Ein Gespür für Steine – Manfred Doberer schleift und schneidet Hohenloher Feuersteine Mrz08


Ein Gespür für Steine – Manfred Doberer schleift und schneidet Hohenloher Feuersteine

Ein Hohenloher ist etwas besonderes. Von außen ist er eher unscheinbar, wirkt beinahe schroff und abweisend. Im schnellen Vorbeigehen würde man ihm ohne eingeweihte Kenntnis keinen zweiten Blick zuwerfen.
Sieht man aber in sein Inneres, dann verzaubert die Vielfalt, der Farbreichtum und die spielerische Formgebung einen jeden Menschen. Ach ja, die Rede ist hier von den Hohenloher Feuersteinen, nicht von den Menschen, die in der Hohenloher Ebene leben. Oder vielleicht doch?

In Hohenlohe zuhause
Manfred Doberer lebt mitten in Hohenlohe, in Schrozberg. Er ist hier geboren, dann zog es ihn zur Bäckerausbildung nach Zuf-
fenhausen und zu „Mercedes“ nach Stuttgart. Aber die Heimat hat ihn nicht losgelassen und so kam er zurück, baute ein Haus in Schrozberg, ging als Maschinen-
einsteller zur Firma Sükosim und streift seitdem immer wieder über die Äcker der Hohenloher Ebene. Stets auf der Suche nach dem Hohenloher Feuerstein.
„Ich habe diese Steine schon als Kind gekannt“, erzählt er. Funken konnte man damit schlagen. Mit Eisen und Zunderschwamm kann man mit den Feuersteinen Feuer machen – so wie es die Comicfigur Fred Feuerstein vormacht.
Aber auch schlechte Erfahrungen hat Manfred Doberer dabei gemacht. Mit dem Hammer hat er versucht die Steine zu zerschlagen. Die Funken und Splitter haben sich durch den Pullover bis in die Haut gebohrt.

Die Sammlung von Manfred Doberer soll in Zukunft für die Öffentlichkeit zugänglich sein.                    Foto: am

Die Sammlung von Manfred Doberer soll in Zukunft für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Foto: am

Erfahrener Steineschleifer
Das ist aber alles Vergangenheit. Manfred Doberer ist seit Jahrzehnten ein Profi in der Bearbeitung der Hohenloher Feuersteine. Er ist der einzige Steineschleifer Hohenlohes und im Keller seines Hauses dreht sich alles um Steine, vorwiegend um die Hohenloher Feuersteine. Die Räume sind klein, verwinkelt, überall stehen Kisten mit Steinen. „Die Leute bringen mir ihre Steine zur Bearbeitung“, erzählt er und fügt an: „Aber die müssen Geduld haben.“
Ein stetes Surren erfüllt die niederen Räume. Unterhalb seines eigenen Steinelagers, ähnlich einem Kartoffellager von früher und ebenso gut bestückt, dreht sich eine graue „Brühe“. Erst auf den zweiten Blick entdeckt man die kantigen Steine. „Im Vibrator werden die Schnittflächen geschliffen“, so Doberer. In Metallpfannen mit Durchmesser von etwa 50 Zentimetern liegen die aufgeschnittenen Feuersteine mit der Schnittfläche nach unten im Wasserbad.
Die Pfannen gibt es in sechs verschiedenen Körnungen und die Feuersteine durchlaufen alle. Etwa einen Monat lang, 24 Stunden am Tag, werden die Steine darin geschliffen. Die letzte Körnung ist so fein, dass die Schnittflächen danach perfekt poliert sind.
Im nächsten Raum ein ähnliches Surren. Direkt unterhalb der Decke drehen sich mehrere Trommeln, angetrieben von zwei Stangen. Jeweils zwei Kilogramm Steine passen in eine Trommel. Hinzu kommen Wasser und Silicium, ein körniges, schwarzes Pulver. Ebenfalls einen Monat drehen die Feuersteine hier ihre Runden. Zum Schluss kommen Filzbrocken dazu und dann sind die kleinteiligen Steine rundum fein geschliffen.
Die Maschinen sind alle Marke Eigenbau. Manfred Doberer ist ein Tüftler – und er hat 40 Jahre Erfahrung als Steineschneider und Schleifer. Die erste Maschine, die er sich gemeinsam mit seinem Bruder Walter nach einer Anleitung im Mineralienmagazin gebaut hat, war die Schneidemaschine. Ganz hinten im Raum steht sie und ist noch immer in Gebrauch. „Das Untergestell war eine alte Waschmaschine“, erzählt er und streift mit dem Finger über die Säge. Sägen sei eigentlich der falsche Begriff, erläutert Doberer. In das kreisrunde Blatt sind an beiden Seiten Diamanten eingepresst. „Und damit schleift man eigentlich den Stein durch“, so der Profi. Eingespannt werden die Feuersteine mit Hilfe von Holzbrettern, die Schleifstellen werden mit Öl befeuchtet. Etwa eine halbe Stunde dauert ein Querschnitt durch den Stein.

