Ein heißes Handwerk

Burkhard Moser verewigt Skulpturen und Kunstwerke im Bronzeguss Wenn in Schweinsdorf das Feuer lodert, dann sind echte Männer am Werk. Burkhard Moser hebt mithilfe von Alexander Fabi den Deckel des Brennofens an. Seit Stunden heizt er mit Koksbrocken das Innere auf 1 200 bis 1 400° Celsius auf. Inmitten der glühenden Hitze schmilzt so die Bronze. Immer wieder wirft er einzelne Metallstücke in den Schmelztiegel. Er will vier Gedenktafeln für das Haus in der Judengasse 10 in Rothenburg gießen. Geduld gehört ebenso zu seinem Handwerk wie Hitze, Ruß und schweres Heben. Burkhard Moser ist Bronzegießer. Seit Jahren lebt und arbeitet er in Schweinsdorf bei Rothenburg. Der Zufall hat ihn hierher verschlagen. Eine translozierte Scheune Burkhard Moser ist in Würzburg geboren, in Oberbayern aufgewachsen und hat dort die Ausbildung zum Bronzegießer gemacht. Auf der Suche nach einem Eigenheim am Land, denn er ist nach eigenen Auskünften „überzeugter Landbewohner“, fand er das baufällige Anwesen in Schweinsdorf. Das ist jetzt 35 Jahre her, aber die dreijährige Renovierungszeit hat sich fest in seiner Erinnerung eingegraben. Mittlerweile ist sein Anwesen ein kleines Schmuckstück. Mehrere Bronzestatuen stehen in seinem Garten, darunter auch eine Figur des Rothenburger Künstlers und Bildhauers Peter Nedwal. An sein Wohnhaus schließt sich die Scheune mit Werkstatt an. So wie man es von einem fränkischen Gehöft kennt. „Die Scheune habe ich aber transloziert“, sagt Moser schmunzelnd. Der Mann hat nicht nur ein kunstfertiges Händchen, sondern auch Humor. Als er hier sesshaft wurde, wollte er seine Werkstatt nicht in einer uninspirierten Halle unterbringen, sondern eine Scheune sollte es sein. Architekt Eduard Knoll fand eine passende in Oberoestheim. Moser ließ sie dort abbauen und in Schweinsdorf wieder aufbauen. Seitdem hat er hier für die Ewigkeit bewahrt, was sich Künstler ausgedacht haben. Burkhard Moser sagt von sich selbst, er ist Gießer, nicht...

