Ein nachhaltiges Konzept

Silvia Inglis bietet mit „Scarlett“ ausgewählte Secondhandkleidung an Ein beiger Rock mit luftig-leichtem Tüllüberwurf, ein gemusterter Vintage-Blazer mit dreiviertel langen Ärmeln oder Cowboystiefel in hellblauem Schlangen Print – Mode wird bei „Scarlett“ ganz groß geschrieben. Was hier auf den Kleiderstangen hängt, sucht „frau“ in den großen Modehäusern vergeblich. „Vintage, Fashion and More“ ist das Motto im Secondhandladen von Silvia Inglis in Rothenburg. Vintage ist Trend. Kaum eine Großstadt kommt ohne Läden der neuen Güteklasse aus. Wer nachhaltig leben will, repräsentiert dieses Statement auch mit seinem Outfit. Für Silvia Inglis ist der Trend jedoch nicht neu, sondern ein Herzensanliegen: Secondhandkleidung und die leidenschaftliche Schatzsuche in der Welt des Gebrauchten begleiten sie schon ein Leben lang. Offen für das Leben Silvia Inglis kam mit ihren Eltern vor dem Mauerfall aus dem Osten Deutschlands – mit nur einem Koffer pro Person. Über viele Stationen, darunter einige Jahre mit ihrem Exmann auf der kleinen Antilleninsel St. Luca und der Geburt ihrer Tochter Shiva (mittlerweile 16 Jahre alt) in New York, hat es sie zurück nach Franken verschlagen. Der Spaß an Flohmärkten und prinzipiell an Dingen, die eine Geschichte haben, war immer mit im Gepäck. „In meiner Wohnung gibt es nichts Neues“, erzählt Silvia Inglis. Nach der Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau in einem Würzburger Modehaus, mit intensivem Einblick in die Schauwerbegestaltung, ihrem eigentlichen Traumberuf, hat sie mit 34 Jahren noch eine Umschulung zur Reiseverkehrsfrau gemacht und einige Jahre in dem Beruf gearbeitet. Mittlerweile ist sie als Sachbearbeiterin im Landratsamt Ansbach an drei Tagen die Woche tätig. Die restliche Zeit widmet sie sich ihrem Ladengeschäft in Rothenburg. Endlich angekommen Die langjährig gehegte Idee, einen Secondhandladen zu eröffnen, nahm erstmals im Jahr 2014 Gestalt an. In der Änderungsschneiderei von Mirjana Neumeister im Alten Keller in Rothenburg war ihr erster Secondhandladen integriert. Nach drei Jahren klappte die Kooperation nicht mehr und Silvia Inglis machte sich auf die Suche nach einem neuen Ladengeschäft. „Ein Jahr dauerte es, bis ich den Laden in der Galgengasse gefunden habe“, erzählt sie glücklich. Hier ist es nun perfekt: Drei Schaufenster zur Präsentation der Mode, Parkplätze vor der Türe und die Miete ist erschwinglich. Seit zwei Jahren ist „Scarlett: Mode, Vintage and More“ hier unübersehbar. An den beiden geöffneten Tagen (Freitag von 10 bis 18 Uhr, Samstag von 10 bis 13 Uhr) lädt ein roter Teppich zum Eintreten ein. Der muffige Kellerduft, der einst gebrauchter Kleidung angehaftet hat, ist längst verflogen. Bei „Scarlett“ verströmen Kerzen ihren sanften Duft, die Kleidung ist natürlich gewaschen und das Auge erfreut sich über ein klares, aber nicht steriles Ordnungskonzept. „Ordnung ist für mich ganz wichtig“, sagt die Ladeninhaberin mit Nachdruck. Etwa 2 000 Artikel hängen auf bordeauxfarbenen Kleiderbügeln mit Samtüberzug. Alles ist sortiert: Einerseits nach Farbgruppe und darin wiederum nach Größe. Es gibt rote, schwarze, blaue, cremefarbene Ständer mit Kleidern, Blusen, Shirts oder Röcken, zu deren Füßen sich die farblich passenden Schuhe finden. An einem separaten Ständer hängen die Neueingänge. Hosen sind nach Größe in Körben sortiert. Strickwaren präsentiert Silvia Inglis ebenfalls nach Größe sortiert in Schränken und Regalen, stets mit kleinen Schildern ausgepreist. In zwei geräumigen Umkleidekabinen kann alles probiert werden. Ein Ständer mit Jacken steht vor einem wandgroßen Porträt von Scarlett O‘Hara und Rhett Buttler. „Eigentlich wollte ich meinen Laden schon immer ‚Einzigartig‘ nennen“, erzählt Silvia Inglis schmunzelnd. Nun gab es schräg gegenüber schon das gleichnamige Café und sie brauchte einen anderen Namen. So fiel die Wahl auf Scarlett, die Hauptfigur ihres Lieblingsfilms „Vom Winde verweht“. Eine Frage treibt aber alle um: Woher bekommt sie eigentlich die tollen Modeteile? „Ich habe mittlerweile rund 450 Damen, die mir ihre Sachen bringen“, sagt sie. Darunter sind Arbeitskolleginnen, Freundinnen verschiedener Nationalitäten und viele Rothenburgerinnen, aber auch Frauen aus Creglingen und der Umgebung. „Die Jüngste, die Ware bringt, ist 11 Jahre, die Älteste über 80 Jahre alt“, erzählt sie. Silvia Inglis nimmt die Textilien, maximal fünf Teile, auf Kommissionsbasis. Besondere Fundstücke für jeden Stil „Ich mag außergewöhnliche Sachen“, erzählt sie. Es...

