Von der Weide auf den Teller

Die Metzgerei Horn in Kreuth hat eigene Piemonteser-Rinder und stellt alle Wurstwaren selbst her Normalerweise ist im kleinen Ort Kreuth bei Geslau nichts los. Entspannt stehen muskulöse Rinder im Frühsommer auf der Weide und die Landwirte gehen ihrem Tagwerk nach. Am Freitag und Samstagvormittag ist dagegen reger Verkehr in Kreuth, denn dann hat der Hofladen der Metzgerei Horn geöffnet. Roastbeef, Rinderrouladen und -braten liegen ebenso wie Aufschnitt, Schinken, fränkische Bratwürste und vieles mehr in der Theke. Dahinter hängt das deftig Geräucherte. Die Familie Horn hat sich bereits 1996 mit der Eröffnung des Hofladens zur Direktvermarktung entschieden und das Konzept über die Jahrzehnte stets den zeitgemäßen Wünschen angepasst. „Fleisch“ wird hier gelebt. Der Ursprung des Unternehmens ist dabei ganz klassisch: Die Familie betreibt seit Generationen in Kreuth Landwirtschaft, also Ackerbau und Viehzucht. Erwin Horn, der 2019 verstorben ist, hat dann mit den Hausschlachtungen begonnen und gemeinsam mit seiner Frau Cornelia Horn den Hofladen etabliert. Echter Familienbetrieb Mittlerweile sind alle drei Kinder im Familienunternehmen angekommen: Toni Horn, gelernter Schreiner, kümmert sich um die Landwirtschaft, Metzgermeister Maximilian Horn ist für die Metzgerei zuständig und Nina Pfeiffer (Bürokauffrau) organisiert Büro und Verwaltung. Mutter Cornelia schmeißt den Verkauf und den Partyservice. Die Hinterlassenschaft des Vaters halten sie mit viel Engagement in Ehren, denn darin steckt dessen ganz besonderes Herzblut: Die Rinder der Rasse Piemonteser. „Unser Vater hat immer Rinder verschiedener Rassen vom Viehhändler gekauft“, erzählt Maximilian Horn, „Und eines Tages war ein Piemonteser darunter.“ Die haben es Erwin Horn dann angetan. Zweimal ist er nach Italien gefahren, wo die Rasse ihren Ursprung hat. Mit zwei Tieren hat er dann 2006 die Zucht angefangen. „Mittlerweile haben wir zwischen 100 und 150 Piemonteser, darunter 50 Kühe“, sagt Maximilian Horn. In drei Herden mit drei Zuchtbullen stehen die Rinder im Winter in zwei Freilaufställen und von April bis November auf der Weide. „Unsere Kunden sehen die Tiere in natura“, fügt Cornelia Horn an. Verbundenheit mit Tieren Alle Kälber kommen auf natürliche Weise auf die Welt und bleiben ein Jahr bei der Mutter. Den Großteil des Futters produziert Toni Horn selbst. Ach ja, und jedes Tier hat einen Namen. „Auch wenn die Tiere geschlachtet werden, werden sie geliebt. So hat uns unser Vater erzogen“, merkt Nina Pfeiffer an. Das Fleisch der Piemonteser hat es nicht nur der Familie Horn angetan, sondern begeistert auch die Kunden. Niedriger Fettgehalt, weniger Cholesterin und der gute Geschmack überzeugen. Die Horns vermarkten im Hofladen in Kreuth und in der seit 2019 bestehenden Filiale in Leutershausen ausschließlich das eigene Rindfleisch. Auch am Wochenmarkt in Rothenburg ist der Familienbetrieb seit Jahren mit dem eigenen Rindfleisch und den Wurstwaren vertreten. Die Horns sind seit mehreren Jahren Mitglied im Regionalbuffet und bodenständige Direktvermarkter. „Wir schlachten schon immer auf dem Hof“, erklärt Cornelia Horn. Ihr Mann Erwin hat bereits 2004 ein Schlachthaus mit EU-Zulassung in Kreuth gebaut. Als 2014 klar war, dass Sohn Maximilian in seine Fußstapfen tritt, wurde nochmal größer investiert. „Wir schlachten in der Woche etwa 25 Schweine und ein Piemonteser-Rind“, erzählt Maximilian Horn. Die Schweinemast hat die Familie eingestellt und bezieht die Tiere von fünf bis sechs kleineren Mastbetrieben in der Nachbarschaft von Kreuth. Unterstützung bekommt Maximilian Horn im Schlachthaus dabei von vier weiteren Metzgern. Insgesamt beschäftigt das Familienunternehmen in Kreuth 25 Mitarbeiter und bildet regelmäßig Azubis zum Fleischer (Metzger) aus. Die Rinder sind im Alter von eineinhalb bis zweieinhalb Jahren schlachtreif. „Wir wissen genau, was wir verkaufen“, erklärt Maximilian Horn, „Wir wissen wie die Tiere leben, was sie fressen und wie sie sterben – nämlich ohne stressigen Tiertransport.“ Für die Metzgerei stellen Horn und seine Mitarbeiter das komplette Sortiment her: Bratwürste, verschiedene Arten von Salami, rund 16 Sorten Aufschnitt, Kochschinken, sämtliche Sorten Geräuchertes und Braten. Zusätzlich gibt es Dosen unter anderem mit Sauerbraten und Schaschliktopf. Die beiden Rewe-Märkte in Rothenburg und Wörnitz werden von der Metzgerei Horn mit einem Dosensortiment und ausgewählten Wurstsorten beliefert. Regional und nachhaltig Mit der Zeit zu gehen, ist für...