Mit bedachten Worten

Rothenburg kennt Ulrich Pyczak als Buchhändler. Aber da ist noch mehr. Fällt in Rothenburg der Name Pyczak, stellen sich sofort Assoziationen ein: Ein besonderes Buch, das in Erinnerung geblieben ist, die schnelle Zeitung im Vorbeigehen, eine fachkundige Beratung – und irgendwas war doch da mit Thomas Mann? Pyczak, das war eine Buchhandlung, die man heute landauf, landab sucht. Und Ulrich Pyczak ist der Mann, der das möglich gemacht hat. Bis vor sieben Jahre, bis zu seinem 80. Lebensjahr, stand er in den prall gefüllten Räumen seines Ladens in der Georgengasse. Ein Rothenburger durch und durch. Eine Buchhändlertradition, die in der Familie lag. Oder ist da vielleicht sogar noch mehr? Auf Augenhöhe Ulrich Pyczak ist einer jener Menschen, die mit einem kleinen Schmunzeln und einem knappen Satz zur richtigen Zeit den Nagel genau auf den Kopf treffen. Er macht kein großes Aufsehen um seine Person, dabei kannte er doch die ganz Großen der Literatur: Thomas Mann, Marcel Reich-Ranicki oder Siegfried Lenz und Günter Grass, mit denen er 2005 eine Sendung für Radio Bremen gemacht hat. Der „einfache“ Buchhändler aus Rothenburg kam bei den Schriftstellern mit Weltruf gut an. Seine Gesellschaft und das Gespräch mit ihm hat eben etwas geradlinig Erfrischendes. Seit 1955 hat Ulrich Pyczak den Einheimischen und Touristen die Liebe zu den Worten näher gebracht. Er wurde hineingeboren in die Welt der Bücher. Sein Vater hat eine Buchhandlung in Rothenburg gekauft, die von zwei Kunstmalerinnen bereits 1906 gegründet wurde. „Das war die Mitgift seines Schwiegervaters zur Hochzeit“, erzählt Ulrich Pyczak. So kam die schlesische Familie im Jahr 1931 in die Tauberstadt. Dass er selbst die Buchhandlung einst übernehmen würde, war immer klar. Glückliche Fügung Nach zwei Jahren Lehre im elterlichen Betrieb sollte er noch Erfahrungen in einem anderen Unternehmen machen. Die Suche wurde im Börsenblatt inseriert, der Fachzeitschrift des Buchhandels. Daraufhin reiste das Ehepaar Hamkens, Inhaber der legendären Buchhandlung Weiland in Lübeck, eigens nach Rothenburg, um den angehenden Buchhändler zu inspizieren. „Ich bin dann zwei Jahre in der Buchhandlung Weiland in Lübeck gewesen“, erzählt Pyczak, „Das war ein Glück für mich.“ Dort hat er die ganz großen Autoren der damaligen Zeit kennengelernt: Im Jahr 1953 ist er in seiner Mittagspause erstmals Thomas Mann begegnet. Der Schriftsteller war mit seiner Frau Katja inkognito in Lübeck unterwegs. Natürlich hatte Thomas Mann auch Kontakte zu der angesagten Lübecker Buchhandlung. Ulrich Pyczak erlebt ihn bei einer Lesung (im Rahmen der Verleihung der Ehrenbürgerschaft der Stadt Lübeck im Jahr 1955) des damals neu erschienenen Romans „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“. Zum offiziellen Festtag am nächsten Tag in Travemünde hat ihn Thomas Mann über seinen Chef einladen lassen. „Thomas Mann und seine Frau Katja habe ich als sehr nettes Ehepaar erlebt“, erinnert sich Pyczak. Mit der Literatur von Thomas Mann ist er seitdem eng verbunden und auch Lübeck hat stets eine große Rolle in seinem Leben gespielt. Nachdem sein Vater 1954 verstorben war, ging es für den jungen Buchhändler aber wieder zurück nach Rothenburg. Er sieht es als Aufgabe eines Buchhändlers an, den Menschen die Literatur nahe zu bringen. Lesen, und zwar unterschiedlicher Genres, gehört für ihn zum Leben. „Als Buchhändler muss man aber eigentlich keine Bestseller lesen, denn die verkaufen sich von selbst“, merkt er an. Gleichwohl sei es nicht ganz einfach gewesen, dass seine Empfehlungen bei den Kunden auch Gehör fanden. Neben der schön-geistigen Literatur hatte er ebenso lokale und fränkische Literatur im Angebot (zeitweise auch Noten und Schallplatten) und natürlich Landkarten und Reiseführer. „Die gingen damals in Rothenburg bestens“, erinnert er sich. Auch Druckerzeugnisse gehörten dereinst zum Spektrum einer Buchhandlung und mussten sogar zwingend geführt werden. Ulrich Pyczak ist eng mit seiner Heimatstadt verbunden. Er erinnert sich an das gemeinsame Stachern an den Tauberhängen in seinen Kinderjahren ebenso wie an den Luftangriff im März 1945. Die Familie lebte damals in der Rödergasse und wurde ausgebombt. Sein jüngster Bruder wäre beinahe umgekommen, hätte ihn nicht ein Fliegeroffizier aus dem brennenden Haus gerettet. Die...