Gemeinschaft versetzt Berge

Gudrun Schammann engagiert sich weiter für Menschen in ihrer Umgebung Seit Jahrzehnten aktiv, von allen geschätzt und mit 84 Jahren immer noch ein Bindeglied zwischen den Menschen: Gudrun Schammann ist auf einem Bauernhof mit Direktvermarktung in Freudenheim nahe Mannheim geboren. Das 200-Seelen-Dorf sei älter als die Stadt mit über 300 000 Einwohnern, erklärt sie. „Eigentlich wollte ich Lehramt studieren, aber der Wunsch meiner Eltern war ein anderer“, erzählt sie aus früheren Zeiten, als die Eltern noch ein gewichtiges Wort bei der Berufswahl mitzureden hatten. Also ging sie den Weg eines Mädchens vom Lande und begann eine Ausbildung in der Ländlichen Hauswirtschaft und wurde später Hauswirtschaftsmeisterin. Engagement mit Herz Schon in jungen Jahren wollte sie als Parteimitglied in der CDU etwas bewegen und setzte sich in der Evangelischen Landjugend Baden-Württemberg für die ländlichen Interessen ein. Es gab viele überregionale Treffen. So lernte sie auf einer Landesversammlung in Stuttgart den Kreisvorsitzenden Hans-Friedrich Schammann kennen und heiratete 1963 in den Milchviehbetrieb ein. Kaum in dem tauberfränkischen Örtchen Neubronn bei Creglingen gelandet, brachte sie sich in der Kirchengemeinde ein. „Du hast doch schon den Landjugendchor geleitet und kannst Klavier spielen“, wurde sie freundlich gebeten, das Orgelspiel zu übernehmen. Die Pfarrstelle war damals vakant und es fehlte an einer engagierten Chorleitung. Die Dorfkirche St. Georgius ist nach dem Schutzpatron der Bauern benannt. „Deshalb heißt unser Hof auch Georgshof“, erzählt die immer noch aktive Organistin. Was der engagierten Bäuerin besonders am Herzen lag, war die Gemeinschaft mit Nachbarn und Ortsmitgliedern ohne Neid, wie sie immer wieder betont. Als ein Auffangsee für den Herrgottsbach in Creglingen zum Tagesgespräch wurde, kam bei einem Landfrauenabend die Idee auf, aus dem entstandenen See einen Badesee für Urlauber und Anwohner entstehen zu lassen. Die Idee ließ die Damen nicht mehr los und sie dachten an mehr Unterkünfte in der wunderschönen tauberfränkischen Umgebung. Sofort wurden mögliche Zuschüsse für einen Urlaub auf dem Bauernhof ermittelt. Denn Höfe gab es viele. Zudem würden die Urlauber hier leben und einkaufen und auf diese Weise Geld in die Region bringen. Mit der Gründung des Arbeitskreises „Ferien auf dem Lande“ im Jahr 1969, der heute noch einer der größten im gesamten Bundesgebiet ist, wurde der Creglinger Raum für Urlauber aber auch für Einheimische zu einem Erholungsgebiet. Gudrun Schammanns Wunsch nach guter Zusammenarbeit und einer starken Gemeinschaft mit den Menschen um sie herum ging in Erfüllung. Ein tödlicher Unfall ihres Mannes Hans-Friedrich im Jahr 1976 erschütterte die ganze Familie mit mittlerweile fünf Kindern zwischen zwei und 12 Jahren. Die Arbeit auf dem Bauernhof wollte sie nicht aufgeben. Mit bemerkenswerter Energie schaffte sie es, als Hauswirtschaftsmeisterin insgesamt 60 Lehrlinge auf dem Georgshof auszubilden. Heute betreibt ihr Sohn als Landwirtschaftstechniker die mit 37 Milchkühen bewirtschaftete Hofstelle. Das war jedoch noch nicht alles. Als engagiertes Mitglied in der CDU und als Vorstandsmitglied des Ortsverbandes und stellvertretende Kreisvorsitzende der CDU-Frauenunion setzte sie sich für gemeinschaftliche Ziele ein. Im Kreistag saß sie über 20 Jahre, zeitweise als einzige Frau. Tradition verbindet Längst mit den tauberfränkischen Traditionen vertraut, engagierte sich Gudrun Schammann natürlich auch beim öffentlichen Schneeballbacken auf dem Maisingen in Creglingen. In mehr als 40 Jahren entstanden 60 000 fränkische Schneeballen beim traditionellen Schaubacken. Die Herstellung des begehrten Gebäcks lehrte Gudrun Schammann über fünf Jahre an der Volkshochschule. Über den immensen Einsatz für den ländlichen Raum wurde sie zu einem Landfrauenvortrag vor einer japanischen Delegation nach Rothenburg eingeladen. „Du könntest ihnen doch einmal etwas über unsere Landwirtschaft und unsere Agrarpolitik erzählen“, motivierte sie der damalige Rothenburger Oberbürgermeister Oskar Schubart. Im Publikum hörten drei Professoren für Landwirtschaft von der Universität in Tokio gespannt auf das, was die erfahrene Agrarierin zu alternativen Einkünften im ländlichen Raum zu sagen hatte. „Einer der angehenden japanischen Professoren griff das Thema des ländlichen Tourismus in Deutschland in seiner Promotionsarbeit auf“, erinnert sie sich heute noch. Besonders der Aspekt, die gesamte wirtschaftliche Situation im ländlichen Raum durch den Tourismus zu stärken, lag im Fokus seiner Arbeit. Die ganze Thematik fand ein...

Lebenswert

Den ländlichen Raum gestalten Hinter engagierten Regionen stehen engagierte Ortsgemeinschaften, die durch das Förderprogramm „Integrierte Ländliche Entwicklung“ (ILE) finanzielle und organisatorische Unterstützung für den Erhalt und die Gestaltung des ländlichen Raumes erfahren. Zwei kommunale Gemeinschaften arbeiten seit 2016 gemeinsam daran, die Infrastruktur zu verbessern, leerstehende Gebäude mit neuen Wohn- oder Wirtschaftsräumen zu füllen, den Tourismus in der wunderschönen Landschaft stark zu machen und den Lebensraum „Land“ wieder attraktiver zu gestalten. Colmberg, Buch am Wald, Geslau und Windelsbach arbeiten schon seit 1994 in der Kommunalen Allianz „Obere Altmühl“ zusammen. Mit der Kommunalen Allianz „Rothenburger Land“ vergrößerte sich die „ILE-Region“ – so die amtliche Bezeichnung – um die Stadt Rothenburg sowie die Gemeinden Adelshofen, Gebsattel, Insingen, Neusitz, Ohrenbach und Steinsfeld. Damit umfasst die „ILE-Region“ elf Kommunen mit insgesamt knapp 24 000 Einwohnern. Bei der Konzeption und Umsetzung können sich die Kommunalen Allianzen für eine sogenannte Umsetzungsbegleitung im Hinblick auf Planung und Förderung entscheiden. Die Planung betrifft einen Zeitraum von sieben Jahren. Hannes Bürckmann und Linda Kemmler von der Integrierten Ländlichen Entwicklung sind die persönlichen Beauftragten, die mit 20 Stunden monatlich an der Projektplanung und Ausführung mit einem „Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzept“ (ILEK) unterstützend zur Seite stehen. Die Kosten für die Erstellung eines ILE-Konzepts wird zu 65 Prozent gefördert. Pro Jahr stehen den ILE-Regionen 100 000 Euro zur Verfügung, die sich aus Mitteln des Bundes, des Freistaates Bayern und der Kommunen der jeweiligen ILE-Regionen zusammensetzen. Im Jahr 2016 kamen die Kommunen, Institutionen, Vereine, Interessengruppen und die Bürger der Kommunalen Allianz „Rothenburger Land“ zusammen. „Bei der Planung neuer Projekte und der Prüfung vorhandener Gebäude- und Flächenpotenziale für Wohn- und Gewerbezwecke sowie Einrichtungen der Grundversorgung, liegt das Potenzial darin, voneinander zu lernen und die geplanten Ziele gemeinsam umzusetzen“, so Hannes Brückmann bei einem Interview. Die Beteiligung der Öffentlichkeit sei dabei ein wichtiger...

