Ziel: die WM-Krone

1. September 2026

Ziel: die WM-Krone

Der Creglinger Norbert Welzel spielt für Deutschland

Dribbelstark, antrittsschnell, wendig und mit Zug zum Tor: Norbert Welzel war und ist ein gefürchteter Linksaußen. Mitte Oktober ist der 72-jährige Creglinger mit der inoffiziellen deutschen Ü-70-Fuß-ball-Nationalmannschaft bei den Weltmeisterschaften in Australien vertreten. Selbstbewusst sagt der Offensivspieler: „Wir wollen weit kommen und Weltmeister werden“.

Seine 72 Jahre sieht man dem rüstigen Rentner nicht an, im Gegenteil. Norbert Welzel ist topfit, spielt Tennis, joggt, fährt Rad und jagt in der Creglinger Alte Herren-Fußballmannschaft nach wie vor dem runden Leder nach. Er hat eine lange und erfolgreiche Karriere als Amateurfußballer hinter sich, kann auf drei Bezirksmeistertitel und mehrere Torjägertrophäen zurückblicken. Jetzt wartet die größte Herausforderung auf ihn. Vom 12. bis 16. Oktober will er mit seinen aus insgesamt acht DFB-Landesverbänden stammenden Teamkollegen bei der WM die Schmach vom letzten Jahr wettmachen, als die Ü-70-Mannschaft mit nur einem erzielten Tor einen der letzten Plätze belegte. Neuling Welzel ist sich sicher, dass es diesmal für einen deutlich besseren Platz reichen wird.

Wie viele Tore Linksfuß Norbert Welzel in seinem mittlerweile 62 Jahre dauernden Fußballer-Leben geschossen hat, weiß er nicht mehr. In seinen besten Zeiten als Aktiver wurde er mit durchschnittlich 30 Saisontoren in der Bezirksliga Hohenlohe oder der Kreisliga A mehrfach Torschützenkönig. Aber an seine ersten Treffer erinnert er sich noch genau. Das war als D-Jugendspieler bei einem Spiel der Creglinger in Röttingen. 4:0 hieß es am Ende für den FC, zwei Tore gingen auf Welzels Konto. Es sollten nicht die letzten Spiele sein, die der Straßenfußballer mit dem ausgeprägten Torinstinkt für seine Schwarz-Weißen entschied.

Er ist seinem FC über die Jahrzehnte treu geblieben, auch wenn es verschiedentlich reizvolle Anfragen von höherklassigeren Vereinen gegeben hat. „Mir waren die Freunde, die FC-Mannschaft wichtiger“, sagt der heimatverbundene FC’ler, der im Alter von zwei Jahren mit seinen Eltern nach Creglingen gezogen war.

Die Freude am Mannschaftssport Fußball hat sein Sportlerleben bestimmt. „Wir hatten einen großen Zusammenhalt“, erinnert sich Norbert Welzel, auch neben dem Sportplatz. Manche seiner Mitspieler nannten ihn „die Gazelle“, weil er die Abwehrspieler mit seiner leichtfüßigen Art wie Slalomstangen aussehen ließ.

Dass er bis ins Seniorenalter von größeren Verletzungen verschont blieb, führt Norbert Welzel einerseits auf seinen gesunden Lebensstil und die Gene zurück, andererseits „gehört da auch Glück dazu“, wie er sagt. Abgesehen von zwei Rippenbrüchen und ein paar Meniskusverletzungen verzeichnet Welzels Krankenakte keine weiteren nennenswerten Blessuren. Vielleicht auch deshalb, weil er „mit Köpfchen“ spielte und meist schneller war als die, die ihn stoppen wollten. Die Defensivarbeit war seine Sache nicht, das gibt er unumwunden zu. Dafür war sein Tordrang umso stärker. Auf einer Skala von eins bis zehn verortet Welzel seinen Torinstinkt auf der Acht.