Umwelt selbst gestalten

Klimabündnis für bessere Lebensqualität aller Bürger „Time is running out“–„Die Zeit drängt“, lautet der aktuelle Ausruf des „Klimabündnisses Rothenburg“. Die starke Ausdünnung der Ozonschicht, wie sie 1985 erstmals am Südpol über der Antarktis festgestellt wurde, zeigte sich am Anfang des Jahres 2020 nach einem Bericht des Alfred-Wegener-Instituts zum ersten Mal auch über der Arktis (Nordpol), so der Wikipedia Eintrag über die aktuelle Situation der Ozonschicht. Die Aktion „Fridays for Future“, zu Deutsch: „Freitage für die Zukunft“ ist der Name einer Bewegung von Schülern und Studenten auf der ganzen Welt. Ihr Ziel ist es, die Politik dazu zu bewegen, mehr in den Klimaschutz zu investieren. Auch Rothenburger Schüler sind mit von der Partie. Was die jungen Menschen bereits vor Corona begonnen haben, hat auch bei den Eltern Anklang gefunden. Aus einer losen Gruppe Erwachsener haben sich bis heute 20 aktive Klimaschützer zusammengetan, um zu zeigen, dass der Einsatz für die Umwelt in der Region Spaß machen kann und für alle Bürger eine bessere Lebensqualität mit sich bringt. „Die generationsübergreifenden Gemeinschaftsaktionen verbinden und motivieren dazu, an einem Strang zu ziehen, so die Motivation des „Klimabündnis Rothenburg“. Um der Klimaproblematik vor Ort fachkompetent begegnen zu können, hatte sich die Interessengemeinschaft mit einem Antrag bei der Stadt um einen „Klimamanager“ bemüht. „Es geht uns vor allem darum, Gelder sinnvoll einzusetzen und gemeinsam mit der Stadt Rothenburg für möglichst schnelle Lösungen für eine Klima freundlichere Umwelt zu sorgen“, so das Ziel der engagierten Gruppe. Um die Zeit sinnvoll zu nutzen, bis ein Klimamanager eingesetzt werden kann, hat sich das „Klimabündnis Rothenburg“ in drei offene Arbeitsgruppen aufgeteilt und schon so einige Projekte auf den Weg gebracht: Die Gruppe Klimapolitik unter dem Motto „Global denken, lokal handeln“, eine Fahrradgruppe für fahrradfreundliche und sichere Radwege in Rothenburg und die Gruppe Stadtgrün namens „essbare Stadt, urban living!“ Die zusätzliche Begrünung einzelner Plätze in der Stadt ist eine Aktion, die nicht nur etwas fürs Auge ist, sondern auch den Insekten zugutekommt. Ein anderes Projektbeispiel sind Spielzeugkisten auf Spielplätzen, die von der Zimmerei Sacher in Blaufelden hergestellt und von den Kindergärten in Rothenburg gestaltet werden sollen. Gefüllt werden sie mit aussortierten Spielsachen der Anwohner. Die Erstellung eines Radwegkonzepts ist bei dem immer höheren Aufkommen von Fahrrädern, E-Bikes und E-Rollern dringend notwendig. Auch Stellplätze für die Zweiräder stehen auf der Agenda des Klimabündnisses. Für gesellige Stunden mitten in der Stadt soll ein Bücherschrank aufgestellt werden. Eine „Nachhaltigkeitskarte“ mit Hotels, Gaststätten und Ladengeschäften soll einen Überblick über umweltfreundliche Angebote in der Tauberstadt geben. Besonders froh ist die engagierte Gruppe über den „jungen Rothenburger“ Roland Hertlein, der seit September Bürger der Stadt ist. Er ist Mitglied des gemeinnützigen Vereins „Hundertprozent kommt an e.V.“. Hier werden Spenden gesammelt und ausschließlich für Projekte eingesetzt, die zuvor genau geprüft und für förderungswürdig gehalten werden. Zu den jüngsten Projekten gehört das „Klimabündnis Rothenburg“. Von insgesamt 120 000 Euro im Jahre 2020 gesammelten Spenden, kommt den Aktiven der Tauberstadt eine fünfstellige Summe zu. Die Gelder kommen in vollem Umfang, also zu hundert Prozent, bei jedem Projekt an....

