Regiebuch und Rampenlicht

1. Juli 2026

Regiebuch und Rampenlicht

Leo Dörfler ist künstlerischer Mitarbeiter im Toppler Theater

Leo Dörfler will Schauspieler werden. Auf dem steinigen Weg dorthin sammelt der 21-Jährige aus dem Creglinger Stadtteil Schonach gerade als künstlerischer Mitarbeiter beim Toppler Theater in Rothenburg wertvolle Erfahrungen.

Ob Probentermine, Requisitenliste oder organisatorische Aufgaben: Leo Dörflers Job ist vielfältig, he­rausfordernd und eng an Regisseur Jürgen Eick gekoppelt. Das Toppler Theater kennt Leo Dörfler bestens, hat er doch im Spielclub unter Christina Wehner erste schauspielerische Erfahrungen gesammelt.

Wer denkt, Theaterarbeit sei vor allem nettes Geplauder mit gelegentlichen Kaffee-Unterbrechungen, der hat den Knochenjob noch nicht im Entstehungsprozess erlebt. Für Ensemble wie Regie gleichermaßen sind die Wochen bis zur Premiere harte Arbeit. Für beide Sommer-Produktionen sind je 30 bis 35 Proben angesetzt, zweimal täglich geht es seit Pfingsten in den Klosterhof, in der Regel von 10 bis 14 Uhr und von 18 bis 21 Uhr.

Leo Dörfler ist dabei stets der erste, der kommt und der letzte, der geht. „Er ist unser Rechenzentrum“, lobt Intendant Jürgen Eick, der das Toppler Theater seit 2025 künstlerisch verantwortet, seinen jungen Mitarbeiter. „Leo ist allerdings nicht dazu da, den anderen hinterher zu räumen“, schiebt der Regisseur schmunzelnd nach.

Magie der Erzählungen

Leo Dörfler entstammt einer Gastwirtsfamilie aus Schonach. Die Liebe zum Theater hat ihn früh gepackt. „Ich war, obwohl ich ein schüchternes Kind war, immer schon magisch zu Erzählerischem hingezogen“, berichtet der 21-Jährige, dessen Tante Jutta ebenfalls eine leidenschaftliche Theaterspielerin und Geschichtenerzählerin ist. Daher scheint Leo Dörflers Begeisterung fürs Theater familiär geprägt zu sein, zumal seine Mutter Kristina ebenfalls ein „erzählender Mensch“ sei.

Als Kind lernte er Hörspiele auswendig, Serien spielte er mit Freunden im elterlichen Garten nicht nur nach, sondern entwickelte sie auch weiter. In der Realschule Creglingen ging Leo in die Theater-AG, später schloss er sich dem Spielclub des Toppler Theaters an. „Das hat mich nachhaltig geprägt“, blickt er auf diese fünf Jahre unter der Theaterpädagogin Christina Wehner zurück. Sein Fazit über diese formende Zeit: „Aus einem verpeilten, ziemlich schüchternen Kind wurde ein immer noch ziemlich verpeilter, aber selbstbewusster junger Mann“.

Dass Theater mehr als ein Hobby werden könnte, spürte Leo Dörfler erstmals in den Jahren 2022 und 2023, als er am Globe-Theater in Schwäbisch Hall mitwirkte und mit Profis in Kontakt kam.

„Was mich am Theater so unfassbar fasziniert, ist die Möglichkeit, abstrakte Gedanken und Gefühle nachvollziehbar und spürbar zu machen“, sagt der Mime, der sich bereits bei einigen Schauspielschulen beworben hat. Der Bewerbungsprozess ist herausfordernd, und so hat Leo Dörfler erst einmal aufgrund seines Engagements am Toppler Theater eine Pause eingelegt, zumal die nächsten Anmeldefristen erst in ein paar Monaten ablaufen.

Von seinem Engagement in Rothenburg erhofft sich Leo Dörfler einen Einblick in den Prozess, wie eine professionelle Erzählung auf der Bühne entsteht. Vielleicht reizt ihn ja die Regiearbeit genauso wie das Schauspiel. Im Toppler Team fühlt sich Leo Dörfler jedenfalls pudelwohl, „das Klima ist super familiär“. Er will vor allem „lernen und zuhören“, aber er kann auch Ideen einbringen.

Wenn sich die vier Schauspielerinnen und Schauspieler der satirischen Komödie „Jeeps“ und Regisseur Jürgen Eick zu den Proben im Klosterhof einfinden, ist Leo Dörfler schon da und schaut, ob die Bühne eingerichtet ist, ob sich die Requisiten am richtigen Platz befinden. Auf seinem iPad und seinem Laptop sind alle wichtigen Informationen gespeichert. Änderungen gibt es ständig, „man muss sehr spontan sein“, bekräftigt Jürgen Eick. Da hilft es sehr, wenn man strukturiert arbeitet und plant.

Doch noch wichtiger ist die Kreativität. „Ich bin oft fasziniert von den Spiel- und Denkansätzen“, freut sich der Regisseur. Er legt Wert auf die pädagogische Arbeit, zeigt großes Einfühlungsvermögen und will bei den Beteiligten „den Spieltrieb entwickeln, sie sollen diebischen Spaß an Stoff und Inhalten haben und nicht nur Text lernen und aufsagen“.

Auf Augenhöhe im Theaterteam

Während der Proben liest Leo Dörfler den Text mit und gibt dem Regisseur damit freie Hand für die Abläufe auf der Bühne. Der 21-Jährige führt außerdem das Regiebuch, koordiniert Termine und unterstützt die Pressearbeit. Jürgen Eick ist voll des Lobes für seinen jungen Mitstreiter, den er nicht gern als „Assistent“ bezeichnet, sondern als „künstlerischen Mitarbeiter“. Das Ziel sei gewesen, einer jungen Kreativkraft aus dem Raum Rothenburg die Chance zu geben, in den Profi-Prozess reinzuschnuppern.

„Leo ist voll verantwortlich für die Produktion und über die Saison fest angestellt,“ betont der Regisseur, dem eine Zusammenarbeit „auf Augenhöhe“ besonders wichtig ist. Niemand habe die Weisheit mit Löffeln gefressen, „Thea­ter ist vielmehr Teamarbeit“, unterstreicht ­Jürgen Eick. Ihm sei ein „angstfreier Raum“ wichtig, in dem sich jeder äußern könne, betont der Intendant. „Wir legen Wert auf ein gutes Team“, ergänzt Jürgen Eick. Die beteiligten Schauspieler seien sehr nett und gut ausgebildet, da könne sich Leo Dörfler viel abschauen. „Ich sage den jungen Leuten immer: geht gucken, gucken, gucken, schaut euch möglichst viele Theater an, man lernt viel durchs Zuschauen“.

Die stressigste Phase wartet ab Ende Juni auf Leo Dörfler. Dann läuft die Komödie „Jeeps“ bereits gut eine Woche, und der Mitarbeiter muss die Abendvorstellungen betreuen – andererseits starten tagsüber nun auch die Proben für die Krimi-Komödie „Achtsam morden“. Leo Dörfler wirkt nicht so, als könne ihn das schrecken. Er ist vollwertiges Mitglied der großen Toppler-Theater-Familie. „Ich fühle mich im Theater einfach verstanden“, sagt er. Da klingelt sein Handy. Kurzes Gespräch: Planänderung. Nicht die erste, und sicher nicht die letzte. Auch das macht den Reiz des Theaters aus. abo

Regisseur Jürgen Eick (rechts) und Leo Dörfler haben einen guten Draht zueinander. Bild: abo
Volle Action: In der Komödie „Jeeps“ geht es rund. Bild: abo

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