Einer gewinnt immer
30. April 2026
Einer gewinnt immer
Zwischen Jetons und Realität: Ein Besuch in der Spielbank Feuchtwangen
Casino-Filme leben vom Klischee. Da sitzen sich innerlich angespannte Pokergesichter mit scheinbar ausdruckslosem Blick am Spieltisch gegenüber. Ein falscher Zug, ein unbedachtes Wort, und die Situation eskaliert. Im Film.
Die Wirklichkeit in einer Spielbank sieht anders aus. Wie in Feuchtwangen, wo die zweitgrößte Spielbank Bayerns seit über 25 Jahren Kundschaft aus ganz Süddeutschland anlockt. Gepokert wird dort auch – aber es geht gesittet zu, genau wie beim Roulette oder beim Black Jack, bekannt auch als 17 und 4. Knisternde Spannung ist allerdings auch hier garantiert. Schließlich geht es, je nach Einsatz, um viel Geld.
„Einer gewinnt immer: entweder der Spieler oder die Allgemeinheit“, sagt der spieltechnische Leiter der Spielbank, Arno Metz. Weil in Bayern der Staat Besitzer der Spielbanken ist, fließt ein großer Teil des Gewinns in die Staatskasse, die wiederum einen Teil für gemeinnützige Zwecke in den Bereichen Umweltschutz, Denkmalpflege sowie Kultur- oder Sportförderung ausgibt. Über die Spielbankabgabe profitiert außerdem die Standortgemeinde, in diesem Fall Feuchtwangen.
Die Spielbank Feuchtwangen, auch schon mal als „mittelfränkisches Las Vegas“ bezeichnet, liegt in der Nähe des Autobahnkreuzes A6/A7 Feuchtwangen/Crailsheim. Dank der günstigen Verkehrsanbindung kommen Spieler aus Stuttgart genauso wie aus Nürnberg.
Das zweitgrößte Casino des Freistaats zieht im Jahr durchschnittlich 120 000 Besucher an, im letzten Jahr waren es sogar 125 000. Sie schätzen die festlich-elegante Atmosphäre. „Ein Besuch bei uns ist etwas Besonderes und mit keiner anderen Freizeitaktivität zu vergleichen“, beschreibt Spielbank-Direktor Thorsten Müller das Erfolgsrezept der staatlichen Einrichtung, deren Leiter der 34-jährige Diplom-Verwaltungswirt seit knapp zwei Jahren ist. Vorher war er geschäftsleitender Beamter im Markt Bechhofen.
Abbild der Gesellschaft
Arno Metz ist ein Mann der ersten Stunde. Er arbeitet seit der Eröffnung im Jahr 2000 in der Spielbank, zuerst als Croupier und seit vier Jahren als spieltechnischer Leiter. Ein Mann mit großer Erfahrung und ebenso großer Menschenkenntnis. „Den typischen Spielbank-Besucher gibt es nicht, wir sehen hier ein Spiegelbild der Gesellschaft“, so der 54-Jährige. Wie überall gäbe es Vernünftige und Unvernünftige. Die Kollegen seien im Umgang mit den Gästen geschult und würden bei Bedarf deeskalierend einschreiten. „Aber das ist nicht oft nötig“, hebt der spieltechnische Leiter hervor. Erstbesuchern erleichtere man den Start ins ungewohnte Metier. „Wir bieten zum Beispiel Spielerklärungen und nehmen die Leute an die Hand“, unterstreicht Arno Metz.
An jedem Spieltisch gibt es neben dem Croupier einen Tischchef, dazu einen Saalchef, der alles im Blick hat. „Alle sind immer ansprechbar“, betont Arno Metz. Und alle Tische sind videoüberwacht, damit es im Zweifelsfall eine unbestechliche Instanz gibt, die im übrigen deutlich effektiver arbeitet als etwa der Videobeweis beim Fußball. Wer ins Croupier-Fach einsteigen will: Die Spielbank bildet selber aus, wie Arno Metz hervorhebt.