Die Schneidemaschine hat Manfred Doberer aus einem alten Waschmaschinengestell gebaut. Der Stein wird in die Holzblöcke eingespannt und mit der Diamantsäge durchgeschliffen.                    Fotos: am

Die Schneidemaschine hat Manfred Doberer aus einem alten Waschmaschinengestell gebaut. Der Stein wird in die Holzblöcke eingespannt und mit der Diamantsäge durchgeschliffen. Fotos: am

Mit Kennerblick
Wo genau der Schnitt sitzen muss, um die beste Struktur des Steines frei zu legen, das ist die Kunst des Steineschneiders. Manfred Doberer hat über die Jahre einen geübten Blick entwickelt. „Sehe ich von außen zwei Farbstellen, dann schneide ich genau dazwischen“, erklärt er.
Nun ist es aber nicht nur der glatte, gerade Schnitt, der den Feuerstein zur Geltung kommen lässt. Manfred Doberer weiß den Feuersteinen noch andere Formen zu geben. Momentan arbeitet er an einem Schmetterling, der aus zwei Flügelpaaren mit jeweils zwei Steinelementen und einem Körper besteht. Anhand von durchsichtigen Schablonen sucht er sich die passenden Farbspiele im Stein. Geschliffen werden die einzelnen Elemente an einer Schleifmaschine per Hand.
Ebenfalls in seinem Keller hat Manfred Doberer einen Ausstellungsraum mit Vitrinen. Uhren aus Hohenloher Feuerstein, Ketten, Anhänger, Flaschenöffner und Intarsienarbeiten aus Feuerstein liegen fein sortiert in Schubladen und stehen im Regal. Die handwerkliche Kunstfertigkeit, mit der er seine Objekte fertigt, ist augenscheinlich. Regelmäßig hat Doberer seine Arbeiten auf dem Schrozberger Weihnachtsmarkt angeboten und sein Wissen auf zahlreichen Vorträgen in der Region an interessierte Sammler weiter gegeben. In diversen Ausstellungen hat er seine Objekte gezeigt. Manfred Doberer (Mitglied im Arbeitskreis Geologie und Archäologie des Museums- und Kulturvereins Kirchberg) hat nicht nur ein Herz für die Hohenloher Feuersteine, er sammelt auch begeistert andere Steine und Mineralien. Neben versteinerten Hölzern aus Arizona, Madagaskar und Aurach (diese hat er selbst gefunden) und in Feuerstein verkieseltem Lehm hat er auch diverse Sternachate, Feuersteine aus Helgoland und von der Insel Rügen, sogenannte „Hühnergötter“. Manche Exem-
plare sind nur zentimetergroß, andere bringen mehrere Kilo auf die Waage.
Seine Sammlung hat Manfred Doberer der Stadt Schrozberg als Stiftung vermacht. Ein Ausstellungsraum sei vorhanden, muss aber noch saniert werden, erklärt er. Doberer hat sich zu diesem Schritt entschlossen, da er seine Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich machen möchte und es ihm am Herzen liegt, dass sie als Ganzes erhalten bleibt.
Wenn es seine Zeit zulässt – „und Zeit ist Mangelware“, so der Sammler – streift er gerne mal über die Äcker (in Absprache mit den Bauern) und sucht Feuersteine. Mit viel Glück ist dann ein „Zehnjahresfund“ dabei. So nennt Doberer einen besonders schönen Stein, den er einst gefunden hat. Die Farben sind einzigartig leuchtend, die Struktur ist perfekt. So ein Hohenloher hat es dann wahrlich in sich. am

Feuersteine
Feuersteine sind vor etwa 200 Millionen Jahren im Trias entstanden. Entlang von Kocher und Jagst haben sich Staumassen gebildet, die mit Kieselsäure durchtränkt waren, die nicht abfließen konnte. Das Wasser verdunstete oder wurde verdrängt, die Kieselsäure verhärtete und die Feuersteine entstanden.
Die unterschiedlichen Farbtöne im Inneren der Steine rühren von eingelagerten Metalloxyden her. Feuersteine haben einen Härtegrad von 6,5 bis 7,5 und gehören somit zur Familie der Halbedelsteine. Der Feuerstein gilt auch als der Stahl der Steinzeit und wurde zur Werkzeugherstellung und Feuererzeugung genutzt.
Bauern gaben den Steinen die Namen „Kipper“ oder „Eisenfresser“. Beim Pflügen der Äcker bescherten ihnen die harten Brocken so einige Probleme.