Alle lieben Lotte Jul01

Alle lieben Lotte

Das Toppler Theater macht Goethes Werther zum musikalischen Sommerhit „Vorhang auf“ für die diesjährige Saison im Toppler Theater. Zum Start gibt sich kein Geringerer die Ehre als Johann selbst. Johann, wer? Natürlich Johann Wolfgang von Goethe. Aber keine Sorge, dieser Johann im Toppler Theater ist kein angestaubter Dichter, sondern weiß auf unterhaltsam-humorvolle Art zu unterhalten. „Verliebt in Lotte – Theaterstück mit Liedern nach Goethes Werther“ heißt die Eigenproduktion des Rothenburger Toppler Theaters, die noch bis zum 18. Juli gespielt wird. Carsten Golbeck, freier Dramaturg und Autor an diversen Bühnen, hat das Dreipersonenstück eigens für die stimmungsvolle Bühne geschrieben. In normalen Zeiten fasst das Theater, das im Nordhof des Dominikanerinnenklosters zu Hause ist, rund 120 Plätze. In Zeiten von Corona wird die heimelige Atmosphäre noch intimer, wenn weit weniger Plätze pro Aufführung zur Verfügung stehen. Unterhaltung mit Musik Das mit viel Musik und Gesang untermalte Theaterstück lässt die Zuschauer schmunzeln, denn eine Frau, die schöne Lotte, verdreht gleich zwei Männern den Kopf: Dem jungem Johann alias Goethe und dem jungen Werther, bekannt als tragischer Held aus Goethes Erzählung „Die Leiden des jungen Werther“. Auf geschickte Weise verwebt Carsten Golbeck so die literarische Vorlage mit verschiedenen Ebenen. Die Liebe, die erwiderte und die unerwiderte, ist damals wie heute omnipräsent und sorgt für einen unterhaltsamen Theaterabend. Regie führt Thomas Helmut Hepp. Ebenfalls im Juli (Premiere ist am 23. Juli) startet die zweite Eigenproduktion des Toppler Theaters: „Der Kredit“ von Jordi Galceran. Ging es bis dahin im Theater um die Liebe, kommt nun die zweite große Herausforderung im Leben auf die Bühne: das liebe Geld. In dem Zweipersonenstück verweigert ein Filialleiter einem Kunden einen Kredit. Der eine hat Haus, Job und Familie, dem anderen wird es verwehrt. Es beginnt ein Spiel um Geld und Glück und das System...

Steine statt Reliquien Jul01

Steine statt Reliquien...

Die Heiltumskammer der St.-Jakobs-Kirche Der Eingang ist unscheinbar. In der Durchfahrt unter der St.-Jakobs-Kirche (in der Klingengasse) befinden sich zwei braune Holztüren. Die meisten Passanten gehen zügigen Schritts daran vorbei. Dr. Oliver Gußmann, Touristen- und Pilgerpfarrer an St.-Jakob, öffnet eine der alarmgesicherten Türen. Ein verwunschen wirkender, polygonaler Raum mit Rippengewölbe verbirgt sich dahinter. Durch mehrere Fenster fällt Licht auf die steinernen Zeitzeugen im Inneren. Imposante Skulpturen, Gipsmodelle, Gemälde, Steinfragmente, hölzerne Engelsflügel und ein leuchtend roter Herrnhuter Stern, der zur Weihnachtszeit über dem Altar hängt, füllen diesen Ort. Ja, was genau ist das eigentlich für ein Raum? Kapelle, Heiltumskammer, kleines Museum oder nur ein Abstellraum? In Rothenburg hat sich die Bezeichnung Heiltumskammer etabliert. Eine Heiltumskammer ist ein sakraler Ort, an dem Reliquien aufbewahrt werden. Heutzutage, im 21. Jahrhundert, ist der Raum aber keine echte Heiltumskammer mehr, denn Reliquien befinden sich hier nicht. Und ob es diese jemals hier gab, ist auch nicht eindeutig belegt. „Wozu der Raum gedient hat, kann man nicht genau sagen“, so Gußmann. Der Bau der St.-Jakobs-Kirche wurde im 13. Jahrhundert begonnen. Der erste Ablass zum Kirchenbau stammt aus dem Jahr 1286. Bereits zu dieser Zeit gab es in Rothenburg die Heilig-Blut-Reliquie, eine „Wunderblutreliquie bzw. ein Korporalienwunder, deren Verehrung im 13. und 14. Jahrhundert enorm zunahm“ (aus Anton Ress, Die Kunstdenkmäler von Bayern, Stadt Rothenburg o.d.T. I, S. 76 ff.) Die bauliche Entstehung Belegt sind weiterhin Zuwendungen durch neue Ablässe in den Jahren 1446, 1455, 1459, die den finanziellen Rahmen gaben, um den Kirchenbau „unter Überbrückung der Klingengasse mit der Errichtung des chorartigen, doppelgeschossigen Westbaus fortzusetzen“. Auf der Empore sollte die Heilig-Blut-Reliquie gezeigt werden, die um 1500 in den Riemenschneider-Altar eingefasst wurde. Rückblickend gibt es für die Nutzung des Raumes unter der Empore keine klare Zuordnung. Anton Ress schreibt, dass „der unvollendet...

Freiluftgalerie am Klingtor Jul01

Freiluftgalerie am Klingtor...