Ein Leben auf der Überholspur

Frank Flörchinger hat zugegriffen, wenn das Leben Neues bereit hielt Auf die Minute genau kommt Frank Flörchinger zum Interview. „Ich bin ein Pünktlichkeitsfanatiker“, sagt er mit einem sympathischen Lächeln. Und er verschwendet keine Zeit mit banalem Smalltalk. Innerhalb weniger Sekunden sind wir mitten in seinem Leben angekommen. 52 Jahre ist er alt, und „wenn es jetzt aus wäre, dann hätte ich schon zweieinhalb Leben gelebt“, meint er. Sein Blick richtet sich fokussiert auf den Gesprächspartner, die Antworten kommen blitzschnell. Es gibt Menschen, die geben 100 Prozent, bei Frank Flörchinger sind es 1 000 Prozent. Dass er unter Strom steht ist ihm klar, und dass das mitunter Raubbau ist, auch. Aber wenn er zurückblickt, bereut er nichts. Geprägt von Rothenburg Frank Flörchinger ist Rothenburger. Seine Eltern Christel und Egon Flörchinger sind vielen durch ihre Puppenmanufaktur, das Andenkengeschäft und ihr Hotel bekannt. Das internationale Flair der Tauberstadt, die ausländischen Gäste, die kulturellen Eindrücke und die vielen Sprachen begeisterten Frank Flörchinger schon immer. „Ich hab bereits in jungen Jahren über den Tellerrand geblickt“, erinnert er sich. Für das Geschäft seiner Eltern hat er als Abiturient Mietverträge mit der Messe in New York ausgehandelt oder eine eigene Produktion in Asien organisiert. An Selbstbewusstsein hat es dem jungen Mann nicht gemangelt. „Ich habe immer gejobbt“, sagt er. Bei den Eltern im Laden oder in den Ferien am Bau. Das war hart, hat ihm aber viel Lebenserfahrung gebracht. Wochenlang war er dann in den Sommerferien mit dem selbstverdienten Geld in Asien unterwegs. „Damals gab es noch keine Kommunikation wie heute. Ich war sozusagen verschollen“, erinnert er. Von den Wellen angespült Nach dem Abitur ging er zur Bundeswehr und machte danach eine Banklehre bei der Rothenburger Volksbank. Man muss kein Hellseher sein, um vorherzusagen, dass das wohl nicht das Richtige für ihn war. Er zog danach noch einmal für ein Jahr in die Welt hinaus. Thailand, Indonesien, das Elend an den Bahnhöfen in Java, Tote am Straßenrand – all das hat ihn geprägt. In Bali versuchte er sich im Wellenreiten und „das war ein einschneidendes Erlebnis in meinem Leben“, so Flörchinger. Er ist ertrunken, wurde an den Strand gespült und dort wiederbelebt. „Danach war ich erst mal sehr ruhig und in mich gekehrt“, erinnert er sich. Bis dahin habe er menschliche Ressourcen sehr egoistisch eingesetzt, gibt er offenherzig zu. Er hat sein Leben hinterfragt, kam zurück und studiert in Würzburg Diplom Psychologie mit Ausrichtung auf Arbeits- und Betriebspsychologie, allerdings nur fünf Semester. Als Freigeist kam er schnell in Konflikt mit den verkrusteten Strukturen des Uni-Betriebs. „Ja, es ist schade, dass ich das Studium nicht abgeschlossen habe. Aber zu dem Zeitpunkt war es die richtige Entscheidung“, ordnet er rückblickend die Situation ein. Gründung der eigenen Firma Auch während des Studiums hat er immer gejobbt. „Ich bin stets die Treppe hinauf geschmissen worden“, erzählt er. Eine klassische Bewerbung hat er nie geschrieben, auch nicht für seine Anstellung als Bereichsleiter neue Medien im Expansionsteam und im Pilotprojekt „Computerwelt“ der Saturn-Media-Gruppe. Er zog dafür nach Aschaffenburg, wo er dann drei Jahre später (2001) seine eigene Firma „Melange Gmbh“ gründete. Begeistert von den neuen Technologien des Computerzeitalters hat er IT-Promotion für die Großen der Branche wie Sony, Samsung, Microsoft und Intel angeboten. Dazu kamen Messe- und Veranstaltungsbetreuung und später auch Aufträge und Tourneebetreuungen für die Musikindustrie. „Was man da erlebt, kann sich niemand vorstellen“, sagt Flörchinger. Auf ein Projekt aus dieser Zeit ist er besonders stolz: Gemeinsam mit Naoki Kenji hat er den Film „Brahmand – Facing the World“ produziert. Der kunstaffine Dokumentarfilm stellt der Natürlichkeit der Erde, aufgenommen in 16 Ländern, die Auswirkungen durch den Einfluss der Menschheit gegenüber. Er kommt ohne Worte aus. „Wir haben den Film bei einer Tournee in Bildungseinrichtungen und Stadthallen vor allem unter Jugendlichen gezeigt“, so Flörchinger. Er selbst beschreibt sich in dieser Zeit, die etwa 20 Jahre währte, als „durchgeknallten Workaholic“. Er hat sieben Tage die Woche gearbeitet, täglich mindestens 18 Stunden. „Von Donnerstag bis...

