Wolle direkt vom Alpaka...

Dagmar Geimann „spinnt“ aus Leidenschaft „Hier kann man die Wolle seiner Socken besuchen“, sagt Dagmar Geimann während sie geübt kleine Röllchen aus feinsten Haaren durch ihre Finger laufen lässt. Dagmar Geimann spinnt die Haare ihrer Alpakas, das sogenannte Vlies der Götter, zu besonderer Wolle. Und manchmal sehen ihr die Wallache Brillant oder Gordi dabei zu. Gemeinsam mit ihrem Mann Jürgen hat sie die ehemalige Scheune des Wohnsitzes der Familie in Gunzendorf (bei Geslau) zum erweiterten Wohnzimmer umgebaut. Zwei bunte Lehnstuhlsessel stehen da sowie mehrere Spinnräder. Jahreszeitlich passende Dekoration sorgt für noch mehr Gemütlichkeit. Daneben leben hinter einer Art Heuzaun mit Sichtfenster ihre 21 Alpakas. Tagsüber können die Tiere auf die Weidefläche, abends haben sie Familienanschluss zu den Geimanns. „Die Alpakas sind unsere Leidenschaft“, sagt Jürgen Geimann. Ihr Leben mit den Alpakas begann vor fast zehn Jahren. „Wir wussten, dass wir Tiere in unserer Nähe haben wollen“, so Dagmar Geimann. Im Fernsehen haben sie eine Dokumentation über Alpakas gesehen und dachten, das wäre vielleicht was. Die beiden haben sich deutschlandweit Alpakashows angesehen und Kontakt zu Ilona Kindler von den Taubertal Alpakas aufgenommen. „Etwa zwei bis drei Jahre ist die Idee gereift“, so Jürgen Geimann. Im Jahr 2015 zogen dann die ersten vier Wallache in Gunzendorf ein. Der Kreislauf schließt sich Nach und nach kamen weitere Tiere dazu. „Eigentlich wollten wir nicht züchten“, so Dagmar Geimann, aber irgendwann war die Zeit auch für Stuten reif. Sieben Jungtiere sind mittlerweile in Gunzendorf geboren. „Wir haben nie ein Tier verkauft“, sagen die beiden mit Nachdruck, „Sie sind uns einfach alle ans Herz gewachsen.“ Einmal im Jahr müssen Alpakas geschoren werden. „Da stellte sich die Frage, was machen wir mit der Wolle“, erklärt Dagmar Geimann. Klar, kann man sie verkaufen, aber sie dachte, wäre doch eine runde Sache, selbst...

Ein heißes Handwerk

Burkhard Moser verewigt Skulpturen und Kunstwerke im Bronzeguss Wenn in Schweinsdorf das Feuer lodert, dann sind echte Männer am Werk. Burkhard Moser hebt mithilfe von Alexander Fabi den Deckel des Brennofens an. Seit Stunden heizt er mit Koksbrocken das Innere auf 1 200 bis 1 400° Celsius auf. Inmitten der glühenden Hitze schmilzt so die Bronze. Immer wieder wirft er einzelne Metallstücke in den Schmelztiegel. Er will vier Gedenktafeln für das Haus in der Judengasse 10 in Rothenburg gießen. Geduld gehört ebenso zu seinem Handwerk wie Hitze, Ruß und schweres Heben. Burkhard Moser ist Bronzegießer. Seit Jahren lebt und arbeitet er in Schweinsdorf bei Rothenburg. Der Zufall hat ihn hierher verschlagen. Eine translozierte Scheune Burkhard Moser ist in Würzburg geboren, in Oberbayern aufgewachsen und hat dort die Ausbildung zum Bronzegießer gemacht. Auf der Suche nach einem Eigenheim am Land, denn er ist nach eigenen Auskünften „überzeugter Landbewohner“, fand er das baufällige Anwesen in Schweinsdorf. Das ist jetzt 35 Jahre her, aber die dreijährige Renovierungszeit hat sich fest in seiner Erinnerung eingegraben. Mittlerweile ist sein Anwesen ein kleines Schmuckstück. Mehrere Bronzestatuen stehen in seinem Garten, darunter auch eine Figur des Rothenburger Künstlers und Bildhauers Peter Nedwal. An sein Wohnhaus schließt sich die Scheune mit Werkstatt an. So wie man es von einem fränkischen Gehöft kennt. „Die Scheune habe ich aber transloziert“, sagt Moser schmunzelnd. Der Mann hat nicht nur ein kunstfertiges Händchen, sondern auch Humor. Als er hier sesshaft wurde, wollte er seine Werkstatt nicht in einer uninspirierten Halle unterbringen, sondern eine Scheune sollte es sein. Architekt Eduard Knoll fand eine passende in Oberoestheim. Moser ließ sie dort abbauen und in Schweinsdorf wieder aufbauen. Seitdem hat er hier für die Ewigkeit bewahrt, was sich Künstler ausgedacht haben. Burkhard Moser sagt von sich selbst, er ist Gießer, nicht...