Die Hüter der Grenzen Sep01

Die Hüter der Grenzen

Die Rothenburger Feldgeschworenen üben das älteste Ehrenamt aus Grund und Boden sind die Basis des Lebens. Wer dereinst einen Acker besaß, der konnte Tiere darauf weiden oder Getreide anbauen. Dieser Grund war wertvoll, jeder Zentimeter davon. Die Hüter dieser Grenzen sind seit Jahrhunderten die Feldgeschworenen. Die Tätigkeit des Feldgeschworenen ist das älteste kommunale Ehrenamt. Wo der Ursprung liegt, ist nicht genau überliefert. In Franken gibt es aber seit Jahrhunderten Aufzeichnungen, zum Beispiel Siebenerordnungen, die Regeln, Pflichten und die Verschwiegenheit (das große Geheimnis des Ehrenamts) regeln. Neben der Bezeichnung Feldgeschworener werden die Vertreter auch Siebener, Steiner, Umgänger genannt. Heute sind etwa 27 000 Feldgeschworene in Bayern tätig – allein zwei Drittel davon in den fränkischen Landesteilen. Besondere Bedeutung erlangten die Siebener in Franken durch die dörfliche Siedlungsstruktur. Aufgrund der vielen Flurstücke mussten die Grundstücksgrenzen immer neu gesetzt und überprüft werden. Jedes Dorf hatte daher seine eigenen Feldgeschworenen. Die Feldgeschworenen Vereinigung im Altlandkreis Rothenburg ist eine Gruppe von 180 Siebenern, die sich auf 41 Ortschaften verteilen. Mittlerweile sind sogar drei Frauen darunter. Jedes einzelne Siebenerkollegium hat einen Obmann. Ein würdevolles Amt Obmann der gesamten Feldgeschworenen Vereinigung Rothenburg ist Helmut Schwemmbauer aus Birkach bei Windelsbach. „Das Ehrenamt gibt es neben Bayern nur noch in der Pfalz und in abgeschwächter Form in Hessen“, so Schwemmbauer. Die Bezeichnung Siebener lässt darauf schließen, dass es immer sieben Feldgeschworene in einem Ort sein müssen. „Das ist nicht zwangsläufig so“, erklärt Schwemmbauer. Mancher Ort hat nur fünf, ein anderer dagegen 11 Feldgeschworene. Mittlerweile bestimmen die jeweiligen Gemeinden die Anzahl. „Wir Rothenburger Feldgeschworenen sind aber genau sieben“, stellt Fritz Nied fest, der seit 2003 Feldgeschworener in Rothenburg und ebenso Schriftführer und Kassier der Feldgeschworenen Vereinigung ist. Er ist der erste Siebener in Rothenburg, der nicht aus der Landwirtschaft kommt. Der Strukturwandel macht sich auch in dem Ehrenamt bemerkbar. Da früher jedes Dorf seine Feldgeschworenen hatte, waren das die angesehenen Bauern. Sie wussten nicht nur Bescheid über die Besitzverhältnisse, sondern wurden auch von den jeweiligen Fürsten respektiert. Mit dem Setzen der Grenzsteine sorgten sie für den Bestand der Gemarkungsgrenzen und somit für die Bewahrung der Einnahmen der Fürstenhäuser. „Wenn Grenzsteine unberechtigt versetzt wurden, gab es drakonische Strafen“, erkärt Helmut Schwemmbauer. Der Delinquent wurde so weit eingegraben, dass nur der Kopf herausragte. Dann wurde er überackert. Also ein Todesurteil. In früheren Zeiten wurde das Ehrenamt meistens vererbt und noch heute wird ein Feldgeschworener auf Lebenszeit vereidigt. „Da kannst du nicht mehr raus oder entlassen werden“, so Fritz Nied. Stirbt einer der Siebener, wird innerhalb der Gruppe ein Nachfolger eruiert und dieser angefragt. „Das ist eine Ehre, da lehnt keiner ab“, stellt Nied fest. Sein Großvater war Siebener, er selbst war 41 Jahre lang Fahrer der Rothenburger Oberbürgermeister und hat mehrere Ehrenämter inne. Feldgeschworene müssen einen einwandfreien Leumund haben, schließlich geht es nicht nur um die Festsetzung von Grenzen, sondern auch um die Bewahrung eines Jahrhunderte alten Geheimnisses – daran hat sich bis heute nichts geändert. In früheren Jahren haben die Feldgeschworenen selbst die Grenzen vermessen. Seit zu Beginn des 19. Jahrhunderts die staatliche Landvermessung eingeführt wurde, arbeiten sie mit den Vermessungsbehörden zusammen. Wird ein Grundstück verkauft, ein neues Baugebiet ausgewiesen oder Grenzen ändern sich, dann ist heute der erste Ansprechpartner die zuständige städtische Behörde oder das Vermessungsamt. „Von dort bekommen wir Bescheid“, so Fritz Nied. Das Vermessungsamt macht die digitale Arbeit, die Feldgeschworenen setzen den Grenzstein. „Das Vermessungsamt darf keine Steine setzen“, erklärt Helmut Schwemmbauer. „Mindestens zwei Feldgeschworene sind vor Ort“, beschreibt Fritz Nied einen Einsatz. Ein heutiger Grenzstein hat an der Oberfläche eine Größe von etwa 12 mal 12 cm, in die Tiefe ragt er bis zu 60 cm. „Da man im Rothenburger Gebiet schon nach ca. 50 cm Tiefe auf Gesteinsschichten trifft, ist es nicht immer einfach, die entsprechenden Löcher zu graben“, so der Feldgeschworene. Unter den Steinen befindet sich dann das sagenumwobene Siebenergeheimnis. Von altersher sind das geheime Zeichen, die in einer bestimmten Anordnung gelegt werden, die nur...

