Das Leben formen

Jutta Hedwig-Schöffl drückt ihre Welt in der Tonkunst aus In einem Hinterhof der BayWa in Geslau liegt ihr Atelier. Jutta Hedwig Schöffl stammt aus Stettberg etwa zwei Kilometer von Geslau entfernt. Seit Oktober 2021 betreibt sie ihr eigenes Tonkunst-Atelier namens „Tonwerk“ in Geslau. „Ich habe mein Leben lang gezeichnet und modelliert“, erzählt die 56-jährige Künstlerin. Das hat sie zu ihrem Lebensinhalt gemacht. Nach der Trennung ihrer Eltern verbrachte sie die Jugendzeit in Kempten im Allgäu, wo ihre Mutter geboren wurde. In bleibender Erinnerung blieben ihr die großen Krähenpopulationen, die das Stadtzentrum von Burghalde bevölkerten. Eindrücke, die sie bis heute in ihre Kunstwerke integriert. Genauso gestaltet sie ihre Plastiken, Bilder und zuweilen auch Gedichte, die ausdrücken, was ihr Innerstes bewegt. Schon mit 21 Jahren traf sie in Oberähren Mann, einen Textilmaschinenfachmann, der beruflich in die chinesische Metropole Hongkong versetzt wurde. „Das war für mich kein Problem, ich bin ihm voller Abenteuerlust gefolgt“, erzählt sie lächelnd. In Hongkong angekommen, lernte sie erst einmal Englisch, um in der noch bis 1997 bestehenden britischen Kolonialherrschaft beruflich Fuß fassen zu können. Anschließend arbeitete sie im Büro einer Textilmaschinenfabrik und ließ sich später in einer Deutsch-Schwedischen Schule anstellen. Dazu muss man wissen, dass es in China keine Berufsausbildungen gibt. Nach der Schule arbeitet man sich in sämtlichen Abteilungen einer Firma ein, bis man seinen Platz gefunden hat. Berufserfahrungen, besonders in europäisch ansässigen Firmen sind in China einer deutschen Ausbildung gleichgestellt. Eigenes Potenzial entdeckt Nach drei Jahren in der chinesischen Stadt stieß sie auf einen Cobo-Workshop des asiatischen Künstlers Chris Lo in der „University of Arts“ in Hongkong. „Faszinierend fand ich die Studenten, die die uralte chinesische Keramik- und Tonkultur aus der Jungsteinzeit mit der Moderne zu vereinen wussten“, erzählt die heutige Gestaltungsdesignerin. Wenig später saß sie selbst in einem solchen...