Mit bedachten Worten

Rothenburg kennt Ulrich Pyczak als Buchhändler. Aber da ist noch mehr. Fällt in Rothenburg der Name Pyczak, stellen sich sofort Assoziationen ein: Ein besonderes Buch, das in Erinnerung geblieben ist, die schnelle Zeitung im Vorbeigehen, eine fachkundige Beratung – und irgendwas war doch da mit Thomas Mann? Pyczak, das war eine Buchhandlung, die man heute landauf, landab sucht. Und Ulrich Pyczak ist der Mann, der das möglich gemacht hat. Bis vor sieben Jahre, bis zu seinem 80. Lebensjahr, stand er in den prall gefüllten Räumen seines Ladens in der Georgengasse. Ein Rothenburger durch und durch. Eine Buchhändlertradition, die in der Familie lag. Oder ist da vielleicht sogar noch mehr? Auf Augenhöhe Ulrich Pyczak ist einer jener Menschen, die mit einem kleinen Schmunzeln und einem knappen Satz zur richtigen Zeit den Nagel genau auf den Kopf treffen. Er macht kein großes Aufsehen um seine Person, dabei kannte er doch die ganz Großen der Literatur: Thomas Mann, Marcel Reich-Ranicki oder Siegfried Lenz und Günter Grass, mit denen er 2005 eine Sendung für Radio Bremen gemacht hat. Der „einfache“ Buchhändler aus Rothenburg kam bei den Schriftstellern mit Weltruf gut an. Seine Gesellschaft und das Gespräch mit ihm hat eben etwas geradlinig Erfrischendes. Seit 1955 hat Ulrich Pyczak den Einheimischen und Touristen die Liebe zu den Worten näher gebracht. Er wurde hineingeboren in die Welt der Bücher. Sein Vater hat eine Buchhandlung in Rothenburg gekauft, die von zwei Kunstmalerinnen bereits 1906 gegründet wurde. „Das war die Mitgift seines Schwiegervaters zur Hochzeit“, erzählt Ulrich Pyczak. So kam die schlesische Familie im Jahr 1931 in die Tauberstadt. Dass er selbst die Buchhandlung einst übernehmen würde, war immer klar. Glückliche Fügung Nach zwei Jahren Lehre im elterlichen Betrieb sollte er noch Erfahrungen in einem anderen Unternehmen machen. Die Suche wurde im...

Systemsteuerungstechnik 4.O...

