Bewegende Eindrücke

Hans Stamminger entdeckte im Urlaub sein Herz für die griechische Region Mani Ein Urlaub in der griechischen Region Mani, die bis zur Südspitze des Festlandes reicht, hinterließ bei Hans Stamminger und Frau Ilse aus Colmberg einen bleibenden Eindruck. Kleine Bergdörfer mit nur wenigen Einwohnern und Städte, in denen es an Arbeitsplätzen mangelt, lässt die jungen Griechen das Weite suchen. Übrig bleiben die immer älter werdenden Menschen, die versuchen, ihr Leben in Armut zu meistern. Waldbrände und die immer wiederkehrenden „Medicane“-Stürme machen den Einwohnern zusätzlich das Leben schwer. Genau das ist es, was den beiden nicht mehr aus dem Kopf ging. Hans Stamminger organisierte als ehemaliger Vorstandsvorsitzender verschiedenster Vereine über mehr als 27 Jahre leidenschaftlich Gruppenreisen. Auf einer Busfahrt nach Griechenland lernte er die Archäologin, Historikerin und Buchautorin Dr. Waltraud Sperlich kennen. Beide fanden ein Herz für die Region und krempelten die Ärmel hoch, um den Menschen unter die Arme zu greifen. Längst wieder im geeinten Deutschland zurück, bat Waltraud Sperlich um eine Lebensmittelspende für das Kloster Metamorphosis in Kalamata. Insbesondere die Gemeinde West Mani sowie das Städtchen Gythion und Kalamata gehören heute zu den Wirkungsstätten der losen Helfervereinigung mit Namen „Mani-Freunde“. „Ich kenne Vereinsarbeit mit den vielen Regelungen und Satzungen nur zu gut. Der Aufwand ist mir zu groß“, sagt Hans Stamminger heute. „Wir wollen den Menschen auf möglichst unkomplizierte Weise helfen und nichts weiter“, fährt der erfahrene „Vereinsmeier“ fort. Gemeinsam mit dem Kloster Metamorphosis und der deutschen Selbsthilfeorganisation GAIA (Gegen Armut im Alter) organisieren die Stammingers und Waltraud Sperlich Hilfsprojekte und Sachspenden, die ausschließlich auf Anfrage umgesetzt werden. Den Aufbau einer Freiwilligen Feuerwehr und eines eigenen Rettungsdienstes als Hilfe zur Selbsthilfe durch die GAIA-Organisation ist den Colmbergern ein besonderes Anliegen. Aber nicht nur das: die Völkerverständigung und das gegenseitige Kennenlernen beider Kulturen ist ein wesentlicher Aspekt der mittlerweile achtjährigen Beziehung zwischen Griechen und Deutschen. Hilfe vor Ort Die insgesamt 25 Mani-Freunde im Alter von 23 bis 73 Jahren legen größten Wert darauf, dass jeder Cent, der im Landkreis Ansbach und Neustadt an der Aisch gesammelten Spenden, den Bedürftigen zugute kommt. Jeder der Helfer nimmt jeweils Urlaub und bestreitet die Kosten für die Reise, Unterkunft und Verpflegung aus der eigenen Tasche. Kurz vor der Abreise verwandelt sich die Garage der Stammingers in eine Packstation. Jede Schachtel wird mit Menge, Inhalt und Bestimmungsort beschriftet, auf Paletten gestapelt und ein weiteres Mal gekennzeichnet. „Wenn wir nicht selbst vor Ort sind, werden die Paletten nach Ankunft an einer zentralen Stelle gesammelt und von den Mönchen oder den GAIA-Helfern verteilt“, erklärt Stamminger die Vorgehensweise der Spendenausgabe. Vorher hat er natürlich eine exakte Liste mit Art und Menge der Spenden erstellt, die vor Ort nach Empfang unterschrieben wird. Die Mönche kennen die Nöte der Menschen und haben genaue Kenntnis darüber, was gerade gebraucht wird. Jedes Jahr im Juni fahren die Colmberger Mani-Freunde mit Sach- und Geldspenden in die griechische Region. Auf dem Bauernmarkt in Kalamata kaufen sie eigenhändig Früchte und Gemüse, die dann durch die Mönche an die Armen persönlich verteilt werden. Für die Armenbewirtung im Kloster selbst konnten die engagierten Freunde Bänke für den Speiseraum spenden. Unterstützung der Kranken Großen Bedarf gibt es auch an medizinischen Artikeln, da es in Griechenland keine Krankenversicherung gibt. „Es gibt selbst organisierte Krankenstationen auf Spendenbasis, wo Hilfebedürftige ärztliche Versorgung finden“, erzählt der Gründer der Mani-Freunde. Die Ehefrau (Diakoniemitarbeiterin) eines ehemaligen Arbeitskollegen Stammingers sammelt Inkontinenzmaterial, das die Angehörigen Verstorbener noch übrig haben. Rollstühle, Gehhilfen, Hygieneartikel aber auch Schulmaterial, Babynahrung und Windeln werden in Altenheimen und unter 120 Familien in der Mani-Region verteilt. Mit einer Geldspende wurde die Installation von Klimageräten im Altenheim unterstützt und im Jahr 2017 haben deutsche und griechische Helfer sogar eine Feuerwehrhalle mit einer Fläche von 180 m2 gemeinsam aufgebaut und durch Mani-Spenden zu 100 Prozent finanziert. Das Material für die Halle stammt aus Deutschland, weil die Kosten trotz Transport insgesamt günstiger waren. Die Feuerwehr der GAIA-Organisation hat Schläuche, Stiefel, einen Unimog, Notstromaggregate, 120 Bierzeltgarnituren...