Schlecht für Feinde, gut für Touristen Sep01

Schlecht für Feinde, gut für Touristen

Die Spitalbastei mit Spitaltorturm verbindet fortifikatorische und kunsthistorische Aspekte Das ist wahres Bollwerk: Breit, massig, mit dicken Mauersteinen, davor ein Graben, dahinter ein Turm. Die Spitaltorbastei war das letzte Bauwerk Rothenburgs im Zuge der Errichtung der Befestigungsanlage rund um die Stadt. Kurz vor dem Dreißigjährigen Krieg stand sie in etwa so da, wie wir sie heute kennen. Tilly und seine Soldaten hatten hier keine Chance, das ist belegt. Sie haben es zwar trotzdem in die Stadt geschafft, aber eben nicht über die Spitaltorbastei. Die Gesamtanlage besteht aus mehreren Bauwerken aus drei Jahrhunderten, die alle nach den damals fortifikatorisch modernsten Standards errichtet wurden. Um 1280 entstand – damals noch vor den Toren des ersten Befestigungsrings von Rothenburg – das Spital. Schon im Jahr 1298 bekam die Stadt von Kaiser Albrecht I. die Erlaubnis, das Spital in ihr Gebiet einzubeziehen. Da das Gelände Richtung Südosten unbefestigt war, wurde der Spitaltorturm (auch „äußeres Gebsattler Tor“) in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts errichtet. Er erfüllte vorerst die Wehrfunktion allein. Der Spitaltortum ist 33,5 Meter hoch, mit fünf niedrigen Geschossen und einem Obergeschoss. Die Entstehungsgeschichte der Bastei ist nicht gänzlich geklärt. Nachweisbar gab es aber von 1350 bis 1450 eine Schranke vor dem Spitaltorturm, die mit einem Feuerschützen und zwei Armbrustschützen besetzt war. Im Jahr 1459 ist ein Türmer auf dem Spitaltorturm aktenkundig. Auch ein Wappen soll den Turm geziert haben, das aber abgeschlagen wurde, als neue Bauarbeiten an der Bastei es verdeckten. Daraufhin wurde im 4. Obergeschoss das noch heute sichtbare Wappen (das ROTOUR-Titelbild) mit Reichsadler und vier Engeln angebracht. Das Wappenschild steht dabei auf den zwei darunter angebrachten Rothenburgwappen. Durch die Entwicklung neuer Waffen mit stärkerer Durchschlagskraft war der Turm in den Folgejahren allein nicht mehr wehrfähig. Ein flacher, breiter Vorbau mit Platz für große Geschütze war zeitgemäß. Daher wurde um 1540 die Bastion vor den Turm gebaut. Das Torwärterhäuschen entstand im Jahr 1537 (Zahl ist auf dem Sturz des mittleren Rechteckfensters eingemeißelt). Das Baujahr der Bastei, 1547, ist zusammen mit dem Stadtwappen auf dem Torbogen verewigt. Vincent Mayr hat die Entwicklungsgeschichte anhand von Zahlungseinträgen im Stadtbuch nachvollzogen. Außerdem wurden an den Balken von Dach und Giebel der Bastei dendrochronologische Untersuchungen vorgenommen: Die Bäume dafür wurden 1537, 1541 und 1542 gefällt. Im Jahr 1586 wurde das Vortor erbaut, in dessen Bogen die Inschrift „Pax intrantibus, Salus exeuntibus“ (übersetzt: Friede den Eintretenden, Heil den Hinausgehenden) steht. Die heutige Steinbrücke, die das Vortor mit Torwärterhäuschen und die Bastei verbindet, war bis 1750 eine hölzerne Zugbrücke. Erst um den Beginn des Dreißigjährigen Kriegs endeten die Arbeiten an der Bastei. Aus der Luft gesehen, ähnelt sie mit ihren zwei Rundungen einer Acht. Vincent Mayr gibt zu bedenken, dass es aber ungenau wäre von einer Doppelbastei zu sprechen, denn im Inneren der Anlage gibt es zwei getrennte Höfe. Im Kriegsfall wurden diese zu Fanghöfen. Da die gesamte Anlage auf drei Höhenebenen angelegt ist (Graben, die Fanghöfe, der Kanonengang) und die Geschossräume auf der Kanonenebene durch die querovale Bauweise alle toten Winkel abdecken, konnten Eindringlinge hier zusammengetrieben werden. Selbst wenn der Feind also reinkam, dann war das gleichzusetzen mit seinem Todesurteil. Der letzte Einsatz der Bastei Aus der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs sind Informationen zu Besetzung und Bewaffnung der Spitaltoranlage überliefert: Das Tor war besetzt von zwei Turmschließern und fünf Bürgern, der Turm von einem Türmer, vier Bürgern und zwei Doppelhaken (Feuerwaffen), die Bastei mit neun Bürgern, elf Falkonette und zwei Serpentinen. Außerdem sollen, laut Überlieferung von Georg Zierlein aus dem Jahr 1651, im Zug der Belagerung 1631 kaiserliche Soldaten unter dem Turm ein Feuer entzündet haben. 1631 brannte der Turm – ob deswegen oder wegen eines anderen Auslösers – bis auf das Mauerwerk aus. „Die vier Erker fielen herab“, schrieb der Chronist Dehner im Jahr 1673 (Historien, S. 85). In den Folgejahren nahm die fortfikatorische Funktion der Anlage an Bedeutung ab. Ende des 18. Jahrhunderts gab es Vorschläge zur privaten Nutzung. 1803 wurde die Rüstungskammer geräumt...

