Raum für Fantasie
1. Oktober 2026
Raum für Fantasie
Maria Semmer öffnet ihr Atelier
Papiere, Farben, Druckerpresse, fertige Cyanotypien, hölzerne Hände, ein Tütü und jede Menge Krimskrams: Zwei Räume sind miteinander verbunden und wirken wie ein kreatives Labor. Und dann ist da noch der Dachboden: ein verwunschener Ort voller alter Koffer, Knochen, Handpuppen, Steckenpferde und Fundstücke. Wer das Atelier von Maria Semmer in der Klostermühle in Kloster Sulz (Klosterweg 2) betritt, merkt schnell: Hier darf sich Fantasie entfalten.
Seit 2023 arbeitet die Künstlerin in diesem Atelier mitten im Ort. Bisher eher still und zurückgezogen, öffnet sie die Türen nun erstmals für Besucher. Am 18. Oktober von 11 bis 17 Uhr kann man einen Blick in die Räume werfen und kennenlernen, was hier entsteht. Ab Herbst sollen außerdem verschiedene Kurse hinzukommen.
Das Atelier ist dabei genauso vielseitig wie die Künstlerin selbst. An der Druckerpresse entstehen Arbeiten in unterschiedlichen Verfahren. Eines davon ist die Cyanotypie, auch Eisenblaudruck genannt. Dabei wird lichtempfindliches Material mit Sonnenlicht oder einer UV-Lampe belichtet und entwickelt sich zu einem charakteristischen Blau. „Man kann den Druck dann mit Kaffee, grünem Tee oder Walnussschale färben“, erklärt Maria Semmer. Gedruckt wird auf Aquarellpapier. Hinzu kommen Linoldruck und Schablonenkunst. Auch Schablonengraffiti möchte Semmer in ihren Kursen vermitteln – ganz à la Banksy. Die Teilnehmer lernen, wie eine Schablone entsteht und daraus schließlich ein eigener Druck wird. Semmer kann sich ein- oder zweitägige Workshops ebenso vorstellen wie Kurse über mehrere Einheiten. Ein Konzept, das nicht in Stein gemeißelt ist und sich entwickeln darf. „Die Idee schwebt mir schon lange vor“, sagt Maria Semer, die seit einigen Jahren als Kunstlehrerin in Schulen in der Region im Einsatz ist.
Die ursprüngliche künstlerische Heimat von Maria Semmer ist die Fotografie. Sie studierte an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule in Nürnberg, und bereits während des Studiums wurde die inszenierte Fotografie zu ihrer kreativen Kernidee. Seit 2001 entwickelt sie fotografische Arbeiten, in denen eigene Welten entstehen.
Besonders bekannt sind ihre „Traumballaden“. Die Bilder entstehen im Wasser eines Sees in der Region und erzählen mit ihren eigentümlichen Figuren, Farben und Szenerien Geschichten zwischen Traum und Wirklichkeit. Über die Jahre kamen weitere Serien hinzu. Ihre jüngsten Arbeiten tragen den Titel „Am Rande von Zeit und Welten“.
Für diese inszenierten Fotografien wird der Dachboden ihres Ateliers zur Bühne. Die Gegenstände, die dort lagern, werden zu Requisiten und Bestandteilen neuer Bildwelten. Aus einer Grundidee entwickelt sich so schrittweise eine Fotografie.
Semmers Arbeiten finden internationale Beachtung und wurden mit zahlreichen Auszeichnungen prämiert, darunter der internationale ND Award 2025 und der Siena Creative Photo Award 2025. Die Künstlerin wird exklusiv von der Galerie Andrea Ingenito Contemporary Art in Neapel vertreten, wo sie 2025 eine Einzelausstellung hatte. am




