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| Reinhardt Markon mit seiner Schafherde und den Hütehunden. | Der Schäfer am Wegesrand. Eine der letzten Idyllen. Entspannt lehnt er an seinem Stab, genießt die Ruhe und klare Luft, begleitet vom harmonischen Blöken der Tiere. Ein Traumjob? „Eher ein harter Job“, sagt Reinhard Markon lächelnd. Seit fünf Jahren ist er mit seiner Schafherde zwischen Insingen, Diebach, Lohr, Rothenburg, Vorbachtal, Neuweiler zu sehen. Die Wintermonate verbrachten die Schafe im Stall bei Insingen.
„Rund 600 Schafe und 100 Hektar Weidefläche benötigt man mindestens, um das Geschäft richtig zu betreiben“, erzählt der Schäfer. Er und seine Frau Antje kamen mit den beiden Kindern aus dem Schwarzwald nach Franken. „Im Schwarzwald kann eine Schafherde schon mal 3000 Tiere umfassen“, erzählt Reinhard Markon. Er selbst hält 625 Schafe und ungefähr sechs Schafböcke, was für die Schafzucht in der Frankenhöhe schon eine stattliche Anzahl ist.
Der Traumjob ist längst zum harten Alltag geworden, aber Antje Markon erinnert sich an ihre Anfangszeit: „Ich habe damals noch als Verkäuferin gearbeitet und war immer froh, wenn ich nachmittags mit meinem Mann mit der Herde ziehen konnte. Das hat etwas Beruhigendes. Für mich ist es ein Ruhepol.“
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| Hügeliges und schwer zu pflegenedes Gelände ist Weidefläche für Schafe. | Straffer Tagesplan
Der Tagesablauf lässt jedoch nicht viel Zeit für die Idylle: Im Sommer geht es morgens um 8 Uhr zu den Tieren, die während der Nacht mit Elektrozäunen eingepfercht werden. Der Schäfer zieht mit den Schafen bis Mittag über die Hutungen oder Magerwiesen. „Über Mittag mache ich im Sommer dann das Heu für den Winter. Die Tiere müssen dann ja im Stall gefütert werden“, beschreibt Reinhard Markon seinen Arbeitstag. Ab 14 Uhr bis in den späten Abend, je nach Sonnenstand, zieht der Schäfer dann wieder mit der Herde über die Gemarkungen. „Ungefähr zwei- bis dreimal im Jahr laufen wir das ganze Gebiet ab“, erklärt Antje Markon.
Die größte Distanz zu den Schafweiden beträgt bei den Markons rund zwei Stunden Fußmarsch. Da heute auch Schäfer unter Zeitdruck stehen, wird in diesem Fall am Morgen ein Auto vor Ort geparkt.
Die augenscheinliche Idylle muss bestens organisiert sein, damit eine Familie davon leben kann. Strategisch ausgetüftelt ist daher auch der Nachschub an Lämmern. „Wir richten es so ein, dass es das ganze Jahr über Lämmer gibt“, erklärt Reinhard Markon. Sechs Schafböcke sind dafür zuständig. Je nach Bedarf werden die männlichen Tiere zu den weiblichen gelassen. In einer Schafherde funktioniert alles noch auf natürlichem Weg.
Ein hartes Leben
„Ein Bock deckt mehr als 50 Mutterschafe“, erklärt der Schäfer und fügt schmunzelnd an: „Das ist kein Vergnügen mehr, das ist harte Arbeit.“
Nach fünf Monaten zeigt sich, ob die Böcke gute Arbeit geleistet haben. Schon nach kurzer Zeit sind die neugeborenen Lämmer in der Lage, mit der Herde zu ziehen. Ruck, zuck schnappt sich Reinhard Markon ein kleines Lamm und legt es in den Arm. „Die Scheckigen hat er am liebsten“, sagt seine Frau verstohlen, und für einen Moment steht die Zeit still. „Früher waren die Schafe das ganze Jahr über draußen“, erinnert sich der Schäfer. Aber mittlerweile gibt es jede Menge Vorschriften, die eingehalten werden müssen.
Vom Lammfleisch allein können Schäfer längst nicht mehr leben. Subventionen und Fördermittel der Europäischen Union sind heute fester Bestandteil der Überlebensstrategie. Die Landschaftspflege der Schafhaltung wird zunehmend mehr beachtet und honoriert.
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| Zu einer Schafherde gehörten auch Ziegen, die die dornigen Büsche und Hecken auf den Wiesen abknabbern. | Ökologischer Nutzen
Durch die Schafweide werden schwer zugängliche Flächen und empfindliche Ökosysteme im Kulturstand gehalten. Daher finden sich in einer Schafherde auch immer einige Ziegen. Reinhard Markon erklärt: „Wenn wir fünf Prozent der Schafherde in Ziegen mitführen, bekommen wir extra Fördermittel, da die Ziegen verbuschte Areale zurückdrängen oder Schwarzdorn fressen.“
Die Produktion von Lammfleisch ordnet sich immer mehr unter. Die deutschen Schäfer produzieren nur 50 Prozent des heimischen Bedarfs. Die andere Hälfte kommt aus Neuseeland oder Australien, die einfach kostengünstiger sind. „Weihnachten und Ostern sind natürlich unsere Hochzeiten“, erklärt Reinhard Markon. Seine Lämmer bringt er zum Schlachthof nach Schwäbisch Hall. Bei Wunsch erhält man auch ganze oder halbe Lämmer beim Schäfer direkt (Reinhard Markon, Telefon: 09869-978260).
Auch die Wolle der Schafe ist heute keine sprudelnde Einnahmequelle mehr, sondern eher ein „Draufzahlgeschäft“. „30 Cent bekomme ich für ein Kilo Wolle. Ein Merinoschaf gibt drei bis fünf Kilo Wolle“, sagt Reinhard Markon und fügt mit Blick auf seine wolligen Schäfchen an: „Und 2,10 Euro kostet mich ein Scherer pro Schaf.“ Seine Frau steht daneben, zuckt die Schultern und sagt: „Aber die Wolle muss eben runter.“
Allen Unkenrufen zum Trotz, gehören Schäfer und Herde seit jeher zum traditionellen Bild der Region rund um die Frankenhöhe und sind auch in Zukunft nicht wegzudenken. Neue Vertriebswege und Aktionen wie das rund um Ostern stattfindende „Frankenhöhe Lamm“ sorgen mit neuem Bewusstsein für eine qualitativ hochwertige Vermarktung der heimischen Lämmer. Vom 12. März bis 11. April bieten ausgewählte Metzgereien, Gasthäuser und die Schäfer selbst Produkte von heimischen Schafen an (Informationen unter www.lpv-mfr.de).
Besondere Schäfchen
Gute 10 bis 12 Jahre lang kann ein Mutterschaf gesunde Lämmer werfen. „Ich behalte meine Tiere möglichst lange“, sagt der Schäfer und zeigt auf einige beson-dere Exemplare. Eines hat geschwungene Hörner, das andere einen fleckigen Kopf, das nächste fast weißes Fell. Irgendwie scheinen ihm trotz aller Beschwerlichkeiten seines Berufes die Tiere ans Herz gewachsen zu sein.
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| Reinhardt Markon mit einem scheckigen Schaf (links) und zwei Lämmer, die gerade mal zwei Stunden alt sind. | |
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