Ein tatkräftiger Idealist

Johannes Wolf hat das kulturelle Profil von Aub nachhaltig geprägt Aub hat etwas, was andere Gemeinden nicht haben: Johannes Wolf. Er hat den Ort aber geprägt wie kaum ein anderer. Wolf hat Aub mit Kultur erfüllt, die eine Strahlkraft weit über die Ortsgrenze hinaus entwickelt hat. Mittlerweile ist er 68 Jahre alt und trägt sein Haar noch immer mit progressivem Pferdeschwanz. Lässig lehnt er am Flügel im Konzertsaal von „Ars Musica“. Hinter ihm eine Plakatwand mit Zeugnissen aus den Anfangsjahren und Höhepunkten aus 33 Jahren Kulturengagement in Aub. Und das alles hat er neben seinem Job als Musiklehrer in verschiedenen Gymnasien auf die Beine gestellt. Johannes Wolf hat es einst aus Zufall nach Aub verschlagen. Er stammt aus Herzogenaurach und begann im Jahr 1976 ein Studium (Klavier und Cello) an der Musikhochschule in Würzburg. „In Würzburg gab es kaum Wohnungen und Musiker waren nicht gerne gesehen“, erinnert er sich. In Aub, nur 33 km von Würzburg entfernt, wurde aber ein Haus vermietet. Johannes Wolf ist mit Freunden eingezogen und die „Musiker-WG hat in den Folgejahren etwa 30 Studenten durchgeschleust“, erzählt er. Noch heute lebt er mit seiner Frau in genau diesem Haus. Aub hat ihn von Anfang an begeistert. „Ich habe mich hier sehr wohl gefühlt“, sagt er. Aub mit rund 1 500 Einwohnern ist für ihn eher eine kleine Stadt. „Es war immer mein Bestreben, mehr Menschen nach Aub zu bringen, in der Hoffnung, dass sie auch hier leben wollen“, erzählt er. Und dafür hat er sich engagiert. Zusammen mit drei Studenten hat er in seinen Anfangsjahren einen Biergarten gekauft, nur wenige Schritte von seinem Haus entfernt, im Eigeneinsatz renoviert und betrieben. Den Biergarten gibt es noch heute, allerdings aktuell nicht bewirtschaftet. Kultur im Herzen von Aub Das war der erste Streich. Der zweite folgte im Jahr 1991. Zusammen mit dem Architekten und Musikerfreund Felix Tannenberg hat Johannes Wolf „Ars Musica“ ins Leben gerufen. „Von Anfang an war klar, dass hier ein musikalisches Fortbildungshaus mit Veranstaltungsprogramm entstehen soll“, so Wolf. Das „Gasthaus zum Hirschen“ direkt am Marktplatz wurde von Tannenberg dafür saniert. In diesem Rahmen ist auch der bis in den Dachgiebel offene Konzertsaal entstanden. Durch die guten Kontakte zur Hochschule lief der Kursbetrieb schnell an. In das Haus am Marktplatz zog mit „Ars Musica“ wieder Leben ein. Zeitweise war die Kneipe sogar verpachtet. Die hochkarätig besetzten Veranstaltungen ziehen seitdem Besucher aus Bad Mergentheim, Uffenheim, Rothenburg oder Würzburg an (Infos unter www.ars-musica.de). Seit 25 Jahren, am 27. April wurde das Jubiläum gefeiert, bringt „Ars Musica“ Konzerte, Jazz, Kammermusik, Klassik sowie Vorträge und Ausstellungen nach Aub. Im Jahr 1999 hat sich der Verein Ars Musica Aub e.V. gegründet, der seitdem die Veranstaltungsinitiative unterstützt. „Ars Musica war für die Stadtentwicklung ein wichtiges Projekt“, stellt Johannes Wolf fest, der sich auch 12 Jahre als Stadtrat engagiert hat. Manche Wegbegleiter von ihm haben sich ebenfalls in Aub niedergelassen. „Wir haben gezeigt, dass es Wege gibt, einen Ort auch für Außenstehende interessant zu machen“, stellt Wolf fest. Er ist ein Idealist, der Kraft, Energie und auch eigenes Geld in die Realisierung der Kulturprojekte gesteckt hat. Und wenn die eine Idee läuft, dann haben Menschen wie er eben wieder eine neue: das fränkische Spitalmuseum. Aub hat ein um 1350 gegründetes Landspital mit Spitalkirche. Wolf sah darin Potenzial und die überregionale Bedeutung. In einer gemeinschaftlichen Leistung von Stadt und Bürgern fiel 1998 der Startschuss für die Sanierung der Spitalkirche. In der Folgezeit entstand ein museales Nutzungskonzept für den gotischen Kernbau. „Seit 2004 wird das Museum komplett ehrenamtlich betrieben“, erzählt Wolf. Das Thema Spital war mit dem Museum aber noch nicht abgeschlossen. Johannes Wolf hat die Reihe „Musik in fränkischen Spitalkirchen“ konzipiert. Seit 2012 findet in den Spitalkirchen in Aub, Ochsenfurt, Röttingen und Bad Windsheim regelmäßig eine hochkarätige Konzertreihe statt. Besonderes Ambiente der Spitalbühne Außerdem wurde auf dem Spitalareal die Spitalbühne gebaut, eine mit Glas überdachte Bühne und ein überdachter Zuschauerbereich. Und zwar in Eigenleistung. Zwei Vereine,...

