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ROTOUR - Das Stadtmagazin für Rothenburg und Umgebung
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Und wenn der tödliche Schuss abgegeben worden war, und der feindliche Geselle noch nicht bezwungen war, schlug der Besitzer dieser Pistole einfach mit dem schön geschmückten Knauf weiter zu. Im Reichsstadtmuseum ist mit der mehr als umfangreichen Stiftung Baumann eine bedeutende Waffen- und Kunstsammlung zu sehen, die ihresgleichen sucht. Hermann Baumann, ein Rothenburger Unternehmer und Kunstmäzen, hat seine Exponate in eine öffentliche Stiftung überführt und der Stadt vermacht. Im Reichsstadtmuseum, das in den Räumen des 1258 gegründeten Domini­kanerinnenkloster untergebracht  ist, ist seine komplette Sammlung zu sehen.

Oben: Die Radschlossbüchse für die Klingenwacht, archiviert mit der Nummer 14, stammt aus dem Jahr 1710 und wurde vom Rothenburger Büchsenmacher Hans Wendel Meichsner gefertigt.
Waffen erzählen Geschichten Wertvolle alte Schlösser, Fayencen und eine Zinn- und Modelsammlung rahmen die Waffensammlung ein, die von steinzeitlichen ersten Versuchen der Verteidigung über wehrhafte Kunstfertigkeiten der einfachen Bauern, historischen Kriegs- und Schutzwaffen bis hin zum diplomatischen Waffengeschenk alles parat hält.
Die Anzahl der Exponate ist kaum festzumachen, geht der Sammler doch bereits über 50 Jahre seiner Passion nach. Die historischen Kriegswaffen sind in modernen Vitrinen im Dormitorium ausgestellt. Das Dormitorium wurde 1482 erbaut und diente als Schlafsaal der Nonnen. In spiegelverkehrter Schrift ist das Erbauungsdatum an der Fens­terfront in Stein gemeißelt. Ein kunstvoller Trick der  Architekten.

Im ersten Moment fällt die Auswahl schwer, welcher Vitrine oder Gruppierung man sich zuerst widmet. Anhand kleiner Tafeln und Beschriftungen an der Glasfront, werden die Objekte in ihre Entstehungszeit verortet. Zur Zeit des Bauernkriegs (1525) durften die Bauern offiziell keine Waffen besitzen.

Kleine Pfeile - große Wirkung

In der Ausstellung kann man eine Reihe Hellebarde (oder auch Helmbarte genannt) sehen, die in einfachen Ausführungen von den Bauern selbst aus Sicheln gefertigt wurden.  Rapier, Degen und Pallasch, Turnierwaffen, eine komplette Ritterrüs­tung aus dem 15. Jahrhundert und massive Schwerter führen weiter durch die Sammlung.

Die Hieb-, Stich- und Schlagwaffen stam­men von berühmten Waffenschmieden aus Solingen, Passau oder Suhl. Manche der Waffen sind mit filigranen, eisernen Korbgeflechten über dem Griff (eine spanische Sonderheit) geschmückt. Es sind die Geschichten, die den Objekten anhaften, die für den Sammler manchmal von höherer Bedeutung sind als der reine Materialwert. 

Museumsdirektor Dr. Hellmuth Möhring weist auf ein unscheinbar wirkendes Ritterschwert mit Holzgriff. Erst auf den zweiten Blick zeigt sich eine arabische Inschrift.
„Das war vermutlich das Schwert eines Europäers, der sich in das Heilige Land
begeben hat”, erklärt er. „Dort haben die Mamelucken das Schwert erbeutet und
in das Waffenarsenal von Alexandria geschafft. Die Inschrift stellt eine Archivierung aus dem 14. Jahrundert dar.” 