Was einer alleine nicht schafft

Familie Sipos aus Ungarn setzt sich in Rothenburg für Migration ein Niemand flieht freiwillig oder verlässt sein Zuhause ohne irgend einen triftigen Grund. Finanzielle Not, Verfolgung oder Kriege können Gründe sein, die eigene Heimat und das gesamte soziale Umfeld hinter sich zu lassen. Familie Sipos aus Ungarn kennt die Situation nur zu gut. „Ich konnte meine kleine Familie finanziell kaum durchbringen“, erzählt Peter Sipos, der seit nunmehr 20 Jahren in Deutschland lebt und arbeitet. Er verließ seine Heimat ohne seine Frau und sein neugeborenes Töchterchen Nikolett. Durch den Kontakt über den Deutsch-Ungarischen Schüleraustausch in seinem Heimatland fand der junge Vater bei der Familie Neef in Tauberbischofsheim eine günstige Unterkunft mit liebevoller Aufnahme. Später mietete er sich bei Fritz und Gertrud Rahn in Schwarzenbronn bei Creglingen ein. „Ich habe dem Ehepaar Rahn viel zu verdanken. Ohne sie wäre ich nicht geblieben“, erinnert sich Peter Sipos an die so wichtige Warmherzigkeit der Menschen in einem völlig fremden Land. Arbeit fand der ausgebildete Starkstromelektriker und Kellner sehr schnell im Hotel und Gasthof „Sonne“ in der Rothenburger Hafengasse. Das Familienleben auf Distanz von mehr als 1 000 Kilometern wurde unerträglich. Maria Sipos machte sich mit ihrer kleinen Tochter auf den Weg nach Schwarzenbronn. Es sollte erst einmal ein Aufenthalt auf Probe werden. Mit Händen und Füßen kommunizierte sie mit der Familie Rahn und freundete sich schnell mit ihnen an. Heute sind die beiden über 80 Jahre alten Herrschaften für Tochter Nikolett und Sohn Stefan, der in Deutschland geboren wurde, zu Großeltern geworden. Maria Sipos blieb und arbeitete als Putzfrau. Im Jahr 2005 zog die Familie nach Rothenburg. Die Kinder forderten die junge Mutter mit ihren neu gewonnenen Deutschkenntnissen aus Kindergarten und Schule ständig heraus. Erfreut kam Nikolett mit den Worten nach Hause: „Mama, ich habe heute den ganzen Tag mit Puppen gespielt“. So ging es nicht weiter – Mutter Sipos verstand kein Wort. Mit dem Deutschwörterbuch in der Hand, versuchte sie herauszufinden, was ihre Tochter eigentlich gesagt hatte. Motiviert, der Sprache mächtig zu werden, arbeitete sie sich im Mittelalterlichen Kriminalmuseum in Rothenburg anfangs als Reinigungskraft, als Aufsicht, als Kassiererin und später als Bedienung in der Cafeteria hoch. Bei ihrer Ankunft in Deutschland (im Jahr 2004) konnten Menschen mit Migrationshintergrund auch ohne Deutschkenntnisse Arbeit finden. „Es wurde mir nur ein oder zwei Mal gezeigt, was zu tun war und das hat gereicht, um die Aufgaben zu erfüllen“, erklärt Maria Sipos. Heute werden Bewerbungsunterlagen, Deutschkenntnisse und ein Führungszeugnis verlangt. Eigeninitiative ist wichtig Der Sprache mächtig, übernahm sie ungarische Führungen im Museum. Auch hier erfuhr sie freundschaftliche Unterstützung von Sonja Hammami, die als Büroangestellte im Museum tätig ist. „Sie ist heute so etwas wie eine Ersatzmama für mich geworden“, erzählt Maria Sipos. Heute hat es die Familie zu einem eigenen Haus in der Bensenstraße gebracht und ist seit August 2017 Pächter des Hotels „Alter Ritter“. Dem Gästehaus angegliedert ist das Gasthaus Lecsó mit ungarischen Spezialitäten, das zuvor ein Schülerwohnheim war. Die Zimmermädchen im „Alten Ritter“ sind allesamt ungarischer Herkunft. Für sie ist die Familie Sipos und das Hotel zu einem neuen Zuhause geworden. Familie Sipos fühlt sich durch so viele liebgewonnene Menschen in ihrer neuen Wahlheimatstadt Rothenburg sehr angenommen. Seit acht Jahren unterhält sie eine Facebook-Gruppe, um selbst mit helfenden Händen die Neuankömmlinge in der Stadt zu unterstützen. „Wichtig ist für alle Menschen, die in Deutschland oder wo auch immer ein neues Leben beginnen wollen, Eigeninitiative zu zeigen und sich für Land und Leute zu interessieren“, rät die ehemalige Migrantin. Aber damit nicht genug. Über Facebook kam sie mit Ildiko Ortolino in Kontakt, die heute als 1. Vorsitzende des im Januar 2016 neugegründeten Mitgrationsbeirates (MigB) der Stadt Rothenburg fungiert. Maria Sipos wurde sofort Mitglied des Beirates. Heute ist sie die Stellvertretende Vorsitzende (unter den Mitgliedern sind elf Nationalitäten) und setzt sich mit Herzblut für alle Neuankömmlinge in Rothenburg ein. Im Rahmen der Vollversammlung der AGABY (Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns) am 17. April 2016 wurde...

