Lug und Trug im Grafenhof

31. Juli 2026

Lug und Trug im Grafenhof

Lustwandeln im Garten und den Gemächern von Schloss Weikersheim

Eine Anlage wie aus dem Märchen. Eine Zeitreise, die einen Steinwurf vom Marktplatz beginnt. Als Schatzkästchen der Renaissance und des Barock bieten Schloss und Schlossgarten Weikersheim Kultur und Geschichte in solcher Fülle, dass ein Besuch nicht reicht, um diese zu entdecken. Eingebettet in die Ferienlandschaft des Lieblichen Taubertals gehört die ehemalige hohenlohische Residenz zu den touristischen Juwelen in Baden-Württemberg. Einheimische wie Gäste aus nah und fern erliegen dem Liebreiz der historischen Gemächer und der paradiesischen Gartenlandschaft, erweitern ihr Wissen bei Führungen, spannenden Aktionen und vielfältigen Veranstaltungen im Jahreslauf.

Das Schloss mit seiner Kapelle ist der Stammsitz der Herren von Hohenlohe in Weikersheim. An der ursprünglichen Wasserburg im Stau der Tauber änderte sich bis auf kleinere An- oder Umbauten bis 1586 nichts Entscheidendes. Doch in diesem Jahr kam Graf Wolfgang II. von Hohenlohe-Langenburg durch Erbteilung in den Besitz von Weikersheim und verlegte seinen Wohnort dorthin. Der gebildete und kunstliebende Renaissance-Fürst begann nach Reisen durch Frankreich, England und Österreich eine rege Bautätigkeit in seinen hohenlohischen Liegenschaften. Weikersheim bot wegen seiner Lage im Taubertal die idealen Voraussetzungen für ein ausgedehntes und repräsentatives Schloss. Unter Einbeziehung des älteren Baubestandes wie des staufischen Bergfrieds, der eine barocke Haube erhielt, entstand ab dem Jahr 1595 ein erweiterter, herrschaftlicher Komplex. Darin setzte ein neuer Flügel mit Kapelle und anschließender Tafelstube – dem Rittersaal – räumliche und architektonische Maßstäbe. Der Rittersaal ist so überwältigend reich ausgestattet, dass er allein viele Besuche lohnt. Trotz der riesigen Dimension von 40 Metern Länge kommt seine weite hölzerne Decke ohne Stützen aus. Sie hängt am Dachstuhl: ein technisches Meisterwerk.

Beim Rundgang durch die prachtvollen barocken Wohnungen der Hohenloher Herrscherfamilie erzählt Simone Stier-Haag, stellvertretende Leiterin der Schlossverwaltung, begeistert so manche Anekdote. Geschichten, die das Leben auch im Fürstenhaus, so menschlich machen: „Bei Tisch oder beim Kartenspiel im Anschluss ging es bisweilen hoch her. Daran erinnert das zerbrochene Glas in der Ausstellung.“ Es ist so wunderbar in das große Ganze integriert, als wäre es just in diesem Moment zu Boden gefallen. Die einstigen Bewohner und ihre Hofhaltung erwachen zum Leben und der Besucher fühlt sich, als wäre er Gast der gräflichen Familie. Beim freien Rundgang liegt der Fokus auf der eigenständigen Erkundung des historischen Monuments. Der Gast bestimmt die Geschwindigkeit, Dauer und die Intensität seiner Runde und kann sich ganz seinen Interessen widmen.

Zusätzliche digitale Erlebnisse eröffnet die App Monument BW. „Sie hilft bei der Planung des Aufenthaltes, bietet multimediale Touren, die den Rundgang vor Ort begleiten, und eröffnet die Möglichkeit, die eigenen Erlebnisse festzuhalten“, beschreibt Simone Stier-Haag die Vorteile.

