Mit Herzblut
1. Juni 2026
Mit Herzblut
Führer durch Stadt und Geschichte
Die mittelalterliche Erscheinung von Rothenburg fasziniert Besucher aus aller Welt. Doch wer Rothenburg wirklich erleben will, entdeckt weit mehr als Fachwerkhäuser, Türme und Kopfsteinpflaster. Die Geschichte hinter den Mauern macht den eigentlichen Charakter der Stadt aus. Genau dort setzt das neue Buch „Kleine Geschichte einer großen Stadt“ von Prof. Dr. Horst Rupp an. Gemeinsam mit dem Rothenburger Fotografen Willi Pfitzinger hat er ein Werk geschaffen, das Stadtführer und Geschichtsbuch zugleich ist. Beide arbeiteten dabei ohne Honorar an dem Projekt.
Rupp, emeritierter Professor für Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichts an der Universität Würzburg, zählt zu den profiliertesten Kennern der Rothenburger Stadtgeschichte. Bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2015 lehrte er an der Universität Würzburg und war dort unter anderem als Dekan und Mitglied des Senats tätig. Zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen prägen seinen Werdegang. Rund 50 Bücher hat er selbst verfasst oder herausgegeben, an vielen weiteren wirkte er mit. Bereits 2016 veröffentlichte er mit „Rothenburg ob der Tauber – Geschichte der Stadt und ihres Umlands“ ein umfangreiches Standardwerk, das inzwischen vergriffen ist.
Die Idee für die nun erschienene „Kleine Geschichte einer großen Stadt“ entstand nach der Veröffentlichung seines Buches über den Rothenburger Prediger Johannes Teuschlein im Jahr 2024. Bei einer Buchvorstellung sprach ihn ein Rothenburger Buchhändler darauf an, dass bislang ein kompakter, geschichtlicher Begleiter fehle, der Einheimischen und Gästen gleichermaßen einen verständlichen Zugang zur Historie der Stadt ermögliche. „Das war tatsächlich eine Lücke“, erinnert sich Rupp.
Zwei Jahre lang arbeitete der Historiker an dem Buch, das Ende April erschienen ist. Auf rund 280 Seiten führt er seine Leser durch die bewegte Vergangenheit Rothenburgs – von den Anfängen als staufische Burg über die Blütezeit im Hoch- und Spätmittelalter bis hin zu Reformation, Bauernkrieg und Dreißigjährigem Krieg. Auch die jüdische Geschichte der Stadt, der Reichsdeputationshauptschluss, die Zeit des Nationalsozialismus sowie der gesellschaftliche Wandel nach 1945 und die historischen Mühlen in der Stadt und im Taubertal finden ausführlich Raum.
Dabei gelingt es ihm, historische Zusammenhänge verständlich und lebendig zu vermitteln. Sein profundes Wissen ordnet die Geschichte Rothenburgs stets in größere europäische und gesellschaftliche Entwicklungen ein. Dennoch wirkt das Buch nie akademisch distanziert. Vielmehr erzählt Rupp mit spürbarer persönlicher Verbundenheit von seiner Heimatstadt. „Von allen Buchprojekten berührt mich dieses emotional am meisten“, sagt der Autor selbst. Besonders die Epoche des Hoch- und Spätmittelalters habe ihn schon immer fasziniert, weil Rothenburg damals weit über die Region hinaus Bedeutung erlangte. Bis heute prägen die Bauwerke dieser Zeit das Stadtbild.
Auch die Reformationsgeschichte wurde im Laufe der Jahre zu einem Schwerpunkt seines wissenschaftlichen Interesses. Diese Begeisterung überträgt sich auf die Leser. Rupp schreibt nicht trocken oder belehrend, sondern in einer zugänglichen, beinahe erzählerischen Sprache, die historische Ereignisse greifbar macht und ihre Auswirkungen auf Rothenburg nachvollziehbar erklärt.
Ein solches Buchprojekt benötigt jedoch nicht nur Leidenschaft, sondern auch Unterstützung. Öffentliche Fördermittel standen kaum zur Verfügung. Deshalb finanzierte Horst Rupp Teile des Projekts selbst und fand mit Verleger Achim Schneider (Schneider Druck/Rotabene Medienhaus) einen engagierten Partner für die Umsetzung.
„Und ich hatte das Glück, Willi Pfitzinger für das Buch gewinnen zu können“, sagt er. Die Fotografien von Willi Pfitzinger verleihen dem Buch eine eindrucksvolle visuelle Ebene. Pfitzinger, der viele Jahre als Hubschrauberpilot tätig war, beschäftigt sich seit seiner Jugend mit der Fotografie. Seine Aufnahmen prägen seit langem das öffentliche Bild Rothenburgs.
Die Fotografien zeigen nicht nur bekannte Stadt- und Panoramaansichten, sondern auch ungewöhnliche Perspektiven und stille Details der Stadt. Pfitzinger arbeitet mit großer Geduld und Präzision, häufig mit Stativ und Tilt-Shift-Objektiv.
„Zum Fotografieren braucht man Ruhe“, sagt er. Zuerst muss man das Motiv sehen und es in Szene setzen. Dann geht es um das richtige Licht, um Jahreszeiten, um Wetter. Und man muss warten können. Viele Bilder stammen aus seinem umfangreichen Archiv, einige entstanden eigens neu für das Buch.
So erzählt Pfitzinger etwa von einer Aufnahme im Kaisersaal, auf der das Relief des Jüngsten Gerichts zu sehen ist. Als er das Motiv fotografieren wollte, fiel ein Sonnenstrahl quer über die Darstellung. Erst im perfekten Augenblick drückte er auf den Auslöser. am
Rothenburg ob der Tauber: Kleine Geschichte einer großen Stadt. Ein Führer durch die Stadt und ihre Geschichte. Mit Fotografien von Willi Pfitzinger. Schneider Druck, 288 Seiten, 14,80 Euro, ISBN: 978-3-944109-72-5. Erhältlich unter shop.rotabene.de