Firma KaSperr GmbH – vom „SmartHome“ bis zur Industrieautomation Es ist schon eine gute Sache, wenn die Heizung in kalten Wintern automatisch gesteuert wird oder die Rollos an heißen Sommertagen zur rechten Zeit heruntergelassen werden. Das geht über zentrale Steuerungsanlagen. Ob automatisierte Haustechnik, auch „SmartHome“-Technik oder Steuersysteme für Industrieanlagen, die Firma KaSperr GmbH in Neusitz ist diesbezüglich ein Senkrechtstarter. Sie haben schon als Klassenkameraden in der Berufsschule von einer gemeinsamen Firma geträumt. Die Ausbildung zum „Elektrotechniker für Betriebstechnik“ machten Daniel Sperr aus Neusitz und Adrian Kreher aus Frankenhardt in unterschiedlichen Betrieben. Die befreundeten jungen Männer hatten ihren Fokus auf eine gemeinsame berufliche Selbstständigkeit nie aus den Augen verloren. Um fachlich möglichst breit aufgestellt zu sein, wählte Daniel Sperr die Meisterlaufbahn im Bereich Elektrotechnik und sein künftiger Firmenkompagnon ließ sich zum Elektrotechniker fortbilden. „Auf diese Weise sind wir für Aufträge im Elektriker-Handwerk, im privaten Bereich und für die Industrietechnik gut gerüstet“, so Sperr. Das ist jetzt schon einige Jahre her. Am 1. April 2016 wagten die beiden den Sprung ins kalte Wasser. Der neugebaute Firmensitz in Neusitz wurde im letzten Jahr fertiggestellt. In den Bereichen „SmartHome“-Technik oder Steuersysteme für industrielle Reinigungsanlagen fassten sie schnell Fuß und sind heute fachkompetente Partner für Privatkunden im Bereich Haustechnik und für Unternehmen auf der ganzen Welt. In mehr als 70 Ländern (darunter Simbabwe, Vietnam, Australien und europäische Staaten) ist die Firma KaSperr GmbH unterwegs. „Wir stellen unter anderem Steuersysteme und Schaltkästen für Hygieneschleusen und Waschanlagen für wiederverwendbare Euro-Boxen im Lebensmittelbereich her“, so Sperr. Darunter sind aber auch Reinigungssysteme wie für den 600 Liter Container eines bekannten deutschen Herstellers für Backmischungen. Die automatische Steuerung aller haustechnischen Bereiche wie Fenster-Rollladen, energieeffiziente Heizungs-, Lüftungs- und Lichtanlagen gehören ebenfalls zum Angebotsportfolio der Firma. Um die Energieeffizienz eines Wohnhauses zu verbessern, ist auch eine...

Salzwasser, Musik und Licht...

Neues Schwebeerlebnis in der Franken-Therme in Bad Windsheim Warum ans Tote Meer fahren, wenn in der Franken-Therme Bad Windsheim das Schwebeerlebnis im Salzwasser nicht nur vergleichbar, sondern vielleicht sogar besser ist. Seit Ende Oktober gibt es in einer neuen Halle dreimal am Tag ein Badeerlebnis für alle Sinne. „Sinnfonie“ heißt die 15-minütige Musik- und Lichtshow, die die Badegäste im schwebenden Zustand im 12-prozentigen Solebecken erleben können. „Es war unser Ziel, ein weiteres Alleinstellungsmerkmal zu haben“, so Geschäftsführer Oliver Fink. Die Franken-Therme Bad Windsheim gibt es seit 2006. Ein nahe gelegener Salzstollen macht es möglich, dass mitten in Franken Thermalsole sprudelt. Rasantes Wachstum Der Erfolg war vorprogrammiert und die Anlage kam sogar schnell an ihre Kapazitätsgrenzen. 2018 fiel dann die Entscheidung für umfangreiche Modernisierungs- und Erweiterungsmaßnahmen. Insgesamt elf Millionen (vier Millionen Fördermittel und sieben Millionen Eigenmittel vom Zweckverband, bestehend aus der Stadt Bad Windsheim und dem Landkreis Neustadt a.d. Aisch) sind bis Ende Oktober 2021 in das Projekt geflossen. Die offizielle Einweihung der neuen Badehalle mit Lichtshow war somit der letzte Paukenschlag. „Das 12-prozentige-Schwebe-Becken in der neuen Badehalle hat eine Wasserfläche von 180 m²“, erklärt Marketing-Chefin Sylvia Knoll-Peterson. Schon allein die Größe des Beckens mit 240 000 Liter Fassungsvermögen sei eine Besonderheit. Die Idee, das „Floating“-Erlebnis in Salzwasser mit passenden Unterhaltungselementen zu untermalen, gibt es schon seit vielen Jahren. Allein die baulichen Gegebenheiten haben eine Umsetzung nicht ermöglicht. Im Rahmen der Erweiterung ist nun die neue Badehalle entstanden, technisch und räumlich auf das Projekt abgestimmt. Stimmiges Konzept Täglich um 11, 15 und 19 Uhr verdunkeln Jalousien die halbrunde Außenfassade mit Blick auf die Kuppel über dem Salzsee. Langsam färbt sich das Wasser durch Beleuchtung in ein schimmerndes Blau. Nebel wird eingeblasen. Aber keine Sorge, der ist ungefährlich und besteht nur aus Wasserdampf. Raumgreifende Lichtstrahlen, kleine Lichtspiele oder...