Längst nicht alle Besucher kommen zum Selberspielen. Manche trinken an der Bar nur einen Cocktail, essen gepflegt im Restaurant und genießen „die schöne Atmosphäre“, wie Arno Metz sagt. Oder sie belassen es beim Zuschauen und verspüren dabei schon einen gewissen Nervenkitzel. Sie fiebern mit, freuen sich mit Gewinnern und leiden mit Verlierern. Beides liegt hier nah beieinander. Und das fast jeden Tag, denn es gibt im Jahr insgesamt nur neun Schließtage – etwa an Heiligabend, an Allerheiligen oder Aschermittwoch, die so genannten „stillen Tage“.
An 356 Tagen aber rollen die Kugeln, blinken die Automaten oder werden die Jetons gesetzt. Die obere Etage ist dem „großen Spiel“ vorbehalten, hier dominieren Roulette, Poker und Black Jack. Dort könnte James Bond sitzen und sich um Kopf und Kragen spielen – oder eben den Zug seines Lebens machen. In der unteren Etage dagegen vermitteln rund 200 Spielautomaten Las-Vegas-Feeling. Hier geht es zwar etwas umtriebiger und bunter zu, aber trotzdem „ruhig und gesittet, denn wir sind keine Spielhalle im Bahnhofsviertel“, so Arno Metz.
Mit den Besucherzahlen sind die Verantwortlichen „sehr zufrieden“, wie Thorsten Müller betont. Zusätzliche Besucher lockt man mit Sonderveranstaltungen an, etwa mit Krimi-Dinnern oder Kabarettabenden. Besonders beliebt ist die Silvesterfeier, an der über 1 000 Besucher bei Live-Musik ins neue Jahr feiern – und das bei freiem Eintritt. Aber auch an durchschnittlichen Samstagen kommen bis zu 600 Menschen nach Feuchtwangen. Schwer waren die Corona-Jahre, vor allem als das Casino im zweiten Lockdown rund sieben Monate geschlossen war. Aber man hat das Tief überwunden und bald wieder Fuß gefasst.
Seriosität ist dem Betreiber besonders wichtig. „Wir sind schließlich ein Staatsbetrieb“, betont Thorsten Müller. Zur Seriosität gehört auch das entsprechende Outfit des Publikums. Ohne Sakko geht nichts. Wer ohne kommt, kann sich an der Rezeption eines ausleihen. Jeder Gast bekommt eine Casino-Card, auf die er bar oder per EC-Karte Geld einzahlt.
Und jeder Besucher wird registriert, was auch dem eigenen Schutz vor ausuferndem Glücksspiel dient. Denn so können Spielsüchtige schneller erkannt werden. Schließlich ist Spielsucht ein ernstzunehmendes Problem in allen Alters- und Gesellschaftsschichten. Wer ins Casino will, muss mindestens 18 Jahre alt sein. Spielen ist aber erst ab 21 Jahren erlaubt. „Wir haben das Hausrecht und können bei Bedarf auch jemanden sperren, und das bayernweit“, so Thorsten Müller, der für rund 110 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verantwortlich ist. Sie dürfen übrigens in den bayerischen Spielbanken nicht selber spielen, weder der Chef noch die Reinigungskraft.
Die neun bayerischen Spielbanken sind miteinander vernetzt und spielen einen Bayern-Jackpot aus, dessen höchste Gewinnsumme bei einer Million Euro liegt. Der bisher höchste Gewinn in Feuchtwangen lag bei 700 000 Euro. Wer gewonnen hat? „Das wissen wir nicht, wir tracken unsere Gäste nicht“, so Thorsten Müller, der abschließend nochmals betont: „Es ist Glücksspiel. Der Ausgang wird einzig und allein vom Zufall bestimmt“. Das Glück lasse sich nicht erzwingen. abo
Weitere Informationen gibt es unter www.spielbanken-bayern.de. Infos zu den Gefahren des Glücksspiels finden sich außerdem unter www.lsgbayern.de