Einfluss auf Instagram

Robin Hecker hat über 30 000 Fans Für die Kinder ist es ein Traumjob, für die Eltern mitunter verschwendete Zeit. Mit dem Siegeszug der sozialen Plattformen sind Traumberufe wie Feuerwehrmann oder Lehrerin vom Influencer ersetzt worden. Im Alltag schicke Fotos machen, auf Instagram posten und damit viel Geld verdienen, so scheint die glücksvolle Verheißung für so manchen Jugendlichen auszusehen. Die Vor-Instagram-Generation fragt sich dabei nach dem tieferen Sinn. Der Rothenburger Robin Hecker ist ein erfolgreicher Influencer bei Instagram. Innerhalb eines Jahres hat er es auf über 30 000 „Follower“, also bekennende Fans, gebracht. Das ist beachtlich und er ist zurecht stolz darauf. Er hat Einfluss in seiner Fangemeinde – und den hat er sich mit Leidenschaft, Einsatz und einem stimmigen Konzept erarbeitet. Robin Hecker ist ein eher stiller, in seiner Welt geerdeter junger Mann. Der 25-Jährige hat bei der VR-Bank in Rothenburg seine Ausbildung zum Bankkaufmann gemacht, war dann zweieinhalb Jahre bei der Bundeswehr und ist seit drei Jahren als Finanzassistent bei einer IT-Unternehmensberatung in Würzburg fest angestellt. Hecker war schon immer sportlich, hat bei der Bundeswehr an Hindernisläufen teilgenommen und 2019 die Extremwanderung „Megamarsch“ erfolgreich absolviert, bei der eine Strecke von 100 km in 24 Stunden zurückgelegt werden muss. Als seine Freunde mehr darüber wissen wollten, hat er einige Fotos vom Training auf Instagram gezeigt. „So fing alles an“, sagt er. Die Bilder kamen super an und das Interesse nahm schnell ein außergewöhnliches Ausmaß an. Anfang 2020 hatte Robin Hecker schon 3 000 Follower, die seinen Kanal abonniert haben. Die erste Kooperationsanfrage von einer Fitnessfirma aus Leipzig erreichte ihn und er bekam Sportkleidung kostenfrei gestellt. Dafür musste er Fotos und Stories (kurze Videos) auf Instagram zeigen. „Das fühlte sich an, als ob ich mein Leben ausgetrickst hätte“, erinnert er sich. Ernsthaftes Engagement Er begann zu überlegen, wo sein Engagement bei Instagram hingehen soll. „Einfach darauf los posten, dafür war mir meine Zeit zu schade“, sagt Robin Hecker. Also hat er sich Anfang des Jahres intensiv mit der sozialen Plattform auseinander gesetzt. Wie funktionieren die Algorithmen von Instagram, welches Foto kommt gut an, wann spielt Instagram ein Bild auf die Explore-Seite, womit es mehr Reichweite generiert. Die andere, noch wichtigere Frage war: Welche Menschen will er erreichen, was ist überhaupt der rote Faden und welchen Mehrwert kann er weitergeben. Robin Hecker hat entschieden, dass Fitness und Lifestyle seine Kernthemen sind. Er hat einen Content Plan (inhaltliche Abfolge) erstellt und das Projekt Instagram professionell angegangen. Ebenso wichtig war für ihn von Beginn an, dass er eine klare Linie zieht zwischen den Bereichen seines Lebens, die er auf der sozialen Plattform teilt, und den Aspekten, die privat bleiben. „Anfangs habe ich mich mit der Aufnahme von Bildern und Stories für meine zunehmende Gefolgschaft schwer getan“, erzählt er ehrlich. Robin Hecker zeigt sich beim Training, gibt Tipps, um gute Erfolge zu erzielen, unter anderem mit zwei detaillierten „Guides“ (ausführliche Anleitungen), und stellt sein Ernährungskonzept vor. Auch eine Reise rund um Deutschland und sportliche Ausflüge finden sich auf seinem Instagram-Account wieder. „Alle zwei bis drei Tage ein Foto zu posten ist schon Pflicht“, erklärt er. Dazu kommt jeden Tag mindestens eine Story, das sind kurze Videos, die nur 24 Stunden präsent sind. „Zeige ich innerhalb eines Tages keine Story, dann melden sich meine Follower bei mir“, weiß Hecker. Verbindung zu Fans Wichtig sind ihm Authentizität und Ehrlichkeit. Robin Hecker ist sich der Verpflichtung und ebenso der Verantwortung gegenüber seinen Fans bewusst. Bei vertonten Videos muss die Botschaft sitzen, denn die Fangemeinde übernimmt gerne seine Meinung. Zu Themen wie Politik, Religion und Medien hält der Influencer bewusst Abstand. Ganz genau nimmt er es mit Empfehlungen für Trainingsmethoden, Produkte oder bei Tipps: Was er selbst nicht nutzt oder für gut befindet, schafft es nicht auf seine Plattform. Robin Hecker will mit seinen Fotos und Stories seine Gefolgschaft motivieren. „Vielleicht hatte jemand einen schlechten Tag und wird mit meinem Post aufgeheitert“, hofft er. Der Influencer weiß um die Blase...

Wissen zahlt sich aus

Opel Paul in Rothenburg setzt auf Vertrauen und Kompetenz Erhöhte Spritpreise, immer neue Umweltauflagen, verschiedene Antriebssysteme und die daraus resultierende Qual der Wahl beim Autokauf beschäftigt die Menschen in der heutigen mobilen Welt. Das braucht eine vertrauenswürdige Beratung. Christoph Paul aus Ergersheim ist mit Autos aufgewachsen und kann aus eigener Erfahrung ein „Lied davon singen“, sich bei dem heutigen Überangebot für das richtige Automodell zu entscheiden. Durch Zufall erfuhr Paul von dem Verkauf des Opel Autohauses Döhler in Rothenburg und packte die Gelegenheit im Jahr 2018 beim Schopf, um mit der Neugründung eine eigene Erfolgsgeschichte zu schreiben. Schon früh mit dem Schraubenschlüssel in der Hand, ist er in der freien Kfz-Werkstatt seines Vaters groß geworden, die zu seiner Lehrwerkstatt von Kindheit an wurde. Paul entschied sich natürlich für eine Ausbildung zum Kraftfahrzeug (Kfz)-Mechaniker. Aufgrund der sich rasant entwickelnden Computertechnologie in der Automobilbranche wurde im Jahr 2003 aus dem Kfz-Mechaniker die Berufsbezeichnung Kfz-Mechatroniker. Lernte man als Kfz-Azubi bis dato Schweißen, Bohren und Schmirgeln von Motorteilen, stehen seither Internetrecherche, Diagnosecomputer und technisches Englisch auf dem Stundenplan. Im Kern werden moderne Autos kaum noch instand gesetzt, Motor und Getriebe halten heute locker 150 000 bis 200 000 Kilometer. Stattdessen liegt der Schwerpunkt des Kfz-Mechatronikers heute auf der Elektronik der computergesteuerten Automobiltechnik. Ein Software-Update kommt heute häufiger vor als ein Ölwechsel. Angesichts dieses erlebten Generationswechsels in der Automobiltechnologie und mehr als zwölf Jahren Berufserfahrung als Mechatroniker in den verschiedenen KFZ-Werkstätten von Audi, BMW bis hin zu VW, kann Christoph Paul auf ein fundiertes praktisches Wissen zurückgreifen. Seit 2015 erweiterte der 35-Jährige seinen Erfahrungsschatz als ausgebildeter KFZ-Technik-Meister und geprüfter Betriebswirt nach Handwerksordnung (HwO). Im Jahr der Eröffnung des Autohauses „Opel Paul“ (2018), ehemals Döhler, übernahm der französische Autobauer PSA die Marke Opel vom Mutterkonzern General Motors. Opel schrieb damals ein neues Corporate Design vor, mit dem das Autohaus Paul neben der Geschäftsführung auch optisch eine Änderung erfuhr. Mit insgesamt sieben Mitarbeitern machte sich der Automobilexperte auf den Weg in die Selbstständigkeit. „Ohne meine gewissenhaften Leute hätte ich noch keinen wirtschaftlichen Aufwind gespürt“, ist sich der Betriebswirt sicher. Neben der Fachkompetenz sieht Paul das hohe Engagement seiner Fachkräfte (heute insgesamt 12 Mitarbeiter) im Hause als sein eigentliches Kapital an. Der Kunde möchte im Wirrwarr der technischen Möglichkeiten eine grundehrliche Beratung und technische Sicherheit, die auf ihn und seinen Geldbeutel zugeschnitten sind. In diesem Punkt ist Christoph Paul mit seiner Erfahrung und seiner Mannschaft auf der sicheren Seite. Was Paul von sich aus sagen kann ist, dass er mit Opel eine zuverlässige Technik mit bezahlbarem Komfort bieten kann. Nicht umsonst erhielt Opel seit 1978 zum 18ten Mal mit den Modellen Opel-Kadett, -Senator, -Omega und auch im Jahr 2020 mit dem neuen Elektromodell Opel e-Corsa die Auszeichnung des „Goldenen Lenkrades“. Das beliebte Nachfolgemodell holte sich den ersten Platz in der Kategorie der „Kleinwagen“ und setzte sich deutlich gegen den starken Wettbewerb unter den Elektrofahrzeugen durch“, so der Fachmann. Der Opel-Corsa ist wie der neue Opel-Mokka mit vollkommen neuem Design als Benziner, Diesel oder als reines Elektrofahrzeug mit 136 PS erhältlich. Interessant ist bei der Wahl eines neuen e-Corsa oder e-Mokka die zehnjährige KFZ-Steuer-Befreiung. Die Batterien des e-Corsa und e-Mokka können innerhalb von einer halben Stunde bis zu 80 Prozent voll geladen werden. Opel ist mit einer seit 2018 ausgereiften e-Technologie gut im Rennen. Bis 2024 sollen alle Opel-Fahrzeuge ausschließlich als Hybridmodelle angeboten werden. „Grundsätzlich sollte man wissen, dass nur reine e-Autos und sogenannte Plug-In-Elektroautos staatlich bezuschusst werden. Das heißt, die Autos müssen mit einer außenliegenden Aufladesteckdose ausgestattet sein“, so Paul. Service – persönlich und digital „Der Kunde interessiert sich immer mehr für die Herkunft von Ersatz- und Bauteilen der Fahrzeuge“, so die Erfahrung des Geschäftsmannes. Auch in diesem Bereich ist Opel daran interessiert, Autoteile wie Batterien bevorzugt aus Deutschland zu beziehen. Im Autohaus Paul ist der Kunde noch König. Gerade jetzt in Corona-Zeiten ist der digitale Service nicht nur für Berufstätige von Vorteil. Die Werkstatt ist zu Geschäftszeiten geöffnet. Eine...

