Per Rad nach Rom

31. Juli 2026

Per Rad nach Rom

Zwei Senioren wagen es

Einmal im Leben nach Rom – das ist der Traum vieler Menschen. Die Reise mit dem Fahrrad anzutreten, wagen schon deutlich weniger. Und mit 81 beziehungsweise 75 Jahren auf dem Rennrad über die Alpen bis in die Ewige Stadt zu fahren, ist eine außergewöhnliche Leistung.

Genau dieses Abenteuer haben Matthias Huprich (81) aus Rothenburg und Michael Specht (75), ehemaliger Leiter des Vermessungsamts und seit zwölf Jahren in Sonthofen zu Hause, gemeistert – und zwar nicht mit einem E-Bike, sondern auf dem Rennrad.

Am 20. Mai starteten die beiden in Sonthofen, am 12. Juni kehrte Matthias Huprich nach Rothenburg zurück. Insgesamt legten sie 1 325 Kilometer zurück – bei einer Durchschnittstemperatur von rund 30 Grad. Täglich standen etwa 80 Kilometer auf dem Programm, lediglich ein Ruhetag wurde eingelegt. Jeder transportierte rund zehn Kilogramm Gepäck in zwei Rucksäcken: einen auf dem Rücken, den zweiten am Fahrrad befestigt.

Für Matthias Huprich und Michael Specht war es nicht die erste gemeinsame Tour. Bereits zuvor waren sie auf dem Jakobsweg bis nach Finisterre unterwegs und erkundeten Rumänien mit dem Fahrrad.

„Ich dachte im Frühjahr, mir fehlt noch eine Alpenüberquerung“, erzählt Matthias Huprich. Seine Frau Hedwig entgegnete darauf: „Dann fahr doch gleich nach Rom.“ Michael Specht war sofort begeistert und übernahm die Planung der Route.

„Die ersten beiden Etappen im Gebirge waren schon heftig“, erinnert sich Huprich. Seit rund 40 Jahren fährt er Rennrad und kam früher auf bis zu 4 000 Kilometer im Jahr. „Heuer lief das Training nicht so gut und ich war für die Berge sichtbar untertrainiert“, sagt er rückblickend. Gesundheit ging jedoch vor: Den Reschenpass bewältigten die beiden kurzerhand mit dem Bus. Danach verlief die Tour ohne größere Probleme. Über Mantua, Modena, Prato, Florenz und Pisa führte die Strecke schließlich Richtung Rom. „Abends sind wir sogar noch auf den Schiefen Turm von Pisa gestiegen“, erzählt Huprich schmunzelnd.

Woher nahmen die beiden die Energie? „Wenn man im Hotel ankommt, ist man erst einmal völlig geschafft“, berichtet der 81-Jährige. Eine kalte Dusche und ein gutes Abendessen hätten jedoch wahre Wunder gewirkt. Rund 4  000 Kalorien verbrauchten die beiden täglich – entsprechend wichtig war es, die Energiespeicher wieder aufzufüllen.

Gewöhnungsbedürftige Straßen

Auch die Straßenverhältnisse in Italien sorgten für unterschiedliche Erfahrungen. Neben hervorragend ausgebauten Straßen gab es Radwege, die eher Schotterpisten glichen und auf denen die Räder geschoben werden mussten. Zudem verlangten die italienischen Straßen und der Verkehr höchste Aufmerksamkeit. „Die Fahrbahnränder an den Staatsstraßen waren teilweise in einem sehr schlechten Zustand. Da mussten wir uns voll konzentrieren“, berichtet Huprich.

Am 8. Juni erreichten die beiden die letzte Etappe vor Rom. Nur noch 44 Kilometer trennten sie vom Ziel. Doch auch hier wartete eine letzte Herausforderung: Ein Abschnitt des Radwegs befand sich noch im Bau, sodass sie ihre Räder erneut mehrere Kilometer schieben mussten. „Dann sind wir mit den Rennrädern direkt über die Engelsbrücke bis zum Petersdom gefahren“, erzählt Huprich noch immer beeindruckt.

Für ihn war die Fahrt nach Rom weit mehr als nur eine sportliche Herausforderung. „Es war auch eine Pilgerreise“, sagt er. Im Pilgerbüro holte er sich seine Pilgerurkunde ab. Die folgenden drei Tage nutzten die beiden Freunde, um die italienische Hauptstadt zu erkunden. Sie bestiegen die Kuppel des Petersdoms, nahmen an einer Messe teil, besichtigten das Kolosseum, warfen eine Münze in den Trevi-Brunnen und besuchten das Grab von Papst Franziskus.

Mit ihren Rennrädern im Gepäck– Huprich war auf seinem rund 20 Jahre alten „Schlachtross“ unterwegs – traten die beiden schließlich die Heimreise an. Am Abend des 12. Juni stiegen sie in Rom in den Flixbus nach München. Nach rund zwölf Stunden Fahrt ging es für Matthias Huprich mit dem Zug weiter nach Steinach und von dort nach Rothenburg.

An die Reise denkt der 81-Jährige noch immer gerne zurück. „Wenn man auf dem Rad sitzt, ist man einfach ein anderer Mensch“, sagt er. Sein persönliches Motto lautet: „Man darf nicht lange überlegen – man muss es einfach machen.“ am

Endlich am Ziel: Matthias Huprich (links) und Michael Specht haben nach der Alpenüberquerung und vielen Erlebnissen den Petersdom in Rom erreicht. Fotos: Privat
An den Brunnen konnten die Rennradfahrer stets ihre Trinkwasserflaschen auffüllen. „Sogar in Rom gab es viel Trinkwasserbrunnen“, so die Erfahrung von Matthias Huprich.

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