Eine Sache des Herzens

Die Haarschneiderei Flex gehört nun zum „Forum der Schönheit“ Martina Model hat eine Vision. Ästhetik, Gesundheit und Lebensfreude, die Essenz eines schönen Lebens will sie in die Welt tragen. 2021 hat sie daher ihr Herzensprojekt ins Leben gerufen und ihm den Namen „Forum der Schönheit“ gegeben. Das „Forum der Schönheit“ basiert auf den Erfahrungen eines 25-jährigen Unternehmertums. 1999 hat Martina Model die Haarschneiderei Flex gegründet. Aus ihren Anfängen als Einzelkämpferin hat sie ein Unternehmen gemacht, das in seiner Hochzeit bis zu 20 Mitarbeiter und zehn Azubis hatte. Seit über 20 Jahren ist die Haarschneiderei in der ehemaligen Molkerei in Rothenburg zu Hause. Bei diversen Veranstaltungen oder kreativen Frisurenshows mit bis zu 50 Models hat die Haarschnei- derei auf sich aufmerksam gemacht. Die „Flex“ war ein Ort der Begegnung, des Austausches und Wohlfühlens. „Ich war immer nahe dran am Leben der Menschen“, sagt Martina Model. Für sie ist daher klar: Haare schneiden ist eben mehr als ‚nur‘ Haare schneiden. „Man sieht den Haaren an, wie ein Mensch mit sich umgeht“, ist ihre Erfahrung. Im Jahr 2021 gründete sie daher das „Forum der Schönheit“ und bietet seitdem in den dafür extra angemieteten Räumen (gegenüber der Haarschneiderei) einen Seelenhaarschnitt an. In Stille und ohne Spiegel werden Haar und Mensch wieder in eine neue Einheit gebracht. Die Vision und der zugehörige Raum waren vorhanden und das Projekt ist seitdem gewachsen. „Nach 25 Jahren Flex war es daher nun so weit, dass die Haarschneiderei als ein Teilbereich ins ‚Forum der Schönheit‘ eingebunden wird“, erklärt Martina Model. Neben dem Friseurbereich (der nach wie vor in den gewohnten Räumen stattfindet) und dem Seelenhaarschnitt gehört zum „Forum der Schönheit“ aber auch die Physiotherapie von Louis Model. Zum Äußeren soll das Innere kommen, damit sich der Mensch seiner ganzen Schönheit bewusst wird. Ein Netzwerk der Schönheit entsteht Martina Model vermietet die Räumlichkeiten des „Forum der Schönheit“ an Interessierte und so ist eine Art Akademie entstanden, die Kurse, Vorträge oder Workshops in den unterschiedlichsten Bereichen anbietet. Themen aus Kultur, Bildung, Spiritualität, Kunst, Gesundheit, Beziehungen und mehr sind vertreten. Immer geht es darum, die Schönheit des Lebens zu erwecken und zu entdecken. Über die eigene Webseite (www.forumderschönheit.de) und die online-Plattform www.quatoro.de sind die Angebote einsehbar. Durch Quatoro ist ein weit gefasstes Netzwerk entstanden und das „Forum der Schönheit“ ist somit weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt geworden. „Ich habe mit so vielen Menschen zu tun, die etwas Besonderes machen“, erzählt Martina Model, die mit ihrer Energie das „Forum der Schönheit“ immer weiter wachsen lässt. Im neu gestalteten Eingangsbereich des Friseursalons empfängt den Kunden ein ganz besonderes Ambiente. Entspannt fühlt es sich an, viele Pflanzen gedeihen bestens und handverlesene Kleinigkeiten befinden sich in einer Nische. Von heilenden Steinen über Holzbürsten, besonderen Seifen bis hin zu regionalen Produkten reicht das Angebot. Alles hergestellt von Menschen, die sich der Idee des „Forum der Schönheit“ verbunden fühlen. Martina Model will etwas gemeinsam schaffen, ohne Konkurrenz und Neid. Etwas, das immer ‚schöner‘ wird. „Das ist meine Vision“, sagt sie. Und weil es ihr Freude macht, verwendet sie auch nach 25 Jahren all ihre Energie dafür....

Physio für Hunde

Mobile Therapie von Evelyn Wolf Bereitwillig steigt Rimu auf das Luftkissen und lässt Evelyn Wolf nicht aus dem Blick. Der Collie-Mischling, der auch als Therapiebegleithund in der Grundschule in Gebsattel im Einsatz ist, kennt das Prozedere seit mehr als einem Jahr. „Rimu hatte einen Bandscheibenvorfall und es ging ihm sehr schlecht“, erzählt seine Besitzerin Silke Mühlauer. Die medizinische Behandlung beim Tierarzt hat sie mit der mobilen Physiotherapie von Evelyn Wolf kombiniert – und nun kann Rimo wieder die Kinder in der Schule erfreuen. „Die Physio ersetzt nicht den Gang zum Tierarzt“, das ist Evelyn Wolf sehr wichtig. Sie selbst ist seit zehn Jahren tiermedizinische Fachangestellte und in einer Tierarztpraxis in Marktbergel beschäftigt. „Für mich gibt es nichts anderes, als mit Tieren zu arbeiten“, erzählt sie. Sie ist auf dem Land aufgewachsen und lebt mittlerweile in Marktbergel. Ihre eigene, vor einem Jahr verstorbene Hündin hatte Probleme und so entschied sie sich für eine Zusatzausbildung zur veterinärmedizinischen Physiotherapeutin. Seit Anfang 2022 ist sie nun an drei Tagen die Woche mit ihrer mobilen Tierphysiotherapiepraxis „Vetphysio Wolf“ im Einsatz. Die Besonderheit ihres Konzepts: Zur Behandlung kommt sie zu den Kunden nach Hause. Das sei super, denn die Hunde sind in ihrer gewohnten Umgebung einfach entspannter, berichtet Silke Mühlauer. „Mein Ziel ist es, den Tieren wieder mehr Lebensqualität zu schenken, die Schmerzen zu reduzieren und Gelenkfunktionen wieder herzustellen“, erklärt die Physiotherapeutin. Die Krankheitsbilder der Hunde sind dabei ähnlich denen der Menschen: Bandscheibenvorfälle, Einschränkungen nach Operationen, Frakturen, Arthrosen oder auch Hüftdysplasien. Und auch die Wege zum Erfolg basieren auf einer individuellen Therapie. Diagnose vor der Behandlung „Zu Beginn gibt es ein Vorgespräch“, erklärt Evelyn Wolf. Sie eruiert den Krankheitsverlauf oder die Diagnose vom Tierarzt, holt gegebenenfalls noch Infos ein. „Auf der Basis einer gesicherten Diagnose werden die Ziele schneller erreicht“,...

