Neustart im E-Center
30. April 2026
Neustart im E-Center
Bächner investiert in die Zukunft
Alles neu macht der Mai – und in Rothenburg bekommt dieser Satz eine ganz eigene Bedeutung. Im Edeka-Center von Rudolf Bächner wird derzeit nicht einfach nur renoviert: Hier entsteht ein Supermarkt, der zeigen soll, wie Einkaufen in Zukunft funktioniert.
In der ersten Maiwoche bleibt der Vollsortimenter geschlossen, nur die Brothaus-Filiale versorgt weiterhin die Kundschaft. Doch hinter verschlossenen Türen wird mit Hochdruck gearbeitet. Am 12. Mai öffnet das E-Center wieder – moderner, digitaler und konsequent auf die Bedürfnisse der Kunden ausgerichtet.
Nachdem der aus Schillingsfürst stammende Unternehmer für den Bau eines großen Edeka-Markts in seinem Heimatort keine Fläche bekam, hat er sich 2017 entschieden, das Projekt in Rothenburg zu realisieren. Mit einer Verkaufsfläche von rund 2 500 Quadratmetern gehört der Laden zu den großen Standorten der Edeka Nordbayern.
„Spätestens alle zehn Jahre muss sich ein Markt an das veränderte Konsumentenverhalten anpassen“, sagt Rudolf Bächner. Stillstand ist für ihn keine Option – und so wird der aktuelle Umbau zu einem echten Pilotprojekt. Denn diesmal basiert die Neuausrichtung nicht nur auf Erfahrung, sondern auf Daten. Mithilfe Künstlicher Intelligenz wurden Einkaufsverhalten, Vorlieben und Kaufkraft analysiert. „Laut Aussage von Edeka Nordbayern sind wir die ersten, die das so umsetzen“, erklärt der Unternehmer. Das Ergebnis: ein Markt, der sich noch präziser an seine Kundschaft anpasst – von der richtigen Platzierung des Sortiments bis zur Einführung neuer Produkte.
Schon beim Betreten wird klar, dass sich etwas verändert hat. Direkt am Eingang zieht ein neuer Sushi-Bereich die Blicke auf sich. Hier wird täglich frisch gerollt, geschnitten und angerichtet – ein Angebot, das perfekt in eine Zeit passt, in der es schnell gehen darf, aber bitte mit Qualität. Gleich daneben: die modernisierte Obst- und Gemüseabteilung, heller, strukturierter und deutlich einladender.
Auch ein Backwarenbereich ist entstanden. Viele Kunden hatten sich eine zusätzliche Backstation gewünscht und jetzt wird dieser Wunsch Realität. Dafür entsteht sogar ein eigenes Kühlhaus. „Wir wollen aber keine Konkurrenz zum Brothaus sein, sondern sehen das Angebot als Ergänzung“, erklärt Bächner.
Doch der Umbau geht weit über sichtbare Veränderungen hinaus. Wer genau hinschaut, entdeckt neue Sortimente, die den Zeitgeist spiegeln: Künftig finden sich verstärkt Produkte für Sportler im Angebot, darunter spezielle Sportlernahrung sowie ausgewähltes Equipment wie Yogamatten. Sogar ein Buchangebot in Kooperation mit Thalia, inklusive aktueller Bestseller, gibt es nun. Frische Blumen aus den Niederlanden, die mehrmals pro Woche geliefert werden und „Top-Qualität zu Top-Preisen haben“, so Bächner, runden das Angebot ab.
Auch technisch zieht die Zukunft ein. Drei Selbstscannerkassen sollen Wartezeiten verkürzen und den Einkauf komfortabler machen. Noch unscheinbarer, aber im Alltag umso wirkungsvoller ist eine andere Neuerung: Die klassischen Papierpreisschilder verschwinden. Stattdessen kommen digitale Preisleisten zum Einsatz, die sich über Nacht automatisch aktualisieren. Was früher täglich bis zu 1 000 manuelle Änderungen bedeutete, die zwei Mitarbeiter vor Ladenöffnung ausführten, erledigt nun ein System im Hintergrund.
Bächner ist keiner, der sich auf Erfolgen ausruht. Gemeinsam mit seiner Frau Claudia hat er immer wieder neue Ideen umgesetzt. So geht auch die vegane Produktlinie „La Vie“ auf ihre Initiative zurück – und bekommt im Zuge der Neugestaltung mehr Platz und eine stärkere Präsenz. „Die Kunden sollen ein gutes Gefühl haben, wenn sie hier einkaufen“, sagt er.Gleichzeitig beobachtet er den Wandel im Handel sehr genau. Fachkräfte zu finden, wird schwieriger, vor allem in klassischen Bedienbereichen wie der Metzgerei. Und auch die Kundschaft verändert sich. „Viele junge Menschen wollen nicht mehr bedient werden. Sie greifen lieber zu fertigen Produkten und sparen Zeit“, so seine langjährige Erfahrung.
Im Hintergrund läuft der Betrieb längst hoch digitalisiert. Ein geschlossenes Warenwirtschaftssystem sorgt dafür, dass Alltagsprodukte automatisch nachbestellt werden. Frische und regionale Waren hingegen werden individuell disponiert.
Saisonartikel plant Bächner oft ein halbes Jahr im Voraus. „Krisen kann ich da nicht mit einkalkulieren“, erklärt er. Ob Osterhasen oder Nikoläuse aus Schokolade, Bächner muss dabei auf seine Erfahrung als Unternehmer setzen und darauf, dass Kunden noch das nötige Geld für den Konsum zur Verfügung haben. Doch trotz aller Planung bleibt ein Unsicherheitsfaktor: die Logistik. Verzögerungen auf überlasteten Straßen können schnell dafür sorgen, dass Produkte nicht rechtzeitig im Regal liegen.
Mit 67 auf Zukunftskurs
Rudolf Bächner ist noch ein Unternehmer der alten Stunde. Er lässt sich nicht beirren und will etwas bewegen. Er investiert eine halbe Million Euro in die Modernisierung des E-Centers. Mit 67 Jahren, wenn andere an Rente denken, wagt er erneut einen Schritt in die Zukunftsfähigkeit seines Unternehmens. „Ich höre nicht auf, das kann ich nicht“, sagt er. Nach über 40 Jahren im Einzelhandel weiß er, worauf es ankommt: Qualität, Mut zur Veränderung und ein klarer Anspruch. „Ich will einen Markt, der modern ist, der funktioniert und auf den die Kunden sich verlassen können. Halbe Sachen gibt es bei mir nicht.“
Ganz allein will er diesen Weg künftig aber nicht mehr gehen. Schritt für Schritt sollen sein Sohn Marc und erfahrene Mitarbeiter mehr Verantwortung übernehmen. Die Zukunft des Edeka-Centers ist also nicht nur modern – sie wird auch von Menschen getragen, denen die Kunden am Herzen liegen. am