Perspektive Sep01

Perspektive

Lieber Leser, der Corona-Knall hat uns alle zum Umdenken gezwungen, nun geht es an die Umsetzung. Die große Frage ist, wie geht es weiter? In den letzten Monaten mussten wir auch bei ROTOUR umplanen: Es gab kaum Veranstaltungen aber unser Heftumfang blieb gleich. Das hat uns immerhin Raum für andere interessante Themen gegeben. Nun merken wir, dass sich die Veranstalter langsam wieder trauen. In Rothenburg gibt es im September erstmals einen hochwertigen Handmade-Markt, die TauberPhilharmonie in Weikersheim hat ein tolles Programm auf die Beine gestellt und in Wehlmäusel bei Feuchtwangen treten hochkarätige Kabarettisten auf. Auch der Oktober kündigt sich bereits mit bekannten und neuen Formaten an. In einer Zeit der Ungewissheit packen es die Menschen wieder an. Das funktioniert aber nur, wenn Vernunft herrscht. Volker Hirsch von Karo, der seit 25 Jahren das Taubertal-Festival realisiert, hat es im Interview auf den Punkt gebracht. Hält der Einzelne sich nicht an die Vorgaben, ist die Gesamtheit zum Scheitern verurteilt. Wir Menschen haben uns noch nie unterkriegen lassen und immer den richtigen Weg gefunden. Rothenburg ist das beste Beispiel dafür. Die Spitaltorbastei war einst eine Trutzburg gegen Feinde und ist heute ein Anziehungspunkt für Touristen. Die Feldgeschworenen hüten seit Jahrhunderten mit diplomatischem Geschick die Grenzen. Da wird doch ein Coronavirus mit Vernunft und Umsicht in seine Grenzen zu weisen sein.  Ihre Andrea...

September Sep01

September

Das Inhaltsverzeichnis des ROTOUR-Heftes für September Die Verteilstellen finden Sie hier. Kultur Editorial: Eine neue Perspektive Ein Bollwerk zur Abwehr der Feinde Die „Turmoase“ im Spitaltorturm Führungen im RothenburgMuseum In Wehlmäusel gibt es was zu lachen Die Feldgeschworenen markieren Grenzen Veranstaltungen Schnupperkurse in der Musikschule London lernt von Rothenburg Erster Designmarkt in der Altstadt Ausgehtermine Rund um die Frankenhöhe Wohin im Hohenloher Land Wirtschaft Gestaltungsmöglichkeit am Land Ein Herz für Beton Panoramabild: Sichtbares Mühlrad Secondhand mit Stil Alte Obstsorten erhalten Energie für alle Lebenslagen Information Rundgang durch die Jahrhunderte A walk through centuries Karte Rothenburg und Umgebung TITELBILD: Wappen am Spitaltorturm Foto: am Service Wohin ausgehen in Rothenburg? Sehenswürdigkeiten in deutsch/englisch Informationen von A bis Z Freizeitideen Impressum Gesellschaft Personalia: Gudrun Schammann Pilzrezept vom Experten Ein Jahr in Island: Ein Traum wird wahr Eine Band startet durch Szenegeflüster: Blasmusik im Biergarten Der Lyriker Fritz...

Ein vergessenes Denkmal

Karlheinz Seyerlein hat die Grenze von Schillingsfürst zu Preußen reaktiviert Für manche mag es nur ein alter Stein sein. Für Karlheinz Seyerlein ist er ein Herzensanliegen. Vor genau 216 Jahren ließ Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. exakt 100 Grenzsteine mitten in unsere Landschaft setzen. Er wollte eine klare Grenze ziehen zwischen seinem Reich und dem Gebiet der Fürsten Hohenlohe-Schillingsfürst. Zwei Jahre später kam Napoleon und schrieb die Geschichte neu. Niemand interessierte sich seitdem mehr für die Grenzsteine. Bis Karlheinz Seyerlein sich in den 80er Jahren aufmachte, diese historische Grenze zu erkunden. Seit 2018 ist die einstige Landesgrenze zwischen Brandenburg-Ansbach und Hohenlohe-Schillingsfürst wieder vollständig rekonstruiert. Karlheinz Seyerlein hat langen Atem bewiesen. Ordnerweise hat er fotokopierte Dokumente aus der Zeit von 1792 bis 1804: Vorverträge, Schriftverkehr, vom Kaiser unterzeichnete Abmachungen. Nichts dürfte ihm entgangen sein. Auch wenn die Preußen bekannterweise mit ihren Gegenspielern nicht zimperlich umgegangen sind, mit den Schillingsfürster Fürsten hat es gut geklappt. „Den geschlossenen Vertrag sehe ich als vorbildlich an“, sagt er. Karlheinz Seyerlein, geboren 1940 in Leutershausen, ist heimatverbunden. Sein Elternhaus, die Metzgerei Seyerlein, liegt mitten im Ortskern. Mit 14 Jahren begann er eine Ausbildung bei der Sparkasse in Leutershausen und stieg dort bis zum Geschäftsstellenleiter auf. Dann wechselte er zur Sparkasse nach Ansbach und war als Kreditbereichsleiter für gewerbliche Kunden zuständig. „Da kommen Berufsjahre zusammen“, sagt er schmunzelnd. Nach 49,5 Dienstjahren ging er 2003 mit 63 Jahren in den Ruhestand. Von Ruhe wird in der Folgezeit aber nicht die Rede sein. Historischen Wegen folgen „Während meiner Bundeswehrzeit in Oberdachstetten bin ich auf topografische Karten unserer Region gestoßen“, erzählt er. Im Jahr 1969 umrundete er erstmals Leutershausen anhand dieser Karten. Danach leitete er regelmäßig Wanderungen mit Bekannten auf historischen Pfaden. Bis zu 50 Kilometer am Tag hat die Gruppe gemeistert und Gemeinden umrundet, den Hadrianswall zwischen England und Schottland erkundet, den Wasserscheideweg noch lange vor dessen touristischer Erschließung entdeckt. Das Aufspüren der Vergangenheit war immer Triebfeder des Naturerlebnisses. Im Jahr 1984 kam Seyerlein erstmals in Kontakt mit der Geschichte der Grenze zwischen den beiden Fürstentümern Brandenburg-Ansbach und Hohenlohe-Schillingsfürst. Er fand die alten Grenzsteine mit den Markierungen „HG“ und „PG“ an zwei Seiten. „Keiner wusste was das bedeutet“, erinnert er sich, „Weder Heimatkundler, alte Siebener oder geschichtsinteressierte Lehrer.“ Über Claus Broser, damals zuständiger Heimatpfleger für die Region Leutershausen, bekam Seyerlein den Kontakt zu Archiven, u.a. dem Hohenloher Zentralarchiv Neuenstein, und stieß auf die historischen Dokumente. Auf Spurensuche Er hat sich akribisch eingearbeitet und ist gemeinsam mit seinen Wanderfreunden die historische Route so lange abgegangen, bis alle Grenzsteine gefunden oder die Stellen der abgegangenen Steine lokalisiert waren. „Das hat sich über Jahre entwickelt“, erklärt Karlheinz Seyerlein. Es gab keine historische Karte, in der die Grenzsteine verzeichnet waren. Also zog die Gruppe nach Beschreibungen, die 1798 festgelegt wurden, über Feld und Flur und suchte die Markierungen. Die Steine waren mitunter zugewachsen, umgekippt oder versunken. Durch die Flurbereinigung waren manche gänzlich verschwunden. „Der Staat hat sich nicht um die Steine gekümmert“, so Seyerlein. Sie hatten ja keine Bedeutung mehr. So ist mancher steinerne Zeitzeuge in private Hände gewandert. Noch immer versucht Seyerlein mit diplomatischem Geschick die verschwundenen Steine, von denen es noch eine Spur gibt, zurückzuholen. Insgesamt 73 Originalsteine waren noch vorhanden. Bei der Rekonstruktion der Landesgrenze haben sich die Siebener der angrenzenden Gemeinden engagiert. Siebener-Obmann Erwin Keitel aus Hagenau und Siebener-Obmann Walter Wirth aus Schorndorf organisierten den Einsatz von rund drei Dutzend Siebenern, um an der alten Grenze die Steine zu renovieren und wieder aufzurichten. Seyerlein hat als Organisator und unermüdliche Triebfeder des Projektes auch die angrenzenden sieben Gemeinden aktiviert. Diese haben die Anfertigung von sieben Kopien von abgegangenen Grenzsteinen finanziert. Außerdem konnten sieben Infotafeln mit Geldern aus dem EU-Leader-Programm aufgestellt werden. Zusätzlich gab es drei private Spender. Etwa acht Jahre lang war das Projekt sein „Ruhestandsjob“, erzählt Seyerlein. Nun gibt es nicht nur eine gedruckte Karte mit allen eingezeichneten 100 Grenzsteinen, sondern auch die Internetseite www.grenzcommissaire.de mit aktuellen Infos zum...