Alchemie und Hexerei

Die Offenheit für zeitgemäße Entwicklungen prägte schon das Leben von Graf Wolfgang II. und seiner Gattin Gräfin Magdalena. Sie kam mit der Heirat, 1567, in ein Adelshaus, das damals bereits seit einem Jahrzehnt die lutherische Reformation eingeführt hatte. Ihr Mann bemühte sich um die Neuordnung des Landes in religiösen wie weltlichen Dingen. Magdalena teilte mit ihrem Gatten das Interesse an Naturwissenschaften. Graf Wolfgang II. widmete sich ab 1603 im eigenen Labor besonders der Alchemie mit Schwerpunkt Goldherstellung. Die Gräfin war sehr beschlagen in Naturheilkunde, richtete im Schloss eine Apotheke ein und legte einen Garten mit Heilkräutern an. Von diesen Leidenschaften des Fürstenpaares erzählen heute der Alchemie- und Hexengarten im Außenbereich an der Stelle des einstigen Labors sowie die Alchemie-Ausstellung in der ehemaligen Schlossküche. Sie entführt in die geheimnisvolle Welt der Experimente mit Tiegeln und Destille.

Zusätzlich zum klassischen Führungsprogramm finden lebendige Rundgänge im historischen Kostüm, interaktive Programme für Kinder und Familien, spannende Entdeckungstouren für Wissbegierige und faszinierende Gartenseminare statt. Der Ferienmonat August rückt unter anderem Sonderführungen für Kinder in den Mittelpunkt: Feuer im Schloss, Lug und Trug im Grafenhof, mit Holz-

wurm Heinrich das Schloss entdecken, sind Beispiele des umfangreichen Programms, das im Terminkalender von www.schloss-weikersheim.de alle Angebote für Klein und Groß des ganzen Jahres listet.

Ein besonderes Highlight ist das Märchenfest für die ganze Familie am 27. September, bei dem bekannte Märchengestalten Schloss und Garten bevölkern. In einem Parcours gilt es Hindernisse zu überwinden, Kämpfe auszufechten, Rätsel zu lösen und Gefahren zu meistern.

Zwergenhofstaat

Ein Spaziergang durch den prachtvollen Schlossgarten ist zu jeder Jahreszeit ein Genuss. Doch wieviel Arbeit das ganze Jahr über dahintersteckt, weiß nur die Schlossgärtnerei. Rund 60 verschiedene Blumenarten mit über 20 000 Pflanzen sorgen in den Rabatten bis September für ein farbenfrohes Blumenmeer. Dazu setzen zahlreiche Exoten aus der Orangerie mediterrane Akzente in den unterschiedlichen Bereichen. Ab 1708 unter Graf Carl von Hohenlohe gestaltet, ist das Areal einer der wenigen im ursprünglichen Grundriss erhaltenen Barockgärten Frankens. Bemerkenswert ist die seit 300 Jahren unveränderte, reiche Ausstattung mit Skulpturen, darunter eine in Deutschland einmalige Galerie mit 16 originellen Zwergen, die einen Teil des Hofstaates repräsentieren.

Das eingetiefte Spiegelbassin und der beeindruckende Herkulesbrunnen sind wie die zweigeteilte Orangerie bereichernde Elemente, die zum Lustwandeln, Verweilen, Feiern und Meditieren einladen. Augenzwinkernd begleiten die vielfältigen Sandsteinfiguren die Besucher im traumhaften Park und freuen sich auf ein Wiedersehen in diesem einzigartigen Ambiente. br

Als Schatzkästchen der Renaissance und des Barocks empfängt die einst gräfliche Residenz Besucher aus der ganzen Welt. Eine Heerschar von Gärtnern kümmert sich um die Blütenpracht. Foto: privat
Der Rittersaal mit seiner freitragenden Decke galt Anfang des 17. Jahrhunderts als technisches Meisterwerk – und überwältigt noch heute die Betrachter. Foto: privat
Simone Stier-Haag, stellvertretende Leiterin der Schlossverwaltung, liebt die verwunschene Ruhe im Kastellangarten. Foto: br
Das Märchenfest – ein zauberhaftes Spektakel für die ganze Familie. Foto: privat

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