, Basisarbeit für große und kleine Hunde) aber auch die Erlangung des Hundeführerscheins an. Sie startet stets mit einem umfassenden Anfangsgespräch, vor allem bei verhaltensauffälligen Tieren. Ist der Hund übertrieben ängstlich oder aggressiv, zerrt er an der Leine, verbellt er andere Tiere, gibt es Beißvorfälle: Für Verhaltensweisen, die im menschlichen Alltag zu Schwierigkeiten führen, existiert kein Patentrezept. Tanja Uhland hat jedoch ein versiertes Fachwissen, um das Verhalten erklären und verstehen zu können. Erst dann geht es um die Trainingsmöglichkeiten und...

Landschaftsidyll am Wildbach

Der Schandtauber-Lehrpfad verbindet Wissen und Natur Leises Plätschern und Vogelgezwitscher begleiten den Wanderer entlang der „kurzen Tauber“, wie sich der Name „Schandtauber“ im althochdeutschen auch übersetzen lässt. Entlang des Wildbaches führt seit 1998 einer der idyllischsten wasserwirtschaftlichen Lehrpfade Mittelfrankens (vom Wasserwirtschaftsamt Ansbach) und informiert über die Erhaltung des Lebensraumes Wasser in und an der Schandtauber. Hier kann man entspannen und gleichzeitig etwas über Gewässerschutz erfahren. Über zwei Kilometer verläuft der Wald- und Wiesenpfad. Der Startpunkt ist an der ersten Infotafel gleich gegenüber des Spitaltors. Eine gute Parkgelegenheit für Autofahrer ist der Parkplatz P1 am Spitaltor gegenüber. Dort findet der Wanderer das erste Hinweisschild des Lehrpfades. Ein Rundweg ist der Pfad nicht, denn er endet an der Rothenburger Hammerschmiede. Von dort aus besteht aber die Möglichkeit, über den Höhenrücken zur Tauber und zurück zur Gipsmühle zu wandern. Die Hammerschmiede wurde im 17. Jahrhundert errichtet und 1825 mit drei Wasserrädern und drei Schlaghämmern betrieben. Um die nötige Fallhöhe zum Antrieb der Wasserräder zu erhalten, wurde ein Teil des Wassers durch ein Wehr abgeleitet. Das starke Gefälle der Schandtauber ermöglichte vielfältige Wasserkraftnutzungen. Insgesamt bedienten sich sieben Mühlen der Wasserkraft aus der „kurzen Tauber“. Heute ist keine der Mühlen mehr in Betrieb. Der im Jahre 1317 als „Schandtauber“ benannte Wildbach entspringt auf der Hohenloher Ebene bei Blaufelden-Gammesfeld aus einer sogenannten Karstquelle (natürliche Stelle, an der Wasser austritt und in unterirdische Höhlen- und Gangsysteme sickert). Während das Flüsschen bis dorthin oberirdisch nur ein kleines Wasserrinnsal ist, tritt sie bei Bettenfeld unterirdisch in einem Höhlensystem aus einer kräftigeren Karstquelle zutage und wir an dieser Stelle zu einem Wildbach. Manche sehen deshalb erst hier den Ursprung der Schandtauber. Die unterirdische Schandtauberhöhle ist die größte bekannte Muschelkalkhöhle Süddeutschlands und steht seit 1984 unter Naturschutz. Der Fluss selbst ist eine Besonderheit in Franken. Findet man „echte“ Wildbäche doch eigentlich nur im Gebirge. Tier- und Gewässerschutz Auf dem Lehrpfad stößt man auf neun Stationen mit informativen Kurzbeschreibungen über Maßnahmen zur Erhaltung des Naturgewässers und seinen Bewohnern. „Man denkt gar nicht, wie viele Fische, Krebse, Köcherfliegenlarven und andere Kleinstlebewesen in der Schandtauber zu finden sind“, erklärt Torsten Busch, Flussleiter des Wasserwirtschaftsamtes. Gute Wasserqualität mit hohem Sauerstoffgehalt und ein kiesiges Flussbett macht die Schandtauber für seine Bewohner zu einem natürlichen Zuhause. Torsten Busch weist auf eine Stelle des Wildbaches, an der eine Furt (Flussübergang) besteht, der aber für Fische unüberwindbar war. Flusswart Günter Daum, der seit 30 Jahren direkt vor Ort für die Schandtauber zuständig ist, verweist auf einen Durchgang für Forellen, den er und seine Mitarbeiter errichtet haben. Sogenannte Querbauwerke im Wildbach mit kleinen Durchgängen wurden errichtet, um die Fließgeschwindigkeit zu reduzieren und der Bachforelle einen treppenförmigen Aufstieg gegen den Strom zu ermöglichen (schwimmen zum Laichen gegen den Strom). Ob es sich um angeschwemmte Holzhaufen (Verklausungen) handelt oder alte Furten den Weg für die Wassertiere versperren, die Aufgabe der Wasserhüter ist es, die Durchgängigkeit der Schandtauber stets aufrecht zu erhalten. Dazu gehören auch natürliche Nebenarme des Baches, die für die Durchgängigkeit der Wasserbewohner wieder reaktiviert werden müssen. Um die Ufer vor Erosion zu schützen, werden sogenannte „Hangkonsulidierungen“ mit Steinquadern mittels Bagger und Steinzange aus dem heimischen Muschelkalk am Flussrand errichtet. Sie werden versetzt, in den Waldhang lehnend, als Mauer aufgebaut. Diese Randbefestigungen bewirken, dass das Bachwasser nicht verschlammt und das Kiesbett der Schandtauber erhalten bleibt, was für die Fischbrut unverzichtbar ist. Auch Bäume entlang des Ufers sorgen mit ihren Wurzel für dauerhaften Erosionsschutz. Eine geologische Besonderheit am Rande des Gewässers ist der zerklüftete Kalkstein der oberen Muschelkalkschicht, die durch den verfestigten Kalkschlamm eines Flachmeeres, das sich vor ca. 200 Mio. Jahren in dieser Gegend befand, entstand. Der freigelegte Kalkstein ist seitdem der Verwitterung ausgesetzt. Es gibt also viel zu entdecken....