Nachhaltig

Perfektes Wasser für Heizungen Manchmal geschieht Großes beinahe unbemerkt. In einer Seitenstraße in Insingen befindet sich seit 15 Jahren die Firma UWS. UWS steht für „Unser Wasser. Sicher“. Das Unternehmen ist deutscher Marktführer in der Heizwasseraufbereitung. Alle Sparten wie Labor, Forschung, Produktion, Logistik, Marketing und die kaufmännische Abwicklung befinden sich in Insingen. „Die Geburtsstunde von UWS war 2009“, erzählt Philipp Mayer aus dem Marketing-Team. Hinter der Idee, dass Heizungswasser optimiert werden muss, stand der innovative Unternehmer Hans-Georg Breitmoser. Er gründete einst UWS. Heizungsanlagen wurden immer moderner und Edelstahl- oder Aluminiumbaustoffe sowie Hochleistungspumpen wurden verbaut. Kommen diese fortwährend in Kontakt mit kalk- und salzhaltigem Leitungswasser als Befüllung, führt dies zu Kalk, Rost oder Schlamm. Das gesamte Heizungssystem leidet darunter. Im Hinblick auf Nachhaltigkeit und energieeffiziente Leistung musste also das Füllwasser an die technische Entwicklung angepasst werden. UWS ist aber kein handwerklicher Betrieb, der selbst beim Kunden Heizungen befüllt. Vielmehr hat Breitmoser Gerätschaften entwickelt, mit denen der Fachbetrieb die Heizsysteme befüllt bzw. stationäre Geräte einbaut, die automatisch das Umlaufwasser kontrollieren und bei Bedarf nachfüllen. Rund 30 Produkte, mobile und stationäre Anlagen sowie Geräte zur Nachspeisung, Filtration oder Entgasung, hat das Unternehmen mittlerweile im Angebot. Im Laufe des Jahres 2024 kommt das neueste Produkt zur Nachspeisung auf den Markt, das cloudbasiert und teils KI-gesteuert den Weg in die Digitalisierung der Heizungsanlagen widerspiegelt. Gesicherte Zukunft Seit 2022 gehört das Insinger Unternehmen nun zum niederländischen Technologie-Konzern Aalberts. UWS in Insingen und die Heat Power GmbH in Velburg, die schon zuvor als eigenständiger Dienstleister von UWS beispielsweise Großbefüllungen in Biogasanlagen durchgeführt hat, firmieren innerhalb des Konzerns nun als UWS Group. „Wir profitieren von den Synergieeffekten, sind vor Ort aber eigenständig“, sagt Jürgen Hönig, stellvertretender Marketingleiter. Die Grundaufstellung von UWS ist unverändert geblieben. „Wir haben einen dreistufigen Vertrieb“, erklärt Hönig. In...