Ein reisendes Herz

Brigitte Christine Trautmann-Keller ist Schaustellerin mit Leib und Seele Manche Menschen haben es und manche leider nicht. Die Rede ist von Lebensfreude. Brigitte Christine Trautmann-Keller scheint darauf programmiert zu sein. „Ich bin in siebter Generation Schaustellerin“, erzählt sie, „und Schausteller sind Überlebenskünstler.“ Aktuell haben es ihr die süßen Sachen angetan und sie ist mit ihrem Süßwarenstand auf dem Marktplatz und den Rothenburger Messen und Märkten anzutreffen. In Rothenburg ist sie außerdem als offizielle „Märchentante“ bekannt. Ein Titel, der ihrem Engagement nicht ganz gerecht wird. Vom betulich Tantenhaften ist sie meilenweit entfernt. „Ich bevorzuge Märchenautorin oder -erzählerin“, sagt sie selbstbewusst. Vielseitig aufgestellt Brigitte Christine Trautmann-Keller lebt mit ihrem Mann Willi Keller in Hartershofen. Etwa 13 Jahre haben sie mitten in Rothenburg im Sulzengässchen gelebt. In Hartershofen haben sie nun nicht nur ihr neues Zuhause, sondern auch Raum für ihr Schaustellerequipment gefunden. Ein Wohnwagen, Stände für Süßwaren, die Angelbude oder ein historisches Karussell sind die Grundlage ihrer Selbstständigkeit. Willi Keller ist ein „Privater“. So nennen die Schausteller ihre Partner, die branchenfremd dazustoßen. Hätte Corona die Welt nicht erfasst, wären sie seit März von Messe zu Messe und Fest zu Fest gereist. „Wir haben 90 Prozent unseres Umsatzes verloren“, erklärt Willi Keller, der mittlerweile ebenso leidenschaftlicher Schausteller ist wie seine Frau. Die beiden könnten also betrübt sein. Sind sie aber nicht. Das Schaustellerblut in den Adern von Brigitte Christine Trautmann-Keller ist krisenerprobt. Auf dem heimischen Küchentisch breitet sie ihre Fotoschätze aus. Bilder auf Blechplatten von Männern in dunklen Anzügen, eine Gruppe Arbeiter vor einem Wohnwagen, ihr Großvater vor einer der ersten Panoramen – ein Blick in vergangene Zeiten. Um die Jahrhundertwende war ein Foto etwas sehr wertvolles und Brigitte Christine Trautmann-Keller legt sie in Hülle und Fülle auf den Tisch. Familie mit neuen Ideen „Mein Urgroßvater brachte...

