Bewahrer der Vergangenheit
12. Januar 2026
Bewahrer der Vergangenheit
Prof. Dr. Dr. Peter Löw haucht Schloss Frankenberg neues Leben ein
Schloss Frankenberg fesselt den Blick. Auf einem Bergsporn des südlichen Steigerwalds gelegen, nur wenige Kilometer von Weigenheim entfernt, hatte das Schloss in den letzten Jahrzehnten eine wechselhafte Geschichte. Es kam dem Verfall immer näher, bis im Jahr 2014 Peter Löw als rettender Märchenprinz auf der Bildfläche auftauchte.
Manchmal liest man von 12 Millionen, manchmal von 15 Millionen, die er investiert hat. „Einigen wir uns auf einen zweistelligen Millionenbetrag", sagt Prof. Dr. Dr. Peter Löw. Er sitzt entspannt im Sessel in der Schlossbar. Schloss Frankenberg feiert 2025 ein Fest zum 800-jährigen Bestehen. Peter Löw kommt etwa vier- bis fünfmal im Jahr nach Frankenberg. Das Fest ist einer jener besonderen Anlässe und seine Frau Clara Löw wird später in diesem Rahmen noch als Countrysängerin Cat Lion auftreten. Privat lebt die Familie bei München.
Ein Bekannter habe ihn damals darauf aufmerksam gemacht, dass Schloss Frankenberg zum Verkauf steht, erzählt Löw. Schon zuvor hat er Einzeldenkmäler wie ein Kloster nahe Florenz (aus dem 12. Jahrhundert) oder das Berggericht in Kitzbühel (aus dem frühen 17. Jahrhundert) erworben, saniert und in neuer Nutzung wieder zugänglich gemacht. „Unterbewusst war also schon ein Muster zu erkennen", so Löw.
„Der Denkmalschutz auf staatlicher Ebene kümmert sich um die ‚A-Denkmäler'. Schon eine Stufe darunter werden die Eigentümer alleine gelassen", gibt er zu bedenken. Fehlen dann die finanziellen Mittel, bleibt nur der Verfall.
Jene stark gefährdeten Denkmäler will Löw vor dem Untergang retten. In diesem Sinne hat er seine private Initiative „European Heritage Project" gegründet, die mittlerweile gut 15 Denkmäler in Deutschland, Österreich, Italien, Malta und Südafrika betreut.
Selbstbestimmtes Leben
Im Oktober 2025 hat Peter Löw seinen 65. Geburtstag gefeiert. Ein Moment, um zu reflektieren, ob man die Erwartungen in das eigene Leben umgesetzt hat. „Mein Vater hat zu mir gesagt: Lieber Sohn, gehe sonntags immer in die Kirche, wähle nie im Leben SPD und werde selbstständig. Diese drei Wünsche habe ich ihm erfüllen können", erzählt er mit einem Schmunzeln. „Ähnliches gebe ich meinen acht Kindern weiter, denn die Selbstständigkeit führt dazu, dass sich Menschen nicht so stark verändern müssen."
Löw gehört laut einer Recherche des Manager Magazins aus dem Jahr 2020 zu den 500 reichsten Deutschen. Erschaffen hat er sich diesen Stand aus eigener Kraft. Peter Löw ging in Baden-Baden zur Schule und schloss drei Studiengänge ab: ein Geschichtsstudium, die Rechtswissenschaften/Jura und ein wirtschaftswissenschaftliches Studium an der Elitehochschule Insead im französischen Fontainebleau. Er hat eine geschichtswissenschaftliche und eine rechtswissenschaftliche Dissertation geschrieben. Neben seinen beiden Doktortiteln trägt er seit 2013 auch den Professorentitel. Löw ist Honorarprofessor für Wirtschaftsphilosophie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Heiligenkreuz.
Fragt man ihn nach seinem Beruf, bezeichnet er sich als Restrukturierer. Anfang der 90er-Jahre war es in Deutschland noch unüblich, bestehende Firmen zu kaufen. In Familienunternehmen wurde die Tradition hochgehalten und kamen Konzerne in Schieflage, wurden sie entweder subventioniert oder abgewickelt.