Klein, aber oho Apr30

Klein, aber oho

Das Rothenburger Handwerkerhaus belebt die Stadt Nie wirklich modernisiert und deshalb wie aus dem Mittelalter herbeigezaubert steht das Alt-Rothenburger Handwerkerhaus mitten in der Altstadt. Genauer gesagt im Alten Stadtgraben 26. Das Baudenkmal aus dem Jahre 1270 beherbergte über die Jahrhunderte elf verschiedene Handwerker, wovon nicht nur die original erhaltene Schusterwerkstatt zeugt. Otto Berger, dessen Frau Marianne das Romantikhotel am Markusturm betrieb, hatte sich auf dem täglichen Weg zu seiner Garage in dieses alte Häuschen verliebt. Er rettete das Kleinod vor dem Abriss, in dem er die „Bruchbude“ im November 1972 zu seinem Eigentum machte. Die ursprüngliche Idee, hinter der restaurierten Fassade eine moderne Bahn für die Rothenburger Schopf-Kegler einzurichten, fand durch den Historiker-Professor Dr. Heukemäs (Gast im Hotel am Markusturm) aus Ladenburg ein jähes Ende. Das mittelalterliche Handwerkerhaus verfügte laut Prof. Heukemäs über eine außerordentliche historische Bausubstanz mit Inhalten, an denen die moderne Zeit spurlos vorüber gegangen war. Schuld daran war ein Kriegsveteran, der sein Elternhaus nach dem Krieg bezog und nichts, aber auch gar nichts daran verändert hatte. Ein vergleichbares Zeugnis durch viele Jahrhunderte findet sich selten hinter den Fassaden der Tauberstadt. Bei einer Erstbesichtigung des Häuschens durch zwei Schopf-Kegler, der damaligen Schneiderin Meyer und Verkehrsdirektor Rudolf Hundertschuh, fand man eine historische Nachtwächterkluft mit Spieß, Umhang, Hut und Laterne, dessen Kleider Frau Meyer gleich zweimal nachschneiderte. Damals war sie mit den Kostümen für das 700-jährige Historienfest zur Verleihung der Reichsstadtprivilegien (erstmals 1974) ohnehin schon voll beschäftigt. Rudolf Hundertschuh war übrigens der Gründer dieser historischen Festivitäten der Stadt. Kleines Haus, großer Effekt Die Idee, Nachtwächterrundgänge wieder aufleben zu lassen, war geboren. „Wir zogen im Winter 1972 durch die kleinen Gassen. Es schneite leicht und es fühlte sich ein wenig wie im Märchen an. Die Leute öffneten die Fenster und waren begeistert“, erinnert sich Otto...

Was Kinder bewegt Apr30

Was Kinder bewegt

Rothenburgs neuer Kraehe-Verlag Kinder sind wie Rohdiamanten, die durch liebevolle Erziehung und Begleitung zu jungen Menschen mit Selbstwert und Zuversicht heranwachsen sollen. Die Zeiten ändern sich stetig; immer neue Herausforderungen wie die Genderfrage, Einfluss und Bewertung von Kindern über soziale Medien und immer weniger persönliche Kontakte bestimmen ihren Alltag. Madeleine und Heinrich Kräll betreiben seit Juli 2021 den Kraehe-Verlag in der Oberen Schmiedgasse 14 in Rothenburg. Madeleine ist ausgebildete Grafikdesignerin. Sie illustriert und gestaltet die Bücher, die sie in ihrem Verlag herausbringen. Heinrich Kräll ist als Inhaber des Verlages hauptberuflich als Reklamationsmanager bei der Firma Mekra Lang in Ergersheim tätig. Die beiden sind selbst Eltern zweier Töchter und wissen um die Themen, die Kinder heute bewegen. „Wir wollen mit unseren Geschichten gesellschaftliche Werte vermitteln, ohne den Zeigefinger zu heben“, sagt Madeleine Kräll. Eigentlich ist sie durch Zufall, oder sagen wir aus dem Bedarf heraus zur Verlegerin geworden. In einer Facebook-Gruppe für Autoren und Illustratoren, in der sie immer wieder einmal Porträtzeichnungen von Menschen und Tieren hochgeladen hatte, ist eine Kinderbuchautorin auf die junge Künstlerin aufmerksam geworden. Nina Badelt, die das Buch von Hanni und Wauz verfasst hat, war gerade auf der Suche nach einer Illustratorin für den zweiten Band. „Sie hätte ich gerne“, schrieb Nina Badelt in den Chat von Madeleine Kräll. Gesagt, getan. Allerdings befand sich der betroffene Buchverlag im Konkursverfahren und die beiden mussten sich einen anderen Verleger suchen. Ebenfalls über Facebook lernte Madeleine Kräll die Grundschullehrerin Ursula Gruß kennen, die ihr in Sachen Vertragsangelegenheiten im Buchbereich helfen konnte. Der Gedanke, einen eigenen Verlag zu gründen, wuchs bei Madeleine Kräll, um selbst entscheiden zu können, wofür sie ihre Fähigkeiten als Grafikdesignerin und Illustratorin einsetzt. Von Ursula Gruß Geschichten war sie beeindruckt. Als Lehrerin ist sie täglich mit den Herausforderungen der Kinder konfrontiert und setzt sich mit ihrem zweiten Band Lilly und Billy mutig mit der Genderfrage auseinander. Und das in einer Kindergeschichte. Mit dem Buch gibt die Autorin Kindern und Eltern ein Werkzeug als Gesprächsgrundlage an die Hand. „Betroffene haben dadurch vielleicht den Mut, sich mitzuteilen oder das Thema aus einer alltäglichen Situation heraus zu betrachten“, hofft Madeleine Kräll. Genau das ist es, was die jungen Verleger wollen. Lustiges für den Alltag und soziale Themen kindgerecht aufbereitet. Gefruchtet hat ihre Verlagsidee bereits. Acht Bücher wurden verlegt, darunter Carmen Hofackers Werk „Die Minimusikanten“. Die Kinderbuchgeschichte „Die Flaschenpost“ wird sogar im Toppler-Theater in der kommenden Saison auf die Freilichtbühne gebracht. „Ich finde Rothenburg toll. Es ist eine Stadt, in der man alles hat, man kennt sich und kann von einander profitieren. Hier geht was voran“, findet das junge Ehepaar Kräll....