Kammkultur aus der Natur

„Kost Kamm“ hat sich der Nachhaltigkeit und Regionalität verschrieben Kein Reißen und kein Ziepen: Menschen mit langen und dicken Haaren wissen es zu schätzen, wenn der hölzerne Kamm sanft durchs Haar gleitet. Selbstverständlich ist das nicht, denn im Gegensatz zum guten alten Holzkamm kann es vor allem bei billig produzierten Kunststoffkämmen haken. Als einer der letzten Kammmacher seiner Zunft stellt Inhaber Martin Kost in seinem Unternehmen „Kost Kamm“ die traditionellen Frisiergeräte und Haarschmuck aus heimischen Obst- und Hartholz her. Während der Kunststoffkamm in Zeit der Industrialisierung Einzug hielt, blieb das Familienunternehmen dem Rohmaterial Holz treu. Seit mehr als 20 Jahren ist das fränkische Dorf Windelsbach zur neuen Lebens- und Wirkungsstätte der aus Nürnberg stammenden Kammmacherfamilie geworden. Der Kamm war das Ursprungsprodukt des Unternehmens in dritter Generation. Im neugebauten Firmen-Gebäude (erhielt auf der Ligna-Hannover den Holzbaupreis 2019) mit integriertem Ladengeschäft namens „Kostbar“ wurde das Angebot durch viele weitere Produkte der Nachhaltigkeit erweitert. Martin und Ehefrau Anja Kost präsentieren in ihrem Laden eine Vielfalt rund um die Körperpflege, Wellness und ein breites Spektrum an „Wohlfühlaccessoires“ für das traute Heim. Eine wahre Fundgrube für hochwertige Geschenke aus der Heimat. Die in Eigenproduktion hergestellten Kämme, Bürsten, Haarspangen und Schmink-Pinsel für die Dame und die Frisierutensilien und Rasierwerkzeuge für die Bärte der Herren sowie Kinderbürsten mit heimischen Tiermotiven auf dem Holzgriff gehören zum Kernportfolio des Traditionsunternehmens. Der Spruch: „100 Bürstenstriche am Tag“ erinnert an das Wissen aus Urgroßmutters Zeiten. Die Wildschweinborsten ähneln der Struktur des menschlichen Haares und sind in der Lage, das Hautfett aus den Talgdrüsenzellen der Kopfhaut aufzunehmen und bis in die Haarspitzen zu transportieren – viel bürsten bedeutet gleichzeitig Pflege. Die Borsten gibt es in drei Härtegraden und verschiedener Borstenanzahl – für jede Haarstruktur das Richtige. Ihre ergonomische, der Kopfhaut angepasste Form ermöglicht ein gutes Feingefühl für die Haarpflege. Um auch im Internet die individuell passende Bürste für jeden Haartyp zu finden, wird es in Kürze einen sogenannten „Bürstenfinder“ geben. Auch der veganen Kultur der Körperpflege und Faszien-Massage werden die aus Sisal bestehenden Bürsten mit Holzgriffen aus Nussbaum, Buche oder Birnbaum gerecht. Um die Körperpflege und Massage perfekt zu machen, werden Massageöle und aus Pflanzenölen bestehende Seifen angeboten. Künftig bietet die Firma „Kost Kamm“ Displays (Ausstellungsständer und Behältnisse) zur Präsentation der Ware für Wiederverkäufer im eigenen Geschäft an. Für Badeliebhaber und Saunagänger sind Leinenhandtücher und Saunasitztücher aus Dänemark und Finnland der Renner. „Wir fahren gerne im Bus durch die Lande und nehmen nur unsere weichen Leinentücher mit, weil sie im Nu im Wind trocknen“, erzählt Anja Kost. Der Laden hält noch weitere Schätze bereit. Bücher für Kinder oder Koch- und Weinlektüren für kulinarisch Interessierte laden zum Schmökern und Ausprobieren ein. Natürlich dürfen die passenden Spül- und Handtücher aus Naturmaterialien nicht fehlen. Für ein heimisches Ambiente gibt es farbenfrohe Kissen, Tischdecken und Wolldecken aus Naturmaterialien zu einem erschwinglichen Preis. Wer einmal bei der Kamm- und Bürstenherstellung dabei sein möchte, kann sich für eine Führung (je nach Corona-Regeln) unter: www.kostkamm.de anmelden....

