Win-win-Situation

Bufdis in Oberscheckenbach nicht wegzudenken Wer weiß schon genau, wo der berufliche Weg nach dem Schulabschluss hingehen soll. Was kann ich eigentlich und wo gehöre ich hin? sind Fragen, die jeden Schulabgänger beschäftigen. Die erste und nicht unbedingt schlechteste Idee ist ein Praktikum in verschiedenen Berufszweigen. Zeit sinnvoll nutzen Aber es gibt auch noch eine andere Option: Unter dem Motto „Zeit das Richtige zu tun“ bietet das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben“ den sogenannten „Bundesfreiwilligendienst (Bufdi) an. Menschen jeden Alters, Geschlecht und Herkunft können sich in Leerlauf- und Übergangszeiten bis zum Studium, Beruf oder nach Elternzeiten für einen Zeitraum von sechs bis 24 Monaten im sozialen, kulturellen oder ökologischen Bereichen engagieren. Die freiwilligen Helfer sind sozialversichert, erhalten ein Taschengeld und werden durch kostenlose Seminare und Weiterbildungen professionell begleitet. In Blockunterrichtswochen werden gesellschaftspolitische Themen behandelt, Erfahrungen unter den Bufdis ausgetauscht und durch Einsätze die Empathie z. B. für behinderte Menschen geweckt. Meist wird das Angebot von jungen Menschen zur beruflichen Orientierung oder in Leerlaufzeiten genutzt. In der Grundschule in Oberscheckenbach sind die Bufdis nicht mehr wegzudenken. „Für uns ist die Unterstützung eine Win-win-Situation. Auch die Kinder mögen unsere Bufdis sehr“, betont Gudrun Hartl, Direktorin der Schule. Die langjährige Pädagogin legt großen Wert darauf, dass die meist jungen Menschen selbstständige Aktionen durchführen. Dabei stehen Lehrkräfte und Mitarbeiter mit ihrem Fachwissen zur Seite. Verschiedene Gründe Gudrun Hartl setzt bei den Bufdis auf „Trauen und Zutrauen“ und motiviert durch Zusammenarbeit auf Augenhöhe mutig zur Tat zu schreiten. Eigenverantwortlich Projekte zu entwickeln und durchzuführen und gleichzeitig den Berufsalltag zu stemmen, stellt für die jungen Leute eine ungewohnte Herausforderung dar. Anna Reihs aus Rothenburg ist 24 Jahre alt und wollte die Zeit bis zur zweiten Hälfte ihres Studiums für Angewandte Bewegungswissenschaften und Deutsch sinnvoll überbrücken. „Ich wurde von Anfang...

Nahe am Menschen

Martin Rohn nimmt mit kreativem Gesang Missgeschicke des Lebens aufs Korn Gasthaus, Gülle und frische Landluft haben seine Kindheit geprägt. Martin Rohn war noch nie ein Kind von Traurigkeit und hatte jede Menge Freiraum seinen Wünschen und Träumen freien Lauf zu lassen. Aufgewachsen ist der pfiffige, kleine Mann mit Hut (Bild im ROTOUR-Heft) auf dem elterlichen Bauernhof mit Gasthof in Erzberg in der mittelfränkischen Gemeinde Wörnitz. „Meine Oma hat mich, während der Stallzeiten versucht mit einem Kälberstrick zu meiner Sicherheit festzubinden, aber ich war nicht zu halten und konnte meiner Wege gehen,“ erinnert er sich an die „Bühne“ seiner Kindheit. Heute, mit 48 Jahren, hat er seine Freude als Liedermacher gefunden. Gaststube als erste Bühne Damals in den 70er Jahren waren wir Jungs jeder in jedem Verein. Zum Fußballverein, dem Posaunenchor, der Landjugend kam später auch noch die Freiwillige Feuerwehr hinzu. Beruflich begann Rohn nach der Fachoberschule eine Ausbildung zum Bankkaufmann. „Banker haben nicht mit den Leuten umgehen können,“ beobachtete Rohn die Zeit hinter dem Schalter in Rothenburg. Ihm war immer daran gelegen, dem Kunden zu einer sicheren Finanzlage zu verhelfen. So wenig ihm das Bankerleben gefiel, umso mehr fand er in dieser Zeit die Anfänge seiner musikalischen Laufbahn in der Berufsschule. Angeregt durch Landjugendfreizeiten mit Musizieren am Lagerfeuer wünschte sich Rohn Gitarre zu lernen. Dabei kam ihm sein Berufsschullehrer Andreas Bachmann gerade recht. Er war Bassist und Sänger bei Redwood, der bekannten Rothenburger Bluegrass Band. „Mit ihm kaufte ich meine erste Gitarre in Ansbach,“ erzählt er heute und ist immer noch dankbar für die ersten Unterrichtsstunden. Der traut sich was „Mich hat es schon immer auf die Bühne gezogen,“ erzählt der Mundartkünstler. Schon in der vierten Klasse gab er seine Theaterkünste zum Besten und im Breitwieser Fußballfasching war er auch ein Spaßfaktor für...