Der amerikanische Europäer

James Derheim kennt ganz Europa – aber leben will er nur in Rothenburg Er hätte Paris, Rom, London, Venedig oder auch ein irisches Dorf mit Blick über das Meer auswählen können. Hat er aber nicht. James Derheim hat sich für Rothenburg entschieden. Seit den 90er-Jahren lebte er stets ein paar Monate im Jahr in der Tauberstadt. Seit 2020 ist er nun das ganze Jahr über hier. Er hat ein Appartement mit sonniger Terrasse mitten in der Altstadt – und er findet sein Leben in der Tauberstadt einfach genial. Wer ist dieser James Derheim, den gefühlt jeder in Rothenburg kennt? Das steife deutsche „Sie“ hat bei dem smarten Amerikaner keine Chance; er spricht zwar recht gut deutsch, aber lieber ist ihm englisch – und er hat die Gabe, das Leben zu nehmen, wie es kommt. Chancen sehen, zupacken, etwas daraus machen. Und genau das hat ihn auch nach Rothenburg geführt. James Derheim erinnert sich noch an seinen ersten Aufenthalt hier. Es war Winter, Februar 1990. „Keine Ahnung, warum wir zu so einer Zeit hierhergekommen sind“, sagt er rückblickend. Derheim war Fotograf für „The Stars and Stripes“, eine Zeitung, die für die Truppen der US-amerikanischen Streitkräfte publiziert wird. Gemeinsam mit einem Redakteur hat er an einer Story über Rothenburg gearbeitet. Derheim hat damals ein Foto von einem Mann mit Roller und Anhänger gemacht, als dieser im Schneegestöber durch den Siebersturm gefahren ist. Das Bild wurde groß gedruckt. „Später habe ich den Mann noch öfter gesehen“, sagt er. An diesem kalten Februartag war das „Stars and Stripes“-Team aber schnell wieder weg. Vielleicht ging es weiter nach Paris oder sogar nach Afrika oder Asien. „Das war damals einfach ein Job für mich. Ich bin so viel gereist“, so Derheim. Über die Navy in die Welt James Derheim ging Ende der 80er-Jahre zur US-Navy und kam 1989 nach Deutschland. Zuvor hat er in den USA ein Journalismusstudium begonnen und war als Fotojournalist der einzige Navy-Mitarbeiter der deutschen „The Stars and Stripes“-Ausgabe. Während seiner Zeit bei der US-Navy hatte er auch Einsätze in Alaska und Japan. In Alaska hat er eine eigene Radiosendung am frühen Morgen moderiert, in Japan war er der PR-Vermittler zwischen den US-Streitkräften und den japanischen Behörden. „Ich kann noch heute ein Bier auf Japanisch bestellen“, sagt er schmunzelnd. Wie sein Name „Derheim“ vermuten lässt, hat er deutsche Wurzeln. „Wir dachten, mein Urgroßvater kommt aus Bremen“, erzählt er. Dem war zwar nicht so, wie sich später herausstellte, aber als er in Deutschland war, fuhr er nach Bremen und machte Fotos, packte einen Bierdeckel und eine Speisekarte dazu und machte daraus ein Geschenk für seinen Großvater zum 80. Geburtstag. „Das kam riesig an und ich dachte, das könnte doch ein Geschäftsmodell sein“, erzählt er. Viele Amerikaner haben deutsche Wurzeln und wollen darüber etwas wissen. Also hat er 1 000 Dollar, eine große Summe für den Mittzwanziger, in Werbung im Raum Kalifornien, Los Angeles, investiert. „Genau eine Kundin hat sich gemeldet“, erzählt er. Mit seiner damaligen deutschen Freundin ist er dann im VW-Scirocco nach Rostock und Ribnitz gefahren, hat Haus und Verwandte der Frau gefunden und fotografiert. „Ich glaube, die stehen heute noch in Kontakt“, sagt er. Die Nachfrage boomt Über diese Kundin erfuhr er von Ahnenforschungsvereinen. Investierte noch mal 400 Dollar in eine neue Schreibmaschine und machte auf sich aufmerksam. „Und so kam das Geschäft ins Rollen“, erzählt er rückblickend. Montag bis Freitag war er Fotojournalist bei „The Stars and Stripes“, am Wochenende hat er Fotos für Menschen aus den USA gemacht, die über ihre Wurzeln Bescheid wissen wollten. Bis Mitte 2000 hat James Derheim mindestens 3 000 Städte und Dörfer in Deutschland, Italien, Polen, Irland und England fotografiert. „Jedes Jahr war ich in etwa 100 deutschen Städten“, erinnert er sich. Von den persönlichen Schicksalen und Verbindungen kann er bewegende Geschichten erzählen, die er bei seiner fotografischen Ahnenforschung erlebt hat. „Irgendwann habe ich mit dem ursprünglichen Hobby mehr Geld verdient als bei der Navy“, so...