Mias Hühnerfarm zieht Menschen an

Bei der Familie Kohlmüller in Creglingen dreht sich alles um die gefiederten Freunde Wie oft hören Eltern von ihren Kindern: „Ich will ein Tier“. Der Familie Kohlmüller aus Creglingen ging es nicht anders. Sie verbrachten ihren Sommerurlaub 2019 in Dänemark. Dort gab es ein Hühnergehege. Mia war begeistert und half beim Misten, Eier sammeln und Füttern mit und war nicht mehr wegzubringen von dem fröhlichen, bunten Federvieh. Wieder zu Hause angekommen, lief die damals 9-Jährige in die Bücherei im Creglinger Romschlössle. „Ein Buch über Hühner musste her“, dachte sich die auch sonst rege Büchereibesucherin. Evelyn Gillig (Büchereileiterin), sah Mia in der Sachbuchabteilung für Tiere zielstrebig das Fachbuch mit dem Titel „Hühner in meinem Garten“ herausziehen. Stunde um Stunde studierte Mia die Hühnerkunde über Rassen, Haltung und Gehegebau – oft bis über die Öffnungszeiten hinaus. Der Wunsch nach einem eigenen Gehege mit einer kleinen Schar Hühner und eventuell einen Hahn im Korb ging ihr nicht mehr aus dem Kopf. Vater Kohlmüller wurde von seinen beiden Frauen überzeugt und baute ganz nach Anleitung ein Haus, eine kleine Bruthütte und einen Futterplatz mit Dach. Auf dem Hühnermarkt in Creglingen wurde Mia fündig. Die ersten Tiere waren nur braun und weiß. Innerhalb kürzester Zeit wurde das Gehege zu klein und es kamen Grünleger, Sperber und Sussexhühner hinzu. Ihr Lieblingshuhn ist ein Haubenhuhn. Die „Hühnermama“ hatte mit der Zeit zu viele Eier und ging von Tür zu Tür, um sie zu verkaufen. So auch bei Evelyn Gillig, die in ihrer Bücherei oft Kreativworkshops „wie es im Buche steht“ anbietet. Auf dem neuen Regionalmarkt in Creglingen fand sie bebenfalls Abnehmer für die bunten Eier ihrer besonderen Rassen. Mia hat aus Büchern so viel über Hühnerhaltung gelernt, dass sie mit Führungen im Kinderferienprogramm aufgenommen wurde. Die Aktion fand großen Anklang sodass die Tauberzeitung, das SWR-Fernsehen und am Ende auch noch das Rotour-Magazin über die Hühnerfarm berichteten....