Die Zukunft im Blick

Autohaus Korn setzt auf zweites Standbein mit der Marke Kia Die Zukunft mit unternehmerischem Weitblick zu gestalten lag schon dem Firmengründer Hans Korn im Blut. Im Jahr 1921 begann er mit dem Hako-Motorradbau in der Rothenburger Galgengasse 25. Als Reaktion auf die politische Situation und den zunehmend schwierigen Absatz von Zweirädern, richtete Korn im Jahr 1929 eine Reparaturwerkstatt für Motorräder und Personenkraftwagen ein. Nach dem Luftangriff am 31. März 1945 wurden die Firmengebäude Schritt für Schritt wieder aufgebaut. Hans Korn erkannte die Zeichen der Zeit, als das Automobil der Inbegriff für Freiheit und Unabhängigkeit war, aber auch zum Statussymbol wurde. In der Automobilbranche sah der weitsichtige Geschäftsmann ein zweites Standbein und übernahm die Vertretung der lengendären Wanderer Automobile. Im Jahr 1950 begann die Partnerschaft mit der Daimler-Benz AG. Im Jahr 1957 verstarb der Firmengründer Hans Korn. Die Betriebsleitung wurde 1958 von den Brüdern und KFZ-Meistern Karl und Max Korn übernommen. Schnell wurden die Ausstellungsräume, Büros und Werkstätten im Ortskern von Rothenburg zu klein. Eine Reihe von Baumaßnahmen begannen im Jahre 1966 mit großzügig errichteten Reparaturwerkstätten auch für LKWs, Büroräumen und Ausstellungshallen in der Schützenstraße. Zwölf Jahre später konnte ein weiterer wichtiger Schritt in der Firmenentwicklung mit der Errichtung des Zweigbetriebes in Bad Windsheim gelegt werden. Darauf folgte die Erweiterung, einschließlich einer Ausstellungshalle am neuen Standort. Das Jahr 1995 war ein besonderer Meilenstein in der Unternehmensgeschichte, als die architektonisch vielbeachtete Ausstellungshalle mit einem lichtdurchfluteten Stern auf dem Dach in Rothenburg fertiggestellt wurde. Kunst und Kultur Korn „Mein Vater Karl Korn gestaltete das Gebäude mit viel Liebe zum Detail, die Raum für die verschiedenen Mercedes-Benz Modelle einerseits und der Veranstaltung von hochkarätigen Kunstausstellungen und kulturellen Angeboten andererseits bieten sollten“, beschreibt Peter Korn, der heutige Inhaber und Sohn von Karl Korn, die Räumlichkeiten. Nicht nur die Automobilpräsentation,...

