Volkstümlich Jan10

Volkstümlich

Singende Wanderung zum Buch Alte Volkslieder erzählen Geschichten aus längst vergangenen Tagen. Damit dieses Kulturgut nicht in Vergessenheit gerät, hat die „Lokale Aktionsgruppe an der Romantischen Straße e.V.“ (LAG) ein Liederbuchprojekt ins Leben gerufen: Das Kinderliederbuch mit dem Titel „Ein kleiner Schelm bist du“, das die Traditionen der Region weiterträgt. Der aus 19 Städten und Gemeinden bestehende Verein der LAG (von Reichardsroth, über Rothenburg nach Wettringen, Schillingsfürst bis nach Dinkelsbühl) setzt sich für kulturelle, touristische und wirtschaftliche Projekte im ländlichen Raum ein. Herbert Lindörfer, 1. Vorsitzender und Bezirksrat des Bezirks Mittelfranken holte für das Liederbuch Dr. Heidi Christ von der Forschungsstelle für fränkische Volksmusik ins Boot. Umliegende Kindergärten, Familien und Seniorenheime wurden damit betraut, traditionelle Kinder- und Volkslieder zusammenzutragen. Heraus kam das Liederbuch „Ein kleiner Schelm bist du“, das seither zum festen Bestandteil von Kindergärten und anderen Einrichtungen der Region gehört. „Auch das Rothenburger Bürgerspital singt gerne aus unserem Liederbuch“, erzählt die Geschäftsführerin der LAG, Pia Grimmeißen-Haider. Die Idee, die Bewegung in der Natur mit volkstümlichen Liedern zu verbinden, entsprang aus einer weiteren Gemeinschaftsaktion der LAG und der Forschungsstelle der fränkischen Volksmusik in Uffenheim. Ein „Singender Wanderweg“ soll dazu beitragen, dass das traditionelle Liedgut wieder in den Herzen der Menschen Platz findet. 22 Tafeln mit einem Liedtext für Erwachsene und einen für Kinder wurden von der Künstlerin Gertraud Unger (Dombühl) mit kleinen Zeichnungen illustriert. Kurt Reithofer (Dürrwangen), Lehrer im Ruhestand und „Volksliedpfleger“, war für die Gestaltung derselben im Einsatz. Am unteren Rand der Liedertafel sitzt jeweils die schlaue Eule, die Informationen zum Text und zum Autor des Traditionsstückes liefert. Als erste von 19 Stationen wurden die Gemeinden Wörnitz und Wettringen (7 km Weglänge) sowie die Gemeinde Ohrenbach (11 km Länge) ausgewählt. Hier sind die Tafeln auf dem „Glaubensweg“, einem Rundweg mit Start- und Endpunkt...

Von Angesicht zu Angesicht Jan10

Von Angesicht zu Angesicht...

Zweite Porträt-Ausstellung bei Kunst und Kultur Korn Sie haben es ihr angetan, die Gesichter und Mimiken von Menschen aus der Filmszene. Figuren aus der amerikanischen Romanreihe „Die Tribute von Panem“ oder aus der Kinotrilogie „Der Herr der Ringe“ werden von der Künstlerin Martina Maier in ausdrucksstarker Form dargestellt. Porträts von Illustratoren, Tänzern, Schauspielern und Menschen aus der Familie der Künstlerin sind Gegenstand der aktuellen Ausstellung in der gläsernen Galerie im Hause Kunst und Kultur Korn in Rothenburg. Einzig Albert Einstein vertritt mit einem Porträt die wissenschaftliche Liga. Manchmal zeigen die Werke auch Darstellungen von Gesichtern, die rein aus der Fantasie der Malerin heraus entstanden sind. Besonders am Herzen liegt ihr die gezeichnete Collage des berühmten Theater- und Filmschauspielers Jean Paul Belmondo, der in der Filmszene als ein Mensch „wie Du und ich“ bekannt war. „Alle trauern seit dem 21. September 2021 um den weltbekannten Darsteller“, so die Künstlerin. Auch dem argentinischen Zeichner Guillermo Mordillo, der am 29. Juni 2019 verstarb, widmet Martina Maier ein Porträt, auf dem die von ihm entworfenen „Mordillo-Männchen“ auf seinem Kopf herumtanzen. In den 80er-Jahren waren die kleinen knollennasigen Figuren auf unzähligen Wandkalendern und Puzzeln zu finden. Für einen guten Zweck Martina Maier aus Gebsattel ist nach dem Erfolg der letzten Ausstellung im Herbst/Winter 2020 im Autohaus Korn nicht mehr aus der „Porträtzeichnerei“ herausgekommen. Zu viele Aufträge füllten seither ihren Alltag. Es war ein voller Erfolg, bei dem ein Erlös von 2 200 Euro an den Förderverein für krebskranke Kinder Tübingen e. V. übergeben werden konnte. Jetzt ist die freischaffende Künstlerin mit einem neuen Repertoire ihrer Schaffenskraft erneut am Start. Seit die einstige Stillleben-Malerin von Robert Hellenschmidt, dem Leiter von Kunst und Kultur Korn motiviert wurde, sich in der Porträtierung zu versuchen, konnte sie ihre Zeichentechnik optimieren. Die mit Bleistift vorgezeichneten...