Der andere „Buchmacher“

Günther Emig: Verleger mit besonderen Eigenschaften und Kleist-Kenner Überall sind Bücher. Neben dem Eingang hüfthoch gestapelt und fertig zum Verschicken in Kartons verpackt, fein sortiert in Regalen, überschwänglich auf Tischen gelagert oder griffbereit neben dem Sofa. Dazwischen: Günther Emig. Ganz anders als der gemeine Buchmacher setzt er mit all den beschriebenen Seiten nicht auf die Vermehrung seines pekuniären Einsatzes. Er ist Herausgeber, Verleger, Korrekturleser, Typograf, Layouter, Vermarkter und sein eigener Laufbursche in Einem. Sein Verlag heißt „Günther Emigs Literatur-Betrieb“. Die Ironie darin ist Absicht: Als Ein-Mann-Betrieb realisiert er, wozu sonst die Betriebsamkeit einer ganzen Branche nötig ist. Für ihn schreiben die Autoren allesamt ohne Honorar. „Ich beute mich aus und auch Andere“, sagt er lachend. Markante Wortspiele, die eines im Sinn haben: Bleibendes zu schaffen. Ohne sein Engagement als Verleger hätten diese Autoren keine Öffentlichkeit. Günther Emig macht nur die Bücher, die er für wichtig hält. Besonders schöne, mitunter in Leinen gebunden. Das ist die Art von Literatur, die sich Liebhaber gönnen. Davon wird bekanntlich keiner reich. Seit etwa 20 Jahren lebt Emig im Prinzessinnenhaus zu Niederstetten. Bei einer Autorenlesung in Heilbronn hat er Gertrud Zelinsky kennengelernt. Zelinsky ist eine Großcousine des Dichters Stefan George und hat zwölf Bücher geschrieben, darunter „Kein Grund zur Panik. Leben und Lieben der reifen Frau“ (1989), das es auf die Bestsellerliste schaffte. „Ich habe Gertrud Zelinsky nach der Lesung damals in Niederstetten besucht und bin geblieben“, erzählt Günther Emig. Zu dieser Zeit war er Direktor des Kleist-Archivs Sembdner in Heilbronn. Helmut Sembdner, ein bedeutender Kleist-Forscher, hat Teile seiner Sammlung der Stadt Heilbronn verkauft. Günther Emig, der seit 1982 erst als stellvertretender Leiter, dann als Direktor die Stadtbücherei Heilbronn leitete, wurde Ende 2000 der Chef des Kleist-Archivs. Nische in der Forschung Das Kleist Achiv Sembdner gehörte neben der Kleistgesellschaft und dem Kleistmuseum Frankfurt (Oder) zu den drei bedeutenden Anlaufstellen in der Forschung rund um den Dichter und Schriftsteller Heinrich von Kleist. Günther Emig musste kreativ ans Werk gehen, um sich mit dem Archiv in der renommierten Kleistforschung zu etablieren. „Ich habe vorwiegend auf die Bibliografie gesetzt“, so Emig. Über 10 000 Werke hat er erfasst und 167 Veröffentlichungen in 19 Reihen realisiert. Emig hat noch andere Maßeinheiten dafür parat: Er hat drei laufende Meter Bücher zu Kleist produziert. Und zusammen mit den übrigen Veröffentlichungen „ein ganzes Billy-Regal voll“, sagt er und lacht. Kleist in Ikea. Das hat was. Der renommierte Ruf des Kleist Achivs Sembdner unter der Leitung von Günther Emig hat sich aber nicht nur auf die gedruckten Publikationen bezogen. Emig hat neben seinem Faible für Worte in der analogen Welt auch eine Leidenschaft für Buchstaben und Ziffern in der digitalen Welt. Bereits Ende der 80er Jahre hat er als klassischer Tüftler den Computer entdeckt. „Immer mit dem Hintergedanken, wie kann ich damit Bücher herstellen“, erklärt er. Anfang der 90er hat er dann das Internet erkundet. „Bereits 1996 habe ich die Kleist-Bibliografie ins Internet gestellt“, erinnert sich der Bibliothekar. Programmiert hat er damals alles selbst, denn die Stadt Heilbronn war noch weit entfernt vom eigenen EDV-Fachmann. „Das Internet hat das Kleist-Archiv dann bekannt gemacht“, so seine Einschätzung. Literarische Anfänge Die ganzen Jahre über ist Emig täglich vom Prinzessinenhaus hoch über Niederstetten bis nach Heilbronn ins Sembdner Archiv gependelt. Seit zwei Jahren ist er nun im Ruhestand. Sein Tag ist deswegen aber nicht geruhsamer geworden. Schon in den 70er Jahren hat er einen Verlag gegründet, der sich der literarischen Subkultur widmete. Im Milieu der alternativen Autoren war er bestens vernetzt: Er hat bei Hadayatullah Hübsch, dem experimentellen Beat-Dichter übernachtet, kennt Wolfgang Fienhold, der den Roman zur „Flambierten Frau“ geschrieben hat, und ebenso den Schriftsteller und erfolgreichen Drehbuchautor Frank Göhre. Gemeinsam mit Benno Käsmayr war Günther Emig mit Deutschlands jüngstem Verlag auf der Buchmesse. Die Zeit war bekanntlich wild. Damals hat Emig Germanistik und Politikwissenschaft in Heidelberg studiert. Er stammt aus einem kleinen Dorf im Odenwald. „Ich war der einzige im Ort, der ins Gymnasium ging“,...

