Cowboy aus Hohenlohe

1. Juli 2026

Cowboy aus Hohenlohe

Flo Rider spielt Country-Musik

Er trägt Jeans, Muskelshirt und Westernboots. Aufgewachsen ist der 34-Jährige auf einem Bauernhof mit erfolgreicher Rinderzucht. Als Country-Musiker zieht er das Publikum in seinen Bann. Kurz gesagt: Wenn es einen echten Hohenloher Cowboy gibt, dann ist es Flo Rider. So nennt sich Florian Hanselmann auf Social Media schon seit 20 Jahren. Nie hätte er gedacht, dass er unter diesem Namen einmal Songs schreiben und auf Bühnen stehen würde. Flo Rider ist keine Kunstfigur. „Privat habe ich denselben Kleidungsstil.“

Biegt er ums Eck, zieht er die Blicke magisch an: 1,93 Meter groß, die Arme voller Tattoos, breites Lächeln im Gesicht. Hauptberuflich arbeitet Florian Hanselmann als Industriemechaniker im Sortiergerätebau. Gerade ist er von einer Geschäftsreise aus Virginia zurückgekehrt. Es fasziniert ihn, wie die US-Amerikaner hinter ihrem Land stehen. Nashville, die Metropole der Country-Musik, will er auf jeden Fall noch besuchen.

Von seinem Garten in Blaufelden-Wittenweiler blickt Flo Rider auf ein geradezu klischeehaftes Panorama: Weiter Himmel, sattgrüne Felder und eine Lagerfeuerstelle. Er erzählt, wie er im Alter von zehn Jahren mit dem Gitarrenunterricht begann. Als Jugendlicher verlor er kurzzeitig das Interesse, bis ein Bekannter einen Sänger für seine Hardrock-Band suchte. Das passte zu Hanselmanns damaligen Musikgeschmack und plötzlich fand er sich am Mikrofon wieder.

Seine ersten Gesangsversuche kamen auf Social Media nicht bei allen gut an: Er hatte ein Video gepostet, verknüpft mit der Frage: „Mehr davon oder besser nicht?“ Ein Drittel wählte letzteres. Hätte er sich davon entmutigen lassen, wären ihm und seinem Publikum großartige Momente entgangen. Er grinst: „Ich hab‘ schon immer mein eigenes Ding gemacht.“ Heute hat er auf Instagram 11 500 Follower.

Florian Hanselmann griff wieder zur Gitarre, übte unermüdlich und verbrachte viel Zeit mit musikaffinen Freunden. Er wurde Frontman der Coverband „Die Bagasch“, mit der er nach wie vor auf Hochzeiten spielt – quer durch alle Stilrichtungen. Darunter Klassiker von John Denver und Bob Dylan.

Country trifft Pop und Rock

Im Laufe der Zeit fand er zunehmend Gefallen an moderner Country-Musik, auch New Country genannt, angereichert mit Pop und Rock-Elementen. „Country ist für mich ein tieferes Gefühl“, schildert er und zählt auf: „Freiheit, Liebe und Leidenschaft.“

Für seine Braut, eine blonde Schönheit namens Susan, überlegte er sich ein einzigartiges Hochzeitsgeschenk: Nach monatelanger Arbeit vollendete er im Februar 2024 seinen ersten Song „Sue“. An der standesamtlichen Trauung begleiteten ihn einige Hochzeitsgäste mit ihren Instru­menten. Die Anwesenden waren begeistert, besonders die frischgebackene Ehefrau natürlich.

Es entstanden zehn weitere Songs. Im Frühjahr 2025 startete Flo Rider seine Solokarriere. Eine dreiköpfige Band unterstützt den Akustik-Gitarristen: Keven Ugurlu am Schlagzeug, Sven Gackstatter alias Stan Svenson an der E-Gitarre, Johannes Knoke an Bass und Piano. „Wir sind ein Team, aber ich treffe die Entscheidungen und trage die Verantwortung“, sagt er selbstbewusst. Flo Riders Stimme hat einen besonderen Sound. Mal sanft, mal kraftvoll, oft mit einer kratzigen Note. Er nutzt jede freie Stunde, um an seiner Gitarre Riffs und Akkorde zu üben.

Mitte Mai ist sein jüngster Song erschienen: „Turn around“ handelt von Enttäuschungen und der Frage, ob man sich mit den richtigen Menschen umgibt. „Würde ich mich noch einmal für sie umdrehen?“

Da seine Eigenkompositionen bisher keine zweistündige Show füllen, covert er mit der Band Hits wie „Blinding Lights“ von The Weeknd oder „Hey Hey, My My“ von Neil Young.

Er wirft einen Blick in den Kalender: „Im Sommer spielen wir fast jedes Wochenende.“ Zu den Auftritten fahren sie gemeinsam im VW Tiguan mit Anhänger. Mit an Bord ist seine Frau Susan, die sich ums Merchandising kümmert. Es gibt Caps und T-Shirts mit Flo-Rider-Aufdruck.

Vor kurzem spielten sie beim Trucker- und Country-Festival in Geiselwind. Das Online-Portal countrymusicnews.de schrieb: „Flo Rider sorgt für Aufmerksamkeit – eine Perle inmitten des Festivals.“ Und an anderer Stelle: „Kaum ein nationaler Künstler steckt derzeit so viel Energie in seine Musik.“ Highlight war für ihn das Zusammentreffen mit Tom Astor („Take it easy – nimm’s leicht“ und „Junger Adler“), der auf derselben Bühne stand.

Taubertal-Festival als Ziel

„Deutschland wird offener für Country“, beobachtet Flo Rider. „Das Publikum wird jünger.“ Seine Fans sind zwischen 25 und 35 Jahre alt. Kürzlich in Köln erfüllte er rund 50 Autogrammwünsche.

Einen wichtigen Preis gewann er mit seiner Band bei den Country Music Awards in Pullman City, der bekannten Westernstadt im niederbayerischen Eging am See. Rund 20 Acts präsentierten sich dort. Flo Rider erreichte auf Anhieb den zweiten Platz in der Kategorie Modern Country. „Es war cool mitzumachen“, blickt er zurück.

Ein großer Wunsch ging nicht in Erfüllung: Gerne wäre er dieses Jahr auf dem Taubertal-Festival aufgetreten. „Das habe ich leider nicht geschafft“, obwohl er sich über verschiedene Kontakte intensiv bemüht hatte. Doch der aufstrebende Künstler gibt nicht auf und hofft, dort nächstes Jahr auf der Bühne zu stehen.

Im August gehen Flo Rider und seine Band erstmals auf Tour. Die Musiker machen Station in Städten wie München, Berlin, Hamburg und Hannover.

Nach ihrer Rückkehr sind sie garantiert um viele Erfahrungen reicher und bereit fürs Taubertal-Festival 2027. sab

Seine Songtexte handeln von Freiheit, Leidenschaft und Liebe. Florian Hanselmann greift in jeder freien Stunde zur Gitarre. Foto: sab
Ein starkes Team (von links): Johannes Knoke, Keven Ugurlu, Flo Rider und Stan Svenson. Foto: privat

Weitere interessante Beiträge

über Rothenburg ob der Tauber & Umgebung

Ausgabe

Zusätzliche ROTOUR-Beiträge und weitere spannende Informationen finden Sie hier:

Zusätzliche ROTOUR-Beiträge und weitere spannende Informationen finden Sie hier:

Hinterlassen Sie ein Kommentar