Rothenburger sind keine „Kopfhänger“ Jan10

Rothenburger sind keine „Kopfhänger“...

Wir blicken zurück ins Jahr 1922: Die Inflation trifft auf den aufstrebenden Tourismus Schon vor 100 Jahren beobachteten die Menschen begeistert die Kunstuhr an der Ratstrinkstube. Entspannt wirkt die Szenerie am Marktplatz. Damals war zwar keine Coronapandemie am Start, aber auch im Jahr 1922 hatten die Deutschen und somit die Rothenburger mit allerlei Unwägbarkeiten zu kämpfen. Vier Jahre nach dem Ersten Weltkrieg belasteten Kriegsschulden und Reparationszahlungen die politischen Verhältnisse. Die Inflation und eine Verknappung von Lebensmitteln prägten das alltägliche Leben. In der Rothenburger Tageszeitung wurde ab Mai regelmäßig der Preis, der für einen Dollar gezahlt werden musste, veröffentlicht. Am 24. Mai betrug dieser 313 Mark, am 4. Juli waren es schon 401 Mark, am 18. September 1487 Mark und zwei Monate später kostete ein Dollar schon 6400 Mark. Der Rothenburger Stadtrat griff daher ein: Am 31. Oktober legte er den Brotpreis auf 25 Mark pro Pfund fest. Das war genau einen Monat zu halten, dann besserten die Räte nach: Ein Pfund Brot kostete am 4. Dezember 60 Mark. In vielen Ausgaben des Fränkischen Anzeigers gab es die Anzeige einer Reederei für eine Schiffspassage nach USA. Die Auswanderungswelle 1922 knüpfte an die Emigration vor dem Ersten Weltkrieg an. Die Zahlen stiegen massiv. Grund dafür mögen verschobene Auswanderungspläne gewesen sein, dazu kam die Inflation und Vertriebene aus den deutschen Siedlungsgebieten in Ost- und Mitteleuropa, die hier keine Zukunft mehr sahen. Die Wohnungsnot tat das ihre dazu. Am 16. August 1922 daher ein Aufruf im Fränkischen Anzeiger: Da die Geldentwertung den Neubau von Wohnungen verhinderte und Tausende deutscher Flüchtlinge und Vertriebene untergebracht werden mussten, wurde ein Appell an die „Pflicht der Volksgenossen“ gerichtet, entbehrlichen Raum freiwillig zur Verfügung zu stellen. Ein großes Jubiläum Aber nicht nur die Weltpolitik sorgte für Probleme, sondern auch Unfälle oder Wetterkapriolen beschäftigten...