Glanzvoll

„na klar!“ – Autopflege mit Herz Wenn die letzten Fröste weichen und die Sonnenstrahlen die Natur wieder erwachen lassen, ist es Zeit, Haus, Garten und auch das geliebte Automobil wieder in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Eine ganz persönliche Betreuung und eine eher außergewöhnliche Pflegeberatung für den Frühjahrsputz des eigenen PKWs findet man in Rothenburg bei der „na klar!“ Autowaschanlage der Familie Bleker. Ein freundlicher Mitarbeiter ist stets vor Ort und übernimmt die Vorreinigung des Wagens mit Aktivschaum, hilft bei der Einweisung in die Waschstraße und berät den Kunden über die verschiedenen Waschangebote. Der Extra-Schutz, ein hochkonzentriertes Glanz- und Konservierungswachs, ist für jede Wäsche für zwei Euro zusätzlich buchbar und versiegelt die Oberfläche des Wagens mit einem länger anhaltenden Tiefenglanz, der sich sehen lassen kann. „Bei regelmäßiger Anwendung wird der Lack auch bei starker Verschmutzung leichter wieder sauber“, so die Empfehlung der Familie Bleker. Die Eigenmarke „na klar!“ soll dem Kunden so viel sagen wie: „natürlich machen wir das für Sie“ und lässt kaum einen Wunsch offen. Gründer Georg Bleker war 17 Jahre lang Pächter einer Nürnberger Waschstraße, bis sich eines Tages die Gelegenheit bot, in Rothenburg eine stillgelegte Tankstelle zu erwerben. Im Jahr 1986 baute die Familie die erste eigene Waschstraße in der Mergentheimer Straße. „Wir wollten beruflich eben vollkommen unabhängig sein“, erinnert sich Elisabeth Bleker. Es war zudem eine Gelegenheit, die Lieblingsstadt der Familie zu ihrer neuen Wahlheimat zu machen. Der Bau der Autowaschanlage mit persönlichem Service dauerte einige Monate, aber die Mühe ist bis heute nicht umsonst gewesen. Es lief so gut, dass bereits in den 90er Jahren zwei neue „na klar!“-Standorte in Feuchtwangen und Ansbach hinzukamen. Alle Anlagen hatten ein anderes Erscheinungsbild. Das sollte sich mit Hilfe einer Werbefirma ändern. Seit 2006 erscheinen alle drei Standorte mit einem neuen Design....

Freie Fahrt mit 16

„Microcars“ bei Steinbrenner Der Führerschein und die damit verbundene Freiheit sind stets ein lang ersehnter Meilenstein für alle 18-Jährige – und mitunter auch für die Eltern, denn das Taxi „Mama“ kann dann mal aufatmen. Neuerdings kündigt sich jedoch weitere Entspannung für den Mobilitätsalltag von Familien an, denn bei der Firma Steinbrenner in Wörnitz gibt es schicke Autos, die schon 15- bzw. 16-Jährige fahren dürfen. In Frankreich haben die führerscheinfreien Leichtfahrzeuge ihre Fans schon erobert. In Deutschland steht der Trend in den Startlöchern. Seit Ende 2020 ist das Wörnitzer Familienunternehmen Vertragspartner der französischen Firma Groupe Ligier. Steinbrenner hat als Autohaus seit Jahrzehnten Erfahrung mit der Marke Peugeot und verbindet zusätzlich den Metallbau und die Landmaschinentechnik unter einem Dach. Nun stehen auf dem Firmengelände noch die schicken, kleinen Flitzer. Der Automobilhersteller Groupe Ligier stellt Leichtfahrzeuge der Marken Ligier und Microcar mit Dieselmotoren her. Ursprünglich hat sich Microcar als ehemals eigenständiger Automobilhersteller auf die Produktion der Leichtfahrzeuge spezialisiert und wurde 2008 von Ligier übernommen. Aktuell sind zehn Modelle, jeweils fünf der Marke Ligier und fünf von Microcar, auf dem Markt. Der Automobilhersteller Ligier war in den 1960er und 70er-Jahren im Autosport erfolgreich und lässt daraus resultierende Erfahrungen nun auch den Leichtfahrzeugen zugute kommen. Alle Modelle sind mit einem Sicherheitsrahmen aus Aluminium ausgestattet. Da Leichtfahrzeuge nur ein Gewicht von etwa 400 kg haben dürfen, muss die Karosserie aus Plastik sein. Der spezielle Rahmen ist daher ein wichtiger Sicherheitsgarant. „Die Autos fahren bis zu 45 km/h schnell und dürfen mit dem Moped-Führerschein gefahren werden“, erklärt Werner Steinbrenner. „Wenn man auf die Bremsen geht, dann steht man. Das ist der Wahnsinn“, fügt er an. Da die Leichtfahrzeuge mit kleinem Kennzeichen gefahren werden, brauchen sie keinen TÜV und es fällt keine KFZ-Steuer an. Selbstständig unterwegs In Bayern dürfen aktuell Jugendlich ab...

