Wasser im Turm Mrz03

Wasser im Turm

Industriedenkmal im Galgentor Das Galgentor, die am höchsten Punkt der Stadt gelegene Befestigungsanlage (auch Würzburger Tor genannt), ist mehr als ein historisches Bollwerk. Im 14. Jahrhundert als Wehranlage erbaut, haben die Stadtväter 500 Jahre später einen neuen Nutzen in der Anlage – insbesondere im zugehörigen Turm – gesehen: In etwa 22 Metern Höhe wurde ein imposanter Wasserspeicher samt Ständerkonstruktion eingebaut, die sich durch den gesamten Turm zieht. Die Anlage befindet sich noch heute unverändert im Turm. Wasser war schon immer ein besonderes Thema in Rothenburg. Die romantische Lage der Stadt auf einem Felsvorsprung zwischen der Frankenhöhe und dem Taubertal bringt als Nachteil einen Mangel an Grundwasser mit sich. Die Rothenburger mussten also von jeher überlegen, wie sie das lebensnotwendige Nass in ihre Brunnen und später in ihre Häuser brachten. Daher gab es mehrere Zuleitungen in die Stadt. Eine davon nutzte drei Quellen nahe der Wachsenberger Steige und führte bis zu einem Reservoir am Würzburger Tor. Die in den 1860er Jahren errichtete Leitung lieferte aber nur unzureichend Wasser. Eine Akte zum Wasserreservoir im Würzburger Tor liegt im Stadtarchiv. Archivar Dr. Florian Huggenberger hat darin recherchiert: Im Winter 1892 wurden gerade mal 0,8 Liter/Sekunde Wasserzulauf aus dieser Leitung gemessen. Zeitweise musste der Bevölkerung das Wasser gesperrt werden. Die Stadt musste also tätig werden um die Versorgung zu gewährleisten. Der Geologe Dr. Hans Thürach wies 1890/91 auf die Möglichkeit hin, Wasser aus dem Moritzgrund zwischen Rothenburg und Neusitz zu beziehen. „In einem späteren Gutachten schrieb er, unter Einbeziehung von Wasserquellen bis zum großen Lindleinsee seien Wassermengen von bis zu 10 Liter/Sekunde zu erreichen“, so die Archiv-Recherche. Wasser war also da, nun musste es nur noch bis zum höchsten Punkt der Stadt kommen. 1892 beauftragte die Stadt den Amberger Ingenieur Heinrich Kullmann mit der Ausarbeitung eines Plans für...

Hoffnung Mrz03

Hoffnung

Liebe Leser, die letzten Monate waren geprägt von Leere. Nix los in den Gassen Rothenburgs, nix los nach Feierabend, keine Freunde mehr in Sicht. Dieses kontemplative Nirwana konnte einem durchaus auf die Nerven gehen. Nun zeigen sich endlich die ersten Sonnenstrahlen und mit ihnen keimt die Hoffnung auf, dass wieder was geht. Auch wenn das öffentliche Leben erst vorsichtig an Fahrt gewinnt, haben wir versucht, einige Veranstaltungstipps für Sie zusammenzutragen. Die März/April-Ausgabe im Jahr 2019 hat unglaubliche 32 Seiten umfasst. Aktuell passen alle Termine für Kunst und Kultur auf gerade mal 14 Seiten. Und deren Umsetzung ist abhängig von der aktuellen Coronalage. Wer hätte das gedacht? Sie, liebe Leser, bekommen aber trotzdem nicht weniger ROTOUR-Lesestoff von uns präsentiert. Des einen Leid ist des anderen Freud‘: Von Weikersheim bis Geslau, von Creglingen bis Wörnitz waren wir unterwegs und haben die besten „Stories“ für sie auf 112 Seiten recherchiert. Schließlich sehen wir es als unsere Aufgabe an, dieses kontemplative Nirwana für Sie zumindest unterhaltsam zu gestalten. Lassen Sie sich daher entführen in die Welt historischer Horex-Motorräder oder zu Momentaufnahmen beim Abbau der Rieger-Orgel in der St.-Jakobs-Kirche. Oder wollen sie wissen, wie man erfolgreicher „Influencer“ wird und wie ein Leben auf der Überholspur aussieht? Für alle 16-Jährigen haben wir was ganz Besonderes: Ihr dürft selbst ein Auto fahren, ein Microcar. Bis es also wieder richtig losgeht stehen wir Ihnen mit ROTOUR stets fest zur Seite. Ihre Andrea...