Unternehmen Wald

Der Forstbetrieb Rothenburg wirtschaftet integrativ Der Wald ist für alle da. Beim Sonntagsspaziergang überlegt man nicht, wem denn Baum, Büsche, Wege oder Tiere gehören. Der Wald, in diesem speziellen Fall Forst genannt, ist aber nicht nur zur individuellen Kontemplation gedacht, sondern kann auch ein Wirtschaftsunternehmen mit besonderem Auftrag sein. Der Forstbetrieb Rothenburg ist ein solches. „Wir betreiben integrative Forstwirtschaft unter ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Aspekten“, erklärt Norbert Flierl, Betriebsleiter des Forstbetriebs Rothenburg. Dem Freistaat Bayern gehören 800 000 ha Wald, das sind etwa 12 Prozent der Landesfläche. Dieser gesamte Staatswald ist in 41 Forstbetriebe unterteilt. Rothenburg ist einer davon. „Von der Fläche gehören wir zu den großen Forstbetrieben“, erklärt Flierl. Das Rothenburger Gebiet umfasst 20 000 ha und verteilt sich auf einzelne Waldbereiche von der baden-württembergischen Grenze im Westen bis ins Stadtgebiet Fürth im Osten, und von Burghaslach im Norden bis zum Hesselberg im Süden. Die Nord-Süd-Ausdehnung ist etwa 100 km, Ost-West etwa 80 km lang. Das Betriebsgebäude steht in Rothenburg. Eigenverantwortung Der Rothenburger Forstbetrieb ist wiederum unterteilt in zehn Forstreviere, die von Revierleitern geleitet werden. Insgesamt 63 Mitarbeiter, darunter zehn Auszubildende, sind in Rothenburg beschäftigt. Im Jahr 2005 wurden die Bayerischen Staatsforsten, wozu der Forstbetrieb Rothenburg gehört, gegründet. Grund und Boden gehören dem Freistaat Bayern. Die Staatsforsten haben das Nutzungsrecht, müssen aber auch wirtschaftlich eigenständig arbeiten – mit dem kleinen Vorteil, dass sie als Staatsunternehmen nicht Pleite gehen können, falls das mal nicht klappt. „Rothenburg hat einen jährlichen Umsatz von sieben Millionen Euro“, so Flierl. Bis vor drei Jahren haben sich alle 41 Forstbetriebe selbst getragen und gemeinsam (seit 2005) einen Überschuss von 650 Millionen Euro an das Land Bayern abgeführt. „Momentan ist die Situation schwierig, da Einnahmen durch sinkende Holzpreise wegbrechen“, erklärt Flierl. Der Aufwand des Rothenburger Forstbetriebs liegt aktuell bei acht Millionen Euro im Jahr....

Die Energie der Zukunft

Der Windstützpunkt in Uffenheim: Einer von vier Stationen in Bayern Es ist kein laues Lüftchen, sondern ein richtiger Wind, der den Besucher im Windstützpunkt in Uffenheim empfängt. „Wir wollen hier Wind erlebbar machen“, sagt Bürgermeister Wolfgang Lampe. Im ehemaligen E-Werk mitten in Uffenheim befindet sich einer von vier bayerischen Windstützpunkten, die als Impulsgeber für Wind­energie und für die Energiewende vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit gefördert wurden. Im Jahr 2013 wurde das Projekt in Uffenheim bewilligt, seit 2015 steht es interessierten Besuchern offen. „Wir haben lange überlegt, für welche Zielgruppe der Windstützpunkt konzipiert werden soll“, erklärt Lampe: Für Fachkräfte, für Gemeinden und Unternehmen, die Windräder installieren wollen, oder für Kinder und Jugendliche, die die zukünftigen Wegbereiter der Energiewende sein werden? Die Wahl fiel auf letztere. Wind gab es schon immer Was ist Wind und wie wird daraus eigentlich Energie, sind die zentralen Fragen, die im Windstützpunkt „Uffwind“ interessant und teilweise interaktiv thematisiert und erklärt werden. In drei Räumen sind einzelne Schwerpunkte gesetzt. Inspiriert vom luftigen Windstoß aus zwei Ventilatoren gleich am Eingang, erfährt der interessierte Besucher Wissenswertes über die Windstärken, über die Gefahren der Orkane und dass so ein bewegtes Lüftchen seinen Ursprung zwischen Hoch- und Tiefdruckgebieten hat. Weiter geht es in den nächsten Raum und somit zurück in die Vergangenheit. „Wind gab es ja schon immer“, so Lampe. Schautafeln mit Windmühlen aus vergangenen Zeiten erläutern, wie dereinst schon Energie aus der Luft gewonnen wurde. Ein an der Decke hängender Drache und ein Segelflugzeug machen begreifbar, dass Wind eigentlich immer zur Verfügung steht. Aufbereitete Infos Im größten der drei Räumlichkeiten des ingesamt 100 m² großen Windstützpunktes geht es dann ins Detail: Auf Infostelen, die der aerodynamischen Form eines Windradflügels nachempfunden sind, werden sowohl der Aufbau des Windrades als auch die physikalische Erklärung, wie aus Wind Strom entsteht, anhand von Bildern, Schautafeln und Diagrammen erklärt. Daneben gibt es interaktive Kästen, die in ihrem Innenleben verschiedene Aspekte beleuchten: Die Geräusche des Windes sind hörbar oder Gewichte können in die Hand genommen werden, die so schwer sind wie ein Kubikmeter Luft. Jugendliche wollen nicht zur zuhören, sondern aktiv werden: Wird der Vorderreifen eines halben Fahrrads gedreht, leuchtet die Lampe. Aber auch das Thema Energiesparen wird interaktiv und verständlich erklärt: Ein Auswahl von Glühbirnen repräsentiert die energetische Weiterentwicklung und mit hölzernen Klapptafeln erhalten die Besucher Infos zu möglichen Energieeinsparungen im Alltag. Der Windstützpunkt in Uffenheim ist an Sonn- und Feiertagen (am Nachmittag) für alle interessierten Besucher geöffnet. Zusätzlich bieten Bürgermeister Lampe und ein engagiertes Team nach Voranmeldung Führungen für Schulklassen an. Zwei dieser Führer sind der ehemalige langjährige Stadtrat und Unternehmer Erwin Keller und sein Sohn Johannes Keller, die die Windenergie ein Stück weit zu ihrem Lebensmittelpunkt gemacht haben. Johannes Keller ist außerdem Vorsitzender des Regionalverbandes Mittelfranken vom Bundesverband Windenergie. „Im Wind steckt soviel Kraft, dass damit die Versorgung der Menschheit auf Dauer gewährleistet wäre“, sagt Erwin Keller voller Optimismus. So manche Infos überraschen den Besucher: Aus der Ferne gesehen bewegen sich die Windräder vermeintlich langsam. In der Praxis wird aber eine Blattspitzengeschwindigkeit bis zu 300 Stundenkilometer erreicht. „Die Nabe eines Windrades ist heutzutage etwa 150 Meter hoch – je höher der Drehpunkt der Flügel, umso größer ist der Energiegewinn“, erklärt Erwin Keller, denn Wind gibt es in diesen Höhen fast immer. Der Windstützpunkt Uffenheim will zwar informieren, aber auch so manche Kritik an der erneuerbaren Energie wird thematisiert. So wird das Programm „Fleximaus“ ausführlich erläutert. Zum Artenschutz der Fledermäuse erkennt das Windrad bei bestimmten Witterungsbedingungen die Gefahr und schaltet selbstständig ab. Der Windstützpunk ist nicht ohne Grund in Uffenheim lokalisiert. Windenergie hat hier einen großen Stellenwert. Die Stadt Uffenheim besitzt eine eigene Windkraftanlage sowie Photovoltaikanlagen und ein eigenes mit Biomethan betriebenes Blockheizkraftwerk. Die grüne regenerative Strommenge wird in das öffentliche Stromnetz eingespeist. „Gut 75 Prozent des Stromverbrauchs in Uffenheim kommen aus der eigenen, grünen Produktion“, erklärt Wolfgang Lampe. Studenten der Hochschule Ansbach haben dies in einer Studie nachgewiesen. Auf der Webseite des...

