Wenn die Silberkugel rollt

31. Juli 2026

Wenn die Silberkugel rollt

Flippersammlung Oberscheckenbach: Heißbegehrte Spielautomaten

Flippern ist nur etwas für Nostalgiker? Nur sie stehen heute noch an diesem Spielgerät und jagen die kleine Kugel durchs blinkende Labyrinth? Ein Besuch der Flippersammlung im Ohrenbacher Ortsteil Oberscheckenbach beweist das Gegenteil.

Dort treffen sich alle paar Wochen Männer und Frauen, Jung und Alt und frönen in einem alten Schweine- und Bullenstall auf mehreren Ebenen ihrer Leidenschaft. Möglich machen das Mathias Gehring und Andreas Wundt, zwei Tüftler und Bastler, die in jetzt genau 33 Jahren über 70 Flipperautomaten gesammelt haben. Die stehen bei Familie Geuder, die vor über 20 Jahren die nicht mehr genutzten Ställe ihres Gehöfts zur Verfügung gestellt hat.

Sie heißen „Black Knight“, „Lost World“ oder „Indiana Jones“: Die Gerätevielfalt in der Sammlung ist beeindruckend. So unterschiedlich die einzelnen Flipper auch sind, immer geht es darum, die Flipperkugel möglichst lang auf dem abschüssigen Spielfeld zu halten und so viele Punkte wie möglich zu sammeln. Dabei blinkt und klackt es ununterbrochen. „Das Kugelspiel hat mich schon als Kind fasziniert“, erzählt der gelernte Glaser Mathias Gehring. Man kann den Spielverlauf nicht berechnen, und das macht den besonderen Reiz des Flipperspiels aus, das seit fast 80 Jahren Höhen und Tiefen durchlebt hat und immer wieder aufs Neue ein Revival erlebt. Die Flippersammlung in Oberscheckenbach ist dafür das beste Beispiel.

Ein heißer Samstagnachmittag im Juni, ideales Freibad- oder Biergartenwetter. Einen echten Flipper-Fan schreckt das in keinster Weise. Immer mehr Leute, jung wie alt, strömen in den ehemaligen Stall der Familie Geuder. Ihr Ziel: die Flippersammlung. Bald herrscht in den Räumen ein lautes Geklacker, doch das stört hier niemand. Alle sind vertieft in das Spiel, die Finger drücken die beiden Hebel, mit der die zurückrollende Kugel wieder ins Spielfeld gepusht wird. Früher war das Flippern mehr Männersache, inzwischen „schleppen die jungen Mädels ihre Kerle mit rein“, hat Mathias Gehring festgestellt. Ein älteres Frauen-Pärchen habe einmal gesagt: „Wir holen das jetzt nach“.

Mit ihrem Newsletter erreichen Mundt und Gehring inzwischen rund 350 Interessierte. Viele davon sind mittlerweile Stammgäste. Sie kommen aus dem Nürnberger Land, aus dem benachbarten Württemberg, sogar aus Frankfurt haben sich schon Gäste im Fränkischen eingefunden.

Der Eintritt ist kostenlos. „Wir haben eine Spendenkanne aufgestellt. Da können die Leute das rein werfen, was ihnen das Spiel wert ist“, erklärt Mathias Gehring. Das Geld stecken die Initiatoren in die Reparatur der Geräte. Irgendetwas ist immer kaputt, mal reißen Gummis, mal geben Kontakte den Geist auf. Die Automaten waren auf eine Haltbarkeit von vielleicht sieben Jahren ausgelegt, da wundert es nicht, wenn immer wieder Teile streiken. Wobei: „Je älter die Flipper sind, desto zuverlässiger sind sie,“ sagt der 49-Jährige. Für ihn und seinen 48-jährigen Kollegen sind die Öffnungstage pure Arbeit. „Man rennt den ganzen Tag rum, aber das macht total Spaß“.