März/April Mrz03

März/April

Das Inhaltsverzeichnis des ROTOUR-Heftes für März/April Kultur Editorial: Hoffnung Wird der Brunnen heuer Eier tragen? Wasser im Turm Horex-Motorräder wieder fit gemacht Prunk und Bürgertum dicht beieinander Stille in der Kirche: Die Orgel wird geputzt „Träumen & Machen“ geht immer Veranstaltungen Frühjahrswanderwoche Rothenburg Kreuzgangspiele „extra“ Frühlingserwachen in der Tauberstadt Ausgehtermine Rund um die Frankenhöhe Wohin im Hohenloher Land Wirtschaft Kleinkarossen für 16-Jährige Metzgerei Horn Rotarier als Weinlesehelfer „na klar“: Waschstraße für Autoliebhaber Kost Kamm in Windelsbach Ein Oscar für die Eventscheune Panoramabild: Die Natur schöpft neue Kraft Opel Paul – Ein Autohaus mit Kompetenz Information Rundgang durch die Jahrhunderte A walk through centuries Sehenswert in der Umgebung Karte Rothenburg und Umland TITELBILD: Frühlingsboten an der Stadtmauer – Foto: am Service Wohin ausgehen in Rothenburg? ROTOUR-Berichte online lesen  Sehenswürdigkeiten in deutsch/englisch Informationen von A bis Z Freizeitideen Impressum Gesellschaft Personalia: Frank Flörchinger  Schnappschuss: Freie Sicht auf Reliquie93 Grünspecht-Konzept: Apfelsaft Robin Hecker: Influencer auf Instagram Migration in Rothenburg als Chance Wo ist Frieda: Ostersuchaktion für...

Perfektion Jan26

Perfektion

Die Strahlkraft der Judengasse 10 Das Haus in der Judengasse 10 in Rothenburg ist nicht nur einzigartig, es ist auch das erste Referenzobjekt des „Kulturerbe Bayern“. „Unser absolutes Aushängeschild“, sagt Dr. Andreas Hänel als Vertreter des Stiftungsvorstands, „Da soll alles perfekt werden.“ Eine Mikwe, ein jüdisches Ritualbad, und eine Bohlenstube, die nach neuen Erkenntnissen aus der Erbauungszeit stammt, waren unter anderem ausschlaggebend, dass sich das „Kulturerbe Bayern“ unter einer Auswahl von 30 Objekten dem Rothenburger Haus angenommen hat. „Kulturerbe Bayern“ ist ein 2015 gegründeter Verein und eine 2018 ins Leben gerufene Stiftung, die es sich gemeinsam zum Ziel gemacht haben, geschichtsträchtige und bedrohte Gebäude für die Nachwelt zu erhalten. Und zwar nicht als sterile Museen, sondern mit einer lebendigen Mischnutzung. Die Judengasse 10 wird daher voraussichtlich im Sommer 2022 ihren seit vielen Jahrzehnten andauernden Märchenschlaf beenden und Lebensraum, öffentliche Begegnungsstätte und Vereinssitz sein. Mit der dann zugänglichen Mikwe prägt das Haus auch die Erinnerungskultur. Das Gebäude wurde 1409 erbaut. Damals wohnten Christen und Juden in diesem Teil der Stadt nebeneinander. In den letzten Jahrzehnten verfiel das Haus zusehends. Der Verein Alt Rothenburg konnte es vor einigen Jahren kaufen und die Substanz vorübergehend sichern. Eine kostspielige Restaurierung wäre aber unmöglich gewesen. Die Stiftung „Kulturerbe Bayern“ kam daher als der ersehnte Retter genau zur richtigen Zeit. Für 75 000 Euro wechselte das Haus den Besitzer und wird seit Sommer 2020 für voraussichtlich 1,5 Millionen Euro restauriert. Einheimische und Passanten verfolgen den Prozess mit Neugier, denn in den ersten Monaten hatte das Haus etwas von Christos Verhüllungskunstwerken. Zuerst ragten massige Rohre aus dem Haus. Mit Heißluft wurde den Schädlingen zu Leibe gerückt. „Die Kerntemperatur im Holz musste 58 °C erreichen“, erklärt Architekt Andreas Konopatzki. Nach der Saunabehandlung kam die Verhüllung, denn das Dach wurde saniert. Rund 5 000 Ziegel,...

