Gelebte Völkerverständigung

1. Juli 2026

Gelebte Völkerverständigung

Partnerschaftsverein Rothenburg stärkt internationalen Austausch

Von Mensch zu Mensch Brücken bauen, den Alltag der anderen kennenlernen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede entdecken: Seit 50 Jahren besteht die Städtepartnerschaft zwischen Rothenburg und dem französischen Athis-Mons. Ein wesentlicher Treiber dieser gelebten Völkerverständigung ist der Verein für Städtepartnerschaften und internationale Begegnungen e.V. seit 1988. Damals entschieden die Mitglieder des Partnerschaftskomitees in einer offenen Abstimmung ihre Organisation auf ein neues Niveau zu heben und als eingetragenen Verein unter der Leitung von Oskar Schubart – nach seiner Amtszeit als Oberbürgermeister – zu führen. Sein Engagement setzte weitere Meilensteine in den verschiedenen städtepartnerschaftlichen Beziehungen.

Der internationale Städteaustausch jedoch begann mit Athis-Mons, einer Stadt mit gut 36 000 Einwohnern, 15 Kilometer südlich des Pariser Stadtzentrums gelegen. Der „offiziellen Hochzeit“ mit Rothenburg im Jahr 1976 ging ein Jahrzehnt des Werbens und Kennenlernens voran, denn der Funke zu dieser engen deutsch-französischen Freundschaft sprang bereits 1966 über.

Auf der Rückreise von einer Auslandsfahrt stoppte die Spiel- und Tanzgruppe „Cercle Celtique“ in Rothenburg und einer ihrer Dudelsackspieler lernte am Marktplatz einen örtlichen Schäfertänzer kennen. Auch weitere Mitglieder der beiden Kulturvereine tauschten sich aus und blieben im Anschluss in Kontakt. Die ersten Bande waren geknüpft, es folgten von 1967 bis 1975 jährliche gegenseitige Besuche.

Aus der Liebe zu Spiel und Tanz entwickelten sich erste Verbindungen zwischen den beiden Kommunen, Bürgern, Sportvereinen und Schulen. Die gegenseitigen Beziehungen wuchsen, die Sprachbarrieren schwanden durch fleißiges Lernen oder dank leidenschaftlicher Übersetzer, der Unterzeichnung der offiziellen Städtepartnerschaft am 2. Juli 1976 durch die Oberbürgermeister Oskar Schubart und René L´Helguen stand nichts mehr im Weg.

In den folgenden 50 Jahren – ausgenommen die coronabedingten Einschränkungen zwischen 2020 bis 2023 – stabilisierte sich der Schüleraustausch als Kernstück der Beziehungen. Die Verantwortlichen beider Städte organisierten Klassenreisen, Privatunterbringung, Unterrichtsprojekte und Kulturprogramme. Sportliche Begegnungen mit Fußball, Handball, Tischtennis, Turnen, Schwimmen und Leichtathletik schufen tragfähige Bindungen zwischen den Aktiven der Rothenburger Vereine und des Club Olympique Paray-Athis-Mons.

Goldene Hochzeit

Musik, Tanz, Geschichte spiegelten sich bei gegenseitigen Auftritten anlässlich historischer Feste, gemeinsamen Theater-Aufführungen, Konzerten. Die Jubiläumsfeiern vertieften die Bande zwischen den Kommunen und ihren Bewohnern zusätzlich. Jede Veranstaltung und jedes Treffen unterstrich die Bedeutung der Partnerschaft als unverzichtbaren Baustein eines friedlichen Europas.

Unter diesem Credo stand auch die Reise von 50 Rothenburgern zur großen Feier des 50. Jubiläums im Mai in Athis-Mons, ebenso wie der Gegenbesuch aus Frankreich an Pfingsten mit offiziellen Veranstaltungen der Stadt und einem vom Partnerschaftsverein organisierten Rahmenprogramm.

Für Erwin Bauer – seit 2020 Vorsitzender des Partnerschaftsvereins – sind diese Begegnungen gelebte Völkerverständigung. „Diese Freundschaften zwischen Menschen wecken Verständnis für die Kultur und die Mentalität der anderen“, beschreibt er als Antrieb für sein Engagement. „Sie bleiben bestehen, auch wenn es politisch schwierig wird.“

So gebe es weiterhin private Kontakte nach Susdal, eine der ältesten russischen Städte und rund 220 Kilometer nordöstlich von Moskau gelegen. Diese Städtepartnerschaft existiert seit 1988 und es bestand ein reger Austausch, der seitens der Stadtebene auf Grund der aktuellen Lage jedoch ruht.

Sehr lebendig hingegen ist die Verbindung mit Uchiko, eine kleine Stadt, im südlichen Japan. Seit September 2011 ist sie offiziell die dritte Partnerstadt Rothenburgs. Das Interesse auf beiden Seiten ist sehr groß, doch regelmäßige Besuche auf Grund der großen Entfernung und der damit verbundenen Reisekosten nur mit Unterstützung der Stadt und viel Eigeninitiative zu leisten. Doch auch diese Verbindung erlebt 2026 zwei gegenseitige Bürgerreisen und einen intensiven Schüler-Austausch. Völker friedlich verbindend. br

Die Folkloregruppe „Cercle Celtique“ auf dem Marktplatz.
Mitglieder des Partnerschaftsvereins begleiten Radfahrer aus Athis-Mons von Leuzendorf bis Rothenburg. Fotos: Privat
Beim Sportunterricht im süd-japanischen Uchiko treffen Jugendliche zweier Nationen aufeinander.
René L´Helguen und Oskar Schubart unterzeichnen 1972 die Partnerschaftsurkunde.

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