Innovativ

Neues Projekt: Bärlauch und Öl „Was wächst denn gerade und was bringe ich an neuen saisonalen Gerichten auf den Tisch?“, fragt sich Christoph Rother, Geschäftsführer im Reichsküchenmeister, einer der angesagtesten Hotelrestaurants am Platz. In Zeiten der Coronakrise bleiben seine Gästetische leer. Bei einem Spaziergang durch den Wald zu Rothers Geheimort an dem frischer Bärlauch wächst, strömt ihm beim Näherkommen bereits der feine knoblauchähnliche Duft entgegen. Da kam er auf eine Idee. Im August 2018 stand der junge Landwirt und Inhaber der Ölmanufaktur-Kreiselmeyer aus Lohr, Tobias Kreiselmeyer vor seiner Tür und bot ihm eine Auswahl an Speiseölen wie Lein-, Hanf,- Raps- und Leindotteröl aus eigener Produktion mit hochwertigen ungesättigten Fettsäuren an. Was dem jungen Geschäftsmann heute zugute kommt, sind die weitreichenden Erfahrungen seines 90-jährigen Großvaters, der sich mit dem Anbau von Ölpflanzen hervorragend auskennt. Seither verwendet Rother das Rapsöl für Salatdressings und das Bärlauchpesto. Rother schlug Kreiselmeyer ein neues Projekt vor, geboren in der neu gewonnenen Zeit durch die Coronasituation. Ein neues Pesto, kreiert in der Küche des Reichsküchenmeisters aus frisch geerntetem Bärlauch und Rapsöl vom Hofe Kreyselmeyer sollte es sein. Die beiden kreativen Köpfe produzierten innerhalb von sieben Tagen das fertige Bärlauchpesto mit eigens gestaltetem Etikett aus dem Hause Kreiselmeyer. Innerhalb von drei Wochen standen 900 Gläser zum Verkauf zur Verfügung. Nicht ganz, denn so viele wird es nicht mehr geben, weil das Produkt große Anerkennung bei den Stammkunden der Ölmanufaktur und auf dem Rothenburger Bauernmarkt findet. Seit circa drei Wochen ist Kreiselmeyer mit seinen heimischen Produkten in einem Online-Shop präsent. Schon vor Ostern lief der Absatz von fertigen Menüs zum Abholen sehr schleppend. Passend zu den Osterfeiertagen stellte Rother Festtagsmenüs zum Ausliefern zusammen. Er setzte auf die dazugehörigen Ostertorten ein Schaf namens „Cora“ und das Häschen „Carlo“, natürlich mit Atemschutzmaske und Klorolle, passend...

Ein Visionär

Gerold Wolfarth: Vom Bauernjungen zum internationalen Unternehmer „Du kannst alles im Leben erreichen, wenn du es wirklich willst“ – ein Satz, den Gerold Wolfarth mit Nachdruck sagt. Er ist CEO der „bk Group“ in Endsee: Chef von 200 Mitarbeitern in 27 europäischen Ländern. Aber er ist auch ein Bauernjunge aus Archshofen. Wolfarth hat 2019 ein Buch geschrieben. „Gewinn ist nur ein Nebenprodukt“ heißt der Titel, „Wie Sie unternehmerischen Erfolg und ein erfülltes Leben in Einklang bringen“ die Unterzeile. Also genau das, was eigentlich alle wollen. Erfolg durch Einklang Er benennt dafür sechs Lebensbereiche – Beruf, Finanzen, Familie, Gesundheit, Persönlichkeitsentwicklung und Freizeit – die in Einklang sein müssen. Nur so stellen sich für ihn dauerhaft Zufriedenheit und Erfolg ein. Den Weg dahin ebnet er dem Leser mit zehn Leitlinien. Alle völlig logisch, nachvollziehbar und verblüffend einfach. Trotzdem klappt’s nicht bei allen. Was ist also anders bei ihm? Gerold Wolfarth, blaues Hemd, dunkle Jeans, lässiger Haarschnitt und wacher Blick, sitzt entspannt am Besprechungstisch in Endsee. Hinter ihm ist ein wandgroßes Fenster mit unverbautem Blick über die fränkische Landschaft. Vor ihm liegt sein Buch. Das hat er nicht nur im kleinen Kreis auf der Zugspitze, sondern auch beim sogenannten „Gipelstürmer“- Event in Wiesbaden vorgestellt. Vor 250 Menschen hat er von seiner Kindheit erzählt. Von brutaler Missachtung und fehlender Liebe. Eine atemlose Stille hat den Raum erfüllt. Er hatte einen schwierigen Start ins Leben und ist dennoch erfolgreich. „Ich habe mich ganz bewusst für den Weg der Liebe und Menschlichkeit entschieden“, sagt er. Irgendwie scheint Gerold Wolfarth übernatürliche Kräfte zu haben. Der Mann ist erfolgreicher Unternehmer, Familienvater, hat dreimal den Ironman in Roth bezwungen, ist Vegetarier, setzt auf Nachhaltigkeit, fährt einen Tesla, hat 14 Elektroautos (Tendenz steigend) im Fuhrpark seines Unternehmens, wo sich alle Mitarbeiter duzen (auch mit...