Nostalgie auf zwei Rädern

Aus Liebe zum Motorroller: „Blech & Schalten“ aus Rothenburg Wenn zehn bis zwanzig Rothenburger Vespa-Freunde mit ihren betagten aber durchaus intakten Vespa-Rollern durch italienische Dörfer fahren, stehen die Menschen nicht selten am Straßenrand und klatschen. Die Südländer selbst fahren meist keine der traditionellen Kultobjekte mehr. Seit der Gründung des privaten Roller-Clubs „Blech & Schalten“ im Jahr 2011 waren Peter Kayczyk und Stefan Reihs aus Rothenburg überrascht, wie viele begeisterte „Vespa-Fahrer“ es rund um ihre Heimatstadt gibt. „Innerhalb kürzester Zeit waren wir ein zusammen gewürfelter Haufen Gleichgesinnter, die bis heute das Blech auf zwei Rädern verbindet“, erzählen die beiden Gründer des privaten Vespa-Clubs. Unter ihnen gibt es zwei Vater-Sohn Pärchen und das älteste Mitglied ist 70 Jahre alt und voll dabei, berichten Kayczyk und Reihs begeistert. Einen Chef gibt es nicht. Sie kommen zusammen und teilen eine Leidenschaft, das ist alles. Der Name „Blech & Schalten“ ist zwar ungewöhnlich, aber auch selbsterklärend. Die Zweiräder des Clubs sind mit Schaltgetriebe ausgestattet und aus einer Blech-Karosserie gebaut. Den Anfang der Vespa-Ära machte der italienische Industrielle Enrico Piaggio mit der „Vespa 98“ im Jahre 1946. Nachdem seine Flugzeugfabrik im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, konzentrierte er sich auf die Entwicklung von Motorrollern. Im April stellte er der Öffentlichkeit das Modell „Vespa 98“ im Golfclub von Rom vor – die Mutter aller Roller. Jeder weitere Roller stammt von diesem industriellen Prototypen ab. Italien liebte den Rennsport. Laut Piaggio wurde die „Vespa 98“ entwickelt, um der Welt die Wettbewerbsfähigkeit des kleinen Rollers auf Rennstrecken zu beweisen. Die Originalfarbe des Modells war Rot. Deshalb war die Vespa ihrer Zeit auch als kleiner “brennender Ball” bekannt. Heute sind rote Vespa-Roller kaum noch zu sehen. Das aktuellste Modell ist die „Vespa Elettrica“. Mit einem niedrigen Spritverbrauch und einem elektrischen Motor ist sie ein Vorzeigemodell für die Umwelt. Vespa bringt laut der Firma Piaggio die gesellschaftlichen Themen Mobilität und Freiheit in Einklang mit Umweltbewusstsein und Stil. Die Roller-Freunde sind jedoch der Nostalgie der in die Jahre gekommenen Modelle aus Blech verfallen. „Einer von uns hat seinen ´Kunststoffbomber´ verkauft und einen Blechroller erworben,“ so die Oldtimer-Fans. Besonders stolz ist der Club auf die Roller aus den Baujahren 1955 und 1956. Die „Old Ladies“ schaffen mit 10 PS unglaubliche Steigungen in den Bergen und sind technisch wie nach einem Baukastensystem aufgebaut. Ersatzteile älterer Baujahre sind kompatibel mit jüngeren Modellen und deshalb leicht zu finden. „Jeder, der an der jährlichen Tour nach Südtirol zum Weingut „Putzenhof“ in der Nähe von Bozen (Südtirol) teilnehmen möchte, sollte mindestens eine 10 PS-Maschine haben, sonst sind die Berge über den Reschenpass oder über das Timmelsjoch (2509 m) nicht zu schaffen,“ erklären die Freunde. Das sind auch die höchsten Punkte, die die Teilnehmer des Roller-Clubs zusammen „erklommen“ haben. Auf einer der letzten Touren nach Südtirol wurden sie angerufen. Zwei Vespa Fahrer hatten ein unlösbares technisches Problem und steckten fest. Die Telefonnummer von Stefan Reihs hatten sie seit dem „WespaWaldTreffen“ 2019 (im Stöffelpark in Enspel) noch im Handy gespeichert. Die Roller-Freunde trafen sich am Gardasee. „Am Abend haben wir gemeinsam Pizza gegessen und anschließend die ganze Nacht durch geschraubt,“ erinnern sich Kay­sczyk und Reihs immer noch amüsiert. In der gebuchten Unterkunft sind die Gleichgesinnten zusammengerückt, um sich für den nächsten Touren-Tag auf zwei Rädern auszuruhen. Zum Glück haben sie drei „Schrauber“ in der Mannschaft. Wie auf jeder Ausfahrt war ein Sprinter als Servicewagen mit Werkzeug und sogar Ersatzroller für den Notfall dabei. Apropos Technik – im Moment bauen die „Mechaniker“ des Clubs gerade einen eigenen Prüfstand für die Roller. Wenn die Vespa-Begeisterten eine gebrauchte Vespa erstanden haben, können sie die tatsächliche Leistung des Motors feststellen. Ein solcher Prüfstand wurde zuvor extra für „Blech & Schalten“-Veranstaltungen ausgeliehen. Er war immer ein begehrtes Objekt auf jedem Roller-Treffen, wie die Freunde feststellen konnten. Jetzt in der Vorsaison ist Zeit, sich um den Bau einer eigenen Anlage zu kümmern und die Zweiräder wieder für die nächsten Touren und Treffen fit zu machen. Der...