„Diese schönen alten Flipper sieht man ja sonst nirgends mehr,“ ist Uli aus Erlangen begeistert. Der 55-Jährige ist auf Empfehlung eines Freundes das erste Mal nach Oberscheckenbach gekommen. Auch wenn er schon seit Jahrzehnten nicht mehr an einem Gerät stand, macht ihm das Ganze gleich wieder Spaß. Wolfgang wiederum ist regelmäßiger Besucher. Das Flippern erinnert ihn an die Jugendzeit. „Vom ersten Lohn wurde gleich ein Teil ins Flippern gesteckt“. Mit einem Kumpel zusammen sei er mit dem Mofa nach Rothenburg gefahren und dort in einer Gaststätte hängen geblieben. Nach rund drei Stunden habe der Wirt sie rausgeworfen, „wegen dem Krach“, lacht der 65-Jährige. Fast täglich seien seine Kumpels und er flippern gegangen, „es gab damals ja noch nicht viel anderes“.

Schon als Teenager haben Andreas Wundt und Mathias Gehring ihre Leidenschaft fürs Flippern entdeckt. Das große Flipperfieber brach in einem Frankreich-Urlaub Anfang der 90er-Jahre aus. Die Hälfte ihres Urlaubs verbrachten sie in einer Spielhütte. Nach der Heimkehr suchten sie im Raum Rothenburg Gaststätten und Spielhallen nach Flippern ab. Da war es nur noch ein kleiner Schritt zum ersten eigenen Spielgerät. Ende 1993 war es soweit. Mehr durch Zufall wurden die beiden stolze Besitzer eines entrümpelten Automatenlagers eines örtlichen Aufstellers. Aber wohin damit? „Freundlicherweise ließ sie uns Familie Knausenberger in der Herrnmühle unterstellen, die erste Flipper-Herberge war geboren“, blickt Mathias Gehring auf 33 Jahre Automaten-Sammlung zurück.

Die Sammlung wuchs unaufhörlich – bald nutzte man zusätzlich zur Herrnmühle eigene Räume und konnte einen Teil der Automaten in der ehemaligen Post in Gallmersgarten unterstellen.

2001 folgte schließlich der Umzug nach Oberscheckenbach in den Schweinestall von Familie Geuder. „Die Gülle musste erst raus, dann wurde geputzt, bis alles porentief rein war“, erinnert sich Mathias Gehring schmunzelnd. Es sei „eine schöne Geschichte“, dass Familie Geuder das Projekt mit großer Hilfsbereitschaft unterstützt habe. Erst wurde der Schweine- und dann auch noch der Bullenstall zum Domizil der Flippersammlung.

Seitdem können die Besucher auf zwei Ebenen spielen – und trotzdem wird es manchmal eng, so groß ist der Andrang, Wartezeiten eingeschlossen. Das Dachgeschoss eines Nebengebäudes dient inzwischen als Lagerraum. Aber auch dort stehen spielbare Flipper. Von den insgesamt über 70 elektromechanischen und vollelektronischen Automaten sind knapp 60 intakt, der Rest wartet auf die Reparatur. Die Arbeit wird den beiden Flipper-Begeisterten jedenfalls nicht ausgehen, das verspricht schon ihr auf der Homepage verkündetes Motto: „Let the Silverball roll“.

Wer sich fürs Oberscheckenbacher Flipper-Erlebnis interessiert, kann sich per Email unter flippersammlung@gmail.com an die Verantwortlichen wenden, man erhält dann Informationen zum nächsten Öffnungstermin. Infos gibt es auch auf der Homepage www.flippersammlung.de abo

Seit 33 Jahren Flipper-Leidenschaft: Andreas Wundt (links) und Mathias Gehring sammeln seit Anfang der 90er-Jahre Spielautomaten. Inzwischen sind es über 70 Flipper. Foto: Privat
Blick in den „Maschinenraum“ eines Flippers. Foto: abo

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