Auf Eroberungskurs

Die Newcomerband „Conclusion of an Age“ wird offiziell gefördert „Wenn man bei den Großen mitspielen will, dann muss man ebenso professionell arbeiten“, sagt Kevin Di Prima. Di Prima ist der Sänger der fünfköpfigen Band „Conclusion of an Age“. Alle fünf sind Rothenburger und voll engagiert. Sie sind auf dem besten Weg, sich als Band im hart umkämpften Musikgeschäft einen festen Platz zu erobern. Ihre Band „Conclusion of an Age“ haben sie im Jahr 2014 gegründet und seit 2015 spielen sie in der aktuellen Formation. Schon 2017 haben sie ihr erstes und einziges Album veröffentlicht und ein Jahr später schon einen der begehrten Auftritte auf dem Taubertal-Festival bekommen. Ein super Start also. Dann kam ein Moment des Innehaltens. „Wir haben uns gefragt, wo wir als Band hinwollen und was für Musik wir glaubhaft machen können“, erzählt Julian Kaiser. Gemeinsam mit Kevin Di Prima (und beim neuesten Song auch mit Michael Kaiser) ist er für die Songtexte und die Musik zuständig. Die musikalische Neuerfindung der Band hat dann auch gleich eingeschlagen. Der erste neue Song „Empire of Clouds“ kam gut an, noch besser das Musikvideo, das innerhalb weniger Tage 12 000 Klicks auf Youtube hatte. Ende Juli hat die Band dann ihre zweite Single mit Video veröffentlicht. „Black Door“ hatte innerhalb von zehn Tagen über 15 000 Klicks. Fans aus Portugal, Brasilien und USA schicken begeisterte Kommentare. Der Radiosender „Hellfire-Radio“ in den USA spielt die Songs der Band. Da die Bandmitglieder mittlerweile aufgrund des Studiums in unterschiedlichen Städten leben, ist die gemeinsame Zeit für Proben selten. Und außerdem hat Corona das Seine dazugetan. „Wir skypen jeden Sonntagabend“, erklärt Di Prima. Jeder hat seinen eigenen Verantwortungsbereich und alle sind gleich motiviert. „Wir wollen aus dem Pool der Bands herausstechen“, formuliert es Kevin Di Prima. Daher legen die Musiker nicht nur besonderen Wert auf ihre Texte, die fernab von klischeehaften Themen die Facetten des zwischenmenschlichen Verhaltens reflektieren. Dabei soll jeder Zuhörer seinen eigenen Zugang zum Thema finden. „Das ist ein langwieriger Prozess“, erklärt Julian Kaiser. Ebenso detailreich ist die Musik der Band. Sie sehen sich in keiner bestimmten Schublade, sondern wollen einen eigenen Stil und Wiedererkennungswert definieren. Es kann bis zu einem Jahr dauern, bis die Demoversion eines Songs steht und die Band ins Studio geht. Auch hier, Professionalität steht an oberster Stelle. Etwa vier Studiotage, verteilt auf Wochenenden, damit dazwischen Zeit zur Reflexion bleibt, müssen sein. Und dann geht es an den Videodreh. War bei „Empire of Clouds“ noch ein harter Körpereinsatz zu sehen, so sind bei „Black Door“ fast surrealistische Elemente eingezogen. Das aktuelle Video wurde von Alexander Müller produziert, ebenfalls Rothenburger. Für beide Musikvideos haben Band und Produzenten ausschließlich Orte in und rund um Rothenburg gewählt. Live-Auftritt am 5.September Ganz aktuell ist die Band besonders stolz auf die Förderung durch die „Initiative Musik“, die zentrale Fördereinrichtung der Bundesregierung und der Musikbranche für die deutsche Musikwirtschaft. Neben ihren musikalischen Leistungen musste die Band dafür eine Projektplanung mit Finanz- und Vermarktungsplan einreichen. Mit dieser finanziellen Unterstützung, die 40 Prozent der Gesamtkosten deckt, will die Band zwei neue Songs aufnehmen und dazu Musikvideos drehen. Eventuell soll dann eine EP entstehen. Wer die Band nun live hören möchte, hat aktuell beim „Tauberleuchten“ die Chance dazu, das am 5. und 6. September im Biergarten „Unter den Linden“ stattfindet (siehe Seite 32)....