Der fleißige Klaus

Ein Cobot von Bayer aus Wörnitz Er hat was Sympathisches an sich: Klaus, der Cobot mit den runden Formen, packt unermüdlich an. Karton nach Karton stapelt er auf eine Palette. Hat er eine Lage fertig, saugt er einen Pappkarton als Zwischenboden an und legt ihn darüber. Und dann fängt er wieder von vorne an. Im Labor der Firma Bayer in Wörnitz, die als Konstruktionsbüro seit 1999 im Maschinenbau und für die Automobilindustrie tätig ist, findet gerade der Testlauf für einen neuen Auftrag statt. Mit dem fleißigen Klaus will das Unternehmen den Mittelstand auf dem Weg zur Automatisierung unterstützen. „Klaus ist ein kollaborierender Roboter“, erklärt Geschäftsführer Uwe Kranz. Durch die jahrzehntelange Verbindung zur Automotive, wo Roboter im Karosseriebau längst eingesetzt werden, ist die Robotik eine der Kernkompetenzen des Unternehmens. Mit Klaus bringt die Wörnitzer Firma nun eine eigene Entwicklung auf den Markt. Als kollaborierender Roboter, kurz Cobot genannt, kann er gemeinsam mit dem Menschen arbeiten. „Ich vergleiche das gerne mit einem Garagentor: Wenn man näher hinkommt, hält es an“, so Kranz. Ein Industrieroboter muss in einem gesicherten Bereich arbeiten, denn er erkennt den Menschen nicht und würde ihn verletzen. Ein Cobot hat dagegen nicht nur abgerundete Formen, sondern ist auch mit Sicherheitssensoren ausgerüstet. Kommt ihm der Mensch näher, stoppt er einfach. „Da wir aus der Automotive kommen, waren wir verwundert, wie wenig Automatisierung in mittelständischen Unternehmen umgesetzt wird“, sagt Kranz. Seit etwa zwei Jahren hat die Firma Bayer daher Cobots im Programm. Das Unternehmen hat sechs Hersteller im Portfolio, von denen sie die Roboter, sozusagen das Grundgerüst, beziehen. Jeder Cobot ist einzigartig Diese Standardcobots können nun aber noch nichts. „Ein Cobot ist kein Massenprodukt, sondern wird für die individuellen Anforderungen des Kunden programmiert und ausgerüstet“, erklärt Marco Hänschen, Leiter Engineering bei Bayer. Die Beratung vor...