Peter Löw hatte damals bei der Unternehmensberatung McKinsey beruflich Fuß gefasst. Mit einem Freund, der bereits Erfahrung mit Firmenkäufen hatte, saß er eines Abends in München im Biergarten. „Uns ging es ja gut, aber langsam wollten wir selbstständig werden", erinnert sich Löw. Nach einigen Gläsern Bier haben die beiden daher beschlossen, eine eigene Firma zu kaufen.
Aber die musste erst mal gefunden werden. Sein Freund kündigte seinen Job und suchte in ganz Deutschland ein Unternehmen, egal aus welcher Branche. „Ich habe ihm in dieser Zeit die Hälfte meines Gehaltes gezahlt", erinnert sich Peter Löw. Ein Unternehmen wurde gefunden, das die beiden für 7 Mio. DM kaufen konnten.
„Wir hatten ja aber kein Geld", sagt Löw. Er hatte gerade mal 100 000 DM und ging damit zur Bank. 6,9 Mio. DM wollte er sich leihen. Die Bank war wenig begeistert, einem Berufsanfänger ohne Expertise eine Vollfinanzierung zu gewähren. Aber Löw hat einen guten Eindruck hinterlassen und der Deal war folgender: Löw verpfändet sein McKinsey-Gehalt für die nächsten Jahre und bekommt dafür 300 000 DM geliehen. „Jetzt hatte ich 400 000 DM und ging zur nächsten Bank", erinnert er sich. Und so wurde das McKinsey-Gehalt wieder und wieder verpfändet, bis die Summe zusammen war. „Das würde heute gar nicht mehr gehen", sagt er schmunzelnd.
Die jungen Unternehmer wollten nun mit ihrer neuen Firma das Darlehen zurückzahlen und vom weiteren Gewinn neue Unternehmen kaufen. „Aber das hat nicht funktioniert", so Löw.
Die Alteigentümer, jetzt angestellte Geschäftsführer, wirtschafteten in die eigene Tasche und wurden entlassen. „Jetzt hatten wir keine Geschäftsführer mehr und im Wesentlichen auch keine Ahnung", erzählt Löw rückblickend, „und die Banken hatten wir auch im Rücken."
Peter Löw hat daher seinen guten Job gekündigt und sich im Hinterzimmer eines Bauernhofs nahe der eigenen Firma eingemietet. Die beiden Jungunternehmer mussten ihre Haut retten. „Das war eine existentielle Krise", so Löw, „aber das Beste, was passieren konnte." Er lernte das Geschäft von der Pike auf: Umsatzsteuervoranmeldung, Buchführung noch auf Zetteln, die Umstellung auf Computer. Nach einem anstrengenden Jahr mit vielen schlaflosen Nächten stand die Firma gut da und ein Käufer erwarb das sanierte Unternehmen für 8 Mio. DM. Eine Firma zu kaufen und zu verbessern, schien also ein ganz gutes Geschäft zu sein. „Wir hatten jetzt eine Million für neue Investitionen", so Löw.
Seitdem hat Peter Löw, der 2013 die Livia Group gründete, über 300 Unternehmen erfolgreich restrukturiert. Dazu gehören auch Börsenexits wie bei dem Unternehmen Alzchem, das inzwischen im SDAX gelistet ist. „Wir haben Alzchem – sagen wir mal – wirtschaftlich für einen Euro gekauft und das Unternehmen hat im Augenblick einen Börsenwert von 1,5 Milliarden", so Löw.
Auf die Frage, welche Eigenschaft das Geheimnis seines Erfolgs sei, antwortete er: „Den gesunden Menschenverstand nicht ausblenden." Löw hat erlebt, dass Manager oft in festen Branchenregeln denken: Wenn alle anderen das machen, kann es nicht falsch sein oder ähnlich. „Das haben wir oft widerlegt", so der Unternehmer.
Regeln in Frage stellen
Das Selbstbewusstsein, sich über Regeln hinwegzusetzen und das durchzuziehen, bedarf zwar einer gewissen Überwindung, führt aber zum Erfolg. Dabei sei die Branchenkenntnis nicht wichtig. „Das Fachwissen ist in den Firmen drin", weiß Löw. Er lasse sich Dinge erklären und – wieder der gesunde Menschenverstand – könne so Verbesserungspotenzial generieren. „Je mehr Industrien man sich angeschaut hat, desto größer ist der Cross-Over-Effekt", erklärt der Restrukturierer.