Stille in St.-Jakob Mrz03

Stille in St.-Jakob

Die Rieger-Orgel wird abgebaut und gereinigt Gute 52 Jahre war sie die Stimme von St.-Jakob. Nun herrscht Stille. Aber nur für einige Wochen, denn dann kommt die Rieger-Orgel wieder zurück. Fein austariert, mit hellem und klarem Klang, soll sie spätestens im Juni wieder im Einsatz sein. Kein Stäubchen, keine Ablagerung, nicht die kleinste Spur von Alter wird sie dann noch haben, denn seit 7. Januar wird jedes Detail dieses imposanten Instruments überholt und gereinigt. Ein stählernes Gerüst umschließt die Orgel, denn zwei Spieltische, zwei Prospektseiten, 69 Register und etwa 5 500 Pfeifen stehen zur Disposition. Der Abbau der mobilen Teile der Rieger-Orgel ist in sechs Etagen eingeteilt und auf jeder gibt es ein Innen- und Außenleben, das zumindest einen Laien erstaunen lässt. Zwei Firmen sind mit der Generalsanierung der Orgel beauftragt: Orgelbau Sandtner aus Dillingen und Orgelbau Benedikt Friedrich aus Oberasbach. Beide haben im Orgelbau einen renommierten Namen und arbeiten mit rund fünf Mitarbeitern auf der „Baustelle“, denn so mutet das Instrument augenblicklich an. Detaillierte Planung Ein handbetriebener Aufzug von der Chorempore und ein zweiter Seilaufzug erleichtern den Abtransport der ausgebauten Orgelpfeifen. Fein sortiert liegen sie auf den jeweiligen Ebenen bereit. „Die kleinste Pfeife ist ohne Fuß etwa 9 mm groß“, erklärt der Dillinger Orgelbaumeister Norbert Bender. Die Größte bringt es auf rund fünf Meter. Kommt da nicht schnell mal was durcheinander? „Das ist schon eine logistische Herausforderung“, erklärt Bender. Aber jede Pfeife ist gekennzeichnet und wird nur in sortierten Einheiten abtransportiert. Bis auf einige der größten Pfeifen werden alle in die Werkstatt nach Dillingen gebracht und dort gesäubert: das bedeutet ausgebürstet, abgewischt, eventuelle Schäden werden beseitigt oder Verschleißteile ersetzt. Die beiden Orgelbaufirmen arbeiten nicht nur beim Abbau Hand in Hand. Das Dillinger Unternehmen ist für die beiden Spieltische, die Erneuerung und Erweiterung der elektronischen...

Bürgerliche Lebensart Mrz03

Bürgerliche Lebensart

Das Tauberländer Dorfmuseum in Weikersheim macht Geschichte lebendig Die größte private Sammlung ländlichen Kulturgutes in Tauberfranken ist Kurt Meider zu verdanken, der im Jahr 1972 das ehemalige Kornhaus (16. Jhd.) am Weikersheimer Marktplatz als „Tauberländer Dorfmuseum“ herrichtete. Einige Jahre nach der Gründung übernahm der Verein „Tauberfränkische Volkskultur” die Trägerschaft des geschichtsträchtigen Hauses. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich das Schloss Weikersheim. Der Herrschaftssitz des Hohenlohischen Geschlechts ist das Pendant zum veranschaulichten Bürgertum im Museum. Es bringt den Besucher auf eine Zeitreise in die Epoche der Renaissance und des Barocks. „Die Gegensätze der damaligen Zeit versuchen wir auch unseren Schülern nahe zu bringen, die unsere ehrenamtliche Arbeit für ein Taschengeld unterstützen“, erzählt die erste Vorsitzende des Vereins Birgit Bulenda. Im Gegensatz zum hoheitlichen Schloss zeigt das „Tauberländer Dorfmuseum“ die „Moden“ des harten Alltagslebens. Die Arbeit im Weinbau, in der Landwirtschaft, im Handwerk und die mühseligen Lebensumstände bei der Haus- und Hofarbeit werden erlebbar dargestellt. Hafnerware (bäuerlich bemalte Keramik), Trachten aber auch Kulturgüter des Glaubens oder Gegenstände verschiedener gesellschaftlicher Rituale machen die Zeit zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert wieder lebendig. Stuben, Bauernküchen, die Arbeitswelt mit Ochsenpflug und „Sackausklopfmaschine“ entdecken und den Handwerkeralltag in Schuhmacher- und Schneiderwerkstatt erkunden – all das ist es wert, einmal in die damalige ländliche Welt einzutauchen. In einer sogenannten „Grünkerndarre“, die aussieht wie eine Riesenpfanne in rechteckiger Form, ließ sich das Getreide rösten. Das könnte heute die begeisterten Genießer biologischer und vor allem historischer Getreidesorten interessieren. Auf einer Fläche von 1 000 Quadratmetern und mehr als 2 000 Exponaten lässt sich so manch Außergewöhnliches entdecken. Beeindruckende Zeugnisse, wie das einer sogenannten „Totenkrone“ aus dem 19 Jahrhundert, die aus dem mittelfränkischen Uffenheim stammt, macht neugierig auf die Lebenskultur unserer Vorväter. Kaum jemand wusste, dass es im Weinbau Weinbergsöfen gab, die mit Holz geschürt vor Frostschäden in den Pflanzreihen schützen sollten. Im Zeitalter der Digitalisierung lässt sich hier noch das Gefühl von echter Handarbeit, egal in welchem Lebensbereich, nachempfinden. Die Mitglieder des Vereins „Tauberfränkische Volkskultur” belassen es aber nicht beim reinen Anschauen. Das erste Museumsfest im Jahr 2018 ersetzte das traditionelle Maisingen in Weikersheim. Ungewohnt, aber irgendwie besonders, nahmen es die Bürger sehr gut an. Es sollte nicht das letzte Fest gewesen sein. In den letzten 40 Jahren wurden im Rahmen von Stadtfesten mehr als 60 000 Schneeballen nach einem uralten „Hausvatter-Rezept“ von 1722 gebacken und verkauft. Das faszinierende Handwerk spiegelte sich auch in einer Sonderausstellung „Alles Handarbeit“ wider. Lebendige Traditionen Im Museum ließen sich beispielsweise die eifrigen Klöpplerinnen in ihre „Klöppelbriefe“ und über die Schulter schauen. Generell folgt zu jeder Ausstellung eine passende Darbietung beim Museumsfest auf dem Marktplatz. „Unsere Sonderausstellungen sollen auch die Einheimischen neugierig machen“, so die Vorsitzende des Vereins „Tauberfränkische Volkskultur” Birgit Bulenda. Am Brunnen stöberten die Liebhaber „alter Schätzchen“ beim Museumsflohmarkt, der eine vielversprechende Fundgrube von Gegenständen früherer Jahrhunderte aus dem noch überreichen Museumsfundus ist. Damit nicht genug – In den Wintermonaten, in denen das Museum geschlossen ist (von November bis März), öffnet sich die Pforte immer wieder einmal für die „Wintervortragsreihen“ bei freiem Eintritt und einer Spende, je nach Bedarf. Themen wie „Versailles 1919 und seine Folgen in Franken“, „Die Trachten von Hohenlohe“ oder „Die Ansbach-Bayreuther Truppen in Amerika zwischen 1777 bis 1783“ lassen tief in die Geschichte Frankens und seiner Lebensart blicken. Die Hoffnung auf die nächste Museumssaison ist groß. Ein Schild an der Museumstür mit der Aufschrift „Kultur und Brauchtum sind auch in Corona-Zeiten wichtig“, lud im vergangenen Jahr Vorbeiziehende zu einer Stippvisite mit einer kleinen Spende ein. Was künftig im Zusammenhang mit Corona möglich ist, steht unter: www.tauberländer-dorfmuseum.de....