Heilkraft des Lachens

Lydia Opfer ist Lachyogatrainerin Haben Sie heute schon mal herzhaft gelacht? Nein, dann wird es Zeit für Lachyoga. Und bevor Sie nun denken, das ist ja albern, braucht doch keiner – lassen Sie sich kurz eines besseren belehren. Lydia Opfer aus Uffenheim ist Lachyogatrainerin. „Ich bin über Umwege zum Lachyoga gekommen“, erzählt sie. Lydia Opfer hat seit 2006 ein eigenes Kosmetikstudio in Uffenheim. Während einer ayurvedischen Ausbildung in Bad Meinberg wurde auch Lachyoga angeboten. Die sehen verrückt aus, sei ihr erster Gedanke damals gewesen. Dennoch hat sie sich getraut und an einem Lachyogakurs teilgenommen. „Ich war danach total begeistert und wollte das unbedingt weitergeben“, erinnert sie sich. Das war 2009 und es hat noch knapp zehn Jahre gedauert, bis sie 2018 die einjährige Ausbildung zur Lachyogatrainerin in München absolviert hat. Als sie 2019 fertig war, kam leider Corona auf. „Ich konnte daher noch keine fortlaufenden Präsenzkurse anbieten“, so Lydia Opfer. Sobald es Planungssicherheit gibt, will sie aber damit starten. Bereits in den Genuss der Heilkraft des Lachens sind aber Uffenheimer Kinder gekommen, denn sie hat im Rahmen des Ferienprogramms 2019 einen Lachyogakurs mit Schülern gemacht. Ebenso gab es einen Online-Kurs. „Das geht besser als ich dachte“, so die Trainerin. Und die Diakonie hat die Lachyogaspezialistin für ein Seminar für ehrenamtliche Mitarbeiter gebucht. Es darf also trotz Corona noch gelacht werden. Lydia Opfer baut ihre Kurse in vier Etappen auf. Nach einer Begrüßung mit Klatschen und dem traditionellen Hoho Hahaha-Ruf starten erste Atemübungen, gefolgt von positiven Verstärkungen und dem spielerischen Herangehen an die ersten Lacher. „Man denkt, das ist total peinlich, aber in der Gruppe entfaltet sich eine eigene Dynamik“, erklärt sie. Lachyogatrainer arbeiten mit speziellen Ankern, die die beim Lachen erfahrenen Emotionen in den Alltag transportieren sollen. Beispielsweise gibt es das Verlegenheitslachen: Wie eine schüchterne Geisha wird dabei in die leicht geöffneten Hände vor dem Gesicht gelacht. Erst zaghaft, dann immer selbstbewusster. Die eigene Kraft ersetzt so die Verzagtheit. Lydia Opfer führt ihre Kursteilnehmer mit aus dem Alltag gegriffenen Geschichten in die Lachsituation hinein. Das kann der gedankliche Gang ins Fitnessstudio sein oder das Pflücken einer Blume. Stets kommen die drei Komponenten Bewegung, Atmung und Lachen zusammen. Die Ursprünge liegen in Indien Mit der üblichen Vorstellung von Yoga hat Lachyoga nicht viel zu tun. Hier gibt es keine Matten am Boden und keine anstrengenden Körperhaltungen. Nur der Atmung wird dieselbe zentrale Rolle zugewiesen wie im Yoga – und die Wurzeln des Lachyoga liegen auch in Indien. Ein Arzt aus Mumbai, Dr. Madan Kataria, und seine Frau Madhuri Kataria gelten als die Begründer der Lachyogabewegung. Im Jahr 1995 soll Madan Kataria anfangs in Parks die Menschen mit erzählten Witzen bewusst zum Lachen gebracht haben. Seine Frau erkannte, dass Yogaübungen dazu hilfreich sein könnten und entwickelte zusammen mit ihrem Mann das Konzept des Lachyogas. Mittlerweile haben Forscher der Gelotologie, die sich insbesondere mit den Ursachen und Auswirkungen des Lachens beschäftigt, gezeigt, dass Lachen Stresshormone abbaut, das Immunsystem stärkt und außerdem werden dabei Glückshormone ausgeschüttet. Am Lachen ist also nichts falsch. Ganz im Gegenteil. Die heilende Kraft eines herzhaften Lachers sollte nicht unterschätzt werden....