Ideenreich Apr30

Ideenreich

Liebe Leser, kürzlich ist uns aufgefallen, dass ROTOUR im nächsten Jahr 20 Jahre alt wird. Wer hätte das gedacht! In den Anfangsjahren kam uns immer wieder mal die Prophezeiung zu Ohren, dass bestimmt demnächst die Themen ausgehen werden. Tja, damals gab es keine Erfahrungswerte, die das widerlegen konnten. Nur eine gehörige Portion Optimismus. Nach 171 ROTOUR-Ausgaben wissen wir es nun besser: Die Themen gehen uns nicht aus. Das ist aber nicht allein das Verdienst von ROTOUR. Wir spüren die Themen und Geschichten nur auf. In die Welt bringen sie allein die Menschen, die dahinter stehen. Tagtäglich erleben wir bei unserer journalistischen Arbeit diesen Ideenreichtum, diese Leidenschaft und Durchsetzungskraft. Für meine Kollegin Ute Lang und mich ist es daher ein Privileg, dass uns Türen geöffnet werden und wir einen Einblick erhalten in neue Geschäftsideen oder besonderes Engagement. Jede ROTOUR-Ausgabe, auch die Mai-Ausgabe (exakt die 171.) ist daher auch für uns immer wieder etwas Besonderes. Mittlerweile ist aus der einstigen Prophezeiung ein besonderes Kompliment geworden, das uns immer erfreut: Wenn Menschen sagen, dass sie in ROTOUR stets Interessantes über die Landesgrenze hinweg erfahren, dann bestätigt dies eine Idee, die vor 20 Jahren an den Start ging. Auch wenn ROTOUR natürlich Rothenburg zum Kernthema hat, sollte es von Anfang an ebenso über Hohenlohe und die Region rund um die Frankenhöhe berichten. Das ist bis heute so geblieben. Überzeugen Sie sich selbst. Die nächsten 104 Seiten gehören nun Ihnen. Ihre Andrea...

Mai Apr30

Mai

Das Inhaltsverzeichnis des ROTOUR-Heftes für Mai Kultur Editorial: Ideenreichtum An Pfingsten feiert die Stadt ihre Befreiung Neuer Verlag mitten in Rothenburg Ehrenamt: Die Mittwochswanderer Blick ins Rothenburger Handwerkerhaus Der Künstlerbund stellt aus Veranstaltungen Konzert an Himmelfahrt Gartenparadiese öffnen ihre Türen Kindertheater in der Region Ausgehtermine Rund um die Frankenhöhe Wohin im Hohenloher Land Wirtschaft Gartenideen von der Firma Dürr UWS: Wasseraufbereitung für Heizanlagen Mobile Physiotherapie für Hunde Panorama: Idylle mit Blick auf die Stadt Das „Forum für Schönheit“ wächst Besondere Mode von „Zapp-Style“ Information Rundgang durch die Jahrhunderte A walk through centuries Sehenswertes in der Umgebung TITELBILD: Umzug an Pfingsten, Foto: am Service Wohin ausgehen in Rothenburg? Sehenswürdigkeiten in deutsch/englisch Informationen von A bis Z Freizeitideen Impressum Gesellschaft Personalia: Johannes Wolf Preisgekrönte Tonkunst Heimatküche: Trüffel aus Röttingen Präzision eines Büchsenmachers Szenegeflüster: Süße Verlockungen Fritz Klinglers Gedicht: Von oben...

Wie wär‘s einmal mit Fisch?

