Die Urzellen der Zweiräder – Ein Museum zur frühen Geschichte des Motorrades in Deutschland Aug08


Die Urzellen der Zweiräder – Ein Museum zur frühen Geschichte des Motorrades in Deutschland

Jeden Sonntag steht vor einem ganz normalen Einfamilienhaus in Hetzweiler (zwischen Kloster Sulz und Leutershausen gelegen) ein Schild mit Hinweis auf das „Motorradmuseum Frankenhöhe“. Ein Tipp: Halten Sie an und gehen Sie hinein.
Im Keller seines Hauses, dort wo sonst Gästezimmer, Hobbyraum und Waschküche sind, hat Heinz Vogel sein (gut gesichertes) Motorradmuseum eingerichtet, das er seit 25 Jahren immer sonntags öffnet. Zu sehen gibt es die frühe Geschichte der Entwicklung des Motorrads, ungefähr ab dem ersten Weltkrieg.
Etwa 50 Motorräder, die meisten in fertigem Zustand, manche noch in Bearbeitung, sind technische Zeitzeugen, die die Herzen von Oldtimerfreunden höher schlagen lassen. Eng an eng stehen die Karossen in den sechs Räumen, teilweise von beschrifteten Infotafeln begleitet.
Heinz Vogel ist kein Easy-Rider mit Lederjacke und saloppen Sprüchen – sondern ein akribischer Technikfan. Früher war er selbstständiger Elektriker, nun widmet er sich ganz seiner Leidenschaft: der Motorradgeschichte. Die technischen Raffinessen, die Entwicklung der Modelle deutscher Motorradhersteller, die Verknüpfung aus Kriegsende und Firmen, die aufgrund der obsolet gewordenen Flugzeugproduktion auf Motorradherstellung umgesattelt haben, faszinieren ihn.
Das älteste Modell im Museum ist ein „Wanderer“-Heeresmodell aus dem Jahr 1914, das einst im Museum in Holland stand. Zu jeder Maschine weiß Heinz Vogel eine individuelle Geschichte. Eine „Wimmer 200“, Baujahr 1928 hat er aus lauter Einzelteilen selbst zusammengebaut, bei einem „Opel“-Motorrad mit roter Satteldecke und roten Reifen ist er noch am Puzzeln.

Eine Zündapp K500 von 1934. Auf dem längs angebrachten Nummernschild ist der rote Befähigungswinkel zu sehen. Damit war der Fahrer berechtigt Sprit zu bekommen, der sonst nur der Wehrmacht zustand. Foto: am

Eine Zündapp K500 von 1934. Auf dem längs angebrachten Nummernschild ist der rote Befähigungswinkel zu sehen. Damit war der Fahrer berechtigt Sprit zu bekommen, der sonst nur der Wehrmacht zustand. Foto: am

Jahrelange Teilesuche
Auf Teilemärkten in ganz Europa, von England bis Österreich, ist er auf der Suche nach den historischen Teilen. Authentizität und eine unverfälschte Optik, die die Spuren der Zeit nicht zu vertuschen versucht, liegen ihm am Herzen. Bis es ein Motorrad von seiner Werkstatt in sein Museum schafft, vergehen schon mal Jahre.
Die Namen der Motorradhersteller, die in der Ausstellung vertreten sind, blicken auf die Basis der deutschen Motorradindustrie: DKW, Cockerell, Triumph, D-Rad (Deutsche Industriewerke Berlin), Ardie (eine Nürnberger Firma gegründet von Arno Dietrich), Imme, Viktoria, Adler und natürlich NSU.
Die jeweils außergewöhnlichsten Modelle der Motorradgeschichte stehen im Keller in Hetzweiler, darunter die erste NSU nach dem ersten Weltkrieg von 1921.
Viel Charme versprühen die Maschinen, deren Motorblock dereinst recht luftig gestaltet war. „Für echte Oldtimerliebhaber ist ein offener Viktoria-Motor eine Augenweide“, sagt Heinz Vogel und erklärt an einem Modell, wie die Ventile und Schwingscheiben funktionieren.
Rund um die technischen Zeitzeugen, die vielfach fahrbereit sind, sind in der Ausstellung zahlreiche Sammelobjekte aus der jeweiligen Epoche zu sehen.
Hilfsmotoren für Fahrräder, ein NSU-Fahrrad mit Zulassung in Rothenburg oder eine seltene Adler Rennmaschine ergänzen die Sammlung. am

Info: Motorrad-Museum Frankenhöhe, Weiherstraße 16, 91578 Leutershausen-Hetzweiler. Geöffnet immer Sonntags von 10 bis 17 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung (Tel. 09868-1748 bei Heinz Vogel). Führungen für Gruppen auf Anfrage möglich. Der Eintritt ist frei, ein Obulus gerne gesehen.