Musikerin mit Leib und Seele

Carmen Hofacker: Sängerin, Songwriterin und MiniMusikanten-Erfinderin „Ich habe schon als Kind gewusst, dass ich Musikerin, im speziellen Sängerin, werden will“, sagt Carmen Hofacker. Wir treffen uns in ihrem Elternhaus in Diebach. Im Dachgeschoss hat sie Räume für ihre MiniMusikanten eingerichtet, das neueste Projekt der Künstlerin. Mit Blick auf Felder und Wiesen ist sie hier aufgewachsen. Mitten auf dem Land. Lehrer für Stimmbildung, Harmonielehrer, Songwriting gab es nicht. Trotzdem wollte und ist sie Sängerin geworden. Lange Jahre waren ihr Erkennungszeichen die leuchtend roten Haare. Mittlerweile setzte sie auf Natürlichkeit, trägt einen lockeren Zopf und ist Mutter eines 6-jährigen Jungen. Start der Solokarriere Die Höhen und Tiefen des Musikbusiness hat sie in den letzten über 20 Jahren durchschritten. Ärmel hochkrempeln und wieder was los machen, das hat sie in ihre DNA eingesogen. So einfach lässt sich Carmen Hofacker nicht unterkriegen. Auch nicht von dem coronaindizierten, faktischen Arbeitsverbot für Künstler in den letzten eineinhalb Jahren. Nach der Schule hat Carmen Hofacker eine Ausbildung bei Sport Erhard gemacht und ist zeitgleich mit ihrer ersten Band „Reminder“, einer Coverband, aufgetreten. „Ich habe gut verdient und Geld gespart“,erzählt sie. Mit 23 Jahren ging sie dann nach Berlin an eine private Schule zur musikalischen Ausbildung. Danach folgten sechs Jahre klassische Gesangsausbildung bei privaten Lehrern. „Nebenher habe ich halbtags im Büro gejobbt“, erzählt sie. Außerdem hatte sie ab 2003 auch ihre Band „Swim“, ein Akustik-Rock-Duo. Hier konnte sie ihre Kreativität ausleben, denn mit „Swim“ spielte sie nur eigene Stücke, selbst getextet und komponiert. Zwei Alben sind in dieser Zeit entstanden. Es lief ganz gut bis der Gitarrist erkrankte und nicht mehr auftreten konnte. Eine schwierige Zeit, die eine Neuorientierung forderte. „Ich habe dann den Weg Richtung Solo eingeschlagen“, so Carmen Hofacker. Das sei anfangs auch eine ganz nüchterne Entscheidung gewesen, fügt sie an. Kleinkunstveranstalter haben ein enges Budget und bei Soloauftritten ist der Verdienst einfach besser. Dies war die Geburtsstunde von „Carmen Underwater“. „So konnte ich von der Musik leben“, sagt die Künstlerin. Mit „Carmen Underwater“ lässt die Musikerin ihren sanften, ruhigen Part erklingen. Und das kam und kommt an. Sie erhielt den „Listen to Berlin Award“ und den Jury-Preis beim Berlin Song Contest. Auftritte in ganz Deutschland und auch in ihrer Heimat, beispielsweise bei Kultur Korn oder im Wildbad in Rothenburg, folgten. Ihre Songs haben stets ein zentrales Thema, das bewegt, oder erzählen Geschichten aus der Tiefe des Menschseins. Die Impulse zu den Liedern kommen dabei in ganz normalen Alltagssituationen. „Ich tippe die Idee dann schnell ins Handy oder singe die Melodie ein“, erklärt Carmen Hofacker den Schaffensprozess. Ohne Disziplin geht es nicht Und dann folgt harte Arbeit. „Man braucht Disziplin um ein Lied zu schreiben“, weiß sie. Manchmal fließt es, manchmal beißt sie sich die Zähne aus. Am einen Song arbeitet sie ein Jahr, der andere entsteht in einer Nacht. „Das Klavier ist dabei stets mein Instrument“, so die Musikerin. Es lief gut. Auch privat. 2015 kam ihr Sohn Enno auf die Welt und gemeinsam mit Partner Daniel Rieth, den viele über seine Initiative „Träumen & Machen“ kennen, orientierte sich die junge Familie wieder Richtung Heimat – mit Abstechern in die weite Welt. Im Jahr 2017 verabschiedeten sie sich für eine Tour durch Europa und im Anschluss durch Australien und Neuseeland. Mit dem Wohnmobil erkundeten sie die Welt und Carmen Hofacker gab an den verrücktesten Orten Konzerte. „Beim Konzert am Strand in Usedom erlebten wir ein spektakuläres Naturschauspiel“, erinnert sie sich. Ihr Auftritt wurde von einem kompletten Regenbogen überspannt. In Frankreich spielte sie bei einer riesigen Gartenparty, in England auf dem Geburtstag einer 75-jährigen Urlaubsbekanntschaft, in Down Under in Cafés und in Wohnzimmern. „Ich habe etwa 100 Konzerte gegeben“, so die Sängerin. Anspruch an Qualität Zurück in Deutschland erweckte sie im Jahr 2018 die MiniMusikanten zum Leben. Carmen Hofacker hat in Berlin bei „Little Musikmakers“ die Ausbildung zur musikalischen Früherziehung gemacht, die parallel in englisch und deutsch stattfindet. Da die vorhandenen Arbeitsmaterialien aber nicht ihrem...