Fisch & Mee(h)r: Das einzige Fischfachgeschäft in Rothenburg hat etwas zu bieten „Wenn der Vater mit dem Sohne“ heißt ein bekanntes Lied des beliebten Schauspielers Heinz Rühmann (1902-1994). Es erzählt von lustigen, aber auch von lehrreichen Dingen, die der Große dem Kleinen beibringen will. Genauso war es auch bei ­Jochen Hiermann aus Rothenburg. Sein Vater besaß zwei Fischteiche und angelte für sein Leben gern. „Das wurde auch meine Leidenschaft“, erzählt Jochen Hiermann. Vom Hobby zum Beruf war später seine Devise. Weitere Fischteiche wurden hinzugekauft. Im Jahr 2005 entschied sich der junge Mann für eine Ausbildung zum Fischwirt in einem bekannten fränkischen Fischzuchtbetrieb. Den Fischwirtschaftsmeister-Brief hatte er im Jahr 2009 in der Tasche. Etwas verrückt fanden es seine fränkischen Mitmenschen, als Jochen Hiermann mit seinem Vater hauptberuflich für frischen Fisch auf den Tellern seiner Kunden in der Region sorgte. Aber warum eigentlich nicht? Ist es denn in Franken nicht üblich, den Freitag für eine gesunde Fischmahlzeit zu reservieren? Nach einem schleppend anlaufenden Start ließ die Nachfrage nach heimischen Frischfisch nicht lange auf sich warten. Gastronomen, Angler und Privatleute waren begeistert und nutzten umso mehr die kulinarische Bereicherung in Rothenburg und Umgebung. Eine Hälterungsanlage in Erlbach bei Neusitz mit stetigem Frischwasserzulauf aus dem Erlbach wurde im Jahr 2007 angelegt. Das ist ein Betonbecken mit frischem Bachwasserzulauf, in dem Karpfen, Saibling, Forelle oder Lachsforelle als Jungfische von regionalen Fischzuchtbetrieben oder aus eigener Anzucht gehalten wurden. (befindet sich momentan in der Renovierungsphase). „Die Bio-Qualität wurde durch gutes Wasser, gepflegte Teiche, geringe Besatzdichte, stressfreie Haltung, Hege und Pflege und fachgerechten Transport sowie der Überwachung durch den Fischgesundheitsdienst gewährleistet. In einem kleinen Laden im Reimerweg 5, wo die Familie zu Hause war, wurde der Fisch geschlachtet und veredelt. Das heißt, der Fisch wurde filetiert, halbiert oder je nach Art auch geräuchert angeboten. Jeden Donnerstag, Freitag und Samstag kamen Kunden teilweise von weit her, um den Fisch, ob Saibling, Forelle, Lachsforelle oder Karpfen aus dem Familienbetrieb Hiermann zu beziehen. Zum Leidwesen vieler Kunden sank die Nachfrage und Jochen Hiermann musste sich hauptberuflich umorientieren. Heute arbeitet er als Gerätewart bei der Rothenburger Feuerwehr und lebt mit seiner Familie seit 2012 im eigenen Haus. Aber es gibt ihn heute noch, den frischen Fisch aus der Region bei der Familie Hiermann. Statt selbst zu züchten, bezieht die Familie den verkaufsfertigen Lebendfisch (im Alter von drei Jahren) von regionalen Züchtern, die in der Hälterungsanlage der Hiermanns bis zu drei Monaten vor dem Verkauf gehalten werden. „In der neu renovierten Hälterungsanlage ist zudem eine Überwinterung der Fische möglich“, erläutert Ehefrau Andrea Hiermann. Durch den stetigen Bachwasserzulauf werden die Kiemen und Mägen der Fische durchgespült, sodass keine Schlammrückstände mehr vorhanden sind. Die Karpfensaison läuft von September bis April, in der einmal pro Woche geschlachtet wird. Die fränkische Delikatesse wird entweder einvakuumiert oder frisch bestellt und verkauft. „Für Ostern und Weihnachten behält sich die Familie ein zusätzliches Angebot von Saibling, Bach- und Lachsforelle in ganzer oder Filetform vor. Als speisefertige Fischsorte ist auch tiefgekühltes Zanderfilet oder geräuchertes Wallerfilet zu haben. „Die größte Nachfrage nach frischem Fisch im ganzen Jahr herrscht allerdings für den Karfreitag“, sagt Jochen Hiermann. Der Karpfen mit Kartoffelsalat zählt dabei wohl auch zu den Leibspeisen der Franken. Viele Stammkunden bestellen den Fisch einvakuumiert in verschiedenen Sorten, um jederzeit Fisch aus der Tiefkühltruhe parat zu haben. Ein besonderes Angebot sind die wunderbar dekorierten Fischplatten, die die Hiermanns für Hochzeiten, Konfirmationen, zu Geburtstagen, Jubiläen, zu Ostern und Weihnachten im Cateringverfahren liefern. Neben leckeren Rezepten in der Grillsaison gibt es die Möglichkeit, Grillfische zu bestellen. Auf Wunsch werden sie mit hauseigenen Gewürzmischungen zu einem Geschmackserlebnis. Wer auf Vorrat verschiedene Fischsorten als ganzen Fisch, in Filetform oder geräuchert vorbestellen möchte, findet alles Wissenswerte auf der Homepage unter: www.fischundmeer-rothenburg.de....

