Die Kraft schöner Haare
1. September 2026
Die Kraft schöner Haare
Kronen statt Kompromisse: Anja Deichmann berät mit Empathie
„Wenn die Haare nicht passen, helfen auch die schönsten Klamotten nichts.“ Diesen Satz sagt Anja Deichmann mit einem Lächeln – und aus voller Überzeugung. Denn sie weiß genau, wovon sie spricht. Geboren in München, lebt die Unternehmerin seit rund 30 Jahren in den USA, heute in Colorado. Viele Jahre arbeitete sie in Florida als erfolgreiche Immobilienmaklerin im Luxussegment. Ein gepflegtes Auftreten war dort selbstverständlich. Doch mit ihren eigenen Haaren war sie nie wirklich glücklich.
„Die hohe Luftfeuchtigkeit in Florida hat ihr Übriges getan“, erzählt sie. Das Thema begleitete sie über viele Jahre, bis sie Ende 2021 auf eine Facebookseite stieß, wo Perücken vorgestellt wurden. „Ich dachte sofort: Das sieht man ja gar nicht!“ Die Begeisterung war so groß, dass sie innerhalb von nur zehn Tagen gleich sieben Modelle bestellte.„Ich bin ein impulsiver und leidenschaftlicher Mensch“, sagt sie lachend. „Ich war sofort fasziniert.“
Doch die Freude bekam zunächst einen Dämpfer. Das Thema Zweithaar war für sie immer mit einer schmerzlichen Erinnerung verbunden. Als ihre Mutter 2008 an Krebs erkrankte, fiel der Satz: „Jetzt kommt die Perücke.“ Für Anja Deichmann war dieses Wort seitdem mit Krankheit, Verlust und einem negativen Stigma verbunden.
Als sie selbst zum ersten Mal ihr neues Zweithaar aufsetzte, passierte etwas Unerwartetes. „Ich habe in den Spiegel geschaut und vor Freude geweint.“ Gleichzeitig fühlte sie sich unsicher. „Ich kam mir wie ein Fake vor. Einerseits war ich begeistert, andererseits fühlte es sich überhaupt nicht authentisch an.“ Hätte sie nur eine einzige Perücke bestellt, hätte sie diese vermutlich sofort zurückgeschickt. Doch sieben davon lagen nun vor ihr – und sie beschloss, sich intensiv damit auseinanderzusetzen.
Neue Wege wagen
Über eine Facebook-Community lernte sie Frauen kennen, die bereits Erfahrung mit hochwertigem Zweithaar hatten. Sie tauschte sich aus, stellte Fragen und lernte Schritt für Schritt den richtigen Umgang. „Das Produkt ist komplex“, erklärt sie. „Aber nach etwa zwei Monaten fühlte es sich völlig selbstverständlich an.“
Mit der neuen Frisur kam ein neues Lebensgefühl. Sie musste morgens nicht mehr über ihre Haare nachdenken, fühlte sich sicher, selbstbewusst und konnte sich auf ihre Arbeit konzentrieren. Selbst nach einem langen Arbeitstag saß die Frisur noch perfekt.
Für Anja Deichmann war klar: Dieses Gefühl sollten viel mehr Frauen erleben dürfen. „Es wurde zu meiner Herzensmission.“ Dabei wollte sie bewusst mit alten Vorurteilen brechen. Das Wort „Perücke“ wollte sie nie verwenden. Zu negativ waren die Erinnerungen an die Erkrankung ihrer Mutter. Stattdessen gab sie ihrem Zweithaar einen neuen Namen: Kronen. „Damit schaffen wir uns ein neues positives Bewusstsein. Wir krönen uns“, so die Unternehmerin.
Im Februar 2022 gründete sie ihren Onlineshop Arwendayle. Von Beginn an ging es ihr nicht nur um den Verkauf, sondern vor allem darum, Frauen zu begleiten, Unsicherheiten abzubauen und ein neues Bewusstsein zu schaffen. Damit traf sie einen Nerv.
Heute umfasst ihre Facebook-Community („Queens of Arwendayle“) fast 3 000 Frauen, die sich gegenseitig unterstützen, Erfahrungen austauschen und Neulingen den Einstieg erleichtern. Auch ihre Kundschaft entwickelte sich überraschend. Obwohl Anja Deichmann in den USA lebt, kamen rund 90 Prozent ihrer Kundinnen aus Deutschland. In den vergangenen vier Jahren führte sie rund 800 persönliche Videoberatungen durch. „Was ich selbst am Anfang durchgemacht habe, soll keine andere Frau erleben müssen“, sagt sie. Aus ihren eigenen Erfahrungen entwickelte sie ein Beratungskonzept, das Frauen Schritt für Schritt Sicherheit im Umgang mit ihrer neuen Krone vermittelt.
Dass ausgerechnet Rothenburg einmal zum Mittelpunkt ihres Unternehmens werden würde, war ursprünglich nicht geplant. Schon 2021 besuchte sie die Stadt zum ersten Mal. Als Liebhaberin des Mittelalters, der Renaissance, alter Schlösser und historischer Architektur war sie sofort begeistert.
Bei einem weiteren Besuch im Juli 2025 entdeckte sie zufällig einen Aushang: In der Unteren Schmiedgasse wurde ein Nachmieter für ein Ladengeschäft gesucht. Zurück in Colorado ließ sie der Gedanke nicht mehr los. Gemeinsam mit ihrem Mann traf sie schließlich eine Entscheidung: Im April 2026 eröffnete Arwendayle das erste stationäre Geschäft in Rothenburg.
Heute warten dort zwischen 70 und 100 verschiedene Kronen auf ihre Trägerinnen. Ob Echthaar oder hochwertige Kunstfaser, glatt oder lockig, blond, braun oder gesträhnt – die Auswahl ist groß. Besonders wichtig ist Anja Deichmann die Qualität. Da macht sie keine Kompromisse. Die Hersteller sind in den USA, gefertigt werden die Kronen unter anderem in Indonesien, Vietnam und China. Viele Modelle besitzen handgeknüpfte Monofilament-Kappen, bei denen jedes einzelne Haar sorgfältig eingearbeitet wird. Allein die Herstellung einer solchen Kappe dauert bis zu 28 Tage.
Das Ergebnis überzeugt. Der Scheitel kann individuell verändert werden, die Kopfhaut scheint natürlich durch und die Kronen sitzen angenehm leicht. „Eine Baseballkappe ist heißer“, erklärt Anja Deichmann. Dabei richtet sich ihr Angebot keineswegs nur an Frauen mit gesundheitlichen Problemen. „85 Prozent meiner Kundinnen brauchen medizinisch gar keine Krone“, sagt sie. Nur etwa 15 Prozent kommen wegen Alopezie oder einer Chemotherapie. Die meisten wünschen sich einfach schöne, volle Haare – ohne stundenlanges Styling, ohne Bad Hair Days und mit einem guten Gefühl.
Für jede Beratung nimmt sich Anja Deichmann rund zwei Stunden Zeit. Sie erklärt das Aufsetzen, gibt Pflegetipps und begleitet ihre Kundinnen so lange, bis sie sich sicher fühlen. Denn am Ende geht es ihr um weit mehr als Haare. Kronen sind ein mächtiges Beauty-Produkt. Es geht um Selbstvertrauen. Um Leichtigkeit. Und da-
rum, dass Frauen sich jeden Morgen beim Blick in den Spiegel wieder rundum wohlfühlen. Genau deshalb sind ihre Haarteile für sie keine Perücken. Sondern „eine Krone für jede Königin“. am