Links: Museumsleiter Dr. Hellmuth Möhring zeigt ein seltenes Schreibzeug aus der Fayencenmanufaktur in Ansbach.
Hermann Baumann, Chef einer Metallwarenfabrik mit 120 Mit­arbeitern und von der Historie fasziniert, hat in seiner Sammlung auch die Entwicklung der Feuerwaffen bedacht. An den Gewehren mit riesigen Läufen, die ein Mann wohl kaum tragen konnte, ist nicht nur die Größe beeindru­ckend, sondern der genaue Blick gebürt dem Zündungsmechanis­mus. Von der Wallbüchse mit Luntenschloss (hier konnte der Feind noch die ‘Lunte riechen’), über das Radschloss (wurde wie eine Uhr aufgezogen und schreckte durch sein Ticken Feinde auf)  und das Steinschloss oder die Flinte (der Name leitet sich aus dem dazu nötigen Flintstein ab) bis zum Perkussionsschloss, der letzten Entwicklung vor der Patrone, geht der historische Abriss.

Eine ganz besondere Rarität stellt ein Faust­rohr aus dem 14. Jahrhundert dar.  Aus einem aus Eisen gegossenen Lauf mit Zündloch für die Lunte wurde wahrlich aus der Hand abgefeuert.  Wo jene Seltenheiten der menschlichen  Kampfeslust noch zu finden sind, bleibt ein Geheimnis des Sammlers. Klar ist jedoch, dass es in der Sammlung Baumann mit geneigtem Blick viele Schätze zu entdecken gibt.


Waffen aus der Steinzeit. Der neueste Teil der Sammlung gibt einen Überblick über vor- und frühzeitliche Waffen. Speerspitzen aus der Steinzeit (ca. 100000 v. Chr.) verdeutlichen die
handwerklichen Fertigkeiten unserer frühesten Vorfahren, und die gezeigten Wikingerschwerter aus dem 9. und 10. Jahrhundert  dürften, neben einem Exemplar im Germanischen National­museum in Nürnberg, ihre nächsten Art­genossen erst wieder in Schweden finden.
Die römischen Speerspitzen hatten eine tückische Ladung im Gepäck.


Jede Menge Historie und Spitzfindigkeiten in der Kampftechnik lassen sich an den einzelnen Exponaten ablesen. So lehnen drei un-
scheinbare Eisenpfeile mit bräunlichen
Klumpen am Ende in einer Vitrine. Die sogenannten Plumbate sind römische Speer-
spitzen, die die Schilder der Feinde nicht durchdringen, sondern nur stecken bleiben sollten. Die Bleienden (durch die Jahrhunderte  braun verfärbt) beschwerten die Schilder derart, dass die Kämpfer den Abwehrschutz nicht mehr halten konnten und somit wehrlos waren.


Duellpistolen von Fürst Metternich: Ein politisches Geschenk von Ludwig XVIII.
Mit etwas fachkundiger Erklärung wird so ein Museumsbesuch zur kurzweiligen Reise durch die Geschichte. Und wenn ein Museum  dann mit den schmuckvollen Jagdwaffen im stuckreich ausgeschmückten Festsaal auch noch Höhepunkte wie das Jagdensemble der französischen Königin Marie Antoinette, das (mit Sicherheit heftig benutzte) Jagdgewehr von Friedrich dem Großen oder die Duellpistolen von Fürst Klemens von Metternich aufweisen kann, dann muss das Reichsstadtmuseum Rothenburg mit der Stiftung Baumann den Vergleich mit weit größeren Häusern nicht scheuen.

Mit jedem Schuss ein Treffer

Die Waffensammlung im Reichsstadtmuseum offenbart dem Interessierten so manches Schmuckstück

Fein ziselierte Intarsien schmücken die Pistole kunstvoll aus. Fast wäre man geneigt, in dem Austellungsobjekt eine optische Zierde zu vermuten. Aber weit gefehlt.
Der runde Knauf am Ende ist der Schulterknochen eines Tieres. Die Intarsien sind kunstvolle Beineinlagen aus Knochenmaterial.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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