Volkstümlich Jan10

Volkstümlich

Singende Wanderung zum Buch Alte Volkslieder erzählen Geschichten aus längst vergangenen Tagen. Damit dieses Kulturgut nicht in Vergessenheit gerät, hat die „Lokale Aktionsgruppe an der Romantischen Straße e.V.“ (LAG) ein Liederbuchprojekt ins Leben gerufen: Das Kinderliederbuch mit dem Titel „Ein kleiner Schelm bist du“, das die Traditionen der Region weiterträgt. Der aus 19 Städten und Gemeinden bestehende Verein der LAG (von Reichardsroth, über Rothenburg nach Wettringen, Schillingsfürst bis nach Dinkelsbühl) setzt sich für kulturelle, touristische und wirtschaftliche Projekte im ländlichen Raum ein. Herbert Lindörfer, 1. Vorsitzender und Bezirksrat des Bezirks Mittelfranken holte für das Liederbuch Dr. Heidi Christ von der Forschungsstelle für fränkische Volksmusik ins Boot. Umliegende Kindergärten, Familien und Seniorenheime wurden damit betraut, traditionelle Kinder- und Volkslieder zusammenzutragen. Heraus kam das Liederbuch „Ein kleiner Schelm bist du“, das seither zum festen Bestandteil von Kindergärten und anderen Einrichtungen der Region gehört. „Auch das Rothenburger Bürgerspital singt gerne aus unserem Liederbuch“, erzählt die Geschäftsführerin der LAG, Pia Grimmeißen-Haider. Die Idee, die Bewegung in der Natur mit volkstümlichen Liedern zu verbinden, entsprang aus einer weiteren Gemeinschaftsaktion der LAG und der Forschungsstelle der fränkischen Volksmusik in Uffenheim. Ein „Singender Wanderweg“ soll dazu beitragen, dass das traditionelle Liedgut wieder in den Herzen der Menschen Platz findet. 22 Tafeln mit einem Liedtext für Erwachsene und einen für Kinder wurden von der Künstlerin Gertraud Unger (Dombühl) mit kleinen Zeichnungen illustriert. Kurt Reithofer (Dürrwangen), Lehrer im Ruhestand und „Volksliedpfleger“, war für die Gestaltung derselben im Einsatz. Am unteren Rand der Liedertafel sitzt jeweils die schlaue Eule, die Informationen zum Text und zum Autor des Traditionsstückes liefert. Als erste von 19 Stationen wurden die Gemeinden Wörnitz und Wettringen (7 km Weglänge) sowie die Gemeinde Ohrenbach (11 km Länge) ausgewählt. Hier sind die Tafeln auf dem „Glaubensweg“, einem Rundweg mit Start- und Endpunkt...

Von Angesicht zu Angesicht Jan10

Von Angesicht zu Angesicht...

Zweite Porträt-Ausstellung bei Kunst und Kultur Korn Sie haben es ihr angetan, die Gesichter und Mimiken von Menschen aus der Filmszene. Figuren aus der amerikanischen Romanreihe „Die Tribute von Panem“ oder aus der Kinotrilogie „Der Herr der Ringe“ werden von der Künstlerin Martina Maier in ausdrucksstarker Form dargestellt. Porträts von Illustratoren, Tänzern, Schauspielern und Menschen aus der Familie der Künstlerin sind Gegenstand der aktuellen Ausstellung in der gläsernen Galerie im Hause Kunst und Kultur Korn in Rothenburg. Einzig Albert Einstein vertritt mit einem Porträt die wissenschaftliche Liga. Manchmal zeigen die Werke auch Darstellungen von Gesichtern, die rein aus der Fantasie der Malerin heraus entstanden sind. Besonders am Herzen liegt ihr die gezeichnete Collage des berühmten Theater- und Filmschauspielers Jean Paul Belmondo, der in der Filmszene als ein Mensch „wie Du und ich“ bekannt war. „Alle trauern seit dem 21. September 2021 um den weltbekannten Darsteller“, so die Künstlerin. Auch dem argentinischen Zeichner Guillermo Mordillo, der am 29. Juni 2019 verstarb, widmet Martina Maier ein Porträt, auf dem die von ihm entworfenen „Mordillo-Männchen“ auf seinem Kopf herumtanzen. In den 80er-Jahren waren die kleinen knollennasigen Figuren auf unzähligen Wandkalendern und Puzzeln zu finden. Für einen guten Zweck Martina Maier aus Gebsattel ist nach dem Erfolg der letzten Ausstellung im Herbst/Winter 2020 im Autohaus Korn nicht mehr aus der „Porträtzeichnerei“ herausgekommen. Zu viele Aufträge füllten seither ihren Alltag. Es war ein voller Erfolg, bei dem ein Erlös von 2 200 Euro an den Förderverein für krebskranke Kinder Tübingen e. V. übergeben werden konnte. Jetzt ist die freischaffende Künstlerin mit einem neuen Repertoire ihrer Schaffenskraft erneut am Start. Seit die einstige Stillleben-Malerin von Robert Hellenschmidt, dem Leiter von Kunst und Kultur Korn motiviert wurde, sich in der Porträtierung zu versuchen, konnte sie ihre Zeichentechnik optimieren. Die mit Bleistift vorgezeichneten...

Rothenburger sind keine „Kopfhänger“ Jan10

Rothenburger sind keine „Kopfhänger“...