Sprache der Vorfahren Nov10

Sprache der Vorfahren

Zum Museum der Jenischen Sprache gibt es nun ein „Jenisch Buch“ Die jenische Sprache und Kultur gehören seit dem 18. Jahrhundert zu Schillingsfürst. Jenisch sprechen hört man heute aber keinen mehr dort. Damit das Wissen und die Erinnerung um die Sprache der Vorfahren in Schillingsfürst nicht ausstirbt, haben Johannes Munique und Markus Löschel ein „Museum der Jenischen Sprache“ ins Leben gerufen. Das ist aber noch nicht alles: Aktuell erscheint nun ihr Buch „Schillingsfürster Jenisch“ im Eigenverlag. Was das Museum an Informationen bereithält und noch vieles mehr haben die beiden darin gebündelt. Die zwölf Karikaturen von Robert Hellenschmidt, die auch im Museum hängen, sind allesamt abgebildet. Dazu kommen historische Fotos von Schillingsfürst, die die Prägung des Orts durch das jenisch sprechende, fahrende Volk darstellen. Munique und Löschel gehen aber noch weiter zurück und erklären, warum die Jenischen hoch auf der Frankenhöhe ansässig wurden. Vom jenischen Lied aus Schillingsfürst über die sprachlichen Besonderheiten und die Orte, die mit dem Schillingsfürster Jenisch verbunden sind bis hin zur Erläuterung des „Stupfl“-Logos spannen sie den Bogen. Besonders interessant sind die 100 Sätze auf Jenisch, die aus dem Alltag gegriffen sind, wie zum Beispiel „Schecheresmôdel steck mer â Blamb“ (Bedienung bitte ein Bier). So hauchen das Buch und das Museum einer fast vergessenen Sprache wieder neuen Odem ein. am Info: „Schillingsfürster Jenisch“, von Johannes Munique und Markus Löschel mit Karikaturen von Robert Hellenschmidt, Preis 19,80 Euro. Das Buch ist erhältlich in Schillingsfürst: im Museum der Jenischen Sprache/Doerfler-Museum, im Infocenter, im Schlosscafé und im Textilhaus Laudenbacher; in Rothenburg: in der...

Krippen selber bauen Nov10

Krippen selber bauen

Günter Krauß ist Krippenbaumeister mit ganz eigenen Ideen Ein hölzerner Schuppen, Ochs und Esel auf Stroh im Hintergrund, im Vordergrund die heilige Familie; das ist eine Krippe, wie man sie zur Weihnachtszeit überall in Kirchen und Häusern des christlichen Abendlandes findet. Aber wo ist der Ursprung der Darstellung göttlicher Menschwerdung? Die erste schriftliche Beschreibung findet sich in den biblischen Texten der Lukas- und Matthäusevangelien. Am häufigsten wird jedoch die Verbreitung von Krippenspiel und Krippen mit dem Heiligen Franz von Assisi in Verbindung gebracht. Er soll im Jahre 1223 die Geschichte rund um Christi Geburt im Wald von Greccio in einem Krippenspiel dargestellt haben. Franziskus wollte so der „lese unkundigen“ Bevölkerung die Weihnachtsgeschichte näher bringen. Heute gibt es zahlreiche Krippenvereine und sogar Meisterschulen für den Krippenbau. Günter Krauß aus Kirnberg ist über die Schreinermeisterschule für Holz und Gestaltung in Garmisch Partenkirchen auf die Idee gekommen, einen Krippenbaukurs vor Ort zu besuchen. Das war im Jahr 2017 bei einem Tag der offenen Tür. Im Kopf hatte er eine eher unübliche Darstellung der biblischen Geschichte mit fränkischen Details. So integrierte er nach seinem ersten Kurs einen Karpfenteich in das Landschaftsbild und gestaltete Häuser in fränkischer Bauweise. „Es war eine echte Herausforderung“, erzählt Krauß von den Anfängen seiner Krippenbaukünste. Mit allen Schaffenspausen und vielen Waldspaziergängen auf der Suche nach Moos, Ästen und Baumrinde für die Landschaftsgestaltung dauerte es zwei Jahre, bis sein Erstlingswerk fertig war. Meisterhaft gestalten Aufgeben wollte der Zimmermann nicht, ganz im Gegenteil. Im Jahr 2018 entschied er sich für die Teilnahme an einem Meisterkurs im Krippenbau in Garmisch Partenkirchen. In vier Kurseinheiten wurde die Gestaltung von Höhlenkrippen im orientalischen und alpenländischen Stil, Hintergrundmaltechniken, Landschaftsgestaltung und Lichttechnik vermittelt. In der Abschlussarbeit zum Krippenbaumeister musste Krauß erlernte praktische Fähigkeiten vorführen. Theoretisches Wissen über Baustile und Krippenentstehung musste...

