Zwei Welten vereint

31. Juli 2026

Zwei Welten vereint

Ausstellung im Doerfler-Museum

Mit einer außergewöhnlichen Einzelausstellung lädt das Doerfler-Museum in Schillingsfürst ab 8. August dazu ein, das Werk von Hai Yan Waldmann-Wang kennenzulernen. Die Museumsleiterin präsentiert rund 50 Arbeiten aus drei Jahrzehnten ihres künstlerischen Schaffens und schlägt damit eine Brücke zwischen fernöstlicher Tradition und der Landschaft Frankens.

Die gebürtige Chinesin kam im Jahr 1990 nach Deutschland und lebt seit 1994 in Niederstetten. Dort entdeckte sie die Natur und die Landschaft entlang der Romantischen Straße – eine Begegnung, die ihre Kunst grundlegend veränderte. Seither verbindet sie die Jahrtausende alten Techniken der chinesischen Tusche- und Seidenmalerei mit ihren Eindrücken und Erfahrungen in Deutschland.

Vor ihrem Umzug nach Deutschland arbeitete Waldmann-Wang acht Jahre für das chinesische Kulturministerium. Anschließend studierte sie Kunst in Braunschweig. Diese ungewöhnliche Biografie prägt ihr Werk bis heute. Ihre Bilder entstehen aus der Verbindung von traditioneller, chinesischer Ausbildung und europäischer Naturbeobachtung – ein künstlerisches Crossover, das in dieser Form nur selten zu finden ist.

„Ich zeichne keine Personen, sondern Seelen“, beschreibt die Künstlerin ihren Zugang. Anders als eine realistische Abbildung versteht sie ihre Arbeiten als Erinnerungen an das Gesehene. Sie nimmt Eindrücke auf, verarbeitet sie innerlich und lässt sie später in ornamentalen Tuschezeichnungen und fein abgestimmten Farbkompositionen wieder entstehen. Charakteristisch sind die filigranen Ornamente, natürliche Pigmente sowie das besondere Spiel mit Seidenpapier und Seidenpassepartouts, das tief in der chinesischen Kunsttradition verwurzelt ist.

Ein Großteil der Werke entsteht in ihrem bevorzugten quadratischen Format. Für Waldmann-Wang symbolisiert das Quadrat Harmonie und Universalität. Gleichzeitig ist sie eine Künstlerin des intensiven Forschens: Begeistert sie eine Technik oder ein Motiv, entwickelt sie dieses in zahlreichen Variationen weiter – zehn, zwanzig oder bei kleineren Formaten sogar bis zu hundert Arbeiten sind keine Seltenheit. Erst wenn sie ein Thema vollständig ausgeschöpft hat, wendet sie sich einer neuen Idee zu.

Natur und Lebensraum bilden dabei ihre wichtigste Inspirationsquelle. Mit den Landschaften der Romantischen Straße, umgesetzt in den Techniken der chinesischen Malerei, verbindet Hai Yan Waldmann-Wang zwei Kontinente und zwei Kulturen zu einer eigenständigen künstler

ischen Ausdrucksform. „Das ist meine Sprache und Kultur von Fernost“, sagt sie. „Ich möchte ausprobieren, ob diese Sprache auch in Europa verstanden und anerkannt wird.“

Die Ausstellung im Doerfler-Museum zeigt einen umfassenden Querschnitt ihres Schaffens der vergangenen 30 Jahre und eröffnet einen seltenen Blick auf eine Künstlerin, deren Werke zwischen chinesischer Tradition und europäischer Landschaft eine ganz eigene Welt entstehen lassen. am

Ausstellung „Romantische Straße mit Hai Yan Waldmann-Wang“ (zu sehen bis 4. Oktober) im Doefler-Museum in Schillingsfürst. Die Vernissage findet am 8. August, um 17 Uhr, statt.

Hai Yan Waldmann-Wang mit einem ihrer Seidenbilder in den Museumsräumen. Foto: am
Für die traditionelle Tuschezeichnung braucht es sehr viel Übung. Foto: Privat

Weitere interessante Beiträge

über Rothenburg ob der Tauber & Umgebung

Ausgabe

Zusätzliche ROTOUR-Beiträge und weitere spannende Informationen finden Sie hier:

Zusätzliche ROTOUR-Beiträge und weitere spannende Informationen finden Sie hier:

Hinterlassen Sie ein Kommentar