Wir blicken zurück ins Jahr 1922: Die Inflation trifft auf den aufstrebenden Tourismus Schon vor 100 Jahren beobachteten die Menschen begeistert die Kunstuhr an der Ratstrinkstube. Entspannt wirkt die Szenerie am Marktplatz. Damals war zwar keine Coronapandemie am Start, aber auch im Jahr 1922 hatten die Deutschen und somit die Rothenburger mit allerlei Unwägbarkeiten zu kämpfen. Vier Jahre nach dem Ersten Weltkrieg belasteten Kriegsschulden und Reparationszahlungen die politischen Verhältnisse. Die Inflation und eine Verknappung von Lebensmitteln prägten das alltägliche Leben. In der Rothenburger Tageszeitung wurde ab Mai regelmäßig der Preis, der für einen Dollar gezahlt werden musste, veröffentlicht. Am 24. Mai betrug dieser 313 Mark, am 4. Juli waren es schon 401 Mark, am 18. September 1487 Mark und zwei Monate später kostete ein Dollar schon 6400 Mark. Der Rothenburger Stadtrat griff daher ein: Am 31. Oktober legte er den Brotpreis auf 25 Mark pro Pfund fest. Das war genau einen Monat zu halten, dann besserten die Räte nach: Ein Pfund Brot kostete am 4. Dezember 60 Mark. In vielen Ausgaben des Fränkischen Anzeigers gab es die Anzeige einer Reederei für eine Schiffspassage nach USA. Die Auswanderungswelle 1922 knüpfte an die Emigration vor dem Ersten Weltkrieg an. Die Zahlen stiegen massiv. Grund dafür mögen verschobene Auswanderungspläne gewesen sein, dazu kam die Inflation und Vertriebene aus den deutschen Siedlungsgebieten in Ost- und Mitteleuropa, die hier keine Zukunft mehr sahen. Die Wohnungsnot tat das ihre dazu. Am 16. August 1922 daher ein Aufruf im Fränkischen Anzeiger: Da die Geldentwertung den Neubau von Wohnungen verhinderte und Tausende deutscher Flüchtlinge und Vertriebene untergebracht werden mussten, wurde ein Appell an die „Pflicht der Volksgenossen“ gerichtet, entbehrlichen Raum freiwillig zur Verfügung zu stellen. Ein großes Jubiläum Aber nicht nur die Weltpolitik sorgte für Probleme, sondern auch Unfälle oder Wetterkapriolen beschäftigten...

Schneller! Jan10

Schneller!

Liebe Leser, und weiter dreht sich das Lebenskarussell mitten hinein ins Neue Jahr. Würden Sie genauso gerne wie ich so manchen Ballast im alten Jahr zurücklassen? Ich nehme mal an, dass da bei den Meisten an erster Stelle Corona stünde. Aber nichts gibt‘s. Corona lässt sich einfach nicht abschütteln. Also haben wir Corona auch in dieser ROTOUR-Ausgabe wieder am Hals. Mit viel Optimismus und Engagement versuchen Veranstalter, Museumsbetreiber oder Kulturaktivisten etwas auf die Beine zu stellen. Darunter sind erstmals vier Gastronomen und laden ein zum „Running Dinner“. Sie sind zuversichtlich und wollen ein Zeitfenster nutzen, in dem Corona mal ein Päuschen macht. Aber auch wenn im dritten Jahr der Pandemiebekämpfung die Lage weiterhin verzwickt ist, dreht sich das Lebenskarussell unaufhaltsam. Der Mensch hat immer wieder neue Ideen. So hat die Firma Bayer aus Wörnitz einen Roboter entwickelt, der dem Mittelstand die Arbeit erleichtern soll. In der Frankentherme in Bad Windsheim gibt es neuerdings eine musikalische Lasershow und Dagmar Geimann hat ihre Leidenschaft zum Spinnen von ganz besonderer Wolle entdeckt. Eine junge Familie aus Rot am See kultiviert dort, wo sonst die Kühe im Stall standen, sogar besondere Edelpilze. So drehen wir uns mit viel Optimismus ins Neue Jahr, immer schneller und schneller, damit der lästige Trittbrettfahrer vielleicht demnächst nicht mehr mithalten kann. Ihre Andrea...

