Sorge um Zughunde

12. Januar 2026

Sorge um Zughunde

Was war in Rothenburg vor 100 Jahren los?

Die Probleme und Lebensumstände der Menschen ändern sich. Das ist ein normaler Prozess. Was uns heute Sorgen macht, wird die Menschen in 100 Jahren vielleicht nicht mehr kümmern. Da lohnt mal ein Blick in die Vergangenheit: Was hat die Rothenburger vor 100 Jahren eigentlich bewegt?

Im Fränkischen Anzeiger wird gleich zu Jahresbeginn 1926 auf einen Film zur Tuberkulose-Bekämpfung hingewiesen: die „weiße Seuche", wie die Erkrankung auch genannt wurde. Robert Koch entdeckte 1882 den Tuberkuloseerreger. Heilung gab es auch 1926 noch keine. Eine Sanatoriumsbewegung entstand in ganz Europa, und mit Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit wurde die Aufmerksamkeit auf das Leid der Betroffenen gelenkt. Der Film mit Vortrag war gut besucht und wurde sogar ein zweites Mal vorgeführt.

Mitte Januar wurde in der Tageszeitung vor einem „Menschenhandel in dringlicher Weise gewarnt". Auswanderer wurden als Landpächter und Besitzer mit einer Freifahrt nach Brasilien „geködert". Dabei wurde im Werbeschreiben verschwiegen, dass Kaffeepflanzungen dahinterstecken und die Deutschen die schwere Arbeit verrichten sollten. „Eine große Enttäuschung", so der Bericht vom 13. Januar 1926.

Ebenfalls wird über ein französisches Ausgrabungskommando berichtet, das sich hier aufgehalten hat. Ihre Aufgabe war es, während der Kriegszeit verstorbene und begrabene französische Gefangene wieder auszugraben und nach Frankreich zu überführen.

Heute undenkbar, aber im beginnenden 20. Jahrhundert durchaus populär, waren Zughunde. Als Zugtiere wurden sie vor Karren gespannt und transportierten Milch, Gemüse oder andere Waren. Am 22. Januar 1926 dann der Aufruf in der Zeitung, den Zughunden trockene Decken zum Überbreiten und zweimal täglich Futter aus Milchabfällen, Hundekuchen und Maismehl zu geben. Wie andere Arbeitstiere sollten diese anständig behandelt werden.

Die Rothenburger waren auch im Jahr 1926 gesellig. Im Gotischen Haus gab es Tanzkonzerte, im Bärensaal Maskenbälle, der Rothenburger Viehmarkt fand statt und an Lichtmess Anfang Februar „war viel los in Rothenburg". Auf der Eisbahn an der Stegmühle hatten „Winterfreudige die Gelegenheit, sich nach Herzen zu vergnügen".

Und auch ein Grundstein für heutige Vergnügungen wurde 1926 gelegt: Am 8. Februar berichtete der Fränkische Anzeiger, dass die Errichtung eines Freibads weiter gereift ist. Die Anlage unterhalb des „Waldhügels, der das Siechenhaus trägt", soll 60 m lang und 15 m breit werden.

Im Winter 1926 hatte Rothenburg 8828 Einwohner, 79 davon waren israelitisch. am

Die Tageszeitung berichtete über Weltgeschehen und Lokales. Foto: am

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