Peter Löw ist nicht nur erfolgreicher Unternehmer, mehrfacher Buchautor und Pilot, sondern auch Jakobswegwanderer und tief im katholischen Glauben verwurzelt. „Der gläubige Mensch hat Vorteile gegenüber dem Nichtgläubigen", sagt er. Er setzt auf das Konzept Gottvertrauen. „Man geht an Dinge heran mit dem Vertrauen, dass es schon klappen wird. Andere gehen an Sachen oft pessimistisch heran", ist für ihn ein großer Unterschied.
Dieser gottgegebene Optimismus, gepaart mit der Herausforderung, über die eigenen Grenzen hinauszugehen, hat ihn auch dazu veranlasst, gemeinsam mit seinem Sohn Maximilian Löw „Das eine Evangelium" herauszugeben.
„Während der Koranübersetzung habe ich festgestellt, dass das Evangelium dort an vielen Stellen genannt wird", sagt er. Bei Nachforschungen entdeckte Löw, dass im 2. Jahrhundert ein syrischer Theologe die vier Evangelien in einer Evangelienharmonie zusammenfasste. Löw, der nicht nur Honorarprofessor an der päpstlichen Hochschule Heiligenkreuz ist, sondern auch Träger des Großkreuzes des St. Silvester-Ordens sowie Delegierter des Heiligen und Militärischen Konstantinischen St. Georg-Ordens im Priorat Deutschland, nahm dies zum Anlass, aus den vier Evangelien wieder eine Fassung zu machen.
„Du bist kein Theologe und begibst dich auf ein Minenfeld, das wird ein Fiasko", so die Kommentare aus seinem Umfeld. Er hat es trotzdem gemacht. Das Buch, in dem jeder Satz aus einer approbierten Evangeliumsversion stammt, erscheint nun in der dritten Auflage im Herder Verlag. Übersetzungen ins Arabische und Farsi sind geplant.
Neugier und Offenheit gehören zum Leben von Peter Löw wie die Luft zum Atmen. Die Facetten sind dabei weit gefasst und fußen mitunter in seiner Leidenschaft für die Historie. Das findet sich auch auf Schloss Frankenberg wieder. „Die Einrichtung mache ich lieber selbst", so der Schlossherr. Wandbehänge, Möbel und Interieur sind handverlesen. Löw will damit ein Gefühl vermitteln, wie einst gelebt wurde. Und zwar fernab der neuzeitlichen Arroganz, dass es vor Jahrhunderten zugig, kalt und ungemütlich zuging.
Schloss Frankenberg wurde unter seiner Handschrift wieder zu „unserem Schloss". Die Identifikation der Bevölkerung mit dem historischen Gebäude liegt ihm am Herzen. Sein Ziel ist es, die Denkmäler wieder in das Leben der Menschen zu integrieren. „Klar war aber auch, es muss ein Bewirtschaftungskonzept her, denn wir wollen kein Museum daraus machen", so der Schlossherr (siehe Info unten).
Gleichwohl ist Löw Realist und weiß, dass „bei denkmalgeschützten Gebäuden der Profitgedanke nicht an erster Stelle stehen sollte". Es ist aber sein Ziel, dass die laufenden Kosten der Immobilie mit der Nutzung gedeckt werden und sie sich selbst trägt. „Ohne eine gewisse Profitabilität wird die zweite oder dritte Generation sonst kein Geld mehr dafür ausgeben wollen", so seine Prognose.
Öl aus Plastikmüll
Wenn Peter Löw nicht gerade als rettender Märchenprinz oder Restrukturierer im Einsatz ist, verfolgt er Ziele, die auf das ganze Weltgeschehen Einfluss haben könnten. Bereits seit 15 Jahren forscht und entwickelt er an Lösungen zur Umwandlung von Plastikmüll in Öl.
„Wir hatten schon viele Fehlschläge, sind aber mittlerweile diejenigen, die sich weltweit mit dieser Technologie am besten auskennen", so Löw. Mittlerweile steht die Technologie. Die erste funktionsfähige Anlage in Plauen (Tubis AG) ist in Betrieb, drei weitere Genehmigungen in Deutschland sind da „und ich habe die Investitionen freigegeben". Nun geht es darum, diese Technologie möglichst schnell über den Erdball zu verbreiten. „Alle tun sich schwer mit dem Plastikmüll und wir haben nun die perfekte Lösung", so Löw. am