Ein Jeder nach seiner Facon Aug01

Ein Jeder nach seiner Facon

Der Lotosgarten entstand aus Leidenschaft für asiatische Gartenkultur Wie passt das zusammen – ein asiatischer Garten mit plätschernden Wasserläufen und lauschigen Sitzplätzen in einer kulturhistorischen Stadt wie Rothenburg? „Nun, soweit liegen die Welten gar nicht auseinander“, sagt Bernd Schulz-Leyk, der gemeinsam mit seiner Frau Ursula die Firma Leyk Lichthäuser GmbH leitet. Der Besucherstrom aus Japan und China und die Städtepartnerschaft zwischen Rothenburg und Uchiko, einer japanischen Gemeinde nord-östlich des Landes, verbindet beide Kulturen. Eigentlich hat ja alles mit der im Jahr 1983 gegründeten Firma Leyk Lichthäuser Gmbh in Wörnitz begonnen. Die kleinen tönernen Häuser fanden großen Anklang im In- und Ausland, sodass eine Expansion räumlicher Art vonnöten war. Neue Wirkungsstätte Im Jahr 2012 wurde ein passender Standort für die Produktion und den Absatz der Teelichthäuser gesucht und gefunden. Die historische und gut besuchte Stadt Rothenburg schien der richtige Platz dafür zu sein. Ein 3 000 m² großes Gelände in einem Rothenburger Industriegebiet wurde die neue Wirkungsstätte. Was die Eheleute Leyk bis heute verbindet, ist die Leidenschaft für Architektur. Ursula Leyk war schon immer der Gestaltung von Häusern verfallen, Bernd Schulz-Leyk hingegen liebt die asiatische Gartenarchitektur mit klaren Strukturen. Ein Jeder nach seiner Facon, wie König Friedrich II von Preußen es einmal zu sagen pflegte. Die Produktion der Lichthäuser war in vollem Gange, als sich die beiden überlegten, wie man die Kundschaft auch außerhalb der Wintersaison, in der die kleinen Kunsthandwerke ihren Absatz fanden, zu einem Besuch in die Firma einladen könnte.Die große Fläche in Rothenburg bot den idealen Platz für einen japanischen Garten, der auch im Sommer einen Anziehungspunkt nicht nur für Lichthauskunden werden sollte. Romantische Sitzecken wurden gleich mit eingeplant. „Es sollte eine lichtdurchflutete Oase in Mitten der Natur werden“, beschreibt Bernd Schulz-Leyk das eher ungewöhnliche Unterfangen in einem Industriegebiet. Ein 150 m langer Erdwall rund um den geplanten Garten wirkt wie ein Schallschutz. Durch eine dichte Bepflanzung wird der Eindruck vermittelt, mitten in der Natur zu sein. Die eher formalistische Pflanzstruktur sollte auch in späteren Jahren immer das gleiche Bild haben. Um das zu erreichen, muss die Bepflanzung durch regelmäßige Schnittmaßnahmen in ihrem Wachstum klein gehalten werden. Der eigene Gartentraum Gemeinsam besuchten die Hobbyarchitekten Gärten in Berlin und in der ganzen Welt, um sich ein Bild von der Planung des eigenen asiatischen Gartentraumes zu machen. Nach und nach wurde klar, dass es sich um eine Auswahl von Formgehölzen und Findlingen als Gestaltungselement handeln musste. Mit Hilfe einer Gartenbaufirma wurde eine Pflanzenliste für die rund 2 000 m² große Fläche erstellt und gepflanzt. Neben der typisch asiatischen Bepflanzung entschied sich der Gartenfreund Schulz-Leyk für eine 30 m lange und farbenfrohe Rhododendronhecke. Die Pflanzen, die mit ihrem Bedarf an sauren Böden eher in Norddeutschland zu finden sind, haben heute eine stolze Größe erreicht und sind mit ihrer Blütenpracht im Frühjahr zu einem echten Hingucker geworden. „Die Rhododendronblüten ziehen jedes Jahr mehr Bienen an“, freut sich Bernd Schulz-Leyk. Die Planung für Wege, Beete, Wasserläufe, Nischen und für kleine Sitzgruppen bereitete der Gartenliebhaber selber vor. Die 80 Tonnen Natursteine und Findlinge (große Natursteine) als Gestaltungselement kamen aus dem Ötztal. Für die Wasserläufe und die Pflanzenbewässerung wurden Zisternen mit 12 000 Liter Speicher in die Anlage integriert. Skulpturen wie asiatische Reisgöttinen und steinerne Geisterhaus-Laternen, die sich in jeder fernöstlichen Gartenanlage befinden, machen das Gesamtbild perfekt. Den Eingang bildet ein 250 Jahre altes Tor aus Hongkong, das das Paar auf der Frankfurter Messe erstanden hat. Wie in Asien Der verwunschene Garten sollte idealerweise so angelegt werden, dass man nur erahnen kann, was hinter dem liegt, was vor Augen ist. „Auf der Ferse drehen und immer etwas Neues sehen“, beschreibt Bernd Schulz-Leyk das Prinzip der asiatischen Gartenkultur. „Ich glaube, das ist uns gelungen“, erzählt er ein wenig stolz. In „Leyk‘s Café“ kann sich der Gast bei einem Stück Torte oder bei einem Snack wie Pizza oder kleinen Speisen auf der täglich wechselnden Tageskarte an der romantischen Umgebung erfreuen. Das neueste Projekt wurde gerade fertig gestellt. Eine originalgetreu nachgebildete...