Den WM-Stein ins Rollen gebracht hat FC-Mitglied Edith Scheiderer. Sie schaute im Herbst 2025 im Fernsehen einen Beitrag über die Senioren-WM, die 2025 in Japan stattgefunden hatte. Sie machte Norbert Welzel auf diesen Wettbewerb aufmerksam. „Das kannst du auch“, habe sie ihm gesagt. „Ich dachte damals irrtümlich, dass die WM 2026 in Irland stattfinden würde, das klang für mich interessant“. Jetzt wurde es Australien. Nach einem Telefonat mit dem damaligen Trainer erhielt Norbert Welzel eine Einladung zur Sichtung in Olpe. Gesagt, getan: Danach war die Sache klar, Welzel überzeugte den Trainer und fortan gehörte der Creglinger zum WM-Kader.

Auch ein Trainerwechsel änderte daran nichts. Der aktuelle Coach Stefan Stuckenberg, Inhaber des DFB-A-Lizenz-Trainerscheins, hält große Stücke auf Norbert Welzel und seine offensiven Fähigkeiten, seinen Drang, in jeden Zweikampf zu gehen. Im Juni 2026 folgte ein Trainingslager in Polen, das auch der Kameradschaft diente. Die Aufwärmübungen hatten es in sich, der Muskelkater war vom Feinsten.

Mit den Mitspielern versteht sich der 72-Jährige gut. „Die Chemie stimmt“, sagt Norbert Welzel, der – wenn er verletzungsfrei bleibt – davon ausgehen kann, dass er nicht nur zum 22-er-Kader gehören, sondern auch in der Startelf stehen wird.

Bis zum Abflug am 7. Oktober wartet noch ein sportliches Programm auf Norbert Welzel und die Ü-70-er Elf. Weitere Testspiele sollen dafür sorgen, dass sich das Team besser einspielen kann, um dann in Australien ein Wort bei der Titelvergabe mitzureden. Mitte August trifft sich die Truppe in Barsinghausen zu einem weiteren Trainingslager, Mitte September gibt es ein Vorbereitungsspiel in Recklinghausen. Norbert Welzels Schnelligkeit könnte ein großer Vorteil sein im Kampf um die WM-Krone. Für zuhause haben die Spieler Trainingsempfehlungen bekommen. „An möglichst vielen Tagen aktiv sein“, lautet eine Devise. Eine Vorgabe, die Norbert Welzel ohnehin befolgt, ob beim Tennis, dem AH-Training, beim Joggen oder beim Radfahren. Jetzt heißt es Daumen drücken, dass nichts mehr dazwischen kommt und Norbert Welzel am 7. Oktober gesund in den Flieger nach Down Under steigt. Neben ihm wird dann seine Frau Elke sitzen. Sie wird dabei sein, wenn der erste Creglinger bei einer WM ins Nationaltrikot schlüpft. Und vielleicht am 16. Oktober mit ihm zusammen den WM-Titel feiern.

Der insgesamt zehnte Fußball-Weltcup für Ü70- und Ü75-Mannschaften findet vom 10. bis 16. Oktober in Brisbane statt. Erstmals sind in beiden Altersklassen zwei deutsche Mannschaften gemeldet. Neben dem eigentlichen, auch vom DFB unterstützten Nationalteam Deutschland um den Ü-70-Trainer Stefan Stuckenberg gibt es ein Team „Fußball 70plus in Deutschland“ aus Ostfriesland. Antreten werden in beiden Altersklassen drei Teams aus den USA, je zwei aus Japan, Australien und Deutschland sowie eines aus England, Wales und Kanada, insgesamt also zwölf Mannschaften aus vier Kontinenten. abo

Der 72-jährige Norbert Welzel vom FC Creglingen im Nationaltrikot mit der Nummer 10. Er ist allerdings nicht Spielmacher, sondern Linksaußen. Bild: Nationalteam Deutschland
Mit dem FC Creglingen feierte Norbert Welzel (kniend, Vierter von links) zahlreiche Meisterschaften wie hier im Jahr 1996 die in der Kreisliga A Hohenlohe. Bild: abo

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