Gemeinschaft versetzt Berge

Gudrun Schammann engagiert sich weiter für Menschen in ihrer Umgebung Seit Jahrzehnten aktiv, von allen geschätzt und mit 84 Jahren immer noch ein Bindeglied zwischen den Menschen: Gudrun Schammann ist auf einem Bauernhof mit Direktvermarktung in Freudenheim nahe Mannheim geboren. Das 200-Seelen-Dorf sei älter als die Stadt mit über 300 000 Einwohnern, erklärt sie. „Eigentlich wollte ich Lehramt studieren, aber der Wunsch meiner Eltern war ein anderer“, erzählt sie aus früheren Zeiten, als die Eltern noch ein gewichtiges Wort bei der Berufswahl mitzureden hatten. Also ging sie den Weg eines Mädchens vom Lande und begann eine Ausbildung in der Ländlichen Hauswirtschaft und wurde später Hauswirtschaftsmeisterin. Engagement mit Herz Schon in jungen Jahren wollte sie als Parteimitglied in der CDU etwas bewegen und setzte sich in der Evangelischen Landjugend Baden-Württemberg für die ländlichen Interessen ein. Es gab viele überregionale Treffen. So lernte sie auf einer Landesversammlung in Stuttgart den Kreisvorsitzenden Hans-Friedrich Schammann kennen und heiratete 1963 in den Milchviehbetrieb ein. Kaum in dem tauberfränkischen Örtchen Neubronn bei Creglingen gelandet, brachte sie sich in der Kirchengemeinde ein. „Du hast doch schon den Landjugendchor geleitet und kannst Klavier spielen“, wurde sie freundlich gebeten, das Orgelspiel zu übernehmen. Die Pfarrstelle war damals vakant und es fehlte an einer engagierten Chorleitung. Die Dorfkirche St. Georgius ist nach dem Schutzpatron der Bauern benannt. „Deshalb heißt unser Hof auch Georgshof“, erzählt die immer noch aktive Organistin. Was der engagierten Bäuerin besonders am Herzen lag, war die Gemeinschaft mit Nachbarn und Ortsmitgliedern ohne Neid, wie sie immer wieder betont. Als ein Auffangsee für den Herrgottsbach in Creglingen zum Tagesgespräch wurde, kam bei einem Landfrauenabend die Idee auf, aus dem entstandenen See einen Badesee für Urlauber und Anwohner entstehen zu lassen. Die Idee ließ die Damen nicht mehr los und sie dachten an mehr Unterkünfte in der wunderschönen tauberfränkischen Umgebung. Sofort wurden mögliche Zuschüsse für einen Urlaub auf dem Bauernhof ermittelt. Denn Höfe gab es viele. Zudem würden die Urlauber hier leben und einkaufen und auf diese Weise Geld in die Region bringen. Mit der Gründung des Arbeitskreises „Ferien auf dem Lande“ im Jahr 1969, der heute noch einer der größten im gesamten Bundesgebiet ist, wurde der Creglinger Raum für Urlauber aber auch für Einheimische zu einem Erholungsgebiet. Gudrun Schammanns Wunsch nach guter Zusammenarbeit und einer starken Gemeinschaft mit den Menschen um sie herum ging in Erfüllung. Ein tödlicher Unfall ihres Mannes Hans-Friedrich im Jahr 1976 erschütterte die ganze Familie mit mittlerweile fünf Kindern zwischen zwei und 12 Jahren. Die Arbeit auf dem Bauernhof wollte sie nicht aufgeben. Mit bemerkenswerter Energie schaffte sie es, als Hauswirtschaftsmeisterin insgesamt 60 Lehrlinge auf dem Georgshof auszubilden. Heute betreibt ihr Sohn als Landwirtschaftstechniker die mit 37 Milchkühen bewirtschaftete Hofstelle. Das war jedoch noch nicht alles. Als engagiertes Mitglied in der CDU und als Vorstandsmitglied des Ortsverbandes und stellvertretende Kreisvorsitzende der CDU-Frauenunion setzte sie sich für gemeinschaftliche Ziele ein. Im Kreistag saß sie über 20 Jahre, zeitweise als einzige Frau. Tradition verbindet Längst mit den tauberfränkischen Traditionen vertraut, engagierte sich Gudrun Schammann natürlich auch beim öffentlichen Schneeballbacken auf dem Maisingen in Creglingen. In mehr als 40 Jahren entstanden 60 000 fränkische Schneeballen beim traditionellen Schaubacken. Die Herstellung des begehrten Gebäcks lehrte Gudrun Schammann über fünf Jahre an der Volkshochschule. Über den immensen Einsatz für den ländlichen Raum wurde sie zu einem Landfrauenvortrag vor einer japanischen Delegation nach Rothenburg eingeladen. „Du könntest ihnen doch einmal etwas über unsere Landwirtschaft und unsere Agrarpolitik erzählen“, motivierte sie der damalige Rothenburger Oberbürgermeister Oskar Schubart. Im Publikum hörten drei Professoren für Landwirtschaft von der Universität in Tokio gespannt auf das, was die erfahrene Agrarierin zu alternativen Einkünften im ländlichen Raum zu sagen hatte. „Einer der angehenden japanischen Professoren griff das Thema des ländlichen Tourismus in Deutschland in seiner Promotionsarbeit auf“, erinnert sie sich heute noch. Besonders der Aspekt, die gesamte wirtschaftliche Situation im ländlichen Raum durch den Tourismus zu stärken, lag im Fokus seiner Arbeit. Die ganze Thematik fand ein...