Entschleunigung

Ludwig Herz war neun Wochen wandern – dabei sind Gedichte entstanden „Ich wollte ganz bewusst einen Schnitt machen“, erzählt Ludwig Herz. Fast sein ganzes Berufsleben hat er an der Förderschule in Rothenburg verbracht – 21 Jahre davon als Schulleiter. „Das war mein Leben“, sagt er. Als zum Ende des vergangenen Schuljahres sein Wechsel in den Ruhestand anstand, war das nicht einfach für ihn. Als erfahrener Wanderer hat er schon früher stets in den Pfingstferien mit Freunden die Pyrenäen, Alpen oder die Region um dem Comer See erkundet. Diese Touren waren aber immer zeitlich begrenzt. Nun wollte er sich ohne Zeitdruck auf den Weg begeben. Fernwanderwege in der ganzen Welt standen zur Disposition, aber seine Wahl fiel auf den Fernwanderweg E3 durch das Balkangebirge. „Ich bin eher der vorsichtige Typ und wollte in Europa bleiben, aber eine Region erkunden, die ich noch nicht kannte“, erklärt er. Genau am 11. September, als für seine Kollegen in der Förderschule mit der ersten Konferenz das neue Schuljahr startete, ist Ludwig Herz in den Flieger nach Sofia in Bulgarien gestiegen. „Das habe ich bewusst so geplant“, sagt er. Wichtig war für ihn, diesmal alleine unterwegs zu sein und kein Rückflugticket zu haben. „Ich wusste nicht, wo ich am Ende sein werde“, erzählt er. Von Sofia ging es zum Berg Kom, dem Startpunkt des Fernwanderwegs. Gleich bei seiner ersten Übernachtung auf einer Hütte nahe dem Berg hat Ludwig Herz die außergewöhnliche Gastfreundschaft der Bulgaren erfahren, die ihn immer wieder begleiten sollte. Zeit, sich treiben zu lassen Seine geplante Strecke auf dem Fernwanderweg bis zum Kap Emine am Schwarzen Meer, insgesamt 650 km, erwies sich zu dieser Jahreszeit als schwierig. Teile der Hütte schließen im Spätherbst und so konnte Ludwig Herz nur rund 400 km in den Bergen wandern. Per Zug...

Innovative Lösungen

Automatisierung von „Winnovation“ Neue Ideen braucht das Land. Eine davon befindet sich gerade bei der Firma „Winnovation“ in Gallmersgarten in der finalen Phase. Gereift ist die Vision über viele Jahre im Kopf von Werner Huprich, dem Geschäftsführer von „Winnovation“. „Hi Bread“ ist ihr Name. Werner Huprich stammt aus der Gemeinde Ohrenbach. Nach der Ausbildung zum Werkzeugmacher hat er den Techniker und technischen Betriebswirt aufgesattelt. Sein Wissen ist fundiert. Beruflich hat er die Entwicklung der Backautomaten ab Beginn der 2000er-Jahre sowohl als Praktiker im Aufbau und Service als auch in leitender Funktion in der Planung erlebt. „Ich dachte immer, da muss es bessere Lösungen geben“, erinnert er sich. Als engagierter Techniker und Tüftler hat er etwa sechs Jahre an seiner Idee gefeilt und dann das Patent für „Hi Bread“ angemeldet. Nun war es so weit und die Idee sollte Wirklichkeit werden. Er hat 2018 eine Firma gegründet und im Jahr 2020 die Halle in Gallmersgarten gekauft. Entwicklungen in dieser Dimension sind sehr kostenintensiv und geht das Produkt dann in Serie, muss einfach ein Global Player der Branche mit im Boot sein. „Große Hersteller sind schon auf unsere Idee aufmerksam geworden“, erinnert sich Huprich. Die Wahl fiel dann auf die Firma Wiesheu. Seit vergangenem Jahr gehört „Winnovation“ zur Wiesheu Gruppe. Wiesheu ist einer der führenden Hersteller von Backöfen für den Ladenbereich. In der Folge kam noch die Firma Wachtel dazu, die Öfen für Bäckereien herstellt. Durch die Geschäftsfelderweiterung entstanden Synergieeffekte: Die großen Firmen haben lange Erfahrung und Kompetenzen in Technik und Anforderung des Backvorgangs und „Winnovation“ bringt die Automatisierungstechnik, clevere Ideen und eine schnelle Umsetzung durch flache Hierarchien eines jungen Unternehmens mit. Flexibel für alle Anforderungen Werner Huprich hat schon vor Jahren gesehen, dass die Automatisierung des Backprozesses mehr leisten kann als bestehende Backautomaten bieten. „Hi...