„Unser Handeln gibt Sinn“ Nov10

„Unser Handeln gibt Sinn“

Wer oder was ist „Format F“? Oliver Götz und Johannes Keitel im Interview Das kulturelle Leben in Rothenburg hat viele Organisatoren. Manche kennt man, die gibt es seit Jahren, manche sind vermeintlich neu und man weiß nicht so recht, wer dahinter steckt, was wollen sie und warum sie sich engagieren? So geht es vielleicht dem einen oder anderen, wenn der Name „Format F“ fällt. Also haben wir „Format F“ in die ROTOUR-Redaktion eingeladen. Oliver Götz und Johannes Keitel haben als Vertreter der Gruppe unsere Fragen beantwortet. ROTOUR: Also, wer oder was ist „Format F“? Keitel: Der Ursprung von „Format F“ ist eine Personenkonstellation von fünf Menschen, Oliver, Lina und Florian Schmalbach, mein Bruder Stephan und ich, die im Verein Grenzkunst sehr stark aktiv sind und den derzeitigen Vorstand stellen. Zusätzlich zu den Grenzkunstaktionen wollten wir noch Veranstaltungen durchführen, die über das Grenzkunstportfolio hinausgehen. Wann haben Sie den Verein Grenzkunst gegründet? Keitel: Im Jahr 2013. Worin unterscheidet sich der Verein Grenzkunst, den man von Veranstaltungen wie dem Sundowner im Wildbad, Eulenflug im Wald bei Nordenberg oder Raumzeit in der St.-Jakobs-Kirche kennt, von „Format F“? Götz: Grenzkunst ist ein gemeinnütziger Verein und wir arbeiten da alle ehrenamtlich. Das geht oft unter. Wer für „Format F“ arbeitet, bekommt Geld dafür, und wir können im optimalen Fall auch Geld damit verdienen. Ist Grenzkunst das Jugendprojekt und „Format F“ die Erwachsenen­version? Keitel: Das würde ich nicht so sagen. Unser Ideal ist es, dass beides miteinander harmoniert und inei- nander greift. Also eine ehrenamtliche Arbeit, die professionell und leidenschaftlich gepflegt wird, und auf der anderen Seite ein Projekt, mit dem man auch Miete zahlen kann und muss. Götz: Entscheidend ist auch, dass wir, obwohl Grenzkunst unsere riesengroße Leidenschaft ist, an den Punkt gekommen sind, dass bei uns Studium bzw. Ausbildung zu Ende gingen und wir nun unse- ren Lebensunterhalt verdienen müssen. Wenn wir jetzt weiterhin Ideen umsetzen wollen, muss es zu dem ehrenamtlichen Engagement auch etwas geben, das eine finanzielle Lebensgrundlage bilden kann. Wann wurde die GbR „Format F“ offiziell gegründet? Keitel: Im Grunde war „Format F“ eine ziemliche Schnellschussaktion. Wir hatten das Projekt „Silvesterfunkeln“ auf unserer Agenda und wollten das unbedingt umsetzen. Einen Monat zuvor, im November 2019, haben wir uns zusammengefunden und „Format F“ ge­gründet. Im ersten GbR-Vertrag war auch noch nicht absehbar, dass wir ein paar Monate später eine Kneipe übernehmen werden. Was hat Sie bewegt, das Lokal „Landwehrbräu am Turm“ zu pachten? Keitel: Durch Corona haben sich die Rahmenbedingungen verändert, denn Veranstaltungen waren ja kaum mehr möglich. Wir haben uns dann entschieden, den nächsten Schritt zu gehen, auch wenn es gerade absolut naiv erschien. Wir lassen uns hier nieder und gründen eine Basis. Ein Zentrum für alle Projekte, die von uns ausgehen. Es war elementar für uns eine nächste Stufe der Ernsthaftigkeit anzugehen, damit es permanenten Umsatzfluss gibt und um Existenzen davon finanzieren zu können. Also vom Nebenbeiprojekt hin zum Lebensinhalt, der sehr allumfassend ist. Götz: Es war schon immer unser Wunsch, einen zentralen Ort zu haben, wo wir unser ganzes Tun bündeln können. Wir haben ja auch im ersten Stock im „Landwehrbräu am Turm“ unsere Büros. Früher haben wir punktuell Welten aufgebaut, jetzt haben wir einen Ort, wo kontinuierlich unsere Welt ist. Wie haben Sie die letzten eineinhalb Jahre seit Start der Kneipe empfunden? Götz: Wir sind ja sehr bewusst ins offene Messer gelaufen. Aber manchmal gibt es im Leben Momente, da muss man dann einfach etwas machen. Das war so einer. Für uns fünf war ein Angebot da, das einfach gepasst hat. Die Schwierigkeiten haben wir einkalkuliert. Auch wenn es in der Lockdownzeit natürlich nicht so schön war. Haben Sie es nie bereut? Götz: Nein. Ich kann zwar nicht für alle fünf sprechen. Ich auf jeden Fall zu keiner Sekunde. Wir haben das Beste daraus gemacht. In der ganzen Coronazeit war das Lokal auch ein wichtiger Anlaufpunkt für uns. Trotz der finanziellen Einbußen waren wir auf einer anderen Ebene...