„Das geht ruckzuck“
17. Juni 2026
„Das geht ruckzuck“
Hans-Peter Ströbel backt handgemachte Pizza auf Feiern und Festen
Wer einen Pizzabäcker erwartet, rechnet wahrscheinlich mit einem glutäugigen Italiener namens Giovanni. Stattdessen kommt Ur-Hohenloher Hans-Peter Ströbel um die Ecke. Doch wer einmal in seine neapolitanische Pizza gebissen hat, erkennt: Ströbels Heimatort Brettheim scheint ganz nahe bei Italien zu liegen.
Vor drei Jahren gründete er sein Catering-Unternehmen „Flavizza“. Der Name setzt sich zusammen aus Flavour (dem englischen Begriff für Geschmack) und Pizza.
Unter der Woche arbeitet der 37-Jährige in der technischen Projektierung eines Maschinenbauers. Mit Flavizza ist er an den Wochenenden unterwegs. Wie kam es dazu? Die Initialzündung war eine Fernsehsendung: Ein italienischer Pizzabäcker zog die perfekte Pizza Margherita aus dem Ofen. Das fand er cool, wollte es nachmachen und scheiterte gründlich.
„Die erste Pizza ist verbrannt“, gesteht der dreifache Vater. „Das hat mich gefuchst.“ Statt aufzugeben, begann er zu tüfteln und sich profundes Wissen anzueignen. Von da an gab es ständig Pizza im Hause Ströbel. Sie wurde immer besser, wie Ehefrau Sarah bestätigt. Ihr perfektionistischer Mann testete Öfen, Mehle und Gärzeiten. Er setzte sich mit Proteinwerten, Wasseranteilen und optimalen Teigtemperaturen auseinander. Irgendwann kamen Freunde, Familie und Bekannte in den Genuss seiner Pizzen. Deren Begeisterung brachte wohl den Stein ins Rollen. Plötzlich erhielt der Brettheimer weitere Anfragen. Heute kontaktieren ihn 90 Prozent der Kunden über Instagram. Mit seiner mobilen Dienstleistung bereichert er Firmenevents, Feste und private Feiern. Auf Wunsch tischt Flavizza außerdem Vorspeisen, Salate und Desserts auf.
Hans-Peter Ströbel backt die Pizzen direkt vor Ort. Zwei Stunden vor Beginn baut er sein Equipment auf und heizt die Öfen vor. „Der Kunde soll möglichst wenig Stress haben und kaum Geschirr benötigen.“ Die Gäste erleben live, wie er den Teig formt. Am Buffet können sie sich an den Pizza-Varianten bedienen, die unter anderem mit Salami, Rucola, Salsiccia-Wurst, wildem Brokkoli und Pesto belegt sind. „Am begehrtesten ist die Pizza Bianca“, hat Ströbel beobachtet.
Mobiles Catering
Aus dem Hobby ist ein professionelles Catering geworden. Einmal machte er 300 Pizzen in drei Stunden. „Da ging’s schon rund“, erinnert sich Hans-Peter Ströbel. „Ich genieße es, wenn die Leute eine gute Zeit haben und es ihnen schmeckt. Das spornt mich an.“ Die Kritiken auf Instagram lassen aufhorchen: „Weltbeste Pizza“ und „Absolutes Highlight“, steht da.
Seine eigene Messlatte ist hoch: Er möchte immer ein Quäntchen besser sein und „eine hochwertige Pizza, die man sonst nirgends kriegt“ anbieten. Den Teig bereitet er nach neapolitanischer Art zu. „Der hat einen etwas höheren Wasseranteil und eine lange Reifezeit“, beschreibt er. Auf ein Kilo Mehl verwendet er nur ein Gramm Hefe, die sich im Kühlschrank komplett zersetzt. Deshalb ist die Pizza sehr bekömmlich. „Leute mit Weizenunverträglichkeit haben in der Regel keine Probleme“, hat der Brettheimer festgestellt. Bei Bedarf backt er mit glutenfreiem oder Dinkelmehl. Alle Zutaten wählt er sorgfältig aus. Hochwertigmüssen sie sein, Kleinigkeiten machen den Unterschied.Statt geriebenem Käse verwendet er Fior-di-Latte-Mozzarella. Tomaten und Salami stammen aus Italien. Den Schinken bezieht er vom lokalen Metzger.
In einem extra eingerichteten Zubereitungsraum stellt der Pizzabäcker den Teig etwa drei Tage vor der Veranstaltung her. Dieser reift anschließend im Kühlschrank bei vier bis sieben Grad. Beim Interview-Termin mit ROTOUR backt Hans-Peter Ströbel in seiner Privatküche eine Pizza Bianca. Er öffnet eine Box mit sechs Teigkugeln. Flugs formt er den Teig, streicht eine weiße Sauce auf, belegt ihn mit Käse, getrockneten Tomaten, Schinken und Pilzen. Dann schiebt er die Pizza in den 450-Grad-heißen Ofen. Es dauert nur eine Minute. Der Rand wölbt sich nach oben. „Das geht ruckzuck“, lächelt er und holt sie heraus. „Die ist top“, freut er sich. Es duftet herrlich. Der Rand der Pizza ist kross und knusprig, trotzdem luftig leicht.
In der Herbst- und Wintersaison lädt Flavizza zu Kursen ein. Die Teilnehmer erlernen die Grundlagen der Zubereitung einer neapolitanischen Pizza. Jemand nannte Hans-Peter Ströbel mal ehrfürchtig „den Teigprofessor“. Bei Rewe in Rothenburg und Wörnitz durfte er ein Regal einrichten mit Mehlen, San-Marzano- Tomaten und Öl. „Alles was man für die perfekte Pizza braucht.“
Ehefrau Sarah und Freunde unterstützen ihn. Weiteren Rückhalt geben ihm seine Eltern und Schwiegereltern. „Das ist Gold wert“, betont er. Der Brettheimer steht voll im Berufsleben, hat Familie, spielt Schlagzeug in einer Coverband und backt am Wochenende Pizza. Ist das nicht zu viel des Guten? „Mir macht es Spaß“, sagt er. Sarah Ströbel ergänzt: „Er kommt immer ausgeglichen heim. Es raubt nicht nur Energie, sondern gibt ihm auch etwas zurück.“ Den Sonntag hält er sich grundsätzlich für die Familie frei.
Vor einigen Jahren, als es noch ein Hobby war, gab es mal eine Panne: Mit seinem Freund knetete Ströbel im Hochsommer Teig für eine Hochzeit im Familienkreis. Am nächsten Tag öffnete der Freund den Kühlschrank und staunte: Der Teig war aufgegangen und füllte den ganzen Kühlschrank aus. Er musste ihn in der Biomülltonne entsorgen. Sicherheitshalber legte er Backsteine auf den Deckel. Es half nichts: Das Plastik riss. „Es hat die Tonne gesprengt. So viel Kraft hat die Hefe“, grinst Hans-Peter Ströbel.
„Aller Anfang ist schwer“, lacht seine Frau. „Seitdem ist das Thermometer sein bester Freund.“ Den Teilnehmern seiner Pizzakurse erklärt er stets, dass der Teig beim Kneten nicht wärmer als 24 Grad werden sollte.
Dieses Jahr verbringen die Ströbels ihren Urlaub in Italien. Der „Teigprofessor“ hofft, einen Blick in die Küche eines italienischen Pizzabäckers werfen zu dürfen. Ganz sicher wird er Pizza probieren und sich inspirieren lassen. Dann rückt Bella Italia vielleicht noch ein Stück näher an Brettheim heran. sab