Januar/Februar Jan10

Januar/Februar

Das Inhaltsverzeichnis des ROTOUR-Heftes für Januar/Februar Kultur Editorial: Das Lebenskarussell Es war einmal: Das Leben vor 100 Jahren Kunst Kultur Korn: Porträts für guten Zweck Singende Wanderwege in der Region „Moondancer“ sind Deutsche Meister Foto-Projekt: Junge Visionen auf dem Land Veranstaltungen Rothenburger Diskurse: Polareis & mehr Die Winterrallye „Histo-Monte“ startet Bewegtes Viergängemenü in Rothenburg Ausgehtermine Rund um die Frankenhöhe Wohin im Hohenloher Land Wirtschaft Firma Bayer: Klaus der Cobot packt an Gut gesteuert mit „KaSperr“ aus Neusitz Unikate von „Reuschlein Art“ Panoramafoto: Winterliche Aussichten Glaskunst von Harald Stefan in Gebsattel Schweben in der Frankentherme Alpaka-Wolle von Dagmar Geimann Information Rundgang durch die Jahrhunderte A walk through centuries Sehenswertes in der Region Karte Rothenburg und Umgebung TITELBILD: Winter am Lindleinsee Foto: am Service Wohin ausgehen in Rothenburg? Inserentenübersicht Sehenswürdigkeiten in deutsch/englisch Informationen von A bis Z Freizeitideen Impressum Gesellschaft Personalia: Ulrich Pyczak Skulpturen in Bronze von Burkhard Moser Heimatküche: Pilzkreationen aus der Region Schnappschuss: Stille in der Wintersonne Geführte Entspannung im Wald Lyrik von Fritz...

Umwelt selbst gestalten...

Klimabündnis für bessere Lebensqualität aller Bürger „Time is running out“–„Die Zeit drängt“, lautet der aktuelle Ausruf des „Klimabündnisses Rothenburg“. Die starke Ausdünnung der Ozonschicht, wie sie 1985 erstmals am Südpol über der Antarktis festgestellt wurde, zeigte sich am Anfang des Jahres 2020 nach einem Bericht des Alfred-Wegener-Instituts zum ersten Mal auch über der Arktis (Nordpol), so der Wikipedia Eintrag über die aktuelle Situation der Ozonschicht. Die Aktion „Fridays for Future“, zu Deutsch: „Freitage für die Zukunft“ ist der Name einer Bewegung von Schülern und Studenten auf der ganzen Welt. Ihr Ziel ist es, die Politik dazu zu bewegen, mehr in den Klimaschutz zu investieren. Auch Rothenburger Schüler sind mit von der Partie. Was die jungen Menschen bereits vor Corona begonnen haben, hat auch bei den Eltern Anklang gefunden. Aus einer losen Gruppe Erwachsener haben sich bis heute 20 aktive Klimaschützer zusammengetan, um zu zeigen, dass der Einsatz für die Umwelt in der Region Spaß machen kann und für alle Bürger eine bessere Lebensqualität mit sich bringt. „Die generationsübergreifenden Gemeinschaftsaktionen verbinden und motivieren dazu, an einem Strang zu ziehen, so die Motivation des „Klimabündnis Rothenburg“. Um der Klimaproblematik vor Ort fachkompetent begegnen zu können, hatte sich die Interessengemeinschaft mit einem Antrag bei der Stadt um einen „Klimamanager“ bemüht. „Es geht uns vor allem darum, Gelder sinnvoll einzusetzen und gemeinsam mit der Stadt Rothenburg für möglichst schnelle Lösungen für eine Klima freundlichere Umwelt zu sorgen“, so das Ziel der engagierten Gruppe. Um die Zeit sinnvoll zu nutzen, bis ein Klimamanager eingesetzt werden kann, hat sich das „Klimabündnis Rothenburg“ in drei offene Arbeitsgruppen aufgeteilt und schon so einige Projekte auf den Weg gebracht: Die Gruppe Klimapolitik unter dem Motto „Global denken, lokal handeln“, eine Fahrradgruppe für fahrradfreundliche und sichere Radwege in Rothenburg und die Gruppe Stadtgrün namens...