Wasser im Turm Mrz03

Wasser im Turm

Industriedenkmal im Galgentor Das Galgentor, die am höchsten Punkt der Stadt gelegene Befestigungsanlage (auch Würzburger Tor genannt), ist mehr als ein historisches Bollwerk. Im 14. Jahrhundert als Wehranlage erbaut, haben die Stadtväter 500 Jahre später einen neuen Nutzen in der Anlage – insbesondere im zugehörigen Turm – gesehen: In etwa 22 Metern Höhe wurde ein imposanter Wasserspeicher samt Ständerkonstruktion eingebaut, die sich durch den gesamten Turm zieht. Die Anlage befindet sich noch heute unverändert im Turm. Wasser war schon immer ein besonderes Thema in Rothenburg. Die romantische Lage der Stadt auf einem Felsvorsprung zwischen der Frankenhöhe und dem Taubertal bringt als Nachteil einen Mangel an Grundwasser mit sich. Die Rothenburger mussten also von jeher überlegen, wie sie das lebensnotwendige Nass in ihre Brunnen und später in ihre Häuser brachten. Daher gab es mehrere Zuleitungen in die Stadt. Eine davon nutzte drei Quellen nahe der Wachsenberger Steige und führte bis zu einem Reservoir am Würzburger Tor. Die in den 1860er Jahren errichtete Leitung lieferte aber nur unzureichend Wasser. Eine Akte zum Wasserreservoir im Würzburger Tor liegt im Stadtarchiv. Archivar Dr. Florian Huggenberger hat darin recherchiert: Im Winter 1892 wurden gerade mal 0,8 Liter/Sekunde Wasserzulauf aus dieser Leitung gemessen. Zeitweise musste der Bevölkerung das Wasser gesperrt werden. Die Stadt musste also tätig werden um die Versorgung zu gewährleisten. Der Geologe Dr. Hans Thürach wies 1890/91 auf die Möglichkeit hin, Wasser aus dem Moritzgrund zwischen Rothenburg und Neusitz zu beziehen. „In einem späteren Gutachten schrieb er, unter Einbeziehung von Wasserquellen bis zum großen Lindleinsee seien Wassermengen von bis zu 10 Liter/Sekunde zu erreichen“, so die Archiv-Recherche. Wasser war also da, nun musste es nur noch bis zum höchsten Punkt der Stadt kommen. 1892 beauftragte die Stadt den Amberger Ingenieur Heinrich Kullmann mit der Ausarbeitung eines Plans für...

Hoffnung Mrz03

Hoffnung

Liebe Leser, die letzten Monate waren geprägt von Leere. Nix los in den Gassen Rothenburgs, nix los nach Feierabend, keine Freunde mehr in Sicht. Dieses kontemplative Nirwana konnte einem durchaus auf die Nerven gehen. Nun zeigen sich endlich die ersten Sonnenstrahlen und mit ihnen keimt die Hoffnung auf, dass wieder was geht. Auch wenn das öffentliche Leben erst vorsichtig an Fahrt gewinnt, haben wir versucht, einige Veranstaltungstipps für Sie zusammenzutragen. Die März/April-Ausgabe im Jahr 2019 hat unglaubliche 32 Seiten umfasst. Aktuell passen alle Termine für Kunst und Kultur auf gerade mal 14 Seiten. Und deren Umsetzung ist abhängig von der aktuellen Coronalage. Wer hätte das gedacht? Sie, liebe Leser, bekommen aber trotzdem nicht weniger ROTOUR-Lesestoff von uns präsentiert. Des einen Leid ist des anderen Freud‘: Von Weikersheim bis Geslau, von Creglingen bis Wörnitz waren wir unterwegs und haben die besten „Stories“ für sie auf 112 Seiten recherchiert. Schließlich sehen wir es als unsere Aufgabe an, dieses kontemplative Nirwana für Sie zumindest unterhaltsam zu gestalten. Lassen Sie sich daher entführen in die Welt historischer Horex-Motorräder oder zu Momentaufnahmen beim Abbau der Rieger-Orgel in der St.-Jakobs-Kirche. Oder wollen sie wissen, wie man erfolgreicher „Influencer“ wird und wie ein Leben auf der Überholspur aussieht? Für alle 16-Jährigen haben wir was ganz Besonderes: Ihr dürft selbst ein Auto fahren, ein Microcar. Bis es also wieder richtig losgeht stehen wir Ihnen mit ROTOUR stets fest zur Seite. Ihre Andrea...