„Kunst an der Mauer – nochmal anders“ geht in die zweite Runde So eine Pandemie kann auch ihre guten Seiten haben – zum Beispiel „Kunst an der Mauer – nochmal anders“. Seit Ende Mai gibt es auch in diesem Jahr wieder die Freiluftausstellung des Rothenburger Kunstkreises. Eigentlich sollte 2021 das Original „Kunst an der Mauer“ mit etwa 40 Ausstellern stattfinden. Seit 2007 existiert weitgehend im zweijährigen Rhythmus die Kunstausstellung an der historischen Stadtmauer neben dem Klingentor. Es war aber absehbar, dass das mit den noch geltenden Coronaregeln heuer nichts wird. „Also haben wir uns entschlossen, nochmal das Kunstformat aus dem letzten Jahr anzubieten“, so Helga Fabi. Zu Coronazeiten wollten die Aktiven des Kunstkreises die Kultur hoch halten und haben ihre Gemälde im letzten Sommer direkt an der Mauer ausgestellt. Das kam so gut an, dass nun wieder Kunst direkt an der Mauer hängt. Sowohl Einheimische als auch Besucher der Stadt genießen den unkomplizierten Kunstgenuss. „Viele Familien mit Kindern bleiben stehen und haben ihre Freude an den Gemälden“, so Ruth Bücker. Also haben die Künstler ihr Gerüst über den historischen Polder angebracht und ihre Acrylgemälde arrangiert. „Mindestens einen Tag brauchen wir um die Kunstwerke zu hängen“, so Ingeborg Goebel. Rund 80 Bilder sind stets ausgestellt und stehen zum Verkauf. Hat eines einen neuen Besitzer gefunden, wird es ersetzt. „Wir haben noch einen Fundus“, sagt Helga Fabi. Sie wohnt direkt neben der kunstvollen Mauer und steht als Ansprechpartnerin für Kaufinteressenten zur Verfügung. Und was passiert mit den Bildern, wenn es mal regnet? Kein Problem, so die Künstlerinnen. Die Bilder sind alle mit Acrylfarben auf Leinwand gemalt und somit weitgehend Wasser resistent und widerstandsfähig. Die „Kunst an der Mauer“ hat sogar den 7-jährigen Hannes zu einem eigenen Kunstwerk angeregt, das er anonym hinterlassen hat. „Der Kunstkreis würde...

Juli Jul01

Juli

Das Inhaltsverzeichnis des ROTOUR-Heftes für Juli Kultur Editorial: Ein neuer Zauber Kunstausstellung an der Mauer Die Heiltumskammer von St.-Jakob Ein dreidimensionales Museum Vorhang auf im Toppler Theater Ein Festival rund um Franz Liszt Bewegtes Theater im Freilandmuseum Veranstaltungen Der „Fränkische Sommer“ startet Kirchen im Kerzenschein Ein Markt mit Handgemachtem Ausgehtermine Rund um die Frankenhöhe Wohin im Hohenloher Land Wirtschaft Eiskreationen der Familie Bender Kulinarische Auszeichnung: Bib Gourmand Panoramabild: Wehrhafte Bastei Typgerechte Frisuren im Salon Cleopatra Firma Roth: Bauen mit „Know How“ „Ultraschicke“ Möbel Traumtage mit Lisa Glogger Information Rundgang durch die Jahrhunderte A walk through centuries Karte Rothenburg und Umland TITELBILD: Szene im Toppler Theater Foto: am Service Wohin ausgehen in Rothenburg? Sehenswürdigkeiten in deutsch/englisch Informationen von A bis Z Freizeitideen Impressum Gesellschaft Personalia: Thomas Ehrlinger Heimatküche: Ein Heft voller Rezepte Einer der letzten Korbmacher  Schnappschuss: Hand in Hand Eine Töpferin im Romschlössle Gedicht über Heinrich...

Verzaubert Jul01

Verzaubert

Liebe Leser, haben wir es nun geschafft? Irgendwie traut man dem Frieden nicht so recht. Auf der einen Seite sind die Alltagsregeln der Coronazeit, die wir verinnerlicht haben, und auf der anderen Seite ist der Wunsch, das Leben wieder unbeschwert zu genießen. In gewisser Weise wagen wir also einen Neuanfang. Ganz nach Hermann Hesses berühmtem Stufen-Gedicht: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne …“. Also wagen auch wir es, Sie mit den folgenden 112 Seiten zu verzaubern. Nach den vielen Monaten der kulturellen Einöde geht es wieder los: Das Rothenburger Toppler Theater bringt zwei Eigenproduktionen auf die Bühne. Auf Seite 17 finden Sie den Spielplan. In Schillingsfürst geben junge, mit Preisen ausgezeichnete Künstler ihre Liszt-Interpretationen zum Besten (Seite 18). Die Junge Oper Schloss Weikersheim präsentiert George Bizets „Carmen“ (Seite 32) und im Klangpark in Bad Mergentheim findet ein Literaturfestival unter freiem Himmel statt (Seite 28). Wer mehr auf Bummeln eingestellt ist, kann dies beim „Handmade Art“-Markt mitten in Rothenburg tun (Seite 34). Alle Veranstalter sind optimistisch und haben ein stimmiges Hygienekonzept. Es gibt aber auch Menschen, die einen ganz persönlichen Neuanfang wagen. Dazu gehören Lisa Glogger, die als Rothenburgs erste Hochzeitsplanerin mitten in Coronazeiten an den Start gegangen ist (Seite 68), und Marlon Model und Lea Stegmann, die einen eigenen Online-Möbelhandel betreiben (Seite 66). Die Zeit des Umbruchs ist hoffentlich gekommen. Wenn Sie mögen, dann geben Sie sich dem neuen Zauber hin. Ihre Andrea...