Lobby für Kinder

Ortsgruppe des Kinderschutzbundes Die Kinder sind unsere Zukunft. Eine Tatsache, die sicher breiten Zuspruch findet, aber auch eines entsprechenden Schutzes bedarf. Seit 1953 gibt es den Deutschen Kinderschutzbund (DKSB), der schon Ende des 19. Jahrhunderts einen Vorgängerverband hatte. Der DKSB ist in 16 Landesverbänden und über 400 Ortsverbänden organisiert. Seit 2018 gibt es auch einen Ortsverband für Bad Windsheim und Rothenburg. Die Initialzündung dafür hatte Prof. Dr. Hermann Heidrich, der damals Präsident des Rotary-Clubs Rothenburg war. Der Vortrag einer Mitarbeiterin des DKSB war ihm in Erinnerung geblieben und er sah die Notwendigkeit, die Region Rothenburg-Bad Windsheim für das Thema zu sensibilisieren. Gesagt, getan: am 12. November 2018 wurde der gemeinnützige Verein gegründet. „Schon bei der Gründungsversammlung hatten wir 30 Mitglieder“, so Heidrich, Vorsitzender des Vereins. Ebenfalls von Beginn hat sich Walter Först engagiert, ehemaliger Direktor des Reichsstadtgymnasiums in Rothenburg. Mit in der Führungsriege des Vereins ist ein Kinderarzt, eine Rechtsanwältin und Apotheker Dr. Benedikt Stegmann. In einem guten Jahr haben die Verantwortlichen nicht nur eine solide Basis aufgebaut, sondern haben eine eigene Homepage realisiert (www. kinderschutzbund-bwro.de), machen mit Flyern und Plakaten auf den Verein aufmerksam und haben rund 8 000 Euro Vereinsvermögen anhand von Spenden und der Anfangsfinanzierung des Rotary-Clubs generiert. Denn wer Gutes tun will, braucht neben Mitstreitern eben auch Geld. Das erste große Projekt der Ortsgruppe war die Finanzierung und Installation von Gewaltpräventionskursen unter dem Titel „Power Kid“. Die Sozialpädagogin Larissa Rupp und der Gewaltpräventionstrainer Julian Woik bieten in insgesamt zehn Klassen an vier Grundschulen in Rothenburg, Gebsattel, Oberscheckenbach und Bad Windsheim ihr Kursprogramm zur Aufklärung über sexuelle Gewalt an. Des Weiteren plant die Ortsgruppe an Gymnasien in Zusammenarbeit mit „Condrobs“, einem überkonfessionellen Träger, Suchthilfe anzubieten. Walter Först sieht durch seine langjährige Erfahrung als Pädagoge einen vermehrten Bedarf im Schutzbedürfnis der Kinder vor...

Den Umschwung gemeistert

Oberbürgermeister Walter Hartl verabschiedet sich nach 14 Jahren Oberbürgermeister Walter Hartl führt seit 14 Jahren die Geschicke der Stadt Rothenburg. Wir treffen ihn im Januar zum Interview in seinem Büro im Rathaus: ein modernes Gemälde an der Wand, ein Schreibtisch voller Arbeit, dahinter der historische Erker. Fenster zu zwei Seiten. Walter Hartl hat das Zentrum der Stadt im Blick. Am 15. März sind OB-Wahlen. Walter Hartl tritt nicht mehr an. Der Wahlkampf läuft gerade auf Hochtouren, daher gibt es keine Fragen zu den Kandidaten. Herr Hartl, Sie kandidierten 2006 parteiunabhängig für das Oberbürgermeisteramt. Damals waren sie Stadtoberverwaltungsrat in Heilbronn. Können Sie sich noch an den 12. März 2006 erinnern? Ja, das war der erste Wahlabend und ich war positiv überrascht, dass ich mit neun Stimmen Vorsprung in die Stichwahl kam. Meine Mitbewerber waren ja der Meinung, ich würde ausscheiden. Wie haben Sie die Stichwahl zwei Wochen später erlebt? Daran kann ich mich noch gut erinnern. Der erste Wahlkreis der ausgezählt wurde, war Bettenfeld. Da gab es einen sehr großen schwarzen Balken für meinen Mitbewerber und einen kleinen roten Balken. Das waren die Stimmen für mich. Meine Frau meinte dann, es ist jetzt wohl besser wir gehen, und ich habe geantwortet, das schlimmste liegt hinter uns. Mit der Auszählung der anderen Wahlkreise haben sich die Verhältnisse dann verschoben. Wie hat sich ihr Sieg angefühlt? Das war erstmal ein sehr schönes Gefühl. Man hofft ja, dass man die Wahl gewinnt, sonst würde man sich ihr nicht stellen. Auf der anderen Seite braucht es etwas Zeit, bis man das Ganze realisiert. Die persönliche Freude kommt zeitversetzt. Was hat sie damals motiviert zu kandidieren? Wer sich für das Oberbürgermeisteramt interessiert, möchte sicher gestalten und hat gerne mit Menschen zu tun. Da ich gebürtig aus Wangen im Allgäu bin, auch eine historische Stadt, und ein Faible für denkmalgeschützte Altstädte habe, ist Rothenburg natürlich das i-Tüpfelchen. Wenn Sie nach 14 Jahren im Amt Bilanz ziehen, was sehen Sie als ihre größten Erfolge an? Ich glaube, ich kann zufrieden sein mit den Maßnahmen und Dingen, die ich umgesetzt habe. Ganz wichtig scheint mir, dass wir den Umschwung geschafft haben. Zu Beginn meiner Amtszeit, bis ins Jahr 2013, waren die Bevölkerungsprognosen negativ. 2011/12 stellte sich noch die Frage, wie lange braucht es, bis Rothenburg unter die 10 000 Einwohnergrenze abrutscht. Diesen Umschwung haben wir geschafft. Die Bevölkerungszahl wächst wieder, was deshalb sehr wichtig ist, da sich sonst die Frage stellen würde, welche Infrastruktur kann sich die Stadt leisten. Immer weniger Menschen müssten das dann bezahlen. Wir hatten eine sehr gute Infrastruktur und diese noch weiter auszubauen, scheint mir gelungen zu sein. Können Sie da ein Beispiel geben? Wir haben Bauplätze geschaffen. Das hat Zeit gebraucht, denn wir mussten Grundstücke ankaufen. Wir waren auf Zuzug von außen angewiesen und haben Rothenburg als interessanten Wohnort bekannt gemacht. Es ist uns gelungen den Wirtschaftsstandort zu stärken. Wir haben mit Abstand die meisten sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten im Landkreis. Große Unternehmen konnten sich hier erweitern. Teknor Apex hat sich hier angesiedelt. Wir haben die Wirtschaftsmesse und Berufsinfotage eingeführt, den Bildungsstandort mit der Sekundarstufe Montessori Schule und dem Campus Rothenburg gestärkt. Auch der Tourismus hat zugelegt. Zu Beginn meiner Amtszeit hatten wir etwa 420 000 Übernachtungen, 2019 waren es 560 000. Das alles ist aber keine Einzelleistung, sondern gemeinsam mit dem Stadtrat gelungen. Verwaltung, Stadtrat und Wirtschaft sind eng verzahnt. Gibt es auch etwas, das Sie noch gerne realisiert hätten? Ja, das gibt es. Seit mehreren Jahren arbeite ich gemeinsam mit den Bürgermeistern im Umland an einem Rufbussystem. Das Landratsamt war bisher etwas zurückhaltend. Durch die Diskussion über den Klimawandel und die Stärkung des Nahverkehrs im ländlichen Raum bin ich aber zuversichtlich und hoffe, dass meine Nachfolgerin/mein Nachfolger in dem Punkt auch Erfolg hat. Wie sieht die Arbeitsbelastung eines Oberbürgermeisters aus? Wenn ich es kurz formulieren darf, es wird nicht langweilig und man hat wenig Zeit für Privates. Wie viele Abendtermine